Kommunale Armutsberichte

Der Ratsbeschluss vom 21. September 1995 legt fest, dass jährlich in einem Armutsbericht die Armutssituation und Armutsentwicklung in Düsseldorf darzustellen sind.

 

Armutsberichte 1996 und 1998

Unter der Überschrift "Armut und Reichtum in Düsseldorf" wurden der Kommunale Armutsbericht 1996 und der Kommunale Armutsbericht 1998 veröffentlicht.

 

Lenkungsgruppe

Die Prozesse zur Erarbeitung der beiden Kommunalen Armutsberichte wurden unter der Leitung des Sozialdezernats von einer Lenkungsgruppe gesteuert. In der Lenkungsgruppe waren vertreten:

 

Armutsdefinition und Armutskonzepte

Unter Bezugnahme auf die Erkenntnisse der Armutsforschung wurden der Düsseldorfer Armutsberichterstattung folgende Armutsdefinitionen und Armutskonzepte zugrunde gelegt:

  • Armutsdefinition der Europäischen Gemeinschaft aus dem Jahre 1987
  • Lebenslagenkonzept mit der Definition von Unterversorgungslagen in den Bereichen Einkommen, Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit
  • Lebenslaufkonzept mit der zeitlichen Dimension als zusätzlicher Armutsindikator

Weitere Informationen: EU-Armutsdefintion

Wie in anderen Großstädten erwies sich diese gewählte Vorgehensweise auch in Düsseldorf als statistisch nicht belastbar. Da selbst einkommensbezogene Daten zur Quantifizierung der Armutsbevölkerung nicht verfügbar waren, wurde statistisch auf die Zahl der Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach dem Bundessozialhilfegesetz und dem Wohngeldgesetz zurückgegriffen. Mit einer solch auf diese beiden Personengruppen reduzierten Sichtweise lässt sich die Armutsproblematik mit ihren vielfältigen Facetten und Ausdrucksformen nur begrenzt statistisch erschließen.

Deshalb wurde in Düsseldorf mit dem Instrument zur sozialräumlichen Planung im Zuge der Armutsberichterstattung erstmals ein neues methodisches Verfahren zur Darstellung des Wohlfahrtsgefälles angewandt. Wie in den beiden Armutsberichten ausgewiesen, lassen sich mit dieser kleinräumigen Darstellung soziale Unterversorgungslagen und ihre Querverbindungen erkennen. Seit 1996 wird diese kleinräumige Darstellung des Wohlstandsgefälles in Düsseldorf mit der Sozialräumliche Gliederung kontinuierlich fortgeschrieben.

 

Inhalte der kommunalen Armutsberichte

Der Armutsbericht 1996 befasst sich mit folgenden Themen:

  1. Begriffliche Bestimmung von Armut
  2. Entwicklungen und Strukturen 1985 bis 1995
    • Bevölkerung und Familie
    • Wirtschaft und Beschäftigung
    • Wohnsituation
    • Sozialhilfe und Wohngeld
  3. Kleinräumige Darstellung des Wohlstandsgefälles
  4. Ausdrucksformen von Armut

Diese Kapitel mit ihren Daten und Fakten wurden mit dem Armutsbericht 1998 fortgeschrieben und um den Aspekt "Armut und Gesundheit" erweitert.

 

Mitwirkung der Wohlfahrtsverbände

Die Kommunalen Armutsberichte 1996 und 1998 wurden in Abstimmung mit den Düsseldorfer Wohlfahrtsverbänden erarbeitet und veröffentlicht. Insbesondere durch die Teilnahme ihrer Sprecherin beziehungsweise ihres Sprechers an der Lenkungsgruppe war die Mitwirkung der Arbeitsgemeinschaft der Düsseldorfer Wohlfahrtsverbände an der Armutsberichterstattung gegeben. Diese Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss der örtlichen Wohlfahrtsverbände. Ihr gehören an:

 

Mitwirkung von Betroffenen

Mit dem Kommunalen Armutsbericht 1998 wurde einer Empfehlung der Armutskonferenz gefolgt. Demnach sollten Initiativen, Selbsthilfegruppen und Betroffene frühzeitig an der Erarbeitung dieses Berichts beteiligt werden. Hierzu wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit dem Kapitel "Ausdrucksformen von Armut" befasste. Als Mitglieder dieser Arbeitsgruppe übernahm Der Paritätische Düsseldorf die Vernetzung zu seinen Mitgliederorganisationen und das Gesundheitsamt zu den Düsseldorfer Selbsthilfegruppen und Selbsthilfevereinen.

 

Persönliche Berichte zur erlebten Armut

Folgende Organisationen haben sich mit persönlichen Beiträgen von Betroffenen im fünften Kapitel Ausdrucksformen von Armut des Armutsberichtes 1998 eingebracht:

In persönlichen Erfahrungsberichten erzählen Betroffene über ihre konkret erlebte Armut. Dabei berichten sie von ihrem Leben auf der Straße, von ihrem Hund als einzigen Freund und Begleiter, von ihren Schlafplätzen in der Nacht, auch Platte genannt, in verfallenen Häusern, auf Parkbänken und in versteckten Nischen im Stadtgebiet. In weiteren Berichten werden die beim Verkauf des Straßenmagazins fiftyfifty gemachten Erlebnisse geschildert. Andere Betroffene wiederum erzählen von ihrer Drogenabhängigkeit und den problematischen Erfahrungen beim Betteln und bei der Prostitution, um den Drogenkonsum zu finanzieren.

Dabei berichten sie auch über ihre Erfahrungen mit den in Düsseldorf vorhandenen existenziellen Überlebenshilfen für Menschen, die auf der Straße leben, wie beispielsweise den Tagesstätten , der Streetwork und den Notschlafstellen oder über die seinerzeit von dem Cellisten Thomas Beckmann initiierte Ausgabe von Schlafsäcken.

 

Weitere Schwerpunktberichte

Der Ratsbeschluss vom 29. August 1997 sieht Schwerpunktberichte zu armutsspezifischen Themen vor. Folgende Schwerpunktberichte wurden veröffentlicht:

  • Schwerpunktbericht Armut und Gesundheit 1996
  • Frauenarmutsbericht 1999
  • Lebenslagen und Lebenschancen. Armut bei Kindern und Jugendlichen 2001

 

Neuausrichtung der Armutsberichterstattung

Die Armutsberichterstattung wird mit der Sozialberichterstattung fortgesetzt. 2002 verständigten sich die Mitglieder des Ausschusses für Gesundheit und Soziales darauf, dass mit Hinweis auf die Sozialräumliche Gliederung eine Fortschreibung des kommunalen Armutsberichtes entbehrlich ist. 2009 wurde der Rahmenplan zur Sozialberichterstattung auf Basis amtlicher Statistik in verschiedenen politischen Fachausschüssen beraten und verabschiedet.

Weitere Informationen: Rahmenplan Sozialberichterstattung

Die inzwischen veröffentlichten Sozialberichte und die Sozialräumliche Gliederung bieten eine statistisch belastbare und fundierte Arbeits- und Planungsgrundlage zur sozialen Lage in Düsseldorf. Aufgrund der kleinräumig aufbereiteten Datenbestände und Darstellung der Wohlstandsverteilung ermöglichen sie auch individuelle Analysen zum Thema Armut und soziale Ausgrenzung.

In der Sitzung des Ausschusses am 8. Februar 2017 wurde der Änderungsantrag zum Kommunalen Armutsbericht beschlossen. Demnach ist die Verwaltung beauftragt, "einen Vorschlag zu erarbeiten, wie die armutsrelevanten Daten der Sozialberichte so zusammengetragen und aufbereitet werden können, dass in zweijährigem Turnus aktuelle Daten über Armut (und Reichtum) in Düsseldorf vorliegen." Die Umsetzung erfolgt über das Amt für Statistik und Wahlen. Mit dem Monitoringbericht zur sozialen Lage in Düsseldorf wird diesem politischen Auftrag entsprochen.

 

 

Kontakt

  • Amt für Soziales
    Willi-Becker-Allee 8
    40227 Düsseldorf
  • Eingang barrierefrei, Aufzug, taktile Leitlinien, Behinderten-WC, Wickelraum, Behindertenparkplatz