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Zwei Straßen in Derendorf werden nach Rose Ausländer und Elfriede Bial benannt


Erstellt:
Text: Baumgarten, Malte Philipp

Rose Ausländer und Elfriede Bial bekommen eigene nach ihnen benannte Straßen. Die benannten Straßenzüge befinden sich nahe des Campus der Hochschule Düsseldorf in Derendorf zwischen Rather und Weißenburgstraße. Die offiziellen Straßenbenennungen findet am Dienstag, 17. September, 17 Uhr, an der Ecke Elfriede-Bial-Straße/Rose-Ausländer-Straße statt.

Rose Ausländer (1901 – 1988)
Geboren 1901 als Rosalie Scherzer in Czernowitz/Bukowina (damals Österreich-Ungarn) war Rose Ausländer eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.
1939 erscheint ihr erster Gedichtband "Der Regenbogen" in Czernowitz auf Deutsch, der von der lokalen Kritik sehr gefeiert wird, aber in Nazideutschland und dem faschistischen Österreich keinerlei Resonanz findet. Es wird für fast dreißig Jahre ihr letztes Buch sein. Ihren Lebensunterhalt verdient sie in der Folge als Arbeiterin und mit Englischunterricht.

1941 besetzen die Nazis die Stadt Czernowitz. In dieser Zeit werden von den mehr als 60.000 Czernowitzer Juden etwa 55.000 deportiert und ermordet. Rose Ausländer arbeitet zunächst als Zwangsarbeiterin im jüdischen Getto. In dieser Zeit trifft sie Paul Celan, mit dem sie sich intensiv poetisch austauscht. Den Deportationen 1943/44 entgeht sie zusammen mit ihrer Mutter versteckt in Kellern mit Hilfe einer Freundin, Hanna Kawa, die ebenfalls Dichterin ist.

Nach der Befreiung durch die russischen Truppen wird Czernowitz der Ukraine zugeschlagen. Rose Ausländer verlässt erneut Czernowitz und wandert über Bukarest 1946 in die USA aus.

1965 siedelt sie schließlich in die Bundesrepublik über. Dort ist sie zu Beginn fast völlig unbekannt. Ab 1972 lebt sie im Nelly-Sachs-Haus, dem jüdischen Altenheim in Düsseldorf. Obwohl sie ab 1978 bettlägerig ist, hat sie in den folgenden Jahren ihre produktivste lyrische Phase. Bis zu ihrem Tod 1988 schreibt Rose Ausländer noch mehr als 20 Gedichtbände und kommt zu spätem Ruhm. Neben zahlreichen Literaturpreisen wird sie 1984 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Elfriede Bial (1886 – 1944)
Elfriede, genannt "Ella", Bial war die Tochter von Felix Bial und seiner Frau Emma, geborene Lubowski. Nach ihrer Schulzeit absolviert sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und wird am 1. April 1909 als Gemeindekrankenschwester für die Synagogengemeinde Düsseldorf eingestellt. Während des Ersten Weltkrieges leistet sie ihren Dienst an der Front.

Ihr Büro hat sie zu Beginn der NS-Zeit in der Kopernikusstraße 56. In der Verfolgungszeit erweitern sich ihre Aufgabenfelder: Sie wird für viele Gemeindemitglieder ein Anlaufpunkt, wenn es um allgemeine (seelische) Sorgen oder um medizinische Versorgung im Vorfeld einer Ausreise geht. Insbesondere nach der Pogromnacht 1938 und den dann folgenden "Kindertransporten" nach Großbritannien ist Ella Bial eine wichtige Ansprechpartnerin für die besorgten Eltern in der Jüdischen Gemeinde, die schweren Herzens ihre Kinder alleine ins Ausland geben wollten.

Anfang 1941 muss sich Elfriede Bial einer schweren Operation unterziehen. Als sie wieder gesund ist, sind die Vorbereitungen zur ersten Deportation der jüdischen Bürger voll im Gange. Anfang Oktober 1941 wird sie darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie zur jüdischen "Transportleitung" des Zuges ins Ghetto von Litzmannstadt (Lodz) am 27. Oktober 1941 gehören würde.

Ab dem 1. Dezember 1941 arbeitet sie im Ghetto als Krankenschwester im Greisenheim II in der Gnesener Straße. Der Chefarzt bescheinigt in einem Schreiben vom 7. Mai 1942, dass Ella Bial sich nicht nur durch ihre Kenntnisse als staatlich geprüfte Krankenschwester, sondern auch durch ihren Fleiß und ihre mustergültige Art, auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen, unentbehrlich gemacht habe.

Als das Greisenheim nach dem brutalen Abtransport und der Ermordung seiner Bewohner im September 1942 aufgelöst wird, verliert sie ihre Arbeitsstelle. Im Zuge der Auflösung des Ghettos im August 1944 wird Ella Bial ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich sofort ermordet.

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