"Fünfzig. Vom Düsseldorfer Schauspielhaus zum D'haus"

| Kultur

Das Düsseldorfer Schauspielhaus und der Gustaf-Gründgens-Platz während der Bauzeit um 1969, Foto: Wolde, Theatermuseum Düsseldorf.

Das Schauspielhaus von der Bleichstraße aus gesehen, Foto: Lore Bermbach, Theatermuseum.

Die Bühne des Großen Hauses während der Bauphase, Foto: Lore Bermbach, Theatermuseum.

"Ein Sommernachtstraum" in der Inszenierung von Karin Beier (1995), Foto: Sonja Rothweiler, Theatermuseum.

"Ein Sommernachtstraum" in der Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle (1970), Foto: Lore Bermbach, Theatermuseum.

Das Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sonja Rothweiler, Theatermuseum.

"Ein Sommernachtstraum" in der Inszenierung von Johannes Schaaf (1984), Foto: Lore Bermbach, Theatermuseum.

"Klaus Klettermaus und die anderen Tiere im Hackebackewald!", Großes Haus, am 16. Oktober 1972, Foto: Kaspar Seiffert.

Tatjana Urban, Leon Post, Anna-Lu Rauch (vorne v.l., Institut für Medienkultur und Theater der Uni Köln), Michael Matzigkeit und Anne Blankenberg (Theatermuseum) und Prof. Peter W. Marx (Inst. für Medienkultur Köln).

Ausstellung 'Fünfzig. Vom Düsseldorfer Schauspielhaus zum D'haus' - Blick in die Schau, Foto: Melanie Zanin.

Ausstellung 'Fünfzig. Vom Düsseldorfer Schauspielhaus zum D'haus' - Blick in die Schau, Foto: Melanie Zanin.

Ausstellung 'Fünfzig. Vom Düsseldorfer Schauspielhaus zum D'haus' - Blick in die Schau, Foto: Melanie Zanin.

Ausstellung 'Fünfzig. Vom Düsseldorfer Schauspielhaus zum D'haus' - Blick in die Schau, Foto: Melanie Zanin.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens, das das Düsseldorfer Schauspielhaus in diesem Jahr feiert, lädt das Theatermuseum, Jägerhofstraße 1, bis Ende 2020 zur Schau "Fünfzig. Vom Düsseldorfer Schauspielhaus zum D’haus" ein.

Vor 50 Jahren, am 16. Januar 1970, wurde das Düsseldorfer Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz eröffnet. Konzipiert und baulich umgesetzt wurde es von dem Düsseldorfer Architekten Bernhard Pfau. Die Ausstellung des Theatermuseums erzählt jedoch nicht nur die Entstehungsgeschichte des Gebäudes. Studierende des Instituts für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln lassen - auch anhand von Shakespeares "Sommernachtstraum" - Inszenierungen, Darsteller und ästhetische Entwicklungen der vergangenen fünf Jahrzehnte Revue passieren und beleuchten das Schauspielhaus als einen besonderen Ort des städtischen und gesellschaftlichen Diskurses. Ein eigens für Kinder eingerichteter Ausstellungsraum erzählt zudem von der Arbeit der 1976 gegründeten Kinder- und Jugendtheatersparte des Düsseldorfer Schauspielhauses.

Architekturikone Schauspielhaus
Zu Beginn war der Bau wegen der ungewohnt hohen Baukosten insbesondere bei der akademischen, rebellischen Jugend Ende der 1960er-Jahre hoch umstritten. Bei der Eröffnung gab es noch Auseinandersetzungen mit der berittenen Polizei. Jahre später wurde das Haus wegen seiner architektonischen Besonderheit zunehmend gewürdigt. Als dann Microsoft 2009 mit Windows 7 Desktophintergründe von acht herausragenden Bauten – darunter das Düsseldorfer Schauspielhaus als einzigem Theaterbau – bereitstellte, war das Haus auch weltweit zu einer Stilikone avanciert.

Die Ausstellung des Theatermuseums – weitestgehend aus eigenen Beständen – erzählt jedoch nicht nur die Entstehungsgeschichte des Gebäudes, das den von Gustaf Gründgens 1951 begonnenen und von Karl-Heinz Stroux bis 1970 fortgeführten Interimszustand des Düsseldorfer Schauspielhauses an der Jahnstraße beendete. Zu sehen sind auch die Architektenwettbewerbe von 1959/1961 mit dem dann ausführenden Sieger Bernhard Pfau und die technischen Innovationen der Bühnen und Zuschauerräume des Großen und Kleinen Hauses, für die der damalige technische Direktor Willi Ehle verantwortlich zeichnete. Das Architekturbüro "Ingenhoven architects" stellte dem Theatermuseum bildliche Ausblicke in die Zukunft und ein Arbeitsmodell des Schauspielhauses für die Ausstellung zur Verfügung.

Kinder- und Jugendtheater
Ein eigens für Kinder eingerichteter Ausstellungsraum gibt Einblicke in die Arbeit der 1976 gegründeten Kinder- und Jugendtheatersparte des Düsseldorfer Schauspielhauses. Ausgehend von der mit 70.000 Besuchern erfolgreichsten Kindertheaterproduktion der 1970er-Jahre "Klaus Klettermaus und die anderen Tiere im Hackebackewald" (16. Oktober 1970) bis hin zu Robert Wilsons aktueller Inszenierung vom "Dschungelbuch" konzentriert sich dieser Ausstellungsteil auf Stücke, in denen Tiere im Zentrum des Geschehens stehen. Das eindeutig Andere ist eine besonders geeignete Form, um auch den jungen Besucherinnen und Besuchern verständlich zu machen, was beim darstellerischen Prozess passiert, wenn man in eine Rolle schlüpft. Begleitet wurde die Erarbeitung dieses Ausstellungsteils von Schülern und Schülerinnen einer sechsten Klasse des Düsseldorfer Görres-Gymnasiums, die sich intensiv mit der "Dschungelbuchproduktion" auseinandergesetzt haben. Es sind Interviews mit den Darstellern der Produktion und Einblicke in die Arbeit des Schauspielhauses entstanden, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind.

"Ein Sommernachtstraum"
Der dritte Ausstellungsteil, der die ästhetische Entwicklung des Schauspielhauses in den vergangenen fünf Jahrzehnten in den Fokus rückt, konnte dank einer Kooperation mit dem Institut für Medienkultur und Theater der Universität zu Köln, vertreten durch Professor Peter W. Marx und eine Gruppe seiner Studierenden, umgesetzt werden. Im Rahmen einer praxisbezogenen Seminararbeit durchforsteten diese im Archiv des Theatermuseums ein halbes Jahrhundert Düsseldorfer Theatergeschichte aus Fotos, Spielplänen, Bühnenentwürfen, Kostümskizzen und Kritiken. Den roten Faden bildet Shakespeares bekanntestes Bühnenwerk "Ein Sommernachtstraum". Ob Jean-Pierre Ponnelles klassizistische Kulissenbühne, Karin Beiers Europäischer Shakespeare in gleich neun Sprachen oder Joanna Pramls Umsetzung mit Jugendlichen der Bürgerbühne – hier zeigt sich, warum gerade der "Sommernachtstraum" immer wieder zur Projektionsfläche wird nicht nur für die Handschriften der Regiegrößen des deutschen Sprechtheaters, sondern auch für die Zeit und ihre Fragen. Dem Theater als Ort der Auseinandersetzung wird in einer besonderen Installation Rechnung getragen, die das Schauspielhaus als Raum des gesellschaftlichen und politischen Diskurses betrachtet. Kann Theater heute noch Störung sein? Welche Utopie- und Diskussionsräume eröffnen sich jeden Abend auf den Brettern, die die Welt bedeuten? Damit will die Ausstellung des Theatermuseums nicht nur Erinnerungsort sein, sondern auch spannende Impulse und Denkanstöße für die Zukunft warten darauf, entdeckt zu werden.

Weitere Informationen
Öffnungszeiten des Theatermuseums: dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 13 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet vier Euro, ermäßigt zwei Euro (Auszubildende und Studenten). Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt. Sonntags ist der Eintritt in die Austellung des Theatermuseum für alle Besucherinnen und Besucher frei. Kostenlose öffentliche Führungen finden jeden dritten Sonntag im Monat um 15 Uhr statt. Gruppenführungen durch die Ausstellung können ebenfalls gebucht werden – auch außerhalb der Öffnungszeiten. Die Kosten liegen hier bei 39 Euro zuzüglich 4 Euro pro Person, ermäßigt 2 Euro (ab 10 Personen).


Kontakt: Per E-Mail an theatermuseum@duesseldorf.de oder per Telefon unter 0211-8994660.

Am Tag der offenen Tür des Schauspielhauses, Samstag, 18. Januar, kann auch die Ausstellung im Theatermuseum kostenlos besucht werden. Kurzführungen finden um 17 und 18 Uhr statt.