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Gesundheit
Antikörperstudie zu COVID-19 startet in Düsseldorf
Uniklinik und Heinrich-Heine-Universität kooperieren mit Landeshauptstadt Düsseldorf/Teilnehmer werden zufällig ausgewählt
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Gemeinsam mit der Landeshauptstadt Düsseldorf starten das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) und die Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität (HHU) ab November eine repräsentative Studie zur Verbreitung von Antikörpern gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 in bestimmten Gruppen der Düsseldorfer Bevölkerung. Das Vorhaben wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) des Landes Nordrhein-Westfalen mit 50.000 Euro unterstützt.
Das Ziel ist es, zu bestimmen, wie viele Menschen bereits eine Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus durchgemacht haben – manchmal auch, ohne es zu wissen. Hierzu macht man sich zunutze, dass das Immunsystem einige Zeit nach einer Infektion Antikörper bildet, die im Blut nachweisbar sind. Im Gegensatz zu einem Test auf eine akute COVID-19-Erkrankung wird mit den Antikörpertests nach überstandenen Erkrankungen gesucht. Von besonderem Interesse sind dabei Infektionen, die überhaupt nicht diagnostiziert wurden. Manche Menschen hatten zum Beispiel gar keine Symptome oder der Verlauf war so mild, dass eine Testung nicht notwendig erschien.
In dieser Studie werden also "alte" Infektionen untersucht, und es wird nicht auf eine akut vorliegende COVID-19 Erkrankung getestet. Ein positiver Antikörper-Test zeigt den Teilnehmenden also, ob sie in der Vergangenheit die Erkrankung durchgemacht haben. Den Teilnehmenden wird selbstverständlich auch das Testergebnis mitgeteilt.
Durch Antikörpertests werden sowohl bekannte Erkrankungen nachuntersucht als auch unerkannte Erkrankungen erstmals aufgedeckt. Nur so kann das tatsächliche Ausmaß der Pandemie auch auf lokaler Ebene bestimmt werden und erfasst werden, wie hoch die Dunkelziffer bei den Infektionen ist. Eine zahlreiche Teilnahme ist sehr wichtig, denn je mehr Menschen an der Studie teilnehmen, desto aussagekräftiger und repräsentativer sind die Ergebnisse.
"Es gibt bereits einige Studien, die die Dunkelziffer in der allgemeinen Bevölkerung untersuchen", sagt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. "Gerade vor dem Hintergrund der wieder steigenden Infektionszahlen finde ich es aber auch wichtig zu wissen, wie sich die Infektionen in unterschiedlichen Gruppen verhalten, um dann vielleicht auf dieser Grundlage passende und effiziente Maßnahmen ergreifen zu können."
"Für uns ist es sehr wichtig, zu wissen, wie viele Menschen unerkannt infiziert waren, um neue Möglichkeiten zu finden, Infektionsketten zu unterbrechen", erklärt Dr. Klaus Göbels, Leiter des Gesundheitsamts Düsseldorf und Studienleiter "Öffentliche Gesundheit" der Antikörperstudie.
"Antikörperstudien zu COVID-19 sind ein Baustein, um das Virus und seine Verbreitung besser zu verstehen als bisher", betont Prof. Dr. Jörg Timm, Direktor des Instituts für Virologie der UKD und Studienleiter "Virologie" der Antikörperstudie.
Prof. Dr. Friedrich Boege, Direktor des Zentralinstituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik der UKD und Studienleiter "Labormedizin" der Antikörperstudie: "Mit dieser Studie möchten wir auch neue Erkenntnisse zur sicheren Diagnostik gewinnen."
"Weil auch Menschen ohne Symptome die Krankheit weitergeben können, brauchen wir Informationen über die Zahl der unerkannten Erkrankungen, um den weiteren Verlauf der Pandemie vorhersagen zu können", sagt Prof. Dr. Nico Dragano, Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie der UKD und Leiter der "Epidemiologischen Studienplanung" der Antikörperstudie.
Da es nicht möglich ist, die gesamte Bevölkerung zu untersuchen, arbeitet die Düsseldorfer Studie mit Stichproben. Insgesamt sollen ab Anfang November rund 3.000 Menschen getestet werden. Das Forschungsprojekt konzentriert sich dabei auf zwei Gruppen:
- junge Düsseldorferinnen und Düsseldorfer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sowie
- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Feuerwehr Düsseldorf und ihrer Partner im Rettungsdienst Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) und Malteser Hilfsdienst (MHD).
Diese Gruppen sind von besonderem Interesse, weil gerade bei jungen Menschen viele Infektionen ohne oder nur mit ganz geringen Symptomen verlaufen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rettungsdienstes sind besonderen Infektionsrisiken ausgesetzt und stehen deshalb im Blickpunkt dieser Untersuchung.
Für die Studie in Düsseldorf werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zufällig ausgewählt und zur Untersuchung eingeladen. Die Teilnahme der angeschriebenen Personen ist freiwillig, kostenfrei, und es entstehen keine Nachteile wie beispielsweise eine Quarantäne. Es ist jedoch nicht möglich, sich ohne Einladung untersuchen zu lassen. Die ausgewählten Düsseldorfer*innen werden noch bis zum 9. November angeschrieben.
Da auch die Untersuchung anderer Bevölkerungsgruppen von Interesse ist, hat sich die Düsseldorfer Studie einem vom Berliner Robert Koch-Institut (RKI) koordinierten Studienverbund angeschlossen, in dem in unterschiedlichen Städten unterschiedliche Gruppen untersucht werden. Daraus ergibt sich dann ein umfassenderes Gesamtbild.
Für Fragen zum Thema "Coronavirus" hat die Landeshauptstadt ein Informationsportal eingerichtet unter der Adresse: www.duesseldorf.de/corona.