Weniger bekannt ist, dass mangelnde Luftdichtigkeit auch die Ursache von gravierenden Bauschäden sein kann. Wenn Feuchtigkeit nämlich unkontrolliert in anfällige Bauteile wie z. B. das Dach eindringt und dort an kalten Bauteilen kondensiert, können Schimmelpilze entstehen und im Extremfall Fäulnisprozesse beginnen, die die Statik gefährden. Zudem können Dämmschichten durchfeuchtet werden, was den Effekt weiter verstärkt. Bereits durch eine weniger als 1 mm breite Lücke in der Dichtungsfolie kann sich z. B. der Feuchteeintrag ins Dach um mehr als das Hundertfache erhöhen!

Der Sturm aus der Steckdose

Einschlägige Normen fordern daher seit langem eine möglichst dichte Gebäudehülle. Nur sie kann verhindern, dass Luftströmungen von außen nach innen eindringen und den Komfort beeinträchtigen (Winddichtung) oder aber mit den beschriebenen Gefahren unkontrolliert von innen nach außen entweichen (Luftdichtung und Dampfbremse).

Eine gute Luftdichtigkeit ist außerdem Voraussetzung für den zuverlässigen und effizienten Betrieb einer Lüftungsanlage. Nur diese (oder eine ausreichende Fensterlüftung) stellen übrigens den für eine gute Raumluftqualität und den ausreichenden Feuchtigkeitsabtransport nötigen Luftaustausch sicher. Entgegen einem verbreiteten Gerücht 'atmen' Wände nicht, der Einfluss der Diffusion durch die Wand ist gegenüber der Lüftung vollkommen vernachlässigbar. Eine luftdichte Gebäudehülle ist daher kein Widerspruch zu einem guten Raumklima - im Gegenteil: sie ist eine wichtige Voraussetzung!

Ein gutes Luftdichtheitskonzept erfordert Sorgfalt bei der Konzeption und Ausführung auch scheinbar kleiner Details: das reicht von der peniblen und dauerhaften Verklebung von Folien bis hin zur Abdichtung von Steckdosen. Ein 'beliebter' Schwachpunkt sind auch fehlende Dichtungen von Wohnungs- oder Haustüren. Für die Ausführung sämtlicher Details sind erfahrene Handwerksbetriebe unabdingbar. Die Dichtheit sollte nach Fertigstellung der Maßnahmen mit einem sogenannten Blower-Door-Test überprüft werden.

Blower-Door-Test – die Luftdichtigkeit Ihres Gebäudes

Die mangelnde Luftdichtheit eines Gebäudes kann Ursache für erhöhte Energieverluste oder sogar für Bauschäden sein. Mit dem Blower-Door-Test lassen sich die Dichtheit überprüfen und Leckagen orten.

Dazu wird ein mit einem Nylontuch bespannter Rahmen, in dem sich ein Gebläse befindet, in eine Tür- oder Fensteröffnung eingebaut. Mit dem Gebläse wird dann bei geschlossenen Türen und Fenstern so viel Luft aus dem Gebäude abgesaugt oder hineingeblasen, dass der resultierende Unter- bzw. Überdruck etwa dem Effekt entspricht, wie er bei Windstärke 5 auftritt. Durch genaue Messung der Luftmenge, die durch Undichtigkeiten entweicht bzw. nachströmt, lässt sich nun die Qualität der Luftdichtigkeit exakt bestimmen. Sie wird ausgedrückt als n50-Wert – das ist der stündliche Luftwechsel, der sich bei 50 Pascal Druckunterschied einstellt. Ein sehr guter Wert von n50 = 1,5 h-1, wie ihn die Energiesparverordnung (EnEV) beim Einsatz von Lüftungsanlagen fordert, bedeutet, dass der Luftinhalt des Gebäudes oder Raumes unter den verschärften Testbedingungen 1,5 mal pro Stunde ausgetauscht wird. Bei normalen Wohnverhältnissen ist ein Luftwechsel zu erwarten, der etwa zehnmal niedriger liegt.

Auch im Altbaubestand können bei sorgfältiger Ausführung von Dämmmaßnahmen und nachträglicher Abdichtung vorhandener Leckagen sehr gute Dichtheitswerte erreicht werden, auch wenn die Zielwerte der EnEV nicht immer erreichbar sind.

Bei ungenügender Luftdichtigkeit werden die Ursachen z. B. mit Hilfe von Rauchsonden lokalisiert. Auch die Kombination des Blower-Door-Tests mit einer Thermografie ermöglicht eine gute Ortung von Leckagen, indem die eindringende Kaltluft im Wärmebild sichtbar gemacht wird.

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