Integrierte Quartiersentwicklung

Jedes Quartier und jeder Stadtteil in Düsseldorf hat seine eigene Geschichte und seinen eigenen Charakter. Allen gemein ist, dass sie ein Ort der Identifikation und Heimat, der Integration und des Zusammenlebens sind. In einigen Düsseldorfer Quartieren und Stadtteilen konzentrieren sich Potenziale und Chancen, in anderen aber auch Herausforderungen und Problemlagen z.B. bei städtebaulicher und infrastruktureller Ausstattung, bei Wirtschaft und Beschäftigung, bei sozialer Teilhabe und Bildung und nachteiligen Umweltbedingungen.

Es besteht die Gefahr, dass einzelne Gebiete hinter der positiven gesamtstädtischen Entwicklung zurück bleiben. Vor diesem Hintergrund wurde die umfangreich praktizierte Quartiersentwicklung ausgeweitet, neu strukturiert, und organisiert.

Das Ziel

Mit der seit Jahren wachsenden Bevölkerung, der gut situierten Wirtschaft sowie der damit verbundenen Diversifizierung steigen die Bedarfe und Ansprüche an den Düsseldorfer Raum sowohl in quantitativer Hinsicht als auch qualitativer Hinsicht. Dieser Wandel geht einher mit einer wachsenden Bedeutung des Stadtteils, der Quartiere, der Situation vor Ort als Lebensmittelpunkt, als zentrale Integrationsebene, als Heimat. Von besonderer Wichtigkeit für die Quartiersentwicklung sind dementsprechend Themen, die die Menschen und ihre Umgebung betreffen:

  • qualitative, wertige, gesunde und sichere Lebens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse,
  • soziale, kulturelle und sportliche Freizeit- und Bildungsangebote, insbesondere für Familien, für junge, alte und behinderte Menschen,
  • Beteiligung, Partizipation sowie Mitwirkung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen.

"Alle Menschen in Düsseldorf haben in allen Quartieren ähnliche Lebens- und Entwicklungschancen. Sie profitieren gleichermaßen von der Dynamik der Stadt."

Der Prozess

2020

Im Juni 2020 wurde die Vorlage „Handlungsräume ZUKUNFT QUARTIER.DÜSSELDORF – Weiteres Vorgehen“ einstimmig vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf beschlossen. Mit dem vorliegenden Ratsbeschluss wird die Verwaltung beauftragt, die Handlungsräume schrittweise mit den empfohlenen Werkzeugen weiter zu bearbeiten, unter Berücksichtigung der jeweiligen Handlungsrichtung. Zudem sind die politischen Gremien (insbesondere im Rahmen der Steuerungsgruppe ZUKUNFT QUARTIER.DÜSSELDORF) kontinuierlich zu beteiligen.

Im Mai 2020 startete die Einbringung der Vorlage „Handlungsräume ZUKUNFT QUARTIER.DÜSSELDORF – Weiteres Vorgehen“ in den Bezirksvertretungen.

Im Februar 2020 Jahres fand ein Workshop, unter Beteiligung aller relevanten Fachämter, im Stadtmuseum statt. Es konnten Handlungsempfehlungen und teilweise auch Empfehlungen für konkrete nächste Schritte für alle 12 Handlungsräume der integrierten Quartiersentwicklung gesammelt werden. Alle Ergebnisse des Workshops berücksichtigend wurde die Vorlage „Handlungsräume ZUKUNFT QUARTIER.DÜSSELDORF – Weiteres Vorgehen“ erarbeitet und den politischen Gremien zum Beschluss vorgelegt.

2019

Auf Basis der Ergebnisse aus dem Auftaktforum und der Konferenz erarbeitete die Verwaltung das Rahmenkonzept für die integrierte Quartiersentwicklung ZUKUNFT QUARTIER.Düsseldorf, welches im April 2019 vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf beschlossen wurde.

2018

Im Januar 2018 fand in der Hochschule Düsseldorf eine Konferenz mit über 150 Akteurinnen und Akteuren der Quartiersentwicklung statt.
In diesem Rahmen wurden die in der Auftaktveranstaltung formulierten Stärken und Schwächen, die "Wunden" und "Perlen", zu Prozessbausteinen weiterentwickelt.

2017

Im März 2017 fand das Auftaktforum ZUKUNFT QUARTIER. DÜSSELDORF mit über 130 Expertinnen und Experten der Quartiersentwicklung statt. Die Erarbeitung der Stärken und Schwächen der Düsseldorfer Quartierentwicklung stand bei diesem Auftaktforum im Vorderrund und bildet die Basis der weitern Arbeit.

Gemeinsame Prozessbausteine

Die Prozessbausteine beschreiben ein gemeinsames Verständnis der Beteiligten (Verwaltung, Politik und Fachöffentlichkeit) davon was eine gute und damit erfolgreiche Quartiersentwicklung ausmacht. In einem Auftaktforum im Malkasten wurde über „Wunden“ und „Perlen“ und während einer Fachkonferenz in der Hochschule Düsseldorf über Prozessbausteine diskutiert. Diese Aspekte sind als Qualitätskriterien zu verstehen, an denen sich das Handeln im Rahmen der integrierten Quartiersentwicklung orientieren muss. Die Prozessbausteine sind im Rahmenkonzept festgehalten.

 Eine erfolgreiche Quartiersentwicklung in Düsseldorf:

  • schafft durch vielfältige, gestalterische Qualitäten der gebauten und natürlichen Umwelt Lebensqualität, Heimatgefühl und Gemeinschaft.
  • reagiert mit passgenauen Lösungsstrategien und Projekten auf spezifische im Quartier vorhandene Begabungen und Problemlagen.
  • basiert auf einer integrierten Denk- und Arbeitsweise.
  • setzt auf eine breite Beteiligung, Information und Vernetzung.
  • braucht eine zuverlässige Präsenz vor Ort zur Etablierung selbsttragender Strukturen.
  • braucht Eigeninitiative, eine ausgeglichene Aufgabenverteilung und je nach Möglichkeit Förderung und Unterstützung.
  • bietet feste und temporäre Treffpunkte, Labore, Orte und öffentliche Räume.
  • funktioniert Schritt für Schritt und macht Erfolge laufend sichtbar.
  • ist als selbstlernendes System organisiert und fördert den Wissenstransfer.

Handlungsräume

Mit Hilfe des Quartiersatlas wurden Quartiere ermittelt, die sich (stark) abweichend vom Düsseldorfer Durchschnitt entwickeln und in denen sich verschiedene Probleme beziehungsweise Potenziale überlagern, so dass gegebenenfalls vertiefende Untersuchungen erforderlich sind. Diese wurden zu zwölf Handlungsräumen zusammengefasst, die unterschiedliche Bedarfe in spezifischen Themenfeldern aufweisen.

     

Im Anschluss an den Ratsbeschluss zum Rahmenkonzept ZUKUNFT QUARTIER.DÜSSELDORF wurden für alle Handlungsräume sogenannte Profile erarbeitet. Sie dienen dazu die Handlungsräume einer vertieften Analyse zu unterziehen und hieraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Profile stellen somit einen wichtigen Meilenstein dar und sind als Arbeitsstand in der Vorlage „Handlungsräume ZUKUNFT QUARTIER.DÜSSELDORF – Weiteres Vorgehen“ enthalten. Die Handlungsräume sind räumlich abgegrenzt, aufgrund von spezifischen Problemlagen, mit erkennbar erhöhtem Handlungsbedarf.

 

Die Profile beinhalten folgende Informationen zum jeweiligen Handlungsraum:

  • eine Karte der räumlichen Lage und Abgrenzung sowie Luftbildausschnitte,
  • eine Beschreibung der Siedlungs- und Baustruktur und Auflistung der geplanten sowie laufenden Bauvorhaben,
  • eine Karte mit den wesentlichen sozialen Infrastruktureinrichtungen und ausgewählten Nahversorgungstandorten,
  • eine übersichtliche Darstellung der Themen bzw. der Handlungsbedarfe in den einzelnen Sozialräumen,
  • die daran anschließende detailliierte statistische Auswertung aus dem Quartiersatlas,
  • das Zusammentragen des in der Verwaltung vorhandenen relevanten Raumwissens,
  • Auszüge von standardisierte Experteninterviews (Explorative Stimme) mit Schlüsselpersonen aus Zivilgesellschaft, Bezirkspolitik und -verwaltung und für den Bereich wichtigen weiteren Institutionen aus den jeweiligen Handlungsräumen,
  • die Ergebnisse der allgemeinen Bürgerbefragung 2019 der Stadt Düsseldorf – in den Handlungsräumen wurde verstärkt nachgefragt, um eine belastbare Grundgesamtheit an Antworten zu erreichen – sowie, 
  • eine Liste mit bekannten Akteurinnen und Akteuren des Handlungsraumes ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

     

Handlungsrichtungen

Seit langem hat die Landeshauptstadt Düsseldorf die integrierte Quartiersentwicklung als wesentliches Instrument der nachhaltigen Stadtentwicklung definiert. In mehreren Gebieten wurden und werden die Programme „Soziale Stadt“ und „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ umgesetzt. Zudem werden durch das seit Jahren praktizierte Engagement auf Quartiers- und Stadtteilebene viele positive Erfahrungen von Verwaltung, Wohlfahrtsverbänden, Interessensverbänden und anderen gesammelt.

Vor diesem Hintergrund erscheint das Identifizieren von zwei Vertiefungsräumen, in denen sich die Aktivitäten der integrierten Quartiersentwicklung konzentrieren, weniger geeignet. Vielmehr geht es darum, alle zwölf Handlungsräume auf die eine oder andere Weise in bedarfsgerechter Form weiterzuentwickeln.

Aus der gemeinsamen Vorstellung und Diskussion der Handlungsempfehlungen aller Handlungsräume im Rahmen des zweitägigen Workshops mit Verwaltung und Politik konnten fünf Handlungsrichtungen für die Weiterentwicklung abgeleitet werden. In den wenigsten Handlungsräumen wird nur eine Handlungsrichtung verfolgt. Vielmehr ist es in den meisten Fällen eine Handlungsrichtung im Schwerpunkt in Kombination mit weiteren Handlungsrichtungen.

Die Handlungsrichtungen lauten:

  • Weiter dranbleiben,
  • Genau hinsehen,
  • Konkrete Ansätze verfolgen,
  • Veränderung gestalten,
  • Dynamik begleiten.

Die zwölf Handlungsräume lassen sich den fünf Handlungsrichtungen wie folgt zuordnen.

Handlungsrichtungen

Werkzeuge

Im Folgenden werden verschiedene Werkzeuge für die Arbeit mit den Handlungsräumen beschrieben und vorgestellt. Sie stellen eine Zusammenschau verschiedener aktueller Formate dar, die bereits im Rahmenkonzept ZUKUNFT QUARTIER.DÜSSELDORF grundsätzlich beschlossen wurden. Während der Quartiersatlas, die Konferenz und die Fördermittelakquise übergeordnete Funktionen auf gesamtstädtischer Ebene übernehmen, stellen die Workshops und Konzeptskizzen Beteiligungs- und Kommunikationsformate für bestimmte Handlungsräume dar. Sie werden schließlich durch konkretes Handeln vor Ort durch die Erfahrungsaustausche, Nachbarschaftsfonds, Nachbarschaftsaktionen, Gesund in Stadt und Quartier und Zukunftsviertel ergänzt.