Düsseldorf und Czernowitz starten Kooperation - Landeshauptstadt Düsseldorf

Düsseldorf und Czernowitz starten Kooperation

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Herbert Rubinstein (2.v.r.) wurde am Donnerstag, 19. Juni 2025, im Beisein von OB Dr. Stephan Keller (r.) die Medaille "Zum Ruhm von Czernowitz" ("Na slavu Chernivtsiv") durch Roman Klitschuk (2.v.l.), Bürgermeister von Czernowitz, verliehen. ©Landeshauptstadt Düsseldorf / David Young

Delegation aus Düsseldorfs ukrainischer Partnerstadt zu Gast

Düsseldorf und Czernowitz setzten am Donnerstag, 19. Juni 2025, ein sichtbares Zeichen ihrer lebendigen Partnerschaft: Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und sein Amtskollege Roman Klitschuk, Bürgermeister der Stadt Czernowitz, unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung, mit der die Umsetzung des Projekts "Stärkung inklusiver und hochwertiger Verwaltungsdienstleistungen in Czernowitz" offiziell beginnt. Eine Delegation um den Bürgermeister von Düsseldorfs ukrainischer Partnerstadt war nach dem Besuch der deutsch-ukrainischen kommunalen Partnerschaftskonferenz in Münster zu Gast im Düsseldorfer Rathaus.

Ziel des Vorhabens ist es, das Verwaltungsservice-Zentrum der westukrainischen Stadt barrierefreier und zugänglicher zu gestalten – insbesondere vor dem Hintergrund einer steigenden Zahl von Menschen mit Kriegsversehrungen. Dazu sollen unter anderem ein Treppenlift, akustische Leitsysteme, Schallverstärker, ein Führungsgummiband sowie ein barrierefreies Fahrzeug beschafft werden.

"Gerade in Zeiten des Krieges ist es entscheidend, dass wir unsere Partner und die Menschen vor Ort nicht nur mit Worten, sondern mit konkreten Maßnahmen unterstützen", sagt Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller. "Diese Vereinbarung steht exemplarisch für gelebte Solidarität und partnerschaftliches Vertrauen."

Das Projekt wird durch die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Die Fördersumme beläuft sich auf mehr als 160.000 Euro. Der Eigenanteil der Landeshauptstadt Düsseldorf beträgt rund 13.000 Euro; Czernowitz beteiligt sich mit 5.000 Euro.

Grundlage für die Bereitstellung dieser Mittel ist die nun geschlossene Kooperationsvereinbarung, die zusätzlich zur Fördervereinbarung mit dem Projektträger abgeschlossen wurde. Im September 2025 wird eine Delegation aus Czernowitz nach Düsseldorf kommen, um die geplanten Maßnahmen im Detail zu konzipieren. Unter anderem ist eine Besichtigung der neu eröffneten Kfz-Zulassungsstelle geplant, die als barrierefreies Vorbild dienen soll.

Herbert Rubinstein ausgezeichnet
Der Besuch der Delegation aus Czernowitz diente darüber hinaus auch der weiteren Vertiefung der bilateralen Beziehungen. Ein besonderer Programmpunkt war dabei die Auszeichnung von Herbert Rubinstein mit der Medaille "Zum Ruhm von Czernowitz" ("Na slavu Chernivtsiv"). Die vom Stadtrat Czernowitz verliehene Ehrung würdigt Rubinsteins langjähriges Engagement für die deutsch-ukrainischen Beziehungen.

"Herbert Rubinstein ist eine moralische Instanz und Brückenbauer zwischen den Generationen. Dass ihm heute diese besondere Auszeichnung verliehen wird, ist nicht nur eine persönliche Würdigung, sondern ein Zeichen gelebter europäischer Erinnerung und Verantwortung", sagt OB Dr. Keller.

Hintergrund

Städtepartnerschaft
Die Städtepartnerschaft zwischen Düsseldorf und Czernowitz besteht seit 2022. Seitdem wurden zahlreiche humanitäre Hilfsgüter – darunter Lebensmittelpakete, Schulmöbel, Fahrzeuge und Stromgeneratoren – geliefert sowie Fachkräfteaustausche in Bereichen wie Stadtentwicklung, Stadtentwässerung und Verwaltung realisiert.

Herbert Rubinstein
Rubinstein wurde am 26. Februar 1936 in Czernowitz geboren. Er ist Holocaust-Überlebender des dortigen Ghettos und lebt seit 1956 in Düsseldorf, wo er sich an vielen Stellen innerhalb der Jüdischen Gemeinde ehrenamtlich engagiert hat. Er war unter anderem langjähriger Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinden im Rheinland und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Düsseldorf und wurde 2021 für seinen großen Einsatz bei der Förderung jüdischen Lebens in NRW von Ministerpräsident Armin Laschet mit dem Bundesverdienstorden geehrt. Er war wichtiger Impulsgeber für die Städtepartnerschaft mit Czernowitz. Seine Lebensgeschichte wird in der Grafik-Novel "Blindekuh mit dem Tod" aufgegriffen und wurde in der aktuellen Spielzeit als Theaterstück im Jungen Schauspiel Düsseldorf bzw. in Czernowitz uraufgeführt.