Stadtteil-Gespräch am 6. September 2016 in Stadtmitte

  • OB Geisel beim Rundgang durch den Stadtteil Stadtmitte, (c)Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Rundgang durch den Stadtteil Stadtmitte am 6. September 2016. Foto: Michael Gstettenbauer

Das elfte in meiner Reihe von Stadtteil-Gesprächen habe ich am 6. September 2016 in Stadtmitte geführt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger konnten sich zu Wort melden oder mittels vor Ort verteilten Karten ihre Anregungen oder Fragen an mich loswerden.

Die Veranstaltungsreihe moderiert normalerweise Radio- und Fernsehmoderatorin Claudia Monreal. Da sie jedoch an diesem Tag terminlich verhindert war, führte Kerstin Jäckel-Engstfeld, Leiterin Amt für Kommunikation, durch den Abend.

Frage: Welche Neuigkeiten gibt es zum Umbau dieses ganzen Geländes hier am Bahnhof?

Antwort: Was feststeht, ist, dass es zwei große Wohnungsbauprojekte gibt. Eines an der Worringer Straße, südlich vom Wehrhahn. Dort werden etwa 400 Wohnungen geschaffen. Da gilt natürlich das Handlungskonzept Wohnen. Dasselbe gilt für das Gelände hinterm Bahngleis, das Postgelände, das was man früher Quartier M nannte, dann Living Central und jetzt Grand Central. Dort sollen es 1000 Wohnungen werden. Dann haben Sie wahrscheinlich gelesen, dass an der Harkortstraße ebenfalls gebaut werden soll. Dort werden Hotels unterschiedlicher Kategorien entstehen.

Dann haben wir natürlich das große Projekt, das gegenwärtige Hauptpostgebäude am Konrad-Adenauer-Platz 1. Das soll ein großes Kultur- und Verwaltungszentrum werden. Dort soll die Zentralbibliothek mit einer erheblich vergrößerten Fläche und im Obergeschoss das Schulverwaltungsamt untergebracht werden. Darüber hinaus ist geplant, noch das FFT dort anzusiedeln. Das wird dazu führen, dass am Bertha-von-Suttner-Platz in Oberbilk, wo gegenwärtig die Zentralbibliothek drin ist, perspektivisch die gesamte Volkshochschule untergebracht wird und darüber hinaus noch einige Funktionen, die gegenwärtig über die ganze Stadt verstreut sind. Möglicherweise auch das, was gegenwärtig im städtischen Teil des Wilhelm-Marx-Hauses sitzt. Das Ziel, dass wir mit dem Konrad-Adenauer-Platz und Bertha-von-Suttner-Platz verfolgen, ist, dass wir versuchen, die städtischen Funktionen an wenigen Standorten zu konzentrieren.

Dann gibt es natürlich ein Projekt, das mir persönlich sehr am Herzen liegt, dass wir die Unterführung unter dem Worringer Platz wieder öffnen. Es gibt noch keine konkreten Pläne, aber ich könnte mir die Unterführung wunderbar als Club vorstellen, wo man auch ein bisschen Krach machen kann. Da gibt es niemanden, den das stört, denn es ist unter der Erde und es gibt keine unmittelbaren Anwohner. Die Idee ist, dass wir den Tunnel herrichten und brandschutzsicher machen und ein Pächter ihn langfristig pachtet und dort einen Club betreibt, sodass wir über die langfristige Pacht unsere Investitionen refinanziert bekommen.

Dann das ganze Thema Bahnhofsvorplatz ist auch ein Thema, das schon lange einer Lösung harrt. Mittlerweile gibt es wirklich konkrete Gespräche mit der Deutschen Bahn, dass man diesen Bahnhofsvorplatz ordentlich herrichtet. Es ist im Moment nun wirklich keine sehenswerte Visitenkarte unserer Stadt. Die Bahn hat auch Pläne, dass man gewissermaßen am Ende der Immermannstraße - diese Sichtachse ist im Moment leider verbaut durch den Immermannhof - investieren möchte, möglicherweise in ein Hochhaus. Ganz konkrete Visualisierungen gibt es dafür allerdings nicht. Aber grundsätzlich finde ich es interessant und begrüßenswert, dass die Bahn am Bahnhof eben auch investiert und das würde natürlich nur dann realisiert werden können, wenn das auch mit einer Aufwertung des städtebaulichen Umfeldes, insbesondere des Bahnhofsvorplatzes verbunden wäre.

Auch im weiteren Umfeld Immermannstraße gibt es ja eine ganze Reihe von Vorhaben, die die Immermannstraße insgesamt aufwerten und attraktiver gestalten.

Und dann gibt es noch das Projekt im ehemaligen Franziskanerkloster. Dort soll ebenfalls Wohnungsbau im erheblichen Umfang geschaffen werden. Ich bin ganz froh darüber, dass - jedenfalls nach dem Letzten, was ich gehört habe - auch in dem Hochhaus Wohnungsbau möglich sein soll. Also ich glaube, das ist richtig, denn es ist ein hoch attraktives Wohngebiet und auch das Handlungskonzept Wohnen wird hier Anwendung finden. Gerade hier im unmittelbaren Umfeld und im erweiterten Umfeld des Bahnhofes gibt es eine ganze Menge Projekte, die dieses Quartier nach meiner Einschätzung sehr, sehr deutlich aufwerten werden. Und auch die Unterführungen Mintropstraße/Ellerstraße und Kölner Straße/Erkrather Straße sollte man anpacken. Da fehlt auch mehr Beleuchtung. Auch das wäre Gegenstand von Überlegungen, zusammen mit der Bahn. Das ist natürlich alles Bahngelände.

Frage: Inwiefern sind die Planungen zu Bahnhofsvorplatz von Seiten der Stadt schon fortgeschritten?

Antwort: Ich muss zugeben, im Planungsamt gab es ja immer verschiedene Varianten, die man geprüft hat. Das Problem ist, dass der Bahnhofsvorplatz zum Teil der Deutschen Bahn gehört. Was auf jeden Fall passieren wird, ist, dass dieses Budenunwesen wegkommt, so dass man den Platz insgesamt größer und einladender gestalten kann. Was bislang nicht entschieden ist oder wo es verschiedene Varianten gibt, ist, ob man den Schienenverkehr der Rheinbahn in einen Trog legt beispielsweise, dass man quasi barrierefrei drüberkommt, ohne die Bahngleise queren zu müssen. Das wäre natürlich eine kostspielige Variante. Da gibt es verschiedene Machbarkeiten, die nach meiner Kenntnis geprüft wurden. Aber zunächst einmal muss man sich mit der Bahn darüber verständigen, dass wir auf diesen Grund gemeinsam die Städteplanung durchführen, denn es geht eben nicht ohne die Bahn. Aber da bin ich sehr zuversichtlich. Demnächst habe ich einen Termin mit Herrn Pofalla, der da auch ausgesprochen konstruktiv ist und auch ein Interesse daran hat, dass diese Diskussion, die ja nun schon 10 Jahre zurückreicht, zu einem konkreten Ergebnis führen. Aber ich kann Ihnen jetzt keine konkreten Inhalte der Umgestaltung sagen.

Frage: Werden die neuen Wohnungen denn auch bezahlbar sein?

Antwort: Also es gilt für die Projekte, die ich genannt habe, überall das Handlungskonzept "Wohnen" und zwar in der revidierten Fassung, das wir sagen, mindestens 40 Prozent der Wohnungen, die gebaut werden, sind im Preis reguliert, und zwar entweder als öffentlich geförderter Wohnungsbau, das sind dann 20 - 30 Prozent. Das bedeutet, dass die Miete maximal bei aktuell 7,30 Euro netto/kalt liegen kann. Und 10 - 20 Prozent im sogenannten preisgedämpften Segment. Da hat man festgelegt, dass die Miete nicht höher als 9,60 Euro netto/kalt liegen darf. Wobei ich sagen muss, das Franziskanerkloster, das ist eine sehr attraktive Innenstadtlage, da werden höhere Mieten erzielbar sein als etwa auf dem Wohnprojekt in der Worringer Straße. Also man muss ja auch sagen, nicht überall - insbesondere in diesem sehr bunten Quartier - sind ohne weiteres Mieten von 10,00 Euro erzielbar.

Frage: Ich würde mir wünschen, dass bei zukünftigen Bauvorhaben eine vernünftige Projektplanung vorgenommen wird. Es sollte alles vernünftig hintereinandergeschaltet werden, d. h. dass erst zum Schluss die Plätze in Angriff genommen werden, nachdem der Baustellenverkehr vorüber ist.
Ich finde es einfach unsinnig, wie wir das mit dem Worringer Platz vor drei Jahren gemacht haben, da so viel Geld reinzustecken mit einem derart schlechten Ergebnis.

Antwort: Das sind jetzt zwei Themen, die Sie ansprechen. Eines ist klar, dass wir versuchen, insbesondere, wenn große Bauvorhaben realisiert werden, dass man die so aufeinander abstimmt, dass man natürlich am Schluss das erst macht, was ohnehin in Mitleidenschaft gezogen würde während des Baubetriebes. Es war nicht immer so. Insbesondere wenn es öffentliche Gelder regnet, dann reißt man gerne die Straße erst einmal auf für die Wasserleitungen, zum zweiten Mal für die Gasleitungen, zum dritten Mal für die Telefonleitungen. Das gibt es. Ich glaube, wir in Düsseldorf machen keinen so schlechten Job, was Baustellenmanagement angeht, jedenfalls überwiegend. Aber ich kann keine Garantie dafür abgeben, dass nicht auch einmal etwas schief läuft. Da sind einfach Menschen am Werk und das sind sehr komplexe Vorhaben. Aber grundsätzlich haben wir das Problem natürlich auf dem Schirm.

Was das Thema Umgestaltung Worringer Platz angeht. Das war ein Griff ins Klo. Das würde ich auch so sehen. Das war in der Tat keine sehr intelligente Form der Gestaltung. Wobei der Worringer Platz wirklich ein schwieriger, vom Verkehr geprägter Platz ist. Was vielleicht eine Idee sein könnte wäre - das ist übrigens auch noch ein Thema für das Gesamtgebiet des Bahnhofes -, dass es auf Dauer nicht vernünftig ist, dass der Fernbusbahnhof mitten am Bahnhof ist. Wenn man für den Fernbusbahnhof einen anderen Standort findet, dann kann man vielleicht auch den Worringer Platz ein Stück weit Richtung der Unterführung des Centrals ausdehnen und gestalten, sodass er mehr Aufenthaltsqualität bekommt. Im Moment muss man ja dauernd wegspringen, weil entweder Autos oder Straßenbahnen kommen.

Frage: Unterführung am Worringer Platz ist Jahre nicht genutzt worden, deswegen wurde sie wieder zugemacht. Im Laufe vieler Jahre ist das hier ein totes Viertel geworden, es gibt keinerlei Einkaufsmöglichkeiten wie früher. Wenn die Worringer Straße dann  wieder bebaut werden sollte, wo sollen die Leute einkaufen?

Antwort: Meines Wissens soll in das Erdgeschoss vom Konrad-Adenauer-Platz 1, also wenn die Post draußen ist, ein großer Lebensmittelmarkt rein. Man muss ja auch mal sehen, wenn da 400 Wohnungen auf der Worringer Straße entstehen, wenn 1000 Wohnungen im Grand Central entstehen, wollen die Leute ja auch einkaufen. Da bin ich völlig Ihrer Meinung, das Wichtigste ist, dass die Leute, dort wo sie wohnen, auch einkaufen können. Das gehört zur Aufenthaltsqualität und schützt vor - wie Sie sagen - toten Vierteln. Es gab auch einmal Pläne, im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit der Deutschen Bahn, dass man in den linken Teil vom Hauptbahnhof einen Supermarkt reinbaut. Aber, wie gesagt, im Moment haben sie andere Pläne. Aber der Lebensmittelmarkt der sollte ins KAP 1 und ich glaube, das ist auch ganz vernünftig.

Frage: Beabsichtigt die Stadt, im Bereich "Grupellostraße" etwas zu tun gegen u.a. Wildwuchs von Brennnesseln, den wieder auflebenden Straßenstrich, die Kriminalität, um diesen "Eingang zur Stadt" etwas aufzuwerten, damit es sich lohnt, dort zu investieren?

Antwort: Zum Thema "Spontangrün": Ich gebe zu, wir haben dieses Jahr in der Tat ein Problem und wir sind auch gerade dabei, hier kurzfristig eine Lösung zu suchen und wir werden sie auch finden. Ich räume ein, dass wir unsere Bemühungen, was das städtische Grün angeht, etwas ungleichmäßig verteilt waren. Für Prinz William sah  der Rasen am Ehrenhof aus wie mit der Nagelschere geschnitten und an manchen Stellen der Stadt haben wir das Spontangrün ein bisschen arg üppig wuchern lassen.
Was Ihr Haus in der Grupellostraße angeht. Es ist ein schwieriges Gebiet, aber es ist wahrscheinlich das urbanste Gebiet, was wir hier in Düsseldorf haben. Und grundsätzlich sind diese Viertel Kandidaten für eine erhebliche Aufwertung, weil es immer mehr Menschen gibt, die eben mitten in der Stadt wohnen wollen. Früher, vor 30/40 Jahren, hatte man die Befürchtung, die Innenstädte veröden, insbesondere die Gegenden rund um die Bahnhöfe veröden. Da gibt es nur noch - wie soll man sagen - Publikum, neben das man mit seiner Familie nicht so gerne zieht. Der Trend ist ja komplett umgedreht. Wobei ich sagen muss, nach dem, was ich höre, selbst das Prostitutions"unwesen" im Bahnhofsviertel ist eher rückläufig - höre ich jedenfalls. Das ist natürlich auch immer eine Frage der subjektiven Wahrnehmung derjenigen, die betroffen sind. Aber grundsätzlich glaube ich, dass hier dieses gesamte Gebiet auch aufgrund der Maßnahmen, die ich ja versucht habe, im Einzelnen zu skizzieren, ein hohes Potential hat, aufgewertet zu werden. Ich finde immer, das Wichtige ist, dass dabei die Balance in Stadtvierteln erhalten bleibt. Ich glaube, das wäre auch Ihnen wichtig. Ich sage immer, die Lebendigkeit, die Attraktivität und letztlich auch die Sicherheit in diesen Gebieten lebt auch von einer gewissen Durchmischung.

Frage: Was ist mit den weiten Umsteigewegen zu den Bussen: Die einzelnen Haltestellen liegen teilweise unheimlich weit auseinander. Die Ratinger Busse fahren hinten am KAP 1, dann sind Haltestellen in der Friedrich-Ebert-Straße. Die Bahnhaltestellen sind in die Mitte "gekleistert".

Antwort: Das wäre ein Thema, das in erster Linie die Rheinbahn betrifft. Also ich bin gerne bereit das anzusprechen - ich sitze ja im Aufsichtsrat der Rheinbahn. Bei der Rheinbahn gibt es in der Tat eine ganze Reihe von Themen, die man sich mal anschauen kann, ob das wirklich alles in dem Maße optimiert ist, wie es wirklich kundenfreundlich ist. Also ich finde natürlich auch, insbesondere Reisende mit Koffer, wenn man von einer Straßenbahn zur nächsten größere Distanzen zurückzulegen hat, dann ist es ärgerlich und wenn es vermeidbar ist, dann sollte es vermieden werden. Das wäre in der Tat auch wieder ein Thema, wenn man über das Thema "Neugestaltung Bahnhofsvorplatz" redet, dann wird man natürlich auch in der Tat schauen, wie man den ÖPNV auch von den Zusteigemöglichkeiten so sicher und so kundenfreundlich wie möglich gestaltet.

Frage: Wie sieht die Nutzung zum "Kaufhof" aus? Jeder weiß, dass Edeka reinkommt, aber was darüber hinaus abgebildet wird, wäre es interessant zu wissen, falls es eine Planung gibt.

Antwort: Da gibt es ganz konkrete Planungen. Das ist ja dieses Projekt mit dem schönen Namen "Crown". Wenn ich es recht sehe, ist das ein Mix aus Parken, Büro, Wohnen und in die unteren zwei Stockwerke kommt Edeka "Zurheide", also ein hochwertiger Lebensmittelmarkt. Also ich finde, das ist eine sehr glückliche Lösung, weil das Gebiet, natürlich auch mit dem Hype an der Kö, drohte, in Vergessenheit zu geraten.

Frage: Thema "Fahrradwege". Davon ist hier noch relativ wenig zu sehen. Es gibt einige Lösungen, die aber teilweise unpraktisch bzw. gefährlich sind.

Antwort: Beim Thema Radfahren haben wir einen riesigen Nachholbedarf. Denn das Fahrrad ist das Verkehrsmittel mit der deutlich größten Steigerungsrate und erheblichem  Potential. Heute habe ich einen Artikel gelesen, dass in Kopenhagen der  sogenannte Modal-Split, also Anteil des Fahrrades am gesamten Verkehr, bei 40 Prozent liegt. Wir sind hier so irgendwo zwischen 15 und 20 Prozent. Also das heißt, Düsseldorf ist im Prinzip eine sehr fahrradfreundliche Stadt. Wir haben eine Menge Projekte bereits innerhalb relativ kurzer Zeit gemacht und Sie wissen wahrscheinlich, es gibt einen "Radhauptwegeplan", der wird sukzessive realisiert. Da gibt es zum Teil einfache Maßnahmen, die wir relativ schnell machen können. Zum Teil müssen erhebliche Eingriffe in den Straßenkörper vorgenommen werden. Aber unser Ziel ist ganz klar: Insbesondere in der Innenstadt ist das Fahrrad für viele das Verkehrsmittel der Wahl und deswegen wird es auch entsprechend geplant werden. Also das Thema haben wir auf dem Schirm. Ich möchte jetzt keine Werbung für die Tour de France machen, aber ein Punkt, weshalb wir uns beworben haben um den Grand Départ  war natürlich auch, weil wir sagten, wir wollen ein klares Bekenntnis abgeben. Wir sind eine Fahrradstadt in Düsseldorf.

Frage: Wenn man in der Innenstadt wohnt, braucht man eine Garage. Wenn man keine Garage hat, muss man das Auto abschaffen. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr gut.

Antwort: Finde ich auch. Und die Wehrhahn-Linie ist auch schön geworden.

Frage: Warum wird der ehemalige Radweg auf der Kö nicht wieder als solcher deutlich sichtbar gemacht?

Antwort: Ich nehme das gerne auf.

Frage: Die Fahrradfahrer sind teilweise so frech, dass sie nicht auf dem vorgesehenen Radweg fahren, sondern den Bürgersteig benutzen und dann die Fußgänger wegklingeln.

Antwort: Ich bin da völlig Ihrer Meinung. In der Regel gehört der Fahrradweg auf die Straße und nicht auf den Bürgersteig. Es ist ja das interessante, wenn der Fahrradverkehr bestimmte Größenordnungen überschreitet, dann haben Sie natürlich bei Fahrradwegen dasselbe wie bei Autos. Dann haben Sie Schnellstraßen, Autobahnen, Landstraßen und Ortstraßen. Man muss sagen, auch der Fahrradweg ist nicht überall so, dass man mit Tempo 30 mit dem Rennrad fahren kann, sondern es gibt bestimmte Bereiche, da muss man langsamer fahren, da ist er schmaler, da ist er breiter. Deswegen gibt es ja mittlerweile auch in echten Fahrradmetropolen eine Unterscheidung - wie auch bei uns in Düsseldorf mittlerweile -, wir planen Radschnellwege, das ist das, wenn man aus 15 Kilometer Entfernung nach Düsseldorf einpendelt, dann fährt man das erste Stück am liebsten auf dem Schnellweg, das ist das Äquivalent zur Autobahn sozusagen. Dann gibt es das Radhauptwegenetz. Das verbindet die einzelnen Bezirke. Und dann gibt es die innerbezirklichen Radwege. Dort muss man natürlich auf Fußgänger Rücksicht nehmen. Nicht jeder Radweg ist gleich. Ich bin auch der Meinung, in der Regel konkurriert das Fahrrad nicht mit den Fußgängern auf derselben Fläche, sondern mit dem Auto. Rücksicht müssen dann die Autos nehmen, nicht die Fußgänger. Auf der Kö ist die Situation daher nicht zeitgemäß.

OB Thomas Geisel beim 11. OB-Dialog in Stadtmitte, (c) Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer
OB Thomas Geisel beim 11. OB-Dialog in Stadtmitte, (c) Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

Frage: Ist es denn Ziel, auch mehr Parkplätze in der Innenstadt zu planen?

Antwort: Wir werden jetzt nicht noch mehr Parkplätze in der Innenstadt schaffen. Es gibt eine ganze Reihe, die auskömmlich mit Tiefgaragenplätzen versorgt sind. Wir haben auch in Düsseldorf den Trend, den es in allen Metropolen gibt, dass insbesondere für diejenigen, die mitten in der Stadt wohnen, das Auto zunehmend unattraktiver wird. Also die Autodichte pro Einwohner ist eindeutig, das zeigt der Trend der letzten 10 Jahre, in den Innenstädten rückläufig. Wir haben, glaube ich, in Düsseldorf noch etwas über 400 pro 1000 Einwohner, in Berlin in den Innenstadtbezirken sind sie noch bei gut 300. Parken ist ein Problem, ich möchte das gar nicht bagatellisieren. Aber ich glaube, dass zumindest der Trend hier allein schon für eine gewisse Entspannung sorgt. Auch in dem Maße, indem ich Fahrrad fahre, indem ich die Alternativen zum Auto attraktiver mache, das ist insbesondere öffentlicher Personennahverkehr, Bus und Bahn und natürlich auch das Fahrrad in zunehmendem Maße, sinkt die Notwendigkeit, ein Auto zu besitzen, und auch das wird die Parkplatzsituation entschärfen. Es gibt in Düsseldorf eine ganze Reihe ziemlich leer stehender Tiefgaragen (auch Quartiersgaragen).

Es war ja am letzten Wochenende die Gourmetmeile auf der Kö und da waren ja die Parkplätze für Autos weg. Ich habe eigentlich nur begeisterte Stimmen und Zuschriften gehört und gekriegt. Es wäre in der Tat eine Überlegung, die Aufenthaltsqualität an der Kö auch dadurch zu heben, dass man möglicherweise die Zahl der Parkplätze reduziert. Denn auf Dauer gehört zur Attraktivität einer Einkaufsmeile auch, dass man irgendwo einen Kaffee trinken kann. Wenn es nur noch teure Läden gibt und kein Platz mehr zum Innehalten, wo man mal ein Tässchen Kaffee trinkt, dann ist auch das von vielen so geliebte Shoppingerlebnis weniger attraktiv, als wenn man eben auch mal irgendwo verweilen kann. Ich habe auch durchaus den Eindruck, dass viele Ladeninhaber immer Angst haben, wenn es keinen Parkplatz unmittelbar vor der Tür gibt, dann bleiben die Kunden aus. Doch immer dort, wo man dann umgestaltet hat, merken die Menschen relativ schnell, dass eigentlich für das Einkaufserlebnis nicht der Parkplatz vor der Tür entscheidend ist, sondern die Aufenthaltsqualität drumherum und die wird durch Autos verringert und nicht erhöht.

Frage: Können Sie ein gutes Wort bei der Post einlegen, dass es auch in Düsseldorf wieder die Möglichkeit gibt, eilige Briefe auch noch nach 19.00 Uhr aufzugeben? Hier in Düsseldorf werden die Briefkästen nur bis 19.00 Uhr geleert.

Antwort: Also, ich freue mich, dass Sie meine Rolle auf das gute Wort beschränken. Sollte ich die Möglichkeit haben, dann werde ich einem Vertreter der Post sagen, dass wir in Düsseldorf Wert darauf legen, wie eine Großstadt behandelt zu werden.

Frage: Die Anwohner der Worringer Straße und der Gerresheimer Straße legen großen Wert darauf, dass die Toulouser Allee bis Wenzelsplatz durchgezogen wird, und nicht in Worringer Straße 1 oder 3 mündet, was zu einem Verkehrschaos führen würde.

Antwort: Die Toulouser Allee ist ähnlich wie der Worringer Platz in ihrer gegenwärtigen Form kein Highlight der städtebaulichen Planung in Düsseldorf: Eine vierspurige Straße, die am Schluss dann auf den Wehrhahn in einem Nadelöhr mündet. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die Toulouser Allee wirklich einmal wie eine vierspurige Straße befahren wäre, denn dann wäre ein riesen Stau am Nadelöhr. Ich würde hoffen, dass, wenn wir die Toulouser Allee verlängern - gewissermaßen unter dem Wehrhahn durch und dann nach rechts auf die Worringer Straße - dass das zumindest die Verkehre verteilt und so die gegenwärtige, sehr belastete Situation am heutigen Ende der Toulouser Allee etwas entlastet und den Verkehr vielleicht sogar ein bisschen flüssiger gestaltet. Der erst Teil geht dann vor dem Wehrhahn auf die Adlerstraße und der zweite Teil verteilt sich dann auf die Worringer Straße. Es ist nicht optimal, gar keine Frage, aber ich glaube nicht, dass diese Verlängerung der Toulouser Allee und Einmündung auf die Worringer Straße die Situation verschärft.

Frage: Es ist sehr störend, dass vor allem am Wochenende die Müllreste aus den To-go-Läden so spät beseitigt werden. Meist stolpert man noch Sonntagmorgens darüber.

Antwort: Ich möchte Ihnen nicht widersprechen. Aber ich möchte auch eine Lanze brechen für die AWISTA. Ich jogge ja häufig am Sonntag schon relativ früh mit meiner Frau am Rhein entlang. Insbesondere wenn große Fest sind (Japan-Tag, NRW-Fest) können wir uns nicht beschweren. Am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr hat die AWISTA häufig einen erheblichen Teil des erheblichen Mülls bereits beseitigt. An einem so wunderbaren Tag wie heute, kam ich an einem Samstag am Rheinpark vorbei und da war der ganze Platz voll mit Leuten, die gegrillt haben. Und am nächsten Morgen bin ich dort gejoggt: Die Mülleimer waren zwar übervoll, aber alles, was nicht mehr passte, war feinsäuberlich neben den Mülltonnen angeordnet.
Nördlich von der Schadowstraße müsste man es sich vielleicht einmal anschauen, wie Sie sagen.

Frage: Samstags steht die Nordstraße voll mit übervollen Mülltonnen, die aber montags erst geleert werden. Sonntags habe ich das am Wehrhahn ebenfalls festgestellt. Kann man daran etwas ändern?

Antwort: Ich muss zugeben, ich bin ja samstags auch häufig auf der Nordstraße unterwegs, weil mich meine Frau samstags immer zu Hausarbeit heranzieht und zum Einkaufen. Aber so richtig störend aufgefallen, dass da alles mit übervollen Mülltonnen ist, ist mir noch nicht. Ich werde zukünftig noch einmal sorgfältiger darauf achten.

Frage: Freies Internet in Düsseldorf: Geht man als Tourist z. B. aus dem Bahnhof heraus, hat man keine Internetverbindung mehr. Im Vergleich zu Köln gibt es in Düsseldorf zu wenig Hotspots. Warum wird es in Düsseldorf so wenig genutzt, wenn das Land doch die Freigabe erteilt hat, für Hotspots Antennen aufstellen zu dürfen?

Antwort: Das ist eine sehr gute Anregung. Wir sind da dran. Wir haben eine ganze Reihe von Hotspots eingerichtet. Das kann noch mehr sein. Ich persönlich bin durchaus Ihrer Meinung, dass es einer Metropole wie Düsseldorf gut ansteht, ein stadtweit freies W-Lan anzubieten, zumal es jetzt auch rechtlich leichter realisierbar ist nach den Gesetzesänderungen, die da vorgenommen worden sind. Wir sind jetzt auch Digitaler Hub NRW. Auch insofern ist das ein Anspruch, den wir erheben sollten. Ich würde mal ganz kühn sagen, ich denke, in drei Jahren müsste freies W-LAN für die ganze Stadt zu bewerkstelligen sein, also auch in den Stadtteilen. Das sollte kein Privileg der Innenstadt sein.

Nächster OB-Dialog: Donnerstag, 6. Oktober 2016, in Bilk