Unterlagen für Beobachter: Meldebogen, Handbuch, Tagebuch

Es handelt sich um weit verbreitete Pflanzen, die teils schon seit mehr als 100 Jahren wissenschaftlich beobachtet werden, zum Beispiel Löwenzahn, Forsythie, Birke, Schwarzer Holunder, Schneeglöckchen und verschiedene Obstbäume. Kolleginnen aus dem Kinderhilfezentrum notieren bei ihren zeitweise täglichen Rundgängen phänologische Phasen wie das Datum der Knospung, der Blüte oder der Fruchtreife. Mit Hilfe der parallel erhobenen Wetterdaten an der Station sind Schlüsse auf längerfristige Klimaveränderungen möglich.

Wetterstation und phänologischer Garten Eulerstraße

Am 7. Mai 2008 wurden die Wetterstation Düsseldorf-City und der Phänologische Garten an der Eulerstraße offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Angelegt und errichtet hat das Ensemble auf dem Gelände des Kinderhilfezentrums im Stadtteil Pempelfort das Umweltamt der Stadt. Mit ihm sollen Veränderungen, die der weltweite Klimawandel mit sich bringt, langfristig beobacht werden. Die Wetterstation misst elf meteorologische Parameter wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Im phänologischen Garten werden an ausgewählten Pflanzen Entwicklungsstadien wie der Austrieb, die Blüte oder der Blattfall regelmäßig erfasst und tagesgenau aufgeschrieben.

In dieser Phänologischen Uhr für die Mittlere Niederrheinebene (mit Düsseldorf) sind die Zeiträume 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020 gegenübergestellt. Besonders auffällig von den zehn Phänologischen Jahreszeiten ist der Winter: Seine mittlere Dauer hat sich um 20 Tage verringert. Auch tritt die Leitphase für den Vorfrühling, die Haselblüte, deutlich früher ein: Sie sprang vom 12. Februar auf den 26. Januar vor (gemittelt über alle Daten jeweils beider 30-Jahres-Zeiträume).

Phänologie und Klimawandel

Die jahreszeitlich wechselnden Entwicklungs- und Wachstumsphasen der Pflanzen reagieren sehr deutlich auf Temperaturerhöhungen. Vor allem die Lufttemperaturen vor Eintritt der Frühjahrs- und Sommerphasen haben einen ausgeprägten Einfluss auf phänologische Phasen wie den Beginn von Blüte und Blattentfaltung. Dadurch können Pflanzen als hervorragende Indikatoren für Veränderungen des Klimas gelten. Besonders seit Mitte/Ende der achtziger Jahre ist ein deutlich früheres Blühen und Fruchten vieler Pflanzen zu beobachten. Bewegte sich zwischen 1961 und 1990 der Beginn der Apfelblüte in Deutschland noch um den 8. Mai herum, so ist er zwischen 1991 und 2020 im Mittel auf den 26. April vorgerückt. In den meisten Regionen Europas kann eine Verlängerung der Vegetationsperiode in den letzten 35 Jahren um mindestens zehn Tage festgestellt werden.

Mit dem phänologischen Garten und der Wetterstation an der Eulerstraße als 'Ensemble' beobachtet das Amt für Umwelt- und Verbraucherschutz die Folgen des Wandels vor Ort, trägt zur weltweiten Klimaforschung bei und stellt dies der Öffentlichkeit anschaulich dar.

Zitate aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Phänologie und Klimawandel:

  • "... in den letzten 4 bis 5 Jahrzehnten (haben sich) die Termine der Blüte und Laubentfaltung in Europa, Nordamerika und Asien im Mittel zwischen 1,2 und 3,8 Tagen verfrüht ..."
    "... die Vegetationsperiode (hat sich) insgesamt um etwa 2 Wochen verlängert ..."
    A. Menzel: Phänologische Modelle. Promet Heft 1/2 2007
  • " Mehrheitlich berichten die Autoren von Verfrühungen in der Blattentfaltung und Blüte von Pflanzen, die sich in den letzten 30 bis 50 Jahren auf 1,4-3,1 Tage pro Jahrzehnt in Europa und auf etwa 1,2-2,0 Tage pro Jahrzehnt in Nordamerika belaufen"
    "Die stärksten Veränderungen in den Eintrittsterminen sind bei den frühen Phänophasen zu erwarten. So könnte sich bis 2050 der Blühbeginn der Salweide im Mittel um nahezu einen Monat verfrühen."
    F.M. Chmielewski. Promet Heft 1/2 2007

Quellenangaben und Leseempfehlungen

  • Deutscher Wetterdienst: Anleitung für die phänologischen Beobachter. Offenbach 1991
  • Reinhold Erlbeck/Ilse E. Haseder/Gerhard K.F. Stinglwanger: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon. Stuttgart 2002
  • Ruprecht Düll/Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Wiebelsheim 2005
  • Werner Rothmaler u. a.: Exkursionsflora von Deutschland, Band 4. Heidelberg 2005
  • Andreas Roloff/Andreas Bärtels: Flora der Gehölze. Stuttgart 2006
  • Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (Hg): 55 Wildpflanzen im Porträt. Recklinghausen 2008
  • Vincent Badeau u.a.: Pflanzen beobachten im Rhythmus der Jahreszeiten. Bern 2020

Abbildungen: Umweltamt Düsseldorf, Deutscher Wetterdienst Offenbach

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