Projektstart im Hetjens-Museum: Die Sammlung Ernst Schneider
Zum 1. März 2026 wurde das Provenienzforschungsprojekt Die Sammlung Ernst Schneider in Schloss Jägerhof (Düsseldorf) und Schloss Lustheim (Oberschleißheim). Genese – Herkunft – Netzwerke begonnen. Als Kooperationsprojekt werden parallel im Hetjens – Deutsche Keramikmuseum Düsseldorf und im Bayerischen Nationalmuseum München die Objekte aus der Sammlung Ernst Schneider (1900–1977) auf ihre Herkunft hin untersucht. Das auf zwei Jahre angelegte Projekt wird maßgeblich vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert und widmet sich der Überprüfung der Sammlung auf mögliches NS-Raubgut. Vorrangiges Ziel ist es, mithilfe der Synergien zwischen den beteiligten Museen die Genese der Sammlung und die Erwerbsquellen zu erforschen und im Fall von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut eine faire und gerechte Lösung herbeizuführen.
Der Industrielle und Kunstmäzen Prof. h.c. Dr. Dr. h.c. Ernst Georg Schneider baute seit den 1920er Jahren eine der umfangreichsten und bedeutendsten privaten Porzellansammlungen auf. Auch Möbel sowie Silber- und Goldschmiedearbeiten fanden ihren Weg in die Sammlung mit Schwerpunkt im Kunsthandwerk des 18. Jahrhunderts. Später sammelte Schneider zudem Malerei und Graphik des 20. Jahrhunderts. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieg war Schneider in Düsseldorf ansässig. Zunächst als Leihgabe ist die Sammlung dort seit den 1950er Jahren in Schloss Jägerhof der Öffentlichkeit zugänglich. Ende der 1960er Jahre wurde sie auf Verfügung des Sammlers geteilt und ein großer Bestand, insbesondere das frühe Meißener Porzellan, gelangte in den Besitz des Bayerischen Nationalmuseum in München. Diese Objekte werden heute in Schloss Lustheim (Oberschleißheim) ausgestellt. Beide Museen erwarben ihre Sammlungsteile als Schenkungen und Ankäufe aus der Privatsammlung schließlich dauerhaft.
Insgesamt werden in dem Kooperationsprojekt zwischen dem Bayerischen Nationalmuseum München und dem Hetjens-Museum an den beiden Standorten über 3.000 Objekte systematisch überprüft. Im Besitz der Landeshauptstadt Düsseldorf befinden sich davon knapp 850 Exponate, darunter etwa 630 Porzellane, überwiegend aus der Mitte des 18. Jahrhunderts aus Meißen sowie Vorbilder und Vergleichsstücke aus Asien und Europa. Gold- und Silberschmiedearbeiten (130 Einzelstücke) sowie 76 Möbelstücken aus der Zeit des Rokoko ergänzen den Bestand in Schloss Jägerhof.
Tag der Provenienzforschung 2026
In diesem Jahr findet der internationale Tag der Provenienzforschung am Mittwoch, den 8. April 2026 statt. Anlässlich des Aktionstages bieten die Museen der Landeshauptstadt Düsseldorf in verschiedenen Beiträgen erneut Einblicke in Aufgaben und Ergebnisse des Forschungsfeldes. Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf Social Media-Aktionen, die sich an eine breite Öffentlichkeit wenden. Im Heinrich-Heine-Institut haben Interessierte zudem die Gelegenheit, an einer Abendveranstaltung teilzunehmen. Der vom Arbeitskreis Provenienzforschung e. V. initiierte Aktionstag findet 2026 zum achten Mal statt und möchte dazu beitragen, die Geschichten von Kulturgütern und ihren Vorbesitzern sowie die Wege der Objekte ans Licht zu bringen.
Alle Veranstaltungen finden Sie hier:
Veranstaltungen am Tag der Provenienzforschung – Arbeitskreis Provenienzforschung
Am 9. April wird Prof. Dr. Paul Enck in seinem Abendvortrag um 19 Uhr im Heinrich-Heine-Institut eine etwas andere Provenienzgeschichte erzählen. Seine Recherche zum Heine-Porträt von Isidor Popper begann als Suche nach der Herkunft einer jüdischen Familie, genauer nach Martin Popper und seiner Frau Paula, die 1942 von Berlin nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet wurden. Bei dieser Suche tauchte auch Isidor Popper (1816–1884) auf, von dem die Familie wusste, dass er ein berühmtes Heine-Porträt gemalt hatte.
9. April 2026, 19:00–21:00 Uhr, Heinrich-Heine-Institut, Bilker Straße 12–14, Eintritt frei, Anmeldung unter: anmeldungen-hhi@duesseldorf.de
Mehr zur Veranstaltung:
Der Social Media-Beitrag des Hetjens - Deutsches Keramikmuseum stellt das vor kurzem begonnene und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte Provenienzforschungsprojekt „Die Sammlung Ernst Schneider in Schloss Jägerhof (Düsseldorf) und Schloss Lustheim (Oberschleißheim). Genese – Herkunft – Netzwerke“ vor.
8. April 2026, auf @hetjensmuseum auf Instagram und Facebook
Das SchifffahrtMuseum bereitet zum Tag der Provenienzforschung einen Blogbeitrag über die Modellgeschichte der Leibjacht des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz vor, die Schiffbau- wie Sammlungsgeschichte mit der Düsseldorfer Schloss-, Stadt- und Landesgeschichte verbindet. Das Jachtmodell gehört zu den ersten Ankäufen des Museums. Kurfürst Johann Wilhelm besaß mehrere Repräsentationsschiffe für seine Hofhaltung, zu denen es nur wenige Nachweise gibt. Die Suche nach den Vorbildern des Modellbauers führte zu einem seltenen vermuteten Werftmodell, das 1705–1715 entstanden war und auf spannenden Wegen ins Niederländische Schifffahrtsmuseum gelangte.
Ab dem 8. April 2026, auf der Website des Museums:
Jüngst wurde eine gütliche Einigung für ein Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. im Kunstpalast erzielt, für das der Landeshauptstadt Düsseldorf ein Restitutionsersuchen vorlag. Die Provenienzforscherin Dr. Christiane Jungklaus beleuchtet das Ergebnis einer Provenienzrecherche, die nun zu einer „fairen und gerechten Lösung“ im Sinne der Washingtoner Prinzipien geführt hat.
8. April 2026, auf @kunstpalast auf LinkedIn
Das Portal d:kult online rückt zum Tag der Provenienzforschung die Herkunftsgeschichten ausgewählter Objekte in den Sammlungen der Landeshauptstadt Düsseldorf in den Fokus. Das Themenportal bündelt verschiedene Objektgruppen mit spannenden Provenienzen, die durch die d:kult-Verbundsmitglieder und die städtische Provenienzforschungsstelle bearbeitet wurden.
1. April bis 24. April 2026, Start – d:kult online
Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut
Seit dem 1. Dezember 2025 kann die „Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut“ in strittigen Fällen über die Restitution von NS-Raubgut angerufen werden. Die Schiedsgerichtsbarkeit ist ein alternativer Streitbeilegungsmechanismus im Sinne der Washingtoner Prinzipien. Sie ersetzt die „Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz" (kurz: Beratende Kommission). Diese hatte seit 2003 in Konflikten über die Rückgabe von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut Empfehlungen abgegeben. Durch das neue Verfahren sollen zukünftig gerechte und faire Lösungen für die Anspruchstellenden schneller, transparenter und einfacher zu erzielen sein.
Die neue Schiedsgerichtsbarkeit bringt mehrere zentrale Veränderungen mit sich:
Im Unterschied zu den Empfehlungen der Beratenden Kommission sind die Entscheidungen („Schiedsspruch“) rechtlich bindend. Sie können nach den Regeln der Zivilprozessordnung überprüft werden.
Für jedes Verfahren werden von den Parteien jeweils fünf Schiedsrichter*innen gewählt, die im jeweiligen Fall das zuständige Schiedsgericht bilden. Jedes Schiedsgericht wird interdisziplinär mit Provenienzforscher*innen, Historiker*innen und Jurist*innen besetzt sein. So soll sichergestellt werden, dass sowohl rechtliche Fragen als auch historische Hintergründe angemessen berücksichtigt werden.
Die Schiedsgerichte entscheiden auf Grundlage einer neu ausgearbeiteten „Schiedsordnung“ sowie eines für die Schiedsgerichtsbarkeit entworfenen „Bewertungsrahmens“. Die Schiedsordnung regelt den Verfahrensablauf, der Bewertungsrahmen enthält verbindliche Regelungen und Beweiserleichterungen, nach denen die Schiedsrichter*innen die Streitfälle entscheiden. Anwendungshinweise zum Bewertungsrahmen geben die „Erläuterungen zum Bewertungsrahmen für Schiedsgerichte der Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut“.
Eine weitere Neuerung und Erleichterung für die Anspruchstellenden ist die einseitige Anrufbarkeit des Schiedsgerichts. Kulturgut besitzende Stellen wie Museen und ihre Träger können mit der Abgabe eines „stehenden Angebots“ nun vorab ihre generelle Zustimmung geben, Streitfälle über NS-Raubgut zukünftig von einem Schiedsgericht entscheiden zu lassen. Anspruchstellende können dann durch einen Antrag bei der zuständigen Schiedsstelle einseitig ein Verfahren einleiten. Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hat mit seinem Beschluss vom 10. Juli 2025 bereits ein „stehendes Angebot“ abgegeben und somit grundsätzlich künftigen Verfahrensaufnahmen vor der Schiedsgerichtsbarkeit zugestimmt. Alle abgegebenen stehenden Angebote können auf der Website der Schiedsgerichtsbarkeit eingesehen werden.
Weitere Informationen zur Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut finden Sie auf der Website der „Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut“:
Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut
Die Grundlagendokumente zur Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut (u.a. Schiedsordnung, Bewertungsrahmen, Erläuterungen) finden Sie hier:
Online-Findmittel
Die Stabsstelle Provenienzforschung hat in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Stadtarchiv ein Serviceinstrument für die Provenienzforschung erarbeitet, das nun zur Verfügung steht. Das Projekt zur Erschließung zentraler Aktenbestände ist Teil des Aufbaus einer Infrastruktur für die städtische Provenienzforschung und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag für die internationale Provenienzforschung. Gefördert wurde das Projekt vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg. Mit Unterstützung von „WissensWandel. Digitalprogramm für Bibliotheken und Archive innerhalb von Neustart Kultur“ wurden zeitgleich die wichtigsten Quellen digitalisiert.
Mit Projektabschluss liegt ein digitales Findmittel bereit, über das Provenienzforschende und andere Interessierte online recherchieren und die Archivalien einsehen können. Über die Internetportale „Archivportal-D“, „Archive in NRW“ und die „Deutsche Digitale Bibliothek“ sind die Daten abrufbar. Das 1912 gegründete Stadtarchiv der Landeshauptstadt Düsseldorf bewahrt Schriftgut und Bildmaterial der Stadtverwaltung sowie u.a. für die kulturelle und wirtschaftliche Geschichte der Stadt bedeutsame Dokumente, Nachlässe und Sammlungen auf. Die nahezu vollständig überlieferten Akten der städtischen Museen sowie der Stadt- und Kulturverwaltung während der NS-Zeit, insbesondere zu Angeboten des nationalen und internationalen Kunsthandels, zu Ankäufen sowie Gutachten und allgemeine Korrespondenzen, sind von herausragender Bedeutung für die internationale Provenienzforschung. Zu ausgewählten, relevanten Beständen wurde ein sowohl personen- und institutionsbezogenes als auch sachthematisches Findmittel erarbeitet. Mit dem Serviceinstrument für die Provenienzforschung und den zugehörigen Digitalisaten wurden diese wichtigen Archivalien weltweit zugänglich gemacht und gleichzeitig nachhaltig gesichert. In dem 2019 begonnen Projekt wurden 94 Akten mit insgesamt etwa 80.000 Seiten, vor allem Angebots-, Ankaufs- und Gutachtenakten der Düsseldorfer Kunstsammlungen aus der Zeit des Nationalsozialismus ausgewertet. Davon sind über 70 Akten tiefenerschlossen und gescannt worden. Auch Korrespondenzen mit auswärtigen Museen und andere für die Provenienzforschung wichtige Archivalien, beispielsweise zeitlich unmittelbar angrenzende Ankaufsakten der 1920er Jahre, wurden aufbereitet und im Detail durchsuchbar gemacht. Ebenfalls im Findmittel enthalten sind Unterlagen des übergeordneten Kulturamtes und des Oberbürgermeisters. Somit können nun einzelne Kunstwerke und Personen, aber auch allgemein zum Kunst- und Kulturbetrieb recherchiert werden. Die Archivalien beziehen sich nicht nur auf den Raum Düsseldorf, sondern reichen auch über das Rheinland hinaus. Sie zeigen etwa Verbindungen zu den besetzten Gebieten der Niederlande und Frankeichs zu Beginn der 1940er Jahre.
Eine Übersicht über alle ausgewerteten Akten mit Verlinkung zum online-Findmittel Archive in NRW finden Sie hier:
Zur Übersicht
Eine Hilfe für Recherchen im Portal "Archive in NRW" finden Sie hier:
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Begleitend zu der Erschließung der Akten wurden zu insgesamt 80 Akteur*innen (Personen und Institutionen), die in den bearbeiteten Beständen des Stadtarchivs als relevant in Erscheinung treten, Dossiers mit biografischen Angaben, Informationen zu ihren Netzwerken, Literaturhinweisen und weiteren Quellenverweisen zusammengestellt.
Sie finden die Personendossiers hier:
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