"Luxus & Lifestyle. Weimar und die weite Welt"

| Kultur Created by Ilgenstein, Valentina

Blick in die neue Sonderausstellung des Goethe-Museums "Luxus & Lifestyle. Weimar und die weite Welt"; Foto: Ingo Lammert

Blick in die neue Sonderausstellung des Goethe-Museums "Luxus & Lifestyle. Weimar und die weite Welt"; Foto: Ingo Lammert

Blick in die neue Sonderausstellung des Goethe-Museums "Luxus & Lifestyle. Weimar und die weite Welt"; Foto: Ingo Lammert

Die Kuratorin, Dr. Barbara Steingießer, stellte mit dem Leiter des Goethe-Museums, Christof Wingertszahn, die neue Sonderausstellung "Luxus & Lifestyle. Weimar und die weite Welt" vor; Foto: Ingo Lammert

Es war das erste Lifestyle-Magazin Deutschlands: Das "Journal des Luxus und der Moden" mit seinem flammend orangefarbenen Umschlag; Foto: Ingo Lammert

Das Goethe-Museum Düsseldorf lädt vom 26. Oktober 2021 bis zum 20. Februar 2022 zu seiner neuen Sonderausstellung "Luxus & Lifestyle. Weimar und die weite Welt" ein. Besucherinnen und Besucher des Schloss Jägerhof können dort eine Reise durch die Welt der Mode erleben.

Was aber haben Weimar und Goethe mit der internationalen Modewelt zu tun? Die Antwort bietet das "Journal des Luxus und der Moden", das im Zentrum der Schau steht. Das erste Lifestyle-Magazin Deutschlands berichtete von 1786 bis 1827 über die neueste Mode aus Paris und London sowie über Einrichtungstrends und hatte seinen Verlagssitz in der kleinen Residenzstadt Weimar. Die Ausstellung präsentiert die Hefte, die auf die brandneue Mode aufmerksam machten, und zeigt am Beispiel alter und neuer Luxusgüter, wie manch ein Trend von damals das Design von heute inspiriert.

Dass Mode aber nicht nur Spiegel des Zeitgeists ist, sondern auch Kulturgeschichte sichtbar macht, zeigt die Ausstellung anhand besonderer Stücke von mehr als 20 Leihgebern und aus den reichen Beständen der eigenen Sammlung. Zu sehen sind neben Kleidern und Schuhen aus vier Jahrhunderten auch Accessoires und Einrichtungsgegenstände berühmter Persönlichkeiten. Darunter Gemmenringe von Goethe und von Joseph Haydn, eine in Gold gefasste Miniatur, die Angelika Kauffmann der Herzogin Anna Amalia schenkte, Schmuck der Zarentochter Maria Pawlowna und solcher aus der Familie des Komponisten Johann Nepomuk Hummel sowie ein für Coco Chanel persönlich angefertigtes Modeschmuck-Ensemble.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, 24.Oktober, mit geladenen Gästen statt. Ab Dienstag, 26. Oktober, ist sie dann für alle Besucherinnen und Besucher geöffnet und bis zum 20. Februar 2022 zu sehen.

Zum „Journal des Luxus und der Moden“
Schon vor mehr als zwei Jahrhunderten reklamierte eine Zeitschrift selbstbewusst für sich, die Annalen der Modewelt zu schreiben. Anders als man vielleicht denkt, war es jedoch nicht die "Vogue". Die mit knapp 130 Jahren noch relativ junge Zeitschrift hat die "Geschichtsschreibung" der Mode nicht begründet. Mehr als ein Jahrhundert älter als die "Vogue" ist nämlich die erste deutsche Modezeitschrift, deren erstes Heft im Januar 1786 erschien – in dem Jahr, in dem in Deutschland die letzte Kleiderordnung erlassen wurde. Eben diese Kleiderordnungen waren es gewesen, mit denen die Stände über Jahrhunderte per Gesetz scharf und für alle sichtbar voneinander abgegrenzt wurden. Ein Verständnis von Mode im heutigen Sinne als freier Ausdruck der Individualität wurde erst in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs möglich.

Das Magazin, das ab dem zweiten Jahrgang unter dem Titel "Journal des Luxus und der Moden" Furore machte, war über Jahrzehnte hinweg das erfolgreichste journalistische Unternehmen Deutschlands. Die Hefte machten durch einen flammend orangefarbenen Umschlag auf sich aufmerksam, der von da an mit den Begriffen "Luxus" und "Mode" assoziiert wurde. Und das rund 150 Jahre bevor der französische Lederwarenhersteller Hermès ein solches Orange als Firmenfarbe erneut mit Luxusgütern in Verbindung brachte.

Das "Journal des Luxus und der Moden" war mit seinen handkolorierten Druckgrafiken die erste Illustrierte Deutschlands. Es berichtete in der mediengeschichtlich wegweisenden Verbindung von Text und Bild nicht nur über die neuesten Damen- und Herrenmoden aus Paris, London und Wien, aus Italien sowie aus den deutschen Messestädten und Kurorten, sondern war auch Lifestyle-Magazin. Entsprechend dem Plural des Wortes "Mode" (aus frz. mode: Art) im Zeitschriftentitel behandelte das Blatt auch andere Gegenstände oder Tätigkeiten, die gerade "à la mode" waren. So informierte das Journal regelmäßig unter anderem über Tischkultur, Einrichtungstrends, über Literatur und Theater, glanzvolle politische Ereignisse, ferne Länder oder Gesellschaftsklatsch.

In den gut vier Jahrzehnten seines Erscheinens von 1786 bis 1827 veröffentlichte das "Journal des Luxus und der Moden" 12.000 Textbeiträge und 1.500 Abbildungen auf 40.000 Druckseiten. Und weil es trotz der wechselvollen Zeit zwischen Revolution und Restauration Bestand hatte und mit kritischem Blick die gesellschaftlichen Veränderungen in Europa registrierte, ist es heute auch eine bedeutende kulturhistorische Quelle.

Modeartikel aus der Zeit Goethes
Im Bestand des Goethe-Museums Düsseldorf sind nicht nur die 42 Jahrgänge des Journals nahezu komplett überliefert, sondern zur Sammlung gehören auch zahlreiche Gegenstände der angewandten Kunst, wie sie in der Zeitschrift vorgestellt wurden, so zum Beispiel Schmuck und Accessoires, Möbel, Silber, Porzellan und Glas. Daher lag es nahe, in einer Sonderausstellung zusammen mit dem Lifestyle-Magazin der Goethezeit auch Modeartikel von damals zu präsentieren und die dreidimensionalen Objekte wiederum Luxusprodukten von heute gegenüberzustellen.

Goethe über das Journal
Überraschenderweise hatte das "Journal des Luxus und der Moden" seinen Verlagssitz nicht etwa in einer Metropole wie Berlin, sondern in der kleinen Residenz Weimar, die man gemeinhin als Klassikerstadt fernab vom modischen Puls der Zeit wähnt. Gegründet wurde es von dem Verleger Friedrich Justin Bertuch (1747–1822), der ein erfolgreicher Geschäftsmann und fleißiger Netzwerker war. Zum Mitherausgeber konnte er Georg Melchior Kraus (1737–1806), den Direktor der fürstlichen Zeichenschule, gewinnen, der zugleich die kunstvollen Bildtafeln entwarf. Die Informationen über das Neueste vom Neuen aus den Modezentren Europas beschafften den Herausgebern Korrespondenten im In- und Ausland.

Zunächst aber mussten Bertuch und Kraus Vorurteilen vorbeugen, um ihr neues Projekt zu rechtfertigen. Die Weimarer Dichter und Denker fürchteten einen Siegeszug der Oberflächlichkeit. Wenn Goethe später auch selbst Beiträge im Journal veröffentlichte und dessen Anzeigenteil dazu nutzte, für eigene Publikationen zu werben, so war es ihm doch ein rotes Tuch: "Es ist aber als wenn alles geistreiche diesen feuerfarbenen Einband flöhe", schrieb er im Januar 1796 an Schiller. Ihr Journal, davon waren Bertuch und Kraus jedoch überzeugt, sei ein geeignetes Mittel, um eben negativen Entwicklungen neuer Trends entgegenzuwirken, denn es könne das ästhetische Urteilsvermögen schärfen.

Besucherinfos
Die Ausstellung im Goethe-Museum Düsseldorf, Schloss Jägerhof, Jacobistraße 2, ist  dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr, samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt beträgt regulär 4 Euro, ermäßigt 2 Euro. Ab 16 Uhr sowie sonntags ist der Eintritt frei. Bitte beachten Sie die derzeit geltenden Coronaregeln: Es besteht eine Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. Zudem gilt die 2G-Regel, sodass ein Nachweis durch Impfung oder Genesung erforderlich ist.

Weitere Informationen unter www.goethe-museum.de