EU-Armutsdefinition

 

Armutsberichte 1996 und 1998  

Den Kommunalen Armutsberichten 1996 und 1998 wird die Armutsdefinition der Europäischen Gemeinschaft (EG) aus dem Jahre 1987 zugrunde gelegt. Demnach gelten Einzelpersonen, Familien und Personengruppen als arm, die über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedsstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist. Dabei bildet das Einkommen ein Kriterium zur Bestimmung von Armut. Als arm gelten Personen, deren verfügbares Einkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens aller Haushalte in dem betreffenden EG-Mitgliedsstaat beträgt.   

Das Lebenslagenkonzept und das Lebenslaufkonzept sind die theoretischen Grundlagen für diese beiden Berichte. Im Lebenslagenkonzept hat das Einkommen eine Schlüsselfunktion und wird zur Bestimmung von Armut in Relation zu den Lebensbereichen "Arbeit", "Bildung", "Wohnen" und "Gesundheit" gesetzt. Sobald im Sinne der EG-Definition die Einkommensarmut gemeinsam mit weiteren Unterversorgungslagen das Leben der Menschen prägen und bestimmen, lassen sich, wie in diesem theoretischen Konzept vorgesehen, spezifische Armutsgruppierungen erkennen. Das Lebenslaufkonzept ergänzt diesen wissenschaftlichen Ansatz mit der zeitlichen Dimension und konzentriert sich auf die Verweildauer der Menschen in den Unterversorgungslagen.    

Analog zur Armutsberichterstattung anderer Großstädte konnten auch in Düsseldorf diese wissenschaftlichen Konzepte nur ansatzweise empirisch umgesetzt werden. Dieses ist mit den begrenzten statistischen Möglichkeiten einer Kommune zu begründen. So waren seinerzeit statistische Angaben zur Einkommenssituation in Düsseldorf nicht verfügbar. Deshalb wird in den beiden Armutsberichten zur Quantifizierung der Armutsbevölkerung auf die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz und dem Wohngeldgesetz zurückgegriffen. Mit einer solch auf diese beiden Personengruppen reduzierten Sichtweise lässt sich die Armutsproblematik mit ihren vielfältigen Facetten und Ausdrucksformen nur begrenzt statistisch erschließen.    

Deshalb wurde in Düsseldorf mit dem Instrument zur sozialräumlichen Planung im Zuge der Armutsberichterstattung erstmals ein neues methodisches Verfahren zur Darstellung des Wohlfahrtsgefälles angewandt. Wie in den beiden Armutsberichten ausgewiesen, lassen sich mit dieser kleinräumigen Darstellung soziale Unterversorgungslagen und ihre Querverbindungen erkennen.

Seit 1996 wird diese kleinräumige Darstellung des Wohlstandsgefälles in Düsseldorf mit der Sozialräumliche Gliederung kontinuierlich fortgeschrieben. 

 

EU-Armutsindikatoren 2001 

Anknüpfend an die Armutsdefinition aus dem Jahre 1987 verständigten sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) 2001 auf gemeinsame Indikatoren zur Messung von Armut und sozialer Ausgrenzung. Dabei wurde auch die Bemessungsgrundlage zur Armutsgefährdungsquote und Armutsgefährdungsschwelle festgelegt.  

 

Armutsgefährdungsquote

Nach dem Standard der Europäischen Union ist die Armutsgefährdungsquote ein Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut und wird als der Anteil der Personen definiert, deren Äquivalenzeinkommen weniger als 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten beträgt. 

 

Armutsgefährdungsschwelle 

Nach dem Standard der Europäischen Union wird die Armutsgefährdungsschwelle bei 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten im jeweiligen Bundesland beziehungsweise in der jeweiligen Region festgelegt. Personen, deren Äquivalenzeinkommen unter diesem Schwellenwert liegt, werden als relativ einkommensarm eingestuft.  

 

Statistische Anwendung  

Der Dritte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung stellt fest, dass der inzwischen allgemein anerkannte und angewandte Standard der Europäischen Union zur Armutsbemessung je nach statistischem Verfahren zu unterschiedlichen Ergebnissen führt. So variiert die Armutsgefährdungsquote im direkten Vergleich zwischen den angewandten Verfahren EU-SILC, EVS, Mikrozensus und SOEP um fünf Prozent. Die Differenz bei der Armutsgefährdungsschwelle zwischen dem niedrigsten und höchsten Euro-Betrag wird in dem Bericht mit 244 Euro beziffert. Deshalb sind grundsätzlich nur Kennziffern, die nach dem gleichen statistischen Verfahren und auf Basis derselben Datenquelle berechnet werden, miteinander vergleichbar.  

 

Armutsindikatoren für Deutschland 

Im Rahmen des Projektes "Sozialberichterstattung der amtlichen Statistiken" werden die Armutsindikatoren für Deutschland über die statistischen Ämter der Länder und des Bundes berechnet. Basis ist der Mikrozensus. Das Äquivalenzeinkommen wird als ein auf der Basis des Haushaltsnettoeinkommens berechnetes bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied definiert.  

Die Berechnung der Armutsgefährdungsschwelle erfolgt jährlich ausschließlich nach Bundesländern und Haushaltstypen. Die Einkommensunterschiede in den Kommunen bleiben unberücksichtigt und werden statistisch nicht ausgewiesen.   

Für die Berechnungsmodelle der Armutsgefährdungsquote ist die Bezugsgröße das Äquivalenzeinkommen des Bundes- und Landesmedian sowie der jeweilige regionale Median. Auf dieser Basis wird die Armutsgefährdungsquote jährlich in verschiedenen Varianten für Bund, Land und ausgewählten Großstädten, darunter auch Düsseldorf, berechnet und mit unterschiedlichen Quoten ausgewiesen.   

 

Armutsindikatoren für Düsseldorf 

Die Aussagekraft und Planungsrelevanz der statistisch erschlossenen Armutsgefährdungsquote mit ihren drei Berechnungsvarianten ist gering. Selbst die Armutsgefährdungsquote gemessen am Median der jeweiligen Großstadt, bietet keine ausreichende Basis, um die Komplexität der Armutsthematik mit ihren vielfältigen Facetten und Interdependenzen auf kommunaler Ebene adäquat zu erfassen und abzubilden. Wichtige Lebensbereiche wie "Bildung", "Wohnen", "Arbeit", "Kultur" und "Gesundheit" bleiben durch die Beschränkung auf den Einkommensaspekt gänzlich unberücksichtigt. Auch sozialplanerische Anhaltspunkte zur Einkommensverteilung und zum Wohlstand lassen sich aus diesen für Düsseldorf ermittelten statistischen Werten nicht ableiten.

 

Sozialberichterstattung in Düsseldorf 

Im Einklang mit dem auf Bundesebene initiierten Projekt "Sozialberichterstattung der amtlichen Statistiken" wurde in Düsseldorf seinerzeit als Grundlage zur sozialpolitischen Steuerung der "Rahmenplan zur Sozialberichterstattung auf Basis amtlicher Statistiken" konzipiert und mit den zuständigen Fachausschüssen des Rates der Landeshauptstadt Düsseldorf abgestimmt. Dabei ist der Armutsaspekt ein integraler Bestandteil dieses Berichtswesens.

Weitere Informationen:  Rahmenplan Sozialberichterstattung

Die inzwischen veröffentlichten Sozialberichte und die Sozialräumliche Gliederung bieten eine statistisch belastbare und fundierte Arbeits- und Planungsgrundlage zur sozialen Lage in Düsseldorf. Aufgrund der kleinräumig aufbereiteten Datenbestände und Darstellung der Wohlstandsverteilung ermöglichen sie auch individuelle Analysen zum Thema Armut und soziale Ausgrenzung.

Kontakt

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