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Kultur Jugend

"Erinnerungszeichen für KZ-Außenlager in Düsseldorf"

In einem stadtweiten Projekt erarbeiteten rund 100 Düsseldorfer Schüler mit ihren Lehrern - unterstützt von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf - einheitliche Erinnerungszeichen für die Düsseldorfer Außenlager


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Editing: Meissner, Valentina

Zwischen 1942 und 1945 bestanden in Düsseldorf fünf KZ-Außenlager der Konzentrationslager Buchenwald und Sachsenhausen. Tausende KZ-Häftlinge wurden im Auftrag der Stadt und der Firma Rheinmetall unter unmenschlichen Bedingungen als Zwangsarbeiter eingesetzt.

In einem stadtweiten Projekt erarbeiteten rund 100 Düsseldorfer Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrern seit 2016 - unterstützt von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf - einheitliche Erinnerungszeichen für die Düsseldorfer Außenlager. Sie entwickelten die Texte für die jeweiligen Standorte und den Überblick über die Düsseldorfer KZ-Außenlager, das Aussehen und die Form der Erinnerungszeichen und überlegten sich geeignete Orte der Aufstellung.

Anlässlich des 60. Antikriegstages wurden im Rahmen der von den Schülern vorbereiteten Feierstunde im Plenarsaal des Rathauses am Freitag, 1. September, symbolisch die Erinnerungszeichen für die Düsseldorfer Außenlager übergeben.

"Heute wird das Ergebnis eines stadtweiten Schülerprojektes der Öffentlichkeit übergeben: Die Erinnerungszeichen an den ehemaligen Standorten der KZ-Außenlager. Dass wir das heute tun, ist kein Zufall. Denn heute, am 1. September, begehen wir zum 60. Mal den Antikriegstag. Er wurde 1957 in Erinnerung an den Überfall auf Polen – also dem Beginn des Zweiten Weltkrieges – vom Deutschen Gewerkschaftsbund ins Leben gerufen. Es ist ein starkes Zeichen, dass wir nun an diesem Jahrestag dieses sehr wichtige Projekt hier gemeinsam abschließen. Ich möchte mich vor allem bei allen Schülerinnen und Schülern, die sich so leidenschaftlich für das Projekt engagiert haben, sowie bei allen Unterstützern für ihren Einsatz bedanken", sagt Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Jedem sind die Konzentrationslager Auschwitz und Dachau ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass insgesamt rund 730 sogenannte KZ-Außenlager während der Zeit des Nationalsozialismus zum Teil mitten in den Städten entstanden. Für die SS (Schutzstaffel), die die Konzentrationslager betrieb, waren die Häftlinge ein wirtschaftlicher Faktor. Als "Sklavenarbeiter" wurden sie an Unternehmen und Kommunen "vermietet", die sie in der Rüstungsindustrie oder bei der Trümmerbeseitigung einsetzten. In Düsseldorf gab es zwischen 1942 und 1945 fünf KZ-Außenlager, die zu den Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen gehörten und in denen tausende Häftlinge zum Arbeitseinsatz gezwungen wurden:

Das KZ-Außenlager Stoffeln, Stoffeler Kapellenweg
Das KZ-Außenkommando Bombenräumkommando Kalkum, Kalkumer Schloßallee/Kalkumer Bahnhof
Das KZ-Außenlager Berta I, Schlüterstraße
Das KZ-Außenlager Berta II, Rather Straße
Das KZ-Außenlager Deutsche Erd- und Steinwerke, Kirchfeldstraße 74-80.

Während das Außenlager Stoffeln schon 1943 aufgelöst wurde, existierten die anderen Lager bis März 1945. Die Häftlinge wurden dann in langen und gefährlichen Märschen zurück in das KZ Buchenwald verlegt.

Eine juristische Aufarbeitung der Verbrechen in diesen Lagern scheiterte. Bis auf den Lagerführer des Lagers "Berta", Walter Knauf, wurde kein Lagerpersonal zur Verantwortung gezogen.

Die Bezirksvertretungen 1, 2, 3 und 5, auf deren Gebiet die KZ-Außenlager während der NS-Zeit bestanden, hatten 2014 die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf beauftragt, diese Geschichte zu erforschen und zu dokumentieren. Die Publikation "Die Düsseldorfer KZ-Außenlager" von Dr. Peter Henkel ist 2016 in der Kleinen Reihe der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erschienen.

In einem zweiten Schritt sollten die ehemaligen Standorte der KZ-Außenlager durch einheitlich aussehende Erinnerungszeichen im Stadtbild für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht und durch Informationstafeln der historische Hintergrund erklärt werden. In einem stadtweiten Schulprojekt mit acht Düsseldorfer Schulen, die sich in der Nähe der ehemaligen Lagergelände befinden, arbeiteten engagierte Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte schulübergreifend mit Unterstützung von Astrid Wolters und Dr. Peter Henkel von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf daran.

Die beteiligten Schulen waren:
Dumont-Lindemann-Hauptschule,
Geschwister-Scholl-Gymnasium,
Goethe-Gymnasium,
Leibniz-Montessori-Gymnasium,
St. Suitbertus-Gymnasium,
Albrecht-Dürer-Berufskolleg,
Franz-Jürgens-Berufskolleg,
Heinrich-Hertz-Berufskolleg

In mehreren Treffen in der Gedenkstätte und in den Schulen wurden Inhalte vermittelt, Ideen und Konzepte ausgetauscht, Skizzen und Zeichnungen entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten die Texte für die Standorte und den Überblick über die KZ-Außenlager in der Stadt, das Aussehen und die Form der Erinnerungszeichen und überlegten sich geeignete Aufstellungsorte. Sie erstellten eine Website zum Thema und planten die zentrale Veranstaltung im Rathaus. Von Oktober 2016 bis September 2017 haben insgesamt rund 100 Schülerinnen und Schüler an diesem Projekt gearbeitet. Unterstützt wurden sie unter anderem vom Stadtarchiv Düsseldorf.  

Ein Faltblatt zum Projekt präsentiert die Informationen der Schüler zum Lager-System in Düsseldorf und den Standorten, zur Geschichte des jeweiligen Außenlagers und einige weiterführende Informationen zum Projekt vor. Eine Karte verortet die ehemaligen Lager im Stadtgebiet.


Das Gesamtprojekt wurde durch die Druckerei Berking KG, die Grafental GmbH & Co. KG, die Rheinmetall AG, G. Kitzinger Bau- und Kunstschlosserei GmbH, Raumgefährten, Melanie Eigenrauch, Signfactory Werbetechnik, ZINKPOWER Gruppe, RUD Ketten Rieger & Dietz GmbH und die Bezirksvertretungen 1, 2, 3 und 5 unterstützt.

Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es unter www.kz-aussenlager-duesseldorf.de

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