Wiederaufbau des Palais Nesselrode an der Schulstrasse 4 im Jahre 1966

Geschichte des Hetjens

Laurenz Heinrich Hetjens wurde am 16. Juli 1830 in der Citadellstraße unweit des heutigen Museums geboren. Nach einer Sattlerlehre, die er mit 12 Jahren begann, trat Hetjens als Sattler- und Polstergeselle in die Königliche Preußische Postwagengesellschaft in Düsseldorf ein.

Als Handwerksgeselle auf Wanderschaft ging er nach Aachen und brachte es im Laufe der Jahre als technischer Direktor der ersten Gasmanufaktur zu Ansehen und Wohlstand. In diesem industriellen Kontext lernte Hetjens die 14 Jahre ältere, begüterte Witwe Maria Catharina Regnier kennen. Diese Bekanntschaft führte 1866 zur Heirat, die mittelbar die Grundlage des heutigen Deutschen Keramikmuseums wurde. Hetjens zog sich weitgehend aus den Geschäften zurück, um sich seinen eigentlichen Leidenschaften dem Sammeln von Kunst und der Forschung widmen zu können.

Seine Vorliebe galt dem rheinischen Steinzeug der Gotik, der Renaissance und des Barock. Laurenz Heinrich Hetjens erwarb bedeutende Stücke im Kunsthandel, nahm selbst an Ausgrabungen teil und entwickelte sich durch seine Forschungen zu einem anerkannten Experten. Auf gesellschaftlichem und intellektuellem Parkett in Aachen eher unbekannt, wurde Hetjens Urteil zu keramischen Sammlungen europaweit eingeholt bis hin zum preußischen Kaiser.

Als Laurenz Heinrich Hetjens im Jahre 1906 starb, hatte er seine gesamte Hinterlassenschaft akribisch in einem Testament aufgelistet. In einem Nachtrag verfügte er eine postume Stiftung seiner umfänglichen Kunstsammlungen, die Bereitstellung von 150.000 Goldmark zur Errichtung eines eigenen Museums, das auf ewig seinen Namen zu tragen habe und die Hinterlassenschaft von beträchtlichen Immobilien und Wertpapieren.Als Universalerbin wurde seine Vaterstadt Düsseldorf eingesetzt mit der Maßgabe, dass innerhalb eines Jahres mit dem Bau für ein Museum begonnen werde, andernfalls werde die Stadt Köln als Nacherbin eingesetzt. Der Erfolg war, dass in Düsseldorf ein Museumsbau so schnell beschlossen wurde, wie zu keiner anderen Zeit.

 

Der erste Standort des Museums lag am nördlichen Ende des Kunstpalastes von 1902. Mit der Gründung der Städtischen Kunstsammlungen im Jahre 1913 wurden die keramischen Bestände aus dem Centralgewerbeverein dem Hetjens-Museum zugeordnet. Als im Zuge der Planungen für die Gesolei das Kunstgewerbemuseum aufgelöst wurde, gingen die Objekte aus Keramik an das Hetjens-Museum, während alle anderen Materialien im Kunstmuseum untergebracht wurden.
Mit der Reorganisation der Museen nach der Gesolei 1926 wurden die Weichen neu gestellt: Das Hetjens-Museum entwickelte sich zu einem Spezialmuseum für Keramik. Durch Ankäufe und Schenkungen, die im Laufe der Jahre die ursprüngliche Sammlung Hetjens ergänzten, litt das Museum schon seit 1913 unter kolossaler Raumnot. Abhilfe schuf der Umzug in das Palais Nesselrode 1969.
1707 vom bergischen Geschlecht der Nesselrode an der Citadellstraße erworben, diente das Palais der Familie als Stadtwohnsitz. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden verschiedene Nutzer des Hauses nachgewiesen, bis Helmut Hentrich in den Jahren 1964 bis 1968 die Idealrekonstruktion des im Krieg zerstörten Palais Nesselrode nach den Plänen von 1775 besorgte.
Die schon bald wieder dringend benötigte größere Ausstellungsfläche erhielt das Hetjens-Museum durch einen Erweiterungsbau, der zur Hälfte das Filmmuseum beherbergt. Eröffnung dieser Erweiterung war im Mai 1994, zum 85. Geburtstag des Hetjens-Museums. Der 90. Geburtstag des Museums bescherte ihm nun wieder einen eigenen Eingang zwischen den beiden Gebäuden.