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Kultur

Ergänzte Pressemitteilung

Internationales Symposium zu Max Stern


Text: Jäckel-Engstfeld, Kerstin und Meissner, Valentina

Aktuell laufende Forschungen im Zusammenhang mit der Galerie Max Stern, die auch durch Auskunfts- und Restitutionsgesuche in deutschen Museen ausgelöst wurden, haben die Landeshauptstadt Düsseldorf dazu bewogen, die für Frühjahr 2018 geplante Ausstellung "Max Stern – von Düsseldorf nach Montreal" im Stadtmuseum Düsseldorf abzusagen. Angesichts einer Vielzahl an noch offenen Fragestellungen lädt die Stadt im Herbst 2018 zu einem internationalen Symposium ein. Ziel ist es, die Person Max Stern zu würdigen, der Forschung zu dem Themenkomplex ein Forum zu bieten und mögliche Formen der Vermittlung und Dokumentation des Themas zu diskutieren.

Historie Max Stern
Der in Düsseldorf beheimatete Kunsthistoriker Max Stern (1904–1987) gehört zu den Opfern des Nationalsozialismus.

Nach seiner Promotion 1928 stieg Max Stern in die 1913 gegründete Galerie seines Vaters Julius Stern ein und übernahm diese 1934 nach dessen Tod. Schwerpunkte der Galerie war der Handel mit Kunst der Düsseldorfer Malerschule, dann auch zeitgenössischer Kunst und später verstärkt Alter Meister. Sie gehörte neben der Galerie Alfred Flechtheim, der Galerie Paffrath und beispielsweise dem Kunstsalon Tietz zu den bekanntesten Adressen des Düsseldorfer Kunsthandels im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wurde Max Stern 1935 die Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste und damit die Erlaubnis zur Weiterführung seiner Kunsthandlung verwehrt bis man ihn schließlich zur Liquidierung seiner Galerie Ende 1937 zwang. Am 13. November 1937 gingen 228 Gemälde aus den "Beständen Max Stern-Düsseldorf" in die Versteigerung des Kunsthauses Lempertz in Köln. Stern floh kurze Zeit darauf über Paris nach London und 1941 weiter nach Kanada ins Exil.

Die Entstehung der Ausstellungsidee
Das Identifizieren, Lokalisieren und Wiedererlangen jener Werke, die unter anderem in der Auktion 392 am 13. November 1937 bei Lempertz zum Aufruf kamen, ist Ziel des 2002 gegründeten Max Stern Art Restitution Project in Montreal.

Unter den 1937 angebotenen Werken befand sich auch das Gemälde "Selbstbildnis" von Wilhelm von Schadow. Dieses erwarb das Stadtmuseum Düsseldorf 1973, nachdem es 1972 wieder bei Lempertz von einem Privatsammler eingeliefert worden war.


Im November 2013 gab die Landeshauptstadt Düsseldorf das "Selbstbildnis“ von Schadow an die Erben von Max Stern – die Concordia University und die McGill University, beide Kanada, sowie die Hebrew University, Jerusalem, zurück. Das Gemälde ist seitdem als Leihgabe in der permanenten Ausstellung des Stadtmuseums weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich, wofür die Stadt Düsseldorf sehr dankbar ist.

Im Kontext der Rückgabe 2013 entstand die Idee eine Sonderausstellung zur Düsseldorfer Galerie im Frühjahr 2018 zu organisieren. Beteiligt waren insbesondere das Stadtmuseum Düsseldorf, das Max Stern Art Restitution Project, Wissenschaftler der Concordia Universität sowie das Archiv der National Gallery of Canada, das den Nachlass von Max Stern beherbergt.

Provenienzforschung zu Max Stern
Mit dem Kunsthändler Max Stern sind unzählige Kunstwerke verbunden, die durch seine Hände gingen oder auf vielfältige andere Art und Weise mit ihm verknüpft sind. Für jedes einzelne Werk sind differenzierte Einzelfallanalysen notwendig.

Im Zuge aktueller Auskunfts- und Restitutionsgesuche hat die Provenienzforschung neue Fragestellungen und Desiderate zum Leben und Wirken von Max Stern als Kunsthändler vor dem Hintergrund der Verfolgung durch das NS-Regime, zu seinem Galeriebestand, seiner Privatsammlung, seinen Netzwerken und seinem Kundenstamm benannt.

All diese aktuellen Informationen und Entwicklungen müssen, gerade in Bezug auf Fragen, die die Provenienzforschung betreffen, berücksichtigt werden. Dies gebietet die wissenschaftliche Sorgfalt.

Diesen neuen wissenschaftlichen Fragestellungen zu Max Stern und seiner Händlertätigkeit konnte die Ausstellung im Stadtmuseum nicht gerecht werden. Gemeinsam haben Oberbürgermeister, Kulturdezernent und das Stadtmuseum daher im Oktober auf Grundlage des Ausstellungskonzeptes und unter Hinzuziehung fachlicher Expertise den Entschluss gefasst, die Ausstellung zu Max Stern im Stadtmuseum abzusagen.

Ein wissenschaftliches Symposium soll dieser Komplexität mittels Einzelfallanalysen und Kontextforschung unter anderem zur Händlertätigkeit von Max Stern im Vergleich mit anderen Düsseldorfer und Rheinischen Kunsthändlern Rechnung tragen.

Es bietet die Chance, internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Museen, Universitäten und weiteren Forschungseinrichtungen erstmals zusammenzubringen. Die kanadischen Institutionen, die sich seit Jahren mit Max Stern beschäftigen, sind ausdrücklich eingeladen worden, an diesem Austausch teilzunehmen. Das Symposium soll im Herbst 2018 von der im Kulturdezernat Düsseldorf eingerichteten Stelle für Provenienzforschung in Zusammenarbeit mit Düsseldorfer Kultureinrichtungen durchgeführt werden.

Die Ergebnisse des Symposiums sollen die Grundlage für Überlegungen bilden, wie mögliche Formen der Vermittlung und Dokumentation der Forschungsergebnisse und wie eine Ausstellung zu Max Stern aussehen können.

Zur Abstimmung des weiteren Vorgehens steht der Oberbürgermeister im ständigen Kontakt mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. In diesem Zusammenhang wurde ein gemeinsamer Termin mit dem Kulturdezernenten, der Provenienzforscherin der Stadt Düsseldorf und der Direktorin des Stadtmuseums vereinbart.

Stadt und Jüdische Gemeinde haben ein Interesse daran, die Diskussion mit hoher Sachlichkeit, Sensibilität und Besonnenheit zu führen und die Absage der Ausstellung nicht zum Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzung zu machen.

Provenienzforschung der Landeshauptstadt Düsseldorf
Die Landeshauptstadt Düsseldorf arbeitet seit Jahren auf Grundlage der Washingtoner Erklärung (1998), der Gemeinsamen Erklärung (1999), der Theresienstädter Erklärung (2009) sowie nach Maßgabe der Handreichung (2001). Es ist ihr ein großes Anliegen, mögliche, in ihrem Besitz befindliche Raubkunst zu identifizieren und gerechte und faire Lösungen zu finden.

Seit 2010 initiiert die Stadt proaktiv verschiedene Projekte, gefördert von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung bzw. des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, um die systematische Provenienzforschung in den Düsseldorfer Sammlungsbeständen voranzutreiben.

Zur Verstetigung und Systematisierung dieses Anliegens ist im Oktober 2016 eine Planstelle für Provenienzforschung eingerichtet worden und gehört damit zu den ersten Städten in Deutschland.

Aktuelle Forschungsstände zur Provenienz städtischer Kunstwerke, die in Verbindung mit der Galerie Stern stehen, werden in Kürze im Internet veröffentlicht.

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