Lesetipp im Frühling

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City of Girls von Elizabeth Gilbert

Die Geschichte wird aus Sicht der Protagonistin Vivian Morries geschildert, die als ältere Dame ihre Erfahrungen als junge Frau einer gewissen Angela erzählt. Wer diese Angela ist, deren Vater im Leben von Vivian eine besondere Rolle gespielt hat, wird dem Leser erst zum Ende der Geschichte hin offenbart. Im Sommer 1940 wird die neunzehnjährige Vivian, nach ihrem Rausschmiss aus dem College, von ihren Eltern aus einer Provinzstadt zu ihrer Tante Peg in die Weltstadt New York geschickt. Peg betreibt dort ein inzwischen heruntergekommenes Theater, das sich mit seinen seichten Revueshows vornehmlich an die Arbeiterklasse richtet.

Vivian ist fasziniert von den dort arbeitenden und zunächst hochanmutigen und unnahbar wirkenden Revuegirls. Durch ihre Fähigkeit im grandiosen Umgang mit der Nähmaschine zieht Vivian das Interesse der Mädchen auf sich. Tagsüber schneidert sie die Showkostüme für die Mädchen, abends stürzt sie sich mit ihnen in das bunte Nachtleben New Yorks, trinkt, tanzt und macht diverse sexuelle Erfahrungen. Als eines Tages die berühmte Schauspielerin Edna Parker Watson, die beste Freundin ihrer Tante, und deren Ehemann, ebenfalls Schauspieler, aus England fliehen und bei Peg im Theater Zuflucht finden, muss ein neues Stück her, das Edna Parker Watson würdig ist und dem Lilly Playhaus zu neuem Ruhm und Glanz verhelfen soll. Das Stück City of girls wird verfasst von Pegs Ex-Ehemann, der ebenfalls in New York auftaucht und bei Peg Herberge findet. Auch die Schauspielerin Edna Parker Watson bewundert Vivians Schneidertalent und ihr Gespür für Mode. Zwischen der Schauspielerin, Vivian und einem weiteren Revuegirl scheint eine besondere Freundschaft zu entstehen. Doch dann begeht Vivian eines Tages einen (insbesondere zu jener Zeit) gesellschaftlich, moralisch herben, fatalen Fehler, wodurch die Freundschaft zu Edna Parker Watson unmittelbar zerbricht und Vivian das Lilly Playhouse verlässt. Gemeinsam mit Majorie, einem Mädchen, das ihr bei der Beschaffung von Stoffen behilflich war, beschließt sie nach einigen schicksalhaften Ereignissen ein eigenes Atelier aufzubauen, in dem sie eigene Brautkleider kreiert und verkauft. Eines Tages wird sie schließlich mit jemandem konfrontiert, der unmittelbar nach ihrem Fehltritt aufgetaucht war und ihr ins Gewissen geredet hat, das seit dem an ihr genagt und sie verändert hat. Gibt es nun eine Gelegenheit für Vivian mit ihrer Vergangenheit abzuschließen und Frieden zu finden?

Frausein im Amerika gegen Ende der Kriegszeit, Selbstbewusstsein, seine eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Talente und Fähigkeiten aber auch Grenzen und Fehler zu erkennen sind nur ein paar Schlagworte, um diesen leicht zu lesenden aber zugleich auch eindringlichen Roman von Elizabeth Gilbert (Eat, Pray, Love) zu beschreiben. Wir erleben wie sich eine junge Frau emanzipiert, aus sich herauswächst aber auch Fehler begeht, sich eingesteht und trotzdem nicht aufgibt, etwas aus sich und ihrem Leben zu machen.

Anne Klinkertz, Leiterin der Stadtbücherei Bilk.