Bastian Fleermann (Hg.): Die Kommissare. Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950) Droste Verlag Düsseldorf, 2018, ISBN 978-3-7700-6032-0 498 Seiten, gebundene Ausgabe mit Leinenrücken und Lesebändchen, Großformat (22 x 30 cm) mit ca. 420 Abbildungen (49,00 €)

Die Kommissare

Die Kommissare
Kripokarrieren zwischen Demokratie und Diktatur

Nach über vierjähriger Forschungsarbeit ist jetzt der Band "Die Kommissare. Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950)", herausgegeben von Bastian Fleermann im Auftrag des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., im Droste Verlag erschienen.

Erstmals wird hier die Geschichte der Düsseldorfer Kriminalpolizei von den Zwanziger Jahren bis in die frühe Nachkriegszeit dargestellt.

Modernisierung nach dem Ersten Weltkrieg.
Von Reformwille, Effizienz und Technikbegeisterung gestalteten die Kriminalbeamten nach dem Ersten Weltkrieg einen Neuanfang: Modernisierung, Bürgernähe und die Nutzbarmachung der Naturwissenschaften standen nun auf der Tagesordnung. Die Kripo sollte informieren und Präventionsarbeiten leisten, Kriminellen gegenüber jedoch hart und unnachgiebig sein. Mit der 1926 durchgeführten Verstaatlichung der Düsseldorfer Polizei arbeitete man auch hier am Imagewandel der Kriminalpolizei. Ein „Kriminalmuseum“ informierte die Öffentlichkeit, ein Polizeiwerbefilm zeigte in den Kinos den Polizisten „neuen Typs“. Erst die Mordserie des Peter Kürten 1929/30 brachte das neue Vertrauen wieder ins Wanken. Hysterie und Denunziantentum erschütterten die Rheinmetropole.

Zuständig für die gesamte Region
Die Nationalsozialisten nutzten die Kriminalpolizei zunächst für einen neuen Kampf gegen Bettler, Außenseiter, Dirnen, Trinker und „Arbeitsscheue“. Die Kripobeamten versprachen sich eine neue Zeit: Im „Dritten Reich“ sollte es kaum noch Kriminalität geben, und die Kriminalisten verstanden sich als „Ärzte am Volkskörper“. Gleichzeitig wuchs der Zuständigkeitsbereich enorm an: Als „Kriminalpolizeileitstelle“ war die Kripo Düsseldorf ab 1936 für die „Verbrechensbekämpfung“ in der gesamten Region verantwortlich. Sie überwachte die Arbeit der Kripo am Niederrhein, im Ruhrgebiet und fast in ganz Westfalen.

Verbrechen in der NS-Zeit
Neben der regulären Fahndungs- und Ermittlungsarbeit beteiligten sich die Beamten immer aktiver an den Verbrechen des NS-Regimes: Menschen wurden als angebliche „Asoziale“, „Gemeinschaftsfremde“ oder „Volksschädlinge“ regelrecht „aussortiert“ und in Konzentrationslager verschleppt. Sie wurden Opfer einer brutalen „Reinigung des deutschen Volkskörpers von unerwünschten Elementen“. Das verantworteten die Kriminalisten von Rhein und Ruhr jedoch nicht nur an der „Heimatfront“, sondern nach Kriegsbeginn auch nahezu im gesamten besetzten Europa. Die Kommissare, von denen viele über Jahrzehnte hinweg im Dienst waren, beteiligten sich an Massenerschießungen, der Ghettoüberwachung und angeblicher „Bandenbekämpfung“. Kripobeamte aus Düsseldorf und dem Rhein-Ruhrgebiet wurden zu Kriegsverbrechern. Das Jahr 1945 beendete zwar die Strukturen und Massenverbrechen der nationalsozialistischen Kriminalpolizei, nicht aber die einzelnen Karrierewege der Beamten. Viele verblieben im Dienst – bis weit in die Nachkriegszeit hinein.

Unsere Veröffentlichung:
Bastian Fleermann (Hg.): Die Kommissare. Kriminalpolizei in Düsseldorf und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet (1920-1950) Droste Verlag Düsseldorf, 2018, ISBN 978-3-7700-6032-0


498 Seiten, gebundene Ausgabe mit Leinenrücken und Lesebändchen, Großformat (22 x 30 cm) mit ca. 420 Abbildungen (49,00 €)
Mit Beiträgen von Wolfgang Antweiler, Walter Daugsch, Andrea Ditchen, Bastian Fleermann, Stefani Geilhausen, Markus Günnewig, Peter Henkel, Annette Janatsch, Hildegard Jakobs, Karin Kienast, Heidi Sack, Immo Schatzschneider, Joachim Schröder, Hermann Spix, Stephan Stracke und Waltraud Vietor.
Das Buch ist ab sofort bei uns sowie im Buchhandel erhältlich.