Provenienzforschung der Landeshauptstadt Düsseldorf

Wie kommen Kunst- und Kulturobjekte ins Museum? Dieser Frage widmet sich die Provenienzforschung. Provenienz kommt aus dem Lateinischen von provenire, was „her(vor)kommen“ oder „her(vor)gehen“ bedeutet, und bezeichnet die Erforschung der Herkunft von Objekten.

Provenienzforschung setzt sich mit der Geschichte, den Besitz- und Standortwechseln eines Kunst- oder Kulturgegenstandes, vom Ort und Zeitpunkt des Schaffens bis zu seinem heutigen Aufbewahrungsort auseinander. Ziel ist es, möglichst lückenlos die Besitzer- und Eigentümerfolge eines jeden Objekts zu rekonstruieren. Dabei rückt die Institutions- und Sammlungsgeschichte verstärkt in den Vordergrund. Wer waren die Vorbesitzer oder Vorbesitzerinnen der heute in den Museen befindlichen Objekte, haben sie das jeweilige Objekt der Institution geschenkt, ist es angekauft oder ersteigert worden, wann und unter welchen (politischen) Umständen ist dies geschehen, welcher Preis wurde dafür bezahlt? Die Biografien der Objekte sind genauso individuell wie die ihrer Besitzer, und es gilt die Devise: „Jeder Fall ist anders.“

Verschoben: Führung zur Sammlung Moritz J. Binder anlässlich des Internationalen Tages der Provenienzforschung

Am 8. April 2020 findet zum zweiten Mal der Internationale Tag der Provenienzforschung statt – initiiert vom Arbeitskreis Provenienzforschung e.V. Die Landeshauptstadt Düsseldorf beteiligt sich mit der Führung "Der unbekannte Sammler – auf den Spuren von Moritz J. Binder. Einblicke in die Düsseldorfer Provenienzforschung" im Kunstpalast. Um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, sind Museen, Bibliotheken, Archive und Hochschulen in Deutschland derzeit geschlossen. Die Führung wird daher verschoben.

Ein Serviceinstrument für die Provenienzforschung

Im November 2019 hat die Landeshauptstadt Düsseldorf mit der Tiefenerschließung ihrer Aktenbestände der städtischen Kunst- und Kultureinrichtungen während des Nationalsozialismus begonnen. Das Projekt leistet einen weiteren wichtigen Beitrag für die internationale Provenienzforschung und wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg gefördert.

Das 1912 gegründete Stadtarchiv der Landeshauptstadt Düsseldorf bewahrt Schriftgut und Bildmaterial der Stadtverwaltung sowie u.a. für die kulturelle und wirtschaftliche Geschichte der Stadt bedeutsame Dokumente, Nachlässe und Sammlungen auf. Die nahezu vollständig überlieferten Akten der städtischen Museen sowie der Stadt- und Kulturverwaltung während der NS-Zeit, insbesondere zu Angeboten des nationalen und internationalen Kunsthandels, zu Ankäufen sowie Gutachten und allgemeine Korrespondenzen, sind von herausragender Bedeutung für die internationale Provenienzforschung.  Seit November 2019 wird daher ein sowohl personen- und institutionsbezogenes als auch sachthematisches Findmittel zu ausgewählten, relevanten Beständen erarbeitet. Ziel ist es, ein Serviceinstrument für die Provenienzforschung zu entwickeln, das online und somit ortsungebunden und frei zugänglich ist. Das Projekt wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.

Nach Projektabschluss soll das Findmittel der weiteren systematischen Überprüfung der städtischen Kulturgüter auf NS-Raubkunst dienen.

Kontakt

  • Kulturdezernat der Landeshauptstadt Düsseldorf
    Provenienzforschung
    Zollhof 13
    40221 Düsseldorf
  • Isgard Kracht
    Provenienzforschung
    Kulturdezernat der Landeshauptstadt Düsseldorf
  • Ulrice Michelbrink
    Juristin
    Kulturdezernat der Landeshauptstadt Düsseldorf