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Kultur

Erinnerung an den Beginn der Deportationen im Herbst 1941

Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Erinnerungsort Alter Schlachthof sowie die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit laden zu einer dreiteiligen Vortragsreihe ein


Erstellt:
Redaktion: Ilgenstein, Valentina

Vor 80 Jahren, im Oktober 1941, begannen die Deportationen deutscher Jüdinnen und Juden "nach Osten". Mit einer dreiteiligen Vortragsreihe und einer Serie in den Sozialen Netzwerken erinnern die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf, der Erinnerungsort Alter Schlachthof an der Hochschule Düsseldorf und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf an den Herbst 1941, an die Betroffenen und Opfer, aber auch an die Täter, die Profiteure und Zuschauer. Die drei Vorträge finden in der Berger Kirche an den historischen Jahrestagen und in Verbindung mit den diesjährigen "Aktionswochen gegen Antisemitismus" statt.

Die Gestapo ließ im Herbst 1941 in einer ersten "Welle" bis zum Jahreswechsel zehntausende Menschen in Ghettos und Lager im besetzten Polen oder in der Sowjetunion verschleppen. Die meisten dieser Menschen sahen ihre Heimat nie wieder: Sie wurden in den Ghettos eingepfercht und zur Zwangsarbeit herangezogen. Ab Frühjahr 1942 begannen dann die Deportationen von den Ghettos aus zu den Vernichtungsstätten. Die ersten drei Transporte, die ihren Ausgangspunkt in Düsseldorf hatten und über den städtischen Schlachthof und den Güterbahnhof im Stadtteil Derendorf abgewickelt wurden, führten in die Ghettos in Łódź, Minsk und Riga. Diese Deportationen fanden im Oktober, November und im Dezember 1941 statt und betrafen 3.002 jüdische Menschen aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf.

Zur Vortragsreihe
Die drei Vorträge finden jeweils um 18 Uhr in der Berger Kirche, Wallstraße 17, statt:

Mittwoch, 27. Oktober
Vortrag von Hildegard Jakobs: "Deportiert nach Łódź am 27. Oktober 1941"
Über die erste Deportation berichtet Hildegard Jakobs, die stellvertretende Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf. Sie hat über diesen Transport ein langjähriges Forschungsprojekt zusammen mit Angela Genger geleitet. Sie sind den Spuren der Deportierten gefolgt und haben Fotografien, Briefe und Dokumente zusammengetragen. Vorgeschichte und Ablauf des Transports, die Ankunft und die Eingewöhnung an die Verhältnisse im Ghetto, Unterkunft, Versorgung und Arbeitsalltag werden anschaulich geschildert. Anhand konkreter biographischer Beispiele, beispielsweise Rabbiner Klein und seiner Frau Lilli, wird der Blick auf die betroffenen Menschen, ihr Leid, ihre Überlebenshoffnungen und ihre individuellen Lebensumstände in der Zwangsgemeinschaft des Ghettos gelenkt. So entsteht ein eindringliches Zeugnis des Völkermordes an der jüdischen Bevölkerung, der auch in Düsseldorf seinen Ausgang nahm.
Bürgermeisterin Clara Gerlach wird ein Grußwort sprechen.

Donnerstag, 10. November
Vortrag von Dr. Bastian Fleermann: "Deportiert nach Minsk: Der Transport vom 10. November 1941 in die weißrussische Hauptstadt"
Der Vortrag von Dr. Bastian Fleermann erläutert die Umstände der zweiten großen Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus dem Regierungsbezirk. Dieser fand am 10. November 1941 statt und betraf 992 Menschen aus den drei Städten Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Das 2012 aufgetauchte, recht umfangreiche Verlaufsprotokoll ("Bericht über Judenevakuierung") eines Düsseldorfer Schutzpolizeioffiziers, der mit seinen Beamten den Transport begleitete und bewachte, ermöglicht als unmittelbare Quelle Einblicke in den Ablauf und die Organisation einer solchen Verschleppung aus Sicht eines beteiligten Täters.

Mittwoch, 8. Dezember
Vortrag von Dr. Joachim Schröder: "Verschleppt nach Riga: Die Deportation am 11. Dezember 1941"
In seinem Vortrag berichtet Dr. Joachim Schröder, Leiter des Erinnerungsortes Alter Schlachthof, über den Verlauf der dritten Massendeportation aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf. Sie nahm, wie die ersten beiden Deportationen, am Düsseldorfer Schlachthof ihren Ausgang. Die Gestapo verschleppte 1.007 Jüdinnen und Juden, überwiegend aus dem linksrheinischen Gebiet, in das Ghetto in Riga. Der Transport hat es durch den überlieferten, zynischen Bericht des Polizei-Offiziers Salitter, der ihn mit seinen Beamten überwachte, zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Anhand verschiedener Augenzeugenberichte von Überlebenden wie Hilde Sherman-Zander, Sophie Nathan, Liesel Ginsburg, Irene Dahl, Ilse Rübsteck und anderen wird das Leben und Überleben im Ghetto von Riga anschaulich geschildert.

Der Eintritt ist für alle drei Präsenz-Veranstaltungen frei. Eine vorherige Anmeldung ist aufgrund der begrenzten Teilnehmendenzahl erforderlich und telefonisch unter 0211-8996205 oder via E-Mail an nicole.merten@duesseldorf.de möglich. Bitte beachten: Es gilt die "2G-Regel": Für die Teilnahme ist ein Nachweis über eine vollständig abgeschlossene Impfung gegen COVID-19 oder über eine Genesung erforderlich.

Social-Media-Aktion
Gemeinsam mit dem Erinnerungsort Alter Schlachthof hat die Mahn- und Gedenkstätte zudem eine Aktion auf ihren Social-Media-Kanälen gestartet: Seit Ende August läuft dort die Serie "Deportiert 1941". Auf Instagram und Facebook können die Userinnen und User mithilfe der Serie bis zum 15. Dezember den Weg von drei Familien (Familie Klein, Familie Herz und Familie Nathan) nachvollziehen, die in die Ghettos Lodz, Minsk und Riga verschleppt wurden. Auf Facebook unter de-de.facebook.com/MahnundGedenkstaetteDuesseldorf/ und über Instagram unter "mahn_und_gedenkstaettedus".

Weitere Infos zur "Aktionswoche gegen Antisemitismus" gibt es unter www.aktionswochen-gegen-antisemitismus.de

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