Archiv der digitalen Kulturhappen

Dr. Erwin Quedenfeldt (1869–1948), Hof Citadellstraße 7, Düsseldorf-Carlstadt , um 1910, Silbergelatine auf Barytpapier, montiert auf blaugrünen Karton, Inv.: F 737
Dr. Erwin Quedenfeldt (1869–1948), Hof Citadellstraße 7, Düsseldorf-Carlstadt , um 1910, Silbergelatine auf Barytpapier, montiert auf blaugrünen Karton, Inv.: F 737

Dr. Erwin Quedenfeldt (1869–1948)
Hof Citadellstraße 7
Düsseldorf-Carlstadt
um 1910
Silbergelatine auf Barytpapier
montiert auf blaugrünen Karton
Inv.: F 737

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

Auf Erwin Quedenfeldts Stadtfotos sind selten Menschen zu sehen, wenn überhaupt, dann zufällig. Eine Ausnahme bildet dieses Foto. Es zeigt einen Maler in einem Hof in der Düsseldorfer Carlstadt, ganz in der Nähe des Stadtmuseums. Welcher Maler in dieser eisigen Idylle Plein-Air-Malerei betreibt, ist leider nicht bekannt.

Erwin Quedenfeldt ist einer der bedeutendsten Dokumentarfotografen/Dokumentarfotografinnen des Niederrheins. Er promovierte in Chemie und erfand praktische Dinge, für die er Patente erwarb (u.a. für das Fotografieren mit Blitzlicht); auch entwickelte er ein eigenes Fotoverfahren, die Erwinotypie. Von 1903 bis 1921 leitete er eine Fotoschule in Düsseldorf die „Rheinische Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie“. In dieser Zeit entstand seine umfangreiche Dokumentation von Ortsansichten und Bauten, „Baukunst am Niederrhein“ und „Einzelbilder vom Niederrhein“. Politisch stand Quedenfeldt links. In seiner Wohnung in der Pempelforter Rosenstraße 28 trafen sich gleichgesinnte Angehörige der Rheinischen Avantgardekunst, die sich im „Aktivistenbund 1919“ organisierten, unter ihnen Otto Pankok und Gert Wollheim. In den 20er Jahren verzog Quedenfeldt nach Österreich, wo er im Dritten Reich als Oppositioneller untertauchte.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#20Jahrhundert #Düsseldorf #Stadtfotografie #ErwinQuedenfeldt #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Idylle mitten in der Stadt, Fotografin: Monika Schindler (Keyworkerin), 2015
Idylle mitten in der Stadt, Fotografin: Monika Schindler (Keyworkerin), 2015

Keyworker im Stadtmuseum online:
Idylle mitten in der Stadt
Fotografin: Monika Schindler (Keyworkerin)
2015

Diese schöne Fotografie wurde in der Ausstellung "DüsselDorf – wo die Stadt noch dörflich ist" präsentiert.

Beschreibung:
Biegt man vom Fürstenwall in die Reichsgasse, fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt, wäre nicht im Hintergrund der Fernsehturm zu sehen. Früher hieß die Reichsgasse (und die jetzige Reichsstraße) noch Krautstraße. Am Ufer der Düssel stand eine alte Krautmühle, die der Straße den Namen gab. Anlässlich der Gründung des Zweiten Deutschen Reiches im Jahre 1871 wurde die Straße umbenannt.
(Monika Schindler, Keyworkerin)

Wir wünschen Euch ein schönes Wochenende!

#stadtmuseumduesseldorf #keywork #keyworker #keyworkerimstadtmuseum #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona

Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg zu Pferde vor der Düsseldorfer Rheinfront, um 1614, Abraham Hogenberg (nachweislich tätig um 1608 – 1653) nach Melchior Geldorp (nachweislich tätig 1602 – 1637), Kupferstich, Inv.-Nr. D 925
Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg zu Pferde vor der Düsseldorfer Rheinfront, um 1614, Abraham Hogenberg (nachweislich tätig um 1608 – 1653) nach Melchior Geldorp (nachweislich tätig 1602 – 1637), Kupferstich, Inv.-Nr. D 925

Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg zu Pferde vor der Düsseldorfer Rheinfront
um 1614
Abraham Hogenberg (nachweislich tätig um 1608 – 1653) nach Melchior Geldorp (nachweislich tätig 1602 – 1637)
Kupferstich
Inv.-Nr. D 925

(Euer digitaler Happen zum Kuratorenmittwoch)

In herrschaftlicher Pose wird Wolfgang Wilhelm (1578 – 1653) vor der Düsseldorfer Rheinfront dargestellt. Der Herzog - in spanischer Tracht - hält auf einem nach rechts steigenden Pferd die Zügel fest in Händen. Die im Hintergrund gezeigte Stadt Düsseldorf ist namentlich bezeichnet; das Schloss und die Zitadelle am Rhein lassen sich bei näherer Betrachtung erkennen. Am gegenüber liegenden Ufer wird ein Schiff flussaufwärts getreidelt. Das prominent platzierte Wappen des Herzogs ist mit den Worten „In Deo Mea Consolatio“ (In Gott liegt mein Trost) untertitelt. Dabei handelt es sich um Wolfgang Wilhelms Devise, sein selbst gewähltes Regierungsmotto. Unter der Darstellung finden sich auch die vollständigen Titel Wolfgang Wilhelms, die ihn u.a. als Nachfolger seines 1609 verstorbenen Onkels, Herzog Johann Wilhelm von Jülich - Kleve – Berg, ausweisen. Das Reiterbildnis vor Düsseldorfs Kulisse unterstreicht die Bedeutung, die Wolfgang Wilhelm seiner Residenzstadt beimaß. Mit ihm beginnt am Niederrhein die Ära der aus dem süddeutschen Pfalz-Neuburg stammenden Landesherren. Wolfgang Wilhelm wurde in Düsseldorf beigesetzt; sein Herz jedoch liegt in seiner Geburtsstadt Neuburg an der Donau. Das Düsseldorfer Grabmal des Herzogs lässt sich wie das seines wesentlich bekannteren Enkels Jan Wellem im Mausoleum der Andreaskirche besichtigen.

(Sigrid Kleinbongartz)

#PfalzNeuburg #früheneuzeit #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Haus Koekkoek: Goldener Saal (Foto: Anne Gossens)
Haus Koekkoek: Goldener Saal (Foto: Anne Gossens)

Haus Koekkoek: Goldener Saal
(Foto: Anne Gossens)

Im späten 19. Jahrhundert zählte der Maler August Friedrich Siegert (1820–1883) zu den beliebtesten Künstlern der Düsseldorfer Malerschule. Später wurde er von der Kunstwelt vergessen. Anlässlich seines 200. Geburtstags am 5. März 2020 richten das Stadtmuseum Düsseldorf und das Museum B.C. Koekkoek-Haus Kleve dem Maler die erste große Werkschau aus. Bis zum 14. Juni ist die Ausstellung noch im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

Nach über drei Monaten Laufzeit und zweimonatiger coronabedingter Schließung endet am Sonntag, dem 14. Juni 2020 die erste große Ausstellung mit Werken August Friedrich Siegerts – vorläufig. Denn bald geht es weiter. Bald eröffnet die zweite Station im Haus Koekkoek, in der einige andere Werke zu sehen sein werden als hier im Stadtmuseum. Aus diesem Anlass gibt es heute einen kleinen Kulturhappenausflug, ein Porträt dieses schönen Museums, in dem die Kunst Siegerts erneut genossen werden kann.
Das B.C. Koekkoek-Haus in Kleve ist ein Künstlerpalais, erbaut im Jahr 1848 vom niederländischen Landschaftsmaler Barend Cornelis Koekkoek (1803–1862). Seit 1960 dient das Stadtpalais Koekkoek als Museum, heute für niederländische Landschaftsmalerei der Romantik. Hier kann man den Zauber der Vergangenheit spüren: Einrichtungsgegenstände, Mobiliar, Kunst und ein Garten zeugen von dem einstigen Künstlerparadies. Das Ensemble ist ein Erlebnis deutsch-niederländischer Kultur-Wahlverwandtschaften. B. C. Koekkoek kam 1834 bereits mit einiger künstlerischer Erfahrung in die damalige malerische auf Hügeln gelegene Kurstadt Kleve. Berühmt wurden seine Wald- und Baumlandschaften, für die er viele Motive in der niederrheinischen Umgebung fand. Seine Bilder zeigte er auf den großen Salons des damaligen Europa.

(Red.: Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Die Düssel fließt auch durch die Düsseldorfer Altstadt, Fotograf: Hubertus Neuerburg (Keyworker), 2014
Die Düssel fließt auch durch die Düsseldorfer Altstadt, Fotograf: Hubertus Neuerburg (Keyworker), 2014

Keyworker im Stadtmuseum online:
Die Düssel fließt auch durch die Düsseldorfer Altstadt
Fotograf: Hubertus Neuerburg (Keyworker)
2014

Diese schöne Fotografie wurde in der Ausstellung "Die DÜSSEL" präsentiert.

Wir wünschen Euch ein schönes Wochenende!

#stadtmuseumduesseldorf #keywork #keyworker #keyworkerimstadtmuseum #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona

Abschied, Zeichner/in unbekannt [5. Schuljahr], Dezember 1937, Wasserfarbe, Tinte, Grafitstift auf Papier, C 10305, Foto: Stadtmuseum
Abschied, Zeichner/in unbekannt [5. Schuljahr], Dezember 1937, Wasserfarbe, Tinte, Grafitstift auf Papier, C 10305, Foto: Stadtmuseum

Abschied
Zeichner/in unbekannt [5. Schuljahr]
Dezember 1937
Wasserfarbe, Tinte, Grafitstift auf Papier
C 10305
Foto: Stadtmuseum

(Euer digitaler Happen zum Kuratorenmittwoch)

Ich möchte heute noch eine weitere Zeichnung aus den Konvolut der Kinderzeichnungen des Malers Julo Levin (1901 - 1943) vorstellen. Das Motiv des Abschieds (auch unter dem Titel "Auswanderung") ist mehrfach in der Sammlung der Kinderzeichnungen vertreten. Es reflektiert möglicherweise die eigene Erfahrungswelt der jüdischen Kinder, die im Zuge der Emigration von Juden aus dem nationalsozialistischen Deutschland Abschied von Familienmitgliedern, Freunden und Mitschülern nehmen mussten. Auch die Jüdische Volksschule Düsseldorf war von der Emigration jüdischer Schüler und Lehrer betroffen. Vom Mai 1936 bis Oktober 1939 sank die Zahl der Schüler/innen von 387 auf 66.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

In Bewegung, Installation der Gruppe „Kreatives Gestalten für Ausstellungen“ im Stadtmuseum, Fotografie: Brigitte Fromm, aus der Ausstellung "Düsseldorfer Motive", 2016
In Bewegung, Installation der Gruppe „Kreatives Gestalten für Ausstellungen“ im Stadtmuseum, Fotografie: Brigitte Fromm, aus der Ausstellung "Düsseldorfer Motive", 2016

Keyworker im Stadtmuseum online
Heute mit dem Foto:
In Bewegung
Installation der Gruppe „Kreatives Gestalten für Ausstellungen“ im Stadtmuseum
Fotografie: Brigitte Fromm
aus der Ausstellung "Düsseldorfer Motive", 2016

Die Gruppe „Kreatives Gestalten für Ausstellungen“ im Stadtmuseum hat sich mit dem Thema „Fahrradstadt Düsseldorf“ auseinandergesetzt und eine Installation gestaltet, die unterschiedliche Aspekte und Assoziationen (Tour de France) zulässt.

Brigitte Fromm (Keyworkerin)

Wir wünschen Euch ein schönes Wochenende!

#stadtmuseumduesseldorf #keywork #keyworker #keyworkerimstadtmuseum #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona

Der Feiertag, 1858/59–1867/68 (Stahlstich auf Papier, gestochen von Nikolaus Georg Barthelmess [1829–1889], gedruckt von C. Schulgen-Bettendorff, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto C. Wucherpfennig)
Der Feiertag, 1858/59–1867/68 (Stahlstich auf Papier, gestochen von Nikolaus Georg Barthelmess [1829–1889], gedruckt von C. Schulgen-Bettendorff, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto C. Wucherpfennig)

Der Feiertag
1858/59–1867/68
Stahlstich auf Papier
gestochen von Nikolaus Georg Barthelmess [1829–1889]
gedruckt von C. Schulgen-Bettendorff
Privatbesitz
Düsseldorf,
Foto C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. verlängert bis zum 14.6.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen. Vom 12. Mai bis zum 14. Juni ist die Ausstellung wieder im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

Bis in das 17. Jahrhundert finden sich nur wenige Darstellungen lesender Frauen. In der holländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts wird dieses Motiv häufiger gewählt, nicht unbedingt mit Wertschätzung. Denn wer liest, besitzt in diesem Moment eine gewisse Autonomie. Eine Leserin nimmt sich die Freiheit, für sich zu sorgen: zur Selbstbildung, zur Erbauung oder zur Zerstreuung. Sie kommt während dieser Zeit ihren Alltagspflichten nicht nach – daher die Kritik des weiblichen Lesens. Sie bleibt letztlich erfolglos. Siegerts „Feiertag“ wurde günstiger aufgenommen, zu sehr überwog der fromme Andachtscharakter. Viele hielten es bis dato für sein bestes Bild. Deshalb fertigte und verkaufte er zahlreiche Kopien. Die Reproduktion als Stahlstich war im 19. Jahrhundert sehr beliebt, weil die Technik hohe Auflagen ermöglichte. Manche Details lassen sich im Stich aufgrund seiner kristallinen Klarheit und Schärfe sogar besser erkennen als im Gemälde. Siegert freute sich nicht nur über den Erfolg, sondern auch über die stilreine Ausstattung an Mobiliar und Kostüm. Und seine Gattin Mathilde freute, dass Siegert die Gestalt der Leserin nach ihr gestaltete.

(Drs. Guido de Werd/ Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Atlas, Günther Cahn, 1937, Wasserfarbe, Deckweiß, Tinte auf Papier, C 10312, Foto: Stadtmuseum Düsseldorf
Atlas, Günther Cahn, 1937, Wasserfarbe, Deckweiß, Tinte auf Papier, C 10312, Foto: Stadtmuseum Düsseldorf

Atlas
Günther Cahn
1937
Wasserfarbe
Deckweiß
Tinte auf Papier
C 10312
Foto: Stadtmuseum Düsseldorf

Seit Anfang der 1980er Jahre hat das Stadtmuseum Düsseldorf eine einzigartige Sammlung von Kinderzeichnungen erworben. Es handelt sich um die Sammlung des Malers Julo Levin (1901 – 1943), der von 1936 – 1941 in Düsseldorf und Berlin als Zeichenlehrer an jüdischen Schulen beschäftigt war. Das Konvolut von rund 1850 Blättern setzt sich zum überwiegenden Teil aus Arbeiten zusammen, die von jüdischen Schülerinnen und Schülern im Unterricht Levins angefertigt wurden. Levin hat aber auch außerhalb des Schulunterrichts (und auch bereits vor seiner Tätigkeit als Lehrer) Kinderzeichnungen gesammelt. So gehören dem Bestand auch Zeichnungen aus dem Jüdischen Kindergarten Düsseldorf, aus seiner Heimatstadt Stettin und ungeklärter Herkunft an. Die Sammlung, die Nationalsozialismus und Krieg überdauert hat, ist eine einzigartige Hinterlassenschaft deutsch-jüdischer Geschichte von der Zeit der Weimarer Republik bis zum Beginn des Holocaust. Die hier gezeigte Zeichnung entstand im Unterricht der Privaten Jüdischen Volksschule Düsseldorf an der Kasernenstraße in der Levin von 1936 - 1938 unterrichtete. Es zeigt die mythologische Figur des Atlas, den Träger des Himmelsgewölbes. Ihr Zeichner, Günther Cahn, 1925 in Düsseldorf geboren, konnte 1939 gemeinsam mit seinem Bruder Helmut mit einem der sog. Kindertransporte nach Großbritannien entkommen. Seine in Düsseldorf verbliebenen Eltern wurden 1941 in das Ghetto von Minsk deportiert und dort ermordet.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Mündung des Kittelbachs, Fotografie: Marion Portz-Kube, aus der Ausstellung "Die DÜSSEL",  2014
Mündung des Kittelbachs, Fotografie: Marion Portz-Kube, aus der Ausstellung "Die DÜSSEL", 2014

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause

Heute mit dem Foto:
Mündung des Kittelbachs
Fotografie: Marion Portz-Kube
aus der Ausstellung "Die DÜSSEL", 2014

In Kaiserswerth, zwischen Kaiserpfalz und Rheinfähre, endet dieser 'Nebenfluss' der Düssel in den Rhein. Der Verlauf des Baches ist wenig bekannt: Ab dem Mörsenbroicher Ei wird er als Kanal durch tristes Industriegebiet gelenkt, erreicht den betriebsamen Flughafen und verschwindet dort, um das Flugfeld unterirdisch zu durchqueren. An beiden Enden des Kanalrohres sind nicht nur Gittervorrichtungen angebracht, sondern sogar Wachhäuschen mit permanenter Besatzung installiert! In Kaiserswerth, nahe der Alten Landstraße, genießt der Bach endlich wieder die frische Luft und wird für viele Hunde der dortigen Spaziergänger zu einer Badestelle. Die letzten hundert Meter des Baches sind die schönsten: Entlang der Pferdewiese namens Abels Kull fließt das Wasser zügig der Mündung zu. Über Stock und Stein sprudelt das Wasser, weitet sich zu einer breiten Mündung aus und wird von der starken Strömung des Rheins mitgerissen. Es ist offensichtlich, warum genau diese Stelle viele Spaziergänger zum Verweilen einlädt.

Marion Portz-Kube (Keyworkerin)

#stadtmuseumduesseldorf #keywork #keyworker #keyworkerimstadtmuseum #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona

Stefan Arendt (LVR-Zentrum Medien und Bildung), Blick in die Sonderausstellung „Antlitz der Stadt“, 2020, Digitalfoto
Stefan Arendt (LVR-Zentrum Medien und Bildung), Blick in die Sonderausstellung „Antlitz der Stadt“, 2020, Digitalfoto

Stefan Arendt (LVR-Zentrum Medien und Bildung)
Blick in die Sonderausstellung „Antlitz der Stadt“
2020
Digitalfoto

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

Die Anfänge der Fotografischen Sammlung des Stadtmuseums liegen im späten 19. Jahrhundert. So finden sich in ihr viele Beispiele von Bildern in beinahe vergessenen Techniken, mit denen das Leben verewigt werden sollte. Unter ihnen sind Salzpapiernegative, Daguerreotypien, Albumin- und Kollodiumabzüge. Gegenwärtig zählt die Sammlung ca. 80.000 Fotografien und Videoarbeiten. Erstmals kann sie in dieser Ausstellung mit über 200 Exponaten vorgestellt werden. Bei der Exponatauswahl stand zweierlei im Vordergrund: 1. wird die Vielfalt der Themen und Techniken in der Sammlung vorgeführt, 2. wird sichtbar, dass die Sammlung einen Fokus auf die Düsseldorfer Geschichte legt. Zwar zeigen nicht alle Exponate Motive aus Düsseldorf, aber fast alle haben einen Bezug zu der Stadt.
Die Auswahl gibt einen Einblick in einen typischen Museumsbestand: eine Mischung aus Zufall und Planung. Gerade Fotografien gelangten über viele Jahrzehnte hinweg oft quasi als Beifang zusammen mit dem Museum geschenkten oder hinterlassenen Kunstwerken, Dokumenten oder Geräten ins Haus. Ohne die zahlreichen Schenkungen vieler großzügiger Bürger*innen wäre ihre Fülle gar nicht denkbar. Bürger/innen, Vereine und Firmen, die historische Fotografien besitzen, sind eingeladen, sich an den Fotokurator des Museums zu wenden – vielleicht können sie ja die Museumssammlung bereichern.

(Fotokurator: Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#20Jahrhundert #Düsseldorf #Ehrenhof #Stadtfotografie #Fotografin #RuthLauterbachBaehnisch #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Statuten der Düsseldorfer St. Sebastianus-Schützen-Bruderschaft, 1435, Tinte auf Pergament, Wachssiegel, Dauerleihgabe Sankt Sebastianus Schützenverein 1316 e.V., Inv.-Nr. U-DL 1
Statuten der Düsseldorfer St. Sebastianus-Schützen-Bruderschaft, 1435, Tinte auf Pergament, Wachssiegel, Dauerleihgabe Sankt Sebastianus Schützenverein 1316 e.V., Inv.-Nr. U-DL 1

Statuten der Düsseldorfer St. Sebastianus-Schützen-Bruderschaft
1435
Tinte auf Pergament
Wachssiegel
Dauerleihgabe Sankt Sebastianus Schützenverein 1316 e.V.
Inv.-Nr. U-DL 1

Die Urkunde aus dem Jahr 1435 stellt eine bedeutende schriftliche Quelle für die Geschichte des mittelalterlichen Düsseldorf dar. In 22 Artikeln werden die Statuten der vermutlich seit dem 14. Jahrhundert in Düsseldorf bestehenden Sankt-Sebastianus-Bruderschaft erneuert. Das außerordentlich gut erhaltene Pergament ist auf den 20. Januar datiert, den Gedenktag des Heiligen Sebastian. Der Heilige, den man auch bei Pestepidemien um Hilfe anrief, gehört neben Hubertus zu den beliebtesten Namenspatronen der historischen Schützenvereine. Herzog Adolf II. von Jülich-Berg als Landesherr und die Stadt Düsseldorf bestätigten die Rechtmäßigkeit durch Siegel. Auf der rechten Seite befindet sich das herzogliche Siegel, das der Stadt ging im Laufe der Jahrhunderte verloren.
Die Satzung lässt den Schluss zu, dass sich die Bruderschaft im 15. Jahrhundert vorwiegend als christliche Solidargemeinschaft des städtischen Bürgertums verstand. Sowohl Frauen als auch Männer konnten Mitglied werden. Zwei ältere und zwei jüngere Meister bildeten den Vorstand. Das Verhalten der Mitglieder untereinander wurde in mehreren Artikeln geregelt: Streitigkeiten sollten von den Meistern geschlichtet werden; Diebstahl und der Verstoß gegen die Gebote konnten mit dem Ausschluss bestraft werden. Der soziale Charakter der Gemeinschaft lässt sich auch in den Vorschriften zur Unterstützung verarmter Mitglieder ablesen. Die finanziellen Zuwendungen für in Not geratene Männer und Frauen schlossen im Todesfall auch die Kosten für das Begräbnis ein. Ein einziger Absatz der Urkunde bezieht sich auf das eigentliche Schützenwesen. In diesem wird die Teilnahme am Königsmahl des Schützenkönigs geregelt.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Ruth Lauterbach-Baehnisch (1910–1997), Die alte Oberkasseler Brücke mit dem Ulanendenkmal am Rheinufer, Düsseldorf, 1930er Jahre (?), Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 43
Ruth Lauterbach-Baehnisch (1910–1997), Die alte Oberkasseler Brücke mit dem Ulanendenkmal am Rheinufer, Düsseldorf, 1930er Jahre (?), Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 43

Ruth Lauterbach-Baehnisch (1910–1997)
Die alte Oberkasseler Brücke mit dem Ulanendenkmal am Rheinufer
Düsseldorf
1930er Jahre (?)
Silbergelatine auf Barytpapier
Stadtmuseum Düsseldorf
Inv.: F 43

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

Einen ungewöhnlichen Blick wählte die Fotografin Ruth Baehnisch (später: Lauterbach-Baehnisch), als sie gleich drei bedeutende Düsseldorfer (Bau)-Denkmäler zusammenbrachte. Auf dem Dach des Kunstpalastes im Ehrenhof stehend, fotografierte sie dessen Westflügel; darüber liegen die Bögen der ersten Oberkasseler Brücke, und rechts sticht das Ulanendenkmal heraus. Baehnisch arrangiert die Komposition raffiniert: Die schroffe Architektur des präfaschistischen Kunstpalasts bildet die Basis, auf der die eleganten Brückenbögen aufzuliegen scheinen. Präzise erfasst Baehnisch die Reiterskulptur so, als würde das Pferd auf den westlichen Bogen springen. Das Gegenlicht eliminiert störende Details, und die indirekte Beleuchtung der Szenerie – die Sonne wird von gewaltigen Wolken verborgen – vollendet die bedrückende Stimmung dieses Moments. Für die Fotografin war es vielleicht nur ein fotografisches Experiment. Aus heutiger Sicht verdichtet das Foto drei Aspekte der deutschen Geschichte, deren Zusammenspiel im Nationalsozialismus zur Katastrophe führten: Die Modernisierung der Gesellschaft durch Technik, den in dem Baukörper des Ehrenhofes verkörperten Autoritarismus und den Militarismus.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#20Jahrhundert #Düsseldorf #Ehrenhof #Stadtfotografie #Fotografin #RuthLauterbachBaehnisch #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Elbphilharmonie, Foto: Rainer Bergner, (Keyworker), aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“, 2018
Elbphilharmonie, Foto: Rainer Bergner, (Keyworker), aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“, 2018

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause

Heute mit dem Foto:
Elbphilharmonie
Foto: Rainer Bergner (Keyworker)
aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“
2018

Euer Kulturhappen zum Wochenende - diesmal mit einem schönen Vergleichsfoto aus einer anderen Stadt, das im Rahmen der o.g. Ausstellung präsentiert wurde

#stadtmuseumduesseldorf #keywork #keyworker #keyworkerimstadtmuseum

Dorflehrer an der Pforte
um 1874
(Ölskizze auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. verlängert bis zum 14.6.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen. Vom 12. Mai bis zum 14. Juni ist die Ausstellung wieder im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

Nach einem anstrengenden Vormittag mit Unterricht verlässt der Lehrer zusammen mit den Kindern den im ersten Stock gelegenen Unterrichtsraum und fordert von dem Jungen neben sich die Schlüssel, um die Pforte abzuschließen. Auf den Stufen sitzen mehrere Kinder, von denen eines dem Lehrer ein Sträußchen anbietet. Kindliche Autonomie, wie sie in Siegerts Bildern oft aufscheint, ist in der Kunst des 19. Jahrhunderts selten zu finden. Zumeist werden sie ästhetisch und motivisch diszipliniert. In Siegerts Werk finden sich auch Beispiele hierfür, wie in dem Gemälde „Dorflehrer an der Pforte“. Hier wird die Hierarchie dadurch sinnfällig, dass der streng schwarz gewandete Lehrer nicht nur an Körperlänge die Kinder überragt, sondern obendrein auf höherer Treppenstufe steht. Und die Sehbewegung führt aus dem Inneren des Hauses ins buchstäblich Freie und von dort zurück in das düstere Hausinnere mit dem Kulminationspunkt in der Gestalt der Autorität, dem Lehrer. Erst das 19. Jahrhundert brachte die allgemeine Schulpflicht. 1837 wird vom preußischen Staat für öffentliche Schulen ein verpflichtender Lehrplan eingeführt.

(Valentina Vlašić/ Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Damenschuhe, um 1790, Seidengewebe, Leder, Inv.-Nr. T 7
Damenschuhe, um 1790, Seidengewebe, Leder, Inv.-Nr. T 7

Damenschuhe
um 1790
Seidengewebe
Leder
Inv.-Nr. T 7

(Euer digitaler Happen zum Mittwoch)

Diese Damenschuhe stellen selten erhaltene Beispiele der modischen Fußbekleidung des späten 18. Jahrhunderts dar. Das Obermaterial der Schuhe besteht aus einem beige-braun bedruckten Samtstoff. Mit einem helleren Ripsband ist der Fußausschnitt gefasst; eine kleine Rüsche aus diesem Seidenband sitzt mittig auf der Kappe. Der ebenfalls in Stoff bezogene, viereinhalb cm hohe Absatz ist nach innen geschwungen und verjüngt sich bis zur Ledersohle. Die spitz zulaufende Schuhspitze ist in dunkelbraunem Leder bezogen. Jeder Schuh hat eine Länge von 22,5 cm, was etwa der heutigen Schuhgröße 35 entspricht. Die Schuhe sind in sehr gutem Zustand und wurden wahrscheinlich kaum getragen. Daher kann man noch gut erkennen, dass sie wie alle Schuhe dieser Zeit einleistig gearbeitet wurden. Jeder Schuh war gleich genäht, unabhängig davon, ob er für den rechten oder linken Fuß gedacht war. Erst beim Tragen verformten sich die Schuhe entsprechend. Mit solch empfindlichen Schuhen konnte man sich fast nur in Innenräumen bewegen, da sie weder Schmutz noch Nässe standhielten. Für kurze Wege auf den meist ungepflasterten Straßen schlüpften die Damen in hölzerne Unterschuhe (Trippen).

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Die Aussteuer, 1882 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz. Foto Christoph Westermeier)
Die Aussteuer, 1882 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz. Foto Christoph Westermeier)

Die Aussteuer
1882
(Öl auf Leinwand, Privatbesitz. Foto Christoph Westermeier
)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. verlängert bis zum 14.6.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen. Vom 12. Mai bis zum 14. Juni ist die Ausstellung wieder im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

An einem geöffneten Fenster sitzen arbeitet eine junge Frau in einem dunkelroten Kleid an ihrer Aussteuer. Hinter ihr ordnet eine ältere Frau, vermutlich ihre Mutter, Wäsche in den Schrank ein. Handarbeit, die ein besonderes »Feingefühl in den Fingerspitzen« erforderte, gilt zu Siegerts Zeiten als typisch weiblich und bildet einen Schwerpunkt im Unterrichtsplan. Anders als körperlich anstrengende Tätigkeiten wie Wäschewaschen und Bügeln sind im 19. Jahrhundert das Spinnen, Stricken und Nähen für Bürgerinnen jeden Alters schicklich, vielleicht auch, weil die Handarbeit einen Bezug zu kunsthandwerklicher Arbeit hat. Dieselbe Tätigkeit gewerblich ausgeübt, steht für Zugehörigkeit zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung. In Siegerts Gemälden bildet die Handarbeit ein Randmotiv. In „Die Aussteuer“ verhält sich die Nähende in der Mitte zwischen Träumen und Tun. Während der Nähbewegung schaut sie ins Freie durch das geöffnete Fenster. In vielen Beispielen der Genremalerei im 19. Jahrhundert steht diese Blickführung für die Sehnsucht nach dem Verlassen der engen heimischen Sphäre.

(Dr. Annegret Stein/ Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Arm und Reich, 1874 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Hannover, Foto Martin Rohrmann)
Arm und Reich, 1874 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Hannover, Foto Martin Rohrmann)

Arm und Reich
1874
(Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Hannover, Foto Martin Rohrmann)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. verlängert bis zum 14.6.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen. Vom 12. Mai bis zum 14. Juni ist die Ausstellung wieder im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

(Der nächste digitale Kulturhappen zum Sonntag)

Kinder aus einer reichen Familie, deren Wohlstand durch die Hintergrundarchitektur bezeichnet wird, beobachten, wie eine arme Mutter dem Kind auf ihrem Schoß Brei mit einem Löffel reicht. Am Boden zu ihren Füßen steht ihr Hab und Gut in einem Sack, den sie zugeschnürt und mit einem Stock auf ihrem Rücken zu tragen pflegt. In dem Gemälde, das in Siegerts Gegenwart spielt – im historistischen Ambiente –, wird das Wohlstandsgefälle dadurch ausgedrückt, dass die zuschauenden Kinder offenbar ihr Federballspiel unterbrachen, um dem Schauspiel beizuwohnen. Hierdurch stellt sich die Frage, ob Siegert eine gewisse Sozialkritik andeutet, wenn er die Kinder der reichen Familie arme Leute bestaunen lässt. Gestützt wird die Betonung der Zugehörigkeit zur Oberschicht durch den Federballschläger, ein im 19. Jahrhundert noch exklusives Spielgerät. Das Bild ist eine vereinfachte Fassung eines Gemäldes, das sich im Wiener Belvedere befindet. Die erste Fassung dieses Gemäldes wurde von Siegert 1857–1858 gemalt und vom Düsseldorfer Kunstverein erworben.

(Drs. Guido de Werd/ Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Lluch Alcari auf Mallorca, Ulrich Leman (1885 - 1988), 1927, Öl auf Leinwand, B 1534, Foto: Stefan Arendt
Lluch Alcari auf Mallorca, Ulrich Leman (1885 - 1988), 1927, Öl auf Leinwand, B 1534, Foto: Stefan Arendt

Lluch Alcari auf Mallorca
Ulrich Leman (1885 - 1988)
1927
Öl auf Leinwand
B 1534
Foto: Stefan Arendt

(Euer digitaler Kulturhappen zum Samstag)

Mallorca war in den 1920er und frühen 30er Jahren ein beliebtes Ziel von Künstlern aus dem Kreis des Jungen Rheinland. Gert Wollheim, Jankel Adler, Arthur Kaufmann u.a. besuchten die Insel und lebten und arbeiteten dort teils über mehrere Monate. 1927 und 1933 reiste auch Johanna Ey dorthin, um ihren engen Freund den mallorquinischen Maler und Dichter Jacobo Sureda zu besuchen. Einer der Begleiter ihrer ersten Mallorca-Reise war der Düsseldorfer Maler Ulrich Leman, einer der Gründungsmitglieder des Jungen Rheinland, von dem das hier gezeigte Bild stammt. Mallorca wurde zu Lemans zweiten Heimat. 1930 erwarb er ein Haus in Dejá unweit des hier dargestellten Ortes Lluch Alcari.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Das Auge: Unser Fenster zur Außenwelt, Foto: Brigitte Fromm, (Keyworkerin), aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“, 2018
Das Auge: Unser Fenster zur Außenwelt, Foto: Brigitte Fromm, (Keyworkerin), aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“, 2018

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause
Heute mit dem Foto:
Das Auge:
Unser Fenster zur Außenwelt
Foto: Brigitte Fromm, (Keyworkerin)
aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“, 2018

(Euer Kulturhappen zum Wochenende)

Beschreibung:
Die künstlerisch-fotografische Umsetzung möchte aufzeigen, dass sich die Umgebung (Welt) in unseren Augen spiegelt.
Zugleich zeigt ein Blick in die Augen unser Inneres, unsere Gefühle.
Ganz egal, welche Maske wir aufsetzen:
Unsere Augen offenbaren die Wahrheit. Sie sind damit der ehrlichste Teil unseres Gesichts.
„In ihm spiegelt sich von außen die Welt,von innen der Mensch“.
Johann Wolfgang von Goethe
Farbenlehre, Stuttgart (Kohlhammer) 1950-55, Erstausgabe 1810

(Text: Brigitte Fromm)

#0211kulturdigital #kulturinzeitenvonCorona #museummomentsmw #stadtmuseumduesseldorf

Peter Hubert Höltgen, Blick in die Schulstraße, Düsseldorf, um 1900, Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 31
Peter Hubert Höltgen, Blick in die Schulstraße, Düsseldorf, um 1900, Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 31

Peter Hubert Höltgen
Blick in die Schulstraße
Düsseldorf
um 1900
Silbergelatine auf Barytpapier
Stadtmuseum Düsseldorf
Inv.: F 31

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Sie stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

(Euer digitaler Kulturhappen zum Donnerstag)

Fotografie ist das Guckloch in die Vergangenheit. Auch wenn echte Zeitreisen unmöglich sind – beim Betrachten eines alten Fotos wird das Vergangene lebendig. Das macht ihren Reiz aus. Noch besser, wenn der in der Fotografie verewigte Ort noch heute zu besichtigen ist. Im Fall der Ansicht der Schulstraße ist das der Fall. Wer nach dem Besuch des Stadtmuseums die Citadellstraße hinuntergeht, stößt auf die in dem Foto zu sehende Straßenecke. Über 100 Jahre Stadtgeschichte haben diesen Winkel stark verändert. Nicht zuletzt Kriegsschäden und Modernisierungen ließen Bauten verschwinden und neu entstehen. Die Gentrifizierung sorgte für die Verwandlung eines Armenquartiers in eine schicke Wohnlage, und heute liegen links vom Aufnahmepunkt aus das Film- und Hetjensmuseum (im Palais Nesselrode). Hinten steht die barocke Maxkirche, deren Schule der junge Heinrich (Harry) Heine besuchte. Dass Frauen und Kinder in die Kamera blicken, regt sofort die Phantasie an: Wie lebten sie? Welches Leben lebten sie? Antworten darauf gibt es nicht, aber die Fragen zeigen, dass die Vergangenheit nie abgeschlossen ist, sondern die Menschen immer wieder beschäftigt. Ein kleines Detail fällt noch auf: Auf diesem Abzug wurde mit einem Tintenstift ein Ausschnitt markiert. Offenbar wurde die Aufnahme vor langer Zeit einmal reproduziert.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#19Jahrhundert #DüsseldorferAltstadt #DüsseldorfCarlstadt #Stadtfotografie #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Muff, um 1790, Seidengewebe, Seiden- und Metallstickerei, Seidenbändchen, Inv.-Nr. T 8
Muff, um 1790, Seidengewebe, Seiden- und Metallstickerei, Seidenbändchen, Inv.-Nr. T 8

Muff
um 1790
Seidengewebe
Seiden- und Metallstickerei
Seidenbändchen
Inv.-Nr. T 8

(Euer Kulturhappen zum Mittwoch)

Ein Muff gehörte im 18. Jahrhundert zu den beliebtesten Kleidungsutensilien der vornehmen Damen und Herren. Meist waren die vor dem Körper getragenen Rollen, in denen man im Winter seine Hände vor Kälte schützen konnte, aus Pelz gearbeitet. Das hier gezeigte Exemplar aus heller Seide stellte in erster Linie ein modisches Accessoire dar. Die pastellfarbenen, floralen Stickereien harmonieren mit dem silbergrauen Grundton. Die kostbare Seide, die hier auch als Innenfutter genutzt wurde, war wegen ihres unvergleichlichen Glanzes und ihrer isolierenden Eigenschaften geschätzt. Der edle Stoff bot im Zusammenspiel mit der vorhandenen Polsterung aus Daunenfedern auch einen gewissen Kälteschutz. Ein Muff diente den Herrschaften darüber hinaus als Taschenersatz. Einen kleinen Geldbeutel, Spiegel oder ähnliches konnte man hier gut verstecken und unauffällig bei sich tragen.
Spektakuläre Modeerscheinungen, wie die übergroßen Reifröcke und aufgetürmten Hochfrisuren der Damen, sind untrennbar mit dem 18. Jahrhundert verbunden. Weniger aufsehenerregend aber genauso spannend ist der Blick auf die Kleidungsstoffe dieser Epoche. Die Herrenkleidung war so farbenfroh und verspielt wie die der Damen. Der Seidenmuff mit seinen floralen Motiven könnte daher von einem Herrn genauso wie von einer Dame getragen worden sein.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

"Unser täglich Brot gib uns heute oder Tischgebet“, 1878 bzw. 1877 (Privatbesitz, Düsseldorf [das schlicht gerahmte Original]/ Freudenberg & Co. KG, Weinheim, Unternehmens- und Familienarchiv [Dummy an der Wand])
"Unser täglich Brot gib uns heute oder Tischgebet“, 1878 bzw. 1877 (Privatbesitz, Düsseldorf [das schlicht gerahmte Original]/ Freudenberg & Co. KG, Weinheim, Unternehmens- und Familienarchiv [Dummy an der Wand])

„Unser täglich Brot gib uns heute oder Tischgebet“
1878 bzw. 1877
(Privatbesitz, Düsseldorf [das schlicht gerahmte Original]/ Freudenberg & Co. KG, Weinheim, Unternehmens- und Familienarchiv [Dummy an der Wand])

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. verlängert bis zum 14.6.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen. Vom 12. Mai bis zum 14. Juni ist die Ausstellung wieder im Stadtmuseum zu besichtigen. Vom 5. Juli bis 1. November wird sie in Kleve zu sehen sein.

(Der nächste digitale Kulturhappen zum Dienstag)

Nach jahrelanger Vorarbeit (siehe den 11. Kulturhappen) wurde die erste große Sonderausstellung des Düsseldorfer Malers August Friedrich Siegert an seinem 200. Geburtstag eröffnet. Wegen der Corona-Pandemie entfiel die Eröffnungszeremonie. Und bereits nach zehn Tagen wurde die Ausstellung wieder geschlossen. Aufgrund einiger Neudisponierungen lässt sich die Ausstellung von heute an bis zum 14. Juni wieder besuchen. Die Ausstellung bietet einen repräsentativen Querschnitt durch Siegerts Oeuvre. Zugleich blickt es auch dem Maler als Unternehmer über die Schulter, beispielsweise im Vergleich zweier Fassungen ein und desselben Motivs. Es war dem Maler wichtiger, nachgefragte Bilder mehrfach zu malen und zu verkaufen, als seine Originalität stets neu zu beweisen. Die Aufnahme vom Ausstellungsaufbau zeigt zwei Varianten des seinerzeit beliebten Gemäldes „Unser täglich Brot gib uns heute oder Tischgebet“, 1878 bzw. 1877 (Privatbesitz, Düsseldorf [das schlicht gerahmte Original]/ Freudenberg & Co. KG, Weinheim, Unternehmens- und Familienarchiv [Dummy an der Wand]), die beide in der Ausstellung nebeneinander hängen.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Fotograf/in unbekannt, Zerstörte Häuser an dem Friedrichplatz, heutigem Grabbeplatz in Düsseldorf, 1940er Jahre, Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 140
Fotograf/in unbekannt, Zerstörte Häuser an dem Friedrichplatz, heutigem Grabbeplatz in Düsseldorf, 1940er Jahre, Silbergelatine auf Barytpapier, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 140

Fotograf/in unbekannt
Zerstörte Häuser an dem Friedrichplatz
heutigem Grabbeplatz in Düsseldorf
1940er Jahre
Silbergelatine auf Barytpapier
Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 140

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

(Euer digitaler Kulturhappen zum Sonntag)

Nachdem die deutsche Armee im Jahr 1939 die Nachbarländer überfallen hatte, traf der Krieg schon bald die Zivilbevölkerung. Der von den Nazis sogenannte „totale Krieg“ begann mit Bombardierungen von Städten wie Rotterdam und Coventry. Die deutsche Bevölkerung erfuhr bald die Konsequenzen der verbrecherischen Politik ihrer Staatsspitze.
Während des 2. Weltkriegs erlebte Düsseldorf über 240 Luftangriffe der Alliierten, denen mehr als 7.000 Menschen zum Opfer fielen. Mit dem Bombenkrieg sollten die kriegswichtige Infrastruktur getroffen und auch die Bevölkerung demoralisiert werden. Beide strategischen Ziele wurden verfehlt. Der erste Großangriff erfolgte in der Nacht zum 1. August 1942. Bis 1945 wurden im Bereich der Kernstadt 93 % aller Wohnhäuser, 96 % der öffentlichen und 93 % der Geschäftsgebäude zerstört oder beschädigt. Aus heutiger Sicht unverständlich bleibt, dass angesichts der Ruinierung eines ganzen Landes fast bis Kriegsende ein großer Teil der deutschen Bevölkerung Hitlers Siegesversprechen glaubte. Das Foto zeigt einen Blick ungefähr vom Opernhaus auf das Eckhaus des heutigen Grabbeplatzes/ Heinrich-Heine-Allee mit dem damaligen Kunstgewerbemuseum (am linken Bildrand) und der Landes- und Stadtbibliothek (heute Museum K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen).

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#20Jahrhundert #DüsseldorferAltstadt #2Weltkrieg #Stadtfotografie #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Hofgärtnerhaus, 1858, Künstler: Caspar Johann Nepomuk Scheuren (1810-1887), aquarellierte Tusche, Stadtmuseum Düsseldorf C 6202, Fotografie: Medienzentrum Rheinland /Stefan Arendt
Hofgärtnerhaus, 1858, Künstler: Caspar Johann Nepomuk Scheuren (1810-1887), aquarellierte Tusche, Stadtmuseum Düsseldorf C 6202, Fotografie: Medienzentrum Rheinland /Stefan Arendt

Hofgärtnerhaus
1858
Künstler: Caspar Johann Nepomuk Scheuren (1810-1887)
aquarellierte Tusche
Stadtmuseum Düsseldorf C 6202
Fotografie: Medienzentrum Rheinland /Stefan Arendt

(Der digitale Kulturhappen zum Samstag)

Am nordwestlichen Abschluss des ersten Hofgartens steht das Hofgärtnerhaus. Architektonisch ist es dem Schloss Jägerhof angepasst. In ihm befindet sich bis heute das schöne Theatermuseum Düsseldorf.

(Svenja Wilken)

#0211kulturdigital #stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #theatermuseumduesseldorf

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause Heute mit dem Foto: Diesseits und jenseits des Bauzauns, Foto: Brigitte Fromm, (Keyworkerin), aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“, 2018
Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause Heute mit dem Foto: Diesseits und jenseits des Bauzauns, Foto: Brigitte Fromm, (Keyworkerin), aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“, 2018

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause
Heute mit dem Foto:

Diesseits und jenseits des Bauzauns
Foto: Brigitte Fromm (Keyworkerin)
aus der Ausstellung „Blickrichtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken“
2018

Jeder Bauzaun verändert für eine gewisse Zeit seine Umgebung. Er wird zur Schwelle von diesseitiger Abschirmung zu jenseitiger Zukunftsgestaltung. Über die Gucklöcher im Zaun kann sich der Betrachter ein eigenes Bild machen von dem, was jenseits geschieht, kann sich die weitere Entwicklung individuell „ausmalen“. Die Keyworker-Gruppe „Kreatives Gestalten für Ausstellungen" hat ihre Ideen hierzu gestalterisch umgesetzt: Jenseits des Bauzauns öffnet sich ein Ausblick auf „paradiesische Momente“.

(Keyworker-Gruppe „Kreatives Gestalten für Ausstellungen")

#0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #keywork #keyworkerimstadtmuseum #stadtmuseumduesseldorf

Franz Monjau mit seiner Frau, Selbstportrait, Aquarell, Foto: Stefan Arendt
Franz Monjau mit seiner Frau, Selbstportrait, Aquarell, Foto: Stefan Arendt

Franz Monjau mit seiner Frau
Selbstportrait
Aquarell
Foto: Stefan Arendt

(Euer digitaler Kulturhappen zum Freitag)

Ich komme heute noch einmal auf das z. Zt. laufende Digitalisierungsprojekt zu den Werken Franz Monjaus und Julo Levins im Stadtmuseum zurück. Zum Bestand von Franz Monjau gehört auch ein selbst gebundenes kleines Reiseskizzen / -tagebuch, das Franz Monjau über die in den 1930er Jahren mit seiner Frau, meist mit Boot und Zelt, unternommenen Ferienreisen in die Niederlande angelegt hat. Das auf die Vorderseite des Einbands geklebte Aquarell zeigt ein Selbstporträt der beiden.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Hartung (tätig 1. H. 20. Jh.), Zerbombte Gebäude, Frankreich (?), 1914–1918, Stadtmuseum Düsseldorf, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.: F 1876
Hartung (tätig 1. H. 20. Jh.), Zerbombte Gebäude, Frankreich (?), 1914–1918, Stadtmuseum Düsseldorf, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.: F 1876

Hartung (tätig 1. H. 20. Jh.)
Zerbombte Gebäude
Frankreich (?)
1914–1918
Stadtmuseum Düsseldorf
Silbergelatine auf Barytpapier
Inv.: F 1876

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

Der 1. Weltkrieg wird wegen des bis dahin nie erlebten enormen Einsatzes an schwerem Kriegsgerät auch als „erster industrieller Krieg“ bezeichnet. Vor allem der zähe Stellungskrieg im Westen wurde als andauernde Materialschlacht geführt, in der nicht nur die massenhaft gefertigten Waffen, sondern auch die Soldaten das „Material“ darstellten. Insgesamt forderte der Krieg jeweils etwa 10 Millionen militärische und zivile Todesopfer. Nachdem die deutsche Armee Frankreich und Belgien im Sommer 1914 angriff, verlief die Westfront bis zum Kriegsende im November 1918 stets in diesen Ländern. Während deutsche Städte kaum angegriffen wurden, wurden zahlreiche Dörfer und Städte in Belgien und Frankreich zerstört oder gar ausradiert. Über den Düsseldorfer Fotografen Hartung ist nichts weiter bekannt, als dass die Sammlung des Stadtmuseums neben Aufnahmen von der Front (eine zeigt tote französische Soldaten) zivile Reportagefotos von ihm enthält. Auf diesem Foto einer gänzlich ruinierten Innenstadt sind Sperrzäune wie auf Gefechtsfeldern erkennbar und in der Bildmitte deutsche Soldaten.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#20Jahrhundert #1Weltkrieg #ersterweltkrieg #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Portrait des Kurfürsten Carl Theodor (1724 – 1799), um 1743, Johann Philipp von der Schlichten (1681 – 1745), Öl auf Leinwand, Inv.-Nr. B 50
Portrait des Kurfürsten Carl Theodor (1724 – 1799), um 1743, Johann Philipp von der Schlichten (1681 – 1745), Öl auf Leinwand, Inv.-Nr. B 50

Portrait des Kurfürsten Carl Theodor (1724 – 1799)
um 1743
Johann Philipp von der Schlichten (1681 – 1745)
Öl auf Leinwand
Inv.-Nr. B 50

(Der digitale Kulturhappen zum Mittwoch)

Das Bildnis zeigt den pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor umgeben von den Insignien seiner Macht. Mit der linken Hand deutet der junge Herrscher auf den auf einem Kissen liegenden Kurfürstenhut, in der rechten Hand hält er den Feldherrenstab. Neben ihm ist sein hermelingefütterter, roter Samtumhang über einem mit Löwenköpfen verzierten Tisch drapiert. Carl Theodor ist mit einem reich bestickten, mit breiten Ärmelaufschlägen und Goldknöpfen versehen Justaucorps (Herrenrock) und passender Weste, einer knielangen Hose und einem Brustharnisch bekleidet. Ein rotes Ordensband liegt auf seiner linken Schulter auf und verläuft diagonal über den Oberkörper des zierlich dargestellten Landesherrn. Im Hintergrund sind eine Schlosshalle sowie eine Parklandschaft angedeutet. Kurfürst Carl Theodor residierte zwar nicht in Düsseldorf, veranlasste vor Ort aber zahlreiche bedeutende Projekte, wie den Bau des Benrather Schlosses oder auch die Anlage der nach ihm benannten Carlstadt.
Der Hofkünstler Johann Philipp von der Schlichten portraitierte seinen jungen Auftraggeber am Beginn dessen über 50 Jahre währender Regierungszeit. Der aus Rotterdam stammende Maler stand schon unter Carl Theodors Vorgänger seit 1721 in kurfürstlichen Diensten. Um den Rang eines Hofmalers erreichen zu können, musste von der Schlichten zunächst vom reformierten zum katholischen Glauben konvertieren. Sein Sohn Johann Franz von der Schlichten (1725 – 1795) studierte dank der Stipendien des Kurfürsten Carl Theodor in Bologna und Rom ebenfalls Malerei.
Das Gemälde wurde dem Stadtmuseum von einem seiner frühesten und wichtigsten Förderer vermacht, dem Düsseldorfer Weinhändler Carl Guntrum (1803 – 1891).

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Andrea Isa, Baalbek, 2015, Fotocollage aus ca. 670 Fotos, Fotopapier, Karton, Klebefolie. Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 35840
Andrea Isa, Baalbek, 2015, Fotocollage aus ca. 670 Fotos, Fotopapier, Karton, Klebefolie. Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 35840

Andrea Isa
Baalbek
2015
(Ausschnitt aus:) Fotocollage aus ca. 670 Fotos
Fotopapier
Karton
Klebefolie
Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 35840

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

Die Düsseldorfer Künstlerin Andrea Isa dokumentiert die Baustelle der Düsseldorfer U-Bahnstrecke „Wehrhahn-Linie“ (2007 bis 2012) so, als sei sie eine archäologische Ausgrabungsstätte im Nahen Osten. Daher rührt der Titel „Baalbek“. Mit den tatsächlichen Ausgrabungen verbindet sich nichts, aber er öffnet der Phantasie den Raum – nicht zuletzt dadurch, dass Isa den Götternamen Baal wählt, der sich noch in dem Teufelsnamen „Beelzebub“ wiederfindet. Im ausgehobenen Düsseldorfer Erdreich fanden sich weder Schätze noch imposante Bauruinen. Andrea Isa gelingt jedoch die Überhöhung der banalen Baugrube mit raffinierten ästhetischen Mitteln. Seit Jahren praktiziert sie eine komplizierte Collagentechnik, bei der sie das Gesamtbild kaleidoskopisch aus einer Vielzahl einzelner Aufnahmen zusammensetzt. Sie unterläuft die Raumillusion und schafft eine mysteriöse Atmosphäre. Im Fall von „Baalbek“ verfremdet Isa die Fotos in eine Schwarz-Weiß-Optik, die an die mittlerweile historischen Ausgrabungen der Wilhelminischen Epoche anspielt. Die modernen Geräte muten hier antik an. Durchwirkt wird das Tableau mit arabischen Schriftzeichen, die die Szene vollends mythisieren.
Andrea Isa, geboren 1969 in Altenhundem, ist Mitglied der Düsseldorfer Produzentengalerie plan.d. Vor einigen Jahren präsentierte sie dort „Baalbek“ als fulminante begehbare Rauminstallation.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#Stadtfotografie #AndreaIsa #Fotografin #FotografieinDüsseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #stadtmuseumduesseldorf

„Auf der berüchtigten Bowery“ (New York), Underwood & Underwood (USA), 1896, Stereofoto, Inv.-Nr.: F 9262
„Auf der berüchtigten Bowery“ (New York), Underwood & Underwood (USA), 1896, Stereofoto, Inv.-Nr.: F 9262

„Auf der berüchtigten Bowery“ (New York)
Underwood & Underwood (USA)
1896
Stereofoto
Inv.-Nr.: F 9262

(Euer digitaler Kulturhappen zum Sonntag)

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020 – zurzeit geschlossen. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt. Die Bowery gehört zu den geschichtsträchtigen Straßen im New Yorker Stadtteil Manhattan. Ihre Anlage reicht in die Frühzeit der niederländischen Kolonisierung zurück. Um 1800 galt sie als noble Wohngegend, bevor sie zu einem Slum- und Nachtjackenviertel verfiel, geprägt von Kneipen, Bordellen und Spielhöllen. Hierher strömten unzählige Immigrant/innen, die sich in ethnischen Gruppen organisierten und gegenseitig anfeindeten. Martin Scorseses Film „Gangs of New York“ (2002) spielt in der Umgebung der Bowery; eine der Gangs waren die „Bowery Boys“. Die Bowery blieb bis ins späte 20. Jahrhundert hinein verrufen, bis die Gentrifizierung auch sie erreichte.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Stereofotos populär. Sie erforderten eine ausgeklügelte Technik, ermöglichten aber mittels einer speziellen Betrachtungsvorrichtung die räumliche Betrachtung von Räumen und Gegenständen. Gut eigneten sich Architektur- und Stadtaufnahmen, vor allem, als die Belichtungszeiten verkürzt wurden. Das Stadtmuseum besitzt zahlreiche Stereofotos, zumeist in Serien, die in Auflage hergestellt wurden und wie heute das Fernsehen die Welt ins Heim trugen. Die räumliche Suggestion sorgte für die faszinierende Illusion, vor Ort zu sein.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#Stereofotografie #Fotogeschichte #NewYork #Manhattan #Bowery #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Kinderzimmer, Künstler: Hans-Peter Feldmann, 2005
Kinderzimmer, Künstler: Hans-Peter Feldmann, 2005

Kinderzimmer
Künstler: Hans-Peter Feldmann
2005

(Der digitale Kuturhappen zum Samstag)

Die hier gezeigte Installation befindet sich mitten in unserer Sammlungspräsentation. Die Besonderheit: Kinder sind herzlich willkommen, sich das Kunstwerk von innen anzuschauen und die einzelnen Objekte auszuprobieren. Das Kinderzimmer stammt aus der 2005 gezeigten Ausstellung "Play!". Düsseldorfer Familien wurden gebeten, Kindermöbel, Spielzeuge usw. beizusteuern. Interessant ist diese Installation u.a. im Kontext der Geschichte rund um das Thema Kindheit und auch in Hinblick auf Spielzeug als Spiegel der Gesellschaft. So verfügt das Stadtmuseum ebenfalls über eine große Spielzeugsammlung.

(Svenja Wilken)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Schaufenster I und Schaufenster II, Gerd Arntz , 1925, Holzstock, farbig gefasst, B 1212, Foto: Stefan Arendt/LVR-Zentrum für Medien und Bildung
Schaufenster I und Schaufenster II, Gerd Arntz , 1925, Holzstock, farbig gefasst, B 1212, Foto: Stefan Arendt/LVR-Zentrum für Medien und Bildung

Schaufenster I und Schaufenster II
Gerd Arntz
1925
Holzstock, farbig gefasst
B 1212
Foto: Stefan Arendt/LVR-Zentrum für Medien und Bildung

(Euer digitale Kulturhappen zum Freitag)

Bei dem heute vorgestellten Stück aus unseren Sammlungen handelt es sich um zwei ursprünglich für Holzstiche verwendete Stöcke, die der Künstler bemalt und in einem Rahmen zusammengefügt hat, so dass daraus ein reliefartiges Gemälde entstand. Gerd Arntz (1900 - 1988) gehörte in den 1920er und frühen 30er Jahren sowohl der aus de Künstlergruppe des Jungen Rheinland hervorgegangenen Rheingruppe als auch den "Kölner Progressiven" um die Maler Franz Wilhem Seiwert, Heinrich Hoerle und den Fotografen August Sander an. Arntz gilt wie das hier gezeigte Beispiel eindrucksvoll belegt als einer der Wegbereiter des modernen Piktogramms.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause Heute mit dem Foto: "Gute Nachbarn haben ein offenes Ohr" von Marion Portz-Kube, 2018 (Beitrag zur Ausstellung 'Blick Richtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken', 2018)
Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause, Heute mit dem Foto: "Gute Nachbarn haben ein offenes Ohr" von Marion Portz-Kube, 2018 (Beitrag zur Ausstellung 'Blick Richtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken', 2018)

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause
Heute mit dem Foto:
"Gute Nachbarn haben ein offenes Ohr" von Marion Portz-Kube
2018
(Beitrag zur Ausstellung 'Blick Richtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken', 2018)

(Ein digitaler Kulturhappen für Euch)

Dieses Foto wurde 2018 im Stadtmuseum in der Ausstellung 'Blick Richtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken' gezeigt. Beim heutigen Blick auf dieses Foto kommt mir der Gedanke, dass es die aktuelle Situation illustriert: Im Sinne der Gesundheit bleibt für Alt und Jung kaum eine Möglichkeit, die Welt da draußen selber zu erfahren.
Sie sind gefangen in der Enge der Wohnung und räumlich getrennt von Familie, Freunden und allen Personen, mit denen sie verbunden sind. Welch ein Glück, wenn ein netter Nachbar auf der Straße anhält, um mit dem Hausbewohner ein Schwätzchen zu halten und nach dessen Wohlbefinden zu fragen! Auf diese Weise bleibt der Kontakt bestehen und die Regel des 'social distancing' ist gewahrt.

(Marion Portz-Kube, Keyworkerin)

#kulturinzeitenvoncorona #stadtmuseumduesseldorf #fotografieindüsseldorf #keywork #keyworker #keyworkerimstadtmuseum

Karlrobert Kreiten am Flügel, Fotograf/in unbekannt, um 1940, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.-Nr.: F 38520
Karlrobert Kreiten am Flügel, Fotograf/in unbekannt, um 1940, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.-Nr.: F 38520

Karlrobert Kreiten am Flügel
Fotograf/Fotografin unbekannt
um 1940
Silbergelatine auf Barytpapier
Inv.-Nr. F 38520

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

(Euer digitaler Kulturhappen zum Donnerstag)

Als „junger Wundermann am Flügel“ wurde der aus Düsseldorf stammende Pianist Karlrobert Kreiten (*1916 †1943) in den 30er- und Anfang der 40er Jahren des 20. Jahrhunderts in ganz Deutschland von Presse und Publikum gefeiert. Überall wo er spielte, hinterließ er Eindruck. Doch seine vielversprechende Laufbahn fand nach kritischen Äußerungen dem nationalsozialistischen Terror-Regime gegenüber ein jähes Ende: Nach einer Denunziation aus privatem Kreis – ausgerechnet durch eine Freundin seiner Mutter – wurde er am 3. Mai 1943 unmittelbar vor einem Klavierabend in Heidelberg von der Gestapo verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und, gerade einmal 27jährig, in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Noch vierzig Jahre nach seinem Tod unterstrich der Pianist Claudio Arrau, dessen Meisterschüler Karlrobert Kreiten in Berlin gewesen war, dessen außergewöhnlichen künstlerischen Rang: „Kreiten war eines der größten Klaviertalente, die mir persönlich begegnet sind. Wäre er nicht durch das Nazi-Regime kurz vor Kriegsende hingerichtet worden, so hätte er, ohne Zweifel, seinen Platz als einer der größten deutschen Pianisten eingenommen.“
Vor drei Jahren veröffentlichte das Stadtmuseum gemeinsam mit der Robert-Schumann-Hochschule und dem Avi-Service for music eine CD mit allen erhaltenen Aufnahmen Kreitens.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#Portraitfotografie #Portrait #Künstlerportrait #Pianist #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Branntweinschale, Anfang 18. Jh., Johann Schleuter (nachweisbar 1692/1693 – 1743), Silber, gegossen, getrieben, Inv.-Nr. S 1015
Branntweinschale, Anfang 18. Jh., Johann Schleuter (nachweisbar 1692/1693 – 1743), Silber, gegossen, getrieben, Inv.-Nr. S 1015

Branntweinschale
Anfang 18. Jh.
Johann Schleuter (nachweisbar 1692/1693 – 1743)
Silber
gegossen
getrieben
Inv.-Nr. S 1015

(Der nächste digitale Kulturhappen zum Mittwoch)

Die zwölfpassige, runde Silberschale ist mit einer großen Bodenrosette geschmückt. An zwei seitlichen, mit Puttenköpfen verzierten Griffen kann sie gehalten werden. Es handelt sich bei dieser Branntweinschale um einen im Barock gebräuchlichen Typus eines Trinkgefäßes. Erhitzter, gesüßter und mit Gewürzen versehener Branntwein wurde darin gereicht. Eingelegte Früchte, wie beim Rumtopf oder der Bowle, aromatisierten den Alkohol und wurden mithilfe kleiner Gabeln aus dem Gefäß genascht. Die Flüssigkeit löffelte man vermutlich. Die Schale hat einen Durchmesser von mehr als 16 cm und eine Höhe von 5 cm; das Fassungsvermögen war entsprechend groß. Bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Kindstaufen oder Beerdigungen reichte man in Branntweinschalen den hochprozentigen Genuss von Person zu Person.
Der Düsseldorfer Goldschmied Johann Schleuter arbeitete auch für den Düsseldorfer Hof. Anna Maria Luisa de‘ Medici (1667 – 1743), die zweite Ehefrau des Kurfürsten Jan Wellem (1658 – 1716), bestellte 1693 bei Schleuter beispielsweise mehrere Humpen sowie silberne Suppenschalen, eine davon als Hochzeitsgeschenk für eine ihrer Kammerzofen.
Düsseldorfer Silber gehört zu den Sammlungsschwerpunkten des Stadtmuseums.
Dr. Karl Bernd Heppe (1946 – 1997), Experte für Goldschmiedekunst und Kustos am Stadtmuseum, hat entscheidend am Aufbau dieser Sammlung mitgewirkt. Als „eine der schönsten profanen Arbeiten aus Düsseldorfer Werkstätten“ bezeichnete Heppe die hier gezeigte Schale.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Porträt Stephanie Weiand, Fotograf/in unbekannt, Mitte 20. Jahrhundert, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.-Nr.: F 2092
Porträt Stephanie Weiand, Fotograf/in unbekannt, Mitte 20. Jahrhundert, Silbergelatine auf Barytpapier, Inv.-Nr.: F 2092

Porträt Stephanie Weiand
Fotograf/Fotografin unbekannt
Mitte 20. Jahrhundert
Silbergelatine auf Barytpapier
Inv.-Nr.: F 2092

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

(Ein weiterer digitaler Kulturhappen für Euch)

Eines der ältesten Kunstthemen ist das Bildnis. Schon im alten Ägypten wurden realistische Porträts gemalt, ausgerechnet auf die Särge von Verstorbenen. Und mit Bildnissen fing die Fotogeschichte richtig an. Seit 180 Jahren ist das Porträt das vielleicht beliebteste Motiv. Offenbar wird es nie langweilig, sich Gesichter anzuschauen. Zu fotografischen Porträts gibt es zwei sehr gegensätzliche grundsätzliche Meinungen. Die eine betont, dass das Bildnis hilft, etwas über die abgebildete Person zu erfahren; die andere sieht im fotografischen Porträt ein reines Lichtbild – schließlich könne man den Menschen nicht hinter die Stirn schauen. Dieser Streit wird nicht entschieden werden können.
Porträts sind auch historische Dokumente. Deshalb besitzt das Stadtmuseum eine große Porträtsammlung (Gemälde, Fotografien, Skulpturen etc.). Im Idealfall ist die Geschichte der abkonterfeiten Person bekannt. Leider sehr häufig ist dies nicht der Fall, und oft hilft auch keine Recherche. Das fotografisch faszinierende Bildnis von Stephanie Weiand ist ein solcher Knobelfall. Auf der Rückseite des Blattes steht nur ihr Name, Kleidung, Frisur und der Fotoabzug legen die Entstehung im zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts nahe. Vielleicht wird sich nie enträtseln lassen, wer diese Frau war.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#Portraitfotografie #Portrait #Frauenportrait #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Wilhelm Otto, Der überflutete Düsseldorfer Marktplatz, 1882–1883, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 185
Wilhelm Otto, Der überflutete Düsseldorfer Marktplatz, 1882–1883, Stadtmuseum Düsseldorf, Inv.: F 185

Wilhelm Otto
Der überflutete Düsseldorfer Marktplatz
1882–1883
Stadtmuseum Düsseldorf
Inv.: F 185

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

(Euer digitale Kulturhappen zum Sonntag)

In den dürregeplagten 2010er Jahren lässt sich kaum vorstellen, dass Düsseldorf früher von der gegenteiligen Plage heimgesucht wurde, dem Hochwasser. Noch heute finden sich in der Altstadt an Häuserecken Markierungen früherer Hochwasserstände. Der regulierte Rheinverlauf im Düsseldorfer Bereich ist noch jung; im Jahr 1898 begann der Umbau des Altstadtufers zum Hochwasserschutz. Und gibt es auch heutzutage gelegentlich Hochwassergefahr, dann nicht in dem auf diesem Foto zu besichtigenden Ausmaß. Von solchen Katastrophen bleibt die Stadt nicht zuletzt durch die weiten Wiesen am linksrheinischen Ufer verschont, über die sich der Fluss gefahrlos ausdehnen kann. Deshalb wurden glücklicherweise in der Vergangenheit alle Bebauungsvorschläge für das linke Rheinufer verworfen. Um den Jahreswechsel 1882/83 war dies anders, wie die Aufnahme zeigt. Der Blick fällt auf den umspülten Jan Wellem und auf das Rathaus mit seinem Säulenportikus, und im Vordergrund liegt ein Nachen, auf den zu steigen PassantInnen warten. Auch wenn das Wasser auf dem Platz nicht sehr hoch steht, schädigt es die AltstadtbewohnerInnen stark, deren Keller und Erdgeschosswohnung volllaufen. – Als historisches Ereignisfoto zeigt die Aufnahme, dass in der damaligen Zeit die Fototechnik aufgrund langer Belichtungszeiten ungeeignet für Schnappschüsse war: Die Personen im Vordergrund sind verwischt.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#19Jahrhundert #DüsseldorferAltstadt #Hochwasser #Ereignisfotografie #WilhelmOtto #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Düsseldorf um 1300, Modell im Maßstab 1:250, Dauerleihgabe des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges e.V., Stadtmuseum Düsseldorf R 2
Düsseldorf um 1300, Modell im Maßstab 1:250, Dauerleihgabe des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges e.V., Stadtmuseum Düsseldorf R 2

Düsseldorf um 1300
Modell im Maßstab 1:250
Dauerleihgabe des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges e.V., Stadtmuseum Düsseldorf R 2

(Der digitale Kulturhappen zum Samstag)

Dieses Modell vermittelt uns einen Eindruck davon, wie Düsseldorf im Mittelalter um 1300 -also recht kurz nach der Erhebung zur Stadt- ausgesehen haben mag. Leider ist der Forschungsstand fragmentisch mit wenigen archäologischen Fundstücken. Auch die Stadterhebungsurkunde ist nicht im Original überliefert. Man findet aber z.B. über Abschriften und über Bauprojekte wie der Anlage des Rheinufertunnels, der Wehrhahnlinie, dem Andreasquartier, dem Kö-Bogen und Tiefbauvorhaben der Stadtentwässerung Hinweise zur Frühgeschichte Düsseldorfs.
Als Graf Adolf V. von Berg dem Dorf am Rhein am 14. August 1288 die Stadtrechte verlieh, verfügte es bereits über Fährrechte, das steinerne Löwenhaus und über eine Pfarrkirche. Die Stadt hatte eine Größe von 3,8 Hektar mit ca. 400 Einwohnern. Es gab bereits die Straßen Altestadt und Krämerstraße. Mit Hilfe der Stadtbefestigung konnte der Graf die besonders gefährdete Westgrenze seines Territoriums weiter absichern. Damit wurde Düsseldorf zur vierten bergischen Stadt. Die älteste bergische Stadt ist Wipperfürth.

(Svenja Wilken)

#stadtmuseumduesseldorf #mittelalter #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Der Blick „von oben", Fotografie: Brigitte Fromm, aus der Ausstellung „8 Fotografische Positionen“, 2017
Der Blick „von oben", Fotografie: Brigitte Fromm, aus der Ausstellung „8 Fotografische Positionen“, 2017

Der Blick „von oben"
Fotografie: Brigitte Fromm
aus der Ausstellung „8 Fotografische Positionen“
2017

Ein Beitrag aus der Reihe: Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause

(Und noch ein weiterer Kulturhappen für Euch)

Euch allen ein schönes Wochenende!

Wer schon einmal mit dem Flugzeug geflogen ist, kennt das: Starts und Landungen in der Nähe von großen Städten üben bei Tag und Nacht einen gewissen Reiz aus. Man sucht mit den Augen die Szenerie ab, ob einem nicht irgendetwas bekannt vorkommt. Düsseldorf „von oben“ übt auf mich als Düsseldorferin, die die Stadt liebt, auch einen besonderen Reiz aus. Im Laufe einiger Jahre ist eine Fotoserie von einem Standort am Hofgarten in Pempelfort zustande gekommen, in der die Skyline mit einigen Wahrzeichen der Stadt eine bedeutende Rolle spielt, sei es der Rhein mit dem Rheinturm, das Stadttor, oder auch die Oberkasseler Brücke mit der Tonhalle. Immer galt es, besondere Momente oder Stimmungen festzuhalten, und das zu verschiedenen Tageszeiten.

(Brigitte Fromm, Keyworkerin)

#keyworker #keyworkerimstadtmuseum #0211kulturdigital #stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona

Zwei Knaben, Künstler: Julo Levin, Stadtmuseum Düsseldorf B 817, Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt
Zwei Knaben, Künstler: Julo Levin, Stadtmuseum Düsseldorf B 817, Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

Zwei Knaben
Künstler: Julo Levin
Stadtmuseum Düsseldorf B 817
Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

(Der digitale Kulturhappen zum Freitag)

Heute möchte ich ein weiteres Bild vorstellen für das nun Dank der Stiftung Monja/Levin, die die Digitalisierung aller im Stadtmuseum befindlichen Werke von Franz Monjau und Julo Levin ermöglicht hat, ebenfalls ein Farbfoto vorliegt. Es handelt sich um das Ölbild "Zwei Knaben" von Julo Levin (1901 - 1943). Der 1901 in Stettin geborene Künstler kam Anfang der 1920er Jahre nach Düsseldorf und gehörte der Künstlergruppe "Das Junge Rheinland" an. Da er Jude war durfte er nach 1933 nicht mehr als Künstler arbeiten. Ab 1936 unterrichtete er als Zeichenlehrer an der Jüdischen Volksschule in Düsseldorf. Zwei Jahre später zog er nach Berlin um wo er bis zum Ende des jüdischen Schulwesens 1941/42 weiter als Zeichenlehrer an verschiedenen jüdischen Schulen tätig war. Julo Levin hat aus dem Unterricht und anderen Quellen eine einzigartige Sammlung von Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen zusammengetragen, von der sich heute rund 1900 Blätter ebenfalls im Besitz des Stadtmuseums befinden. 1943 wurde Levin nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Das hier gezeigte Bild hat Levin zu Lebzeiten zweimal ausgestellt: im Oktober 1928 auf der Ausstellung des "Jungen Rheinland" in der Kunsthalle Düsseldorf und 1930 in Berlin im Rahmen einer Austauschausstellung der Rheinischen und Berliner Sezesssion.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause

Luise Achenbach (1827–1889) in Mailand, 1850, Salzpapiernegativ, Inv.-Nr.: F 150
Luise Achenbach (1827–1889) in Mailand, 1850, Salzpapiernegativ, Inv.-Nr.: F 150

Luise Achenbach (1827–1889) in Mailand
1850
Salzpapiernegativ
Inv.-Nr.: F 150

Aus der aktuellen Sonderausstellung „Antlitz der Stadt – 175 Jahre Fotogeschichte im Stadtmuseum Düsseldorf“, bis 16. August 2020. Die Ausstellung stellt die Fotografische Sammlung des Stadtmuseums erstmals öffentlich vor, das visuelle Gedächtnis der Stadt.

(Ein weiterer Kulturhappen für Euch)

Am 19.8.1848 heiratete Luise Lichtschlag in Elberfeld den Maler Andreas Achenbach. Die Hochzeit fand mitten in der sogenannten Märzrevolution statt, die Andreas Achenbach mit politischen Karikaturen unterstützte. Dem Negativ zur Seite gestellt ist eine Positivkopie des Porträts, zu dem es ein Pendant gibt, das Porträt ihres Mannes.

Zur Technik: Kalotypie (Salzpapiernegativ)
Die Kalotypie ist das erste fotografische Negativ-Verfahren. Es wurde von William Henry Fox Talbot zwischen 1834 und 1839 entwickelt. Anfänglich experimentierte Talbot mit verschiedenen Chemikalien. Es ging darum, ein Material zu erhalten, das sich durch Belichtung verfärbte; und diese Veränderung musste fixiert werden. Schließlich fand er eine Silbernitratlösung, die mit Pyrogallussäure entwickelt wurde. Als Trägermaterial nahm Talbot Papier, eine Kochsalzlösung diente als Fixativ. Anders als die als der Beginn der Fotografie gefeierte Daguerreotypie ist eine Kalotypie ein Negativ, von dem positive Vervielfältigungen in unbegrenzter Zahl erstellt werden konnten. Talbots Verfahren prägte wegen seiner Vorzüge schließlich die Fotogeschichte, nachdem sein Geschäftssinn (anders als Daguerre verlangte Talbot für die Nutzung Lizenzgebühren) den Erfolg seiner Erfindung jahrelang hemmte. Ab ca. 1855 wurde die Kalotypie durch neuere Verfahren ersetzt.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #achenbach

Dietrich Graminäus (1530 - 1593), Franz Hogenberg (1538-1590), 1587, Das Zuckerbankett, Kupferstich auf Papier, Inv.-Nr. D V-8
Dietrich Graminäus (1530 - 1593), Franz Hogenberg (1538-1590), 1587, Das Zuckerbankett, Kupferstich auf Papier, Inv.-Nr. D V-8

Dietrich Graminäus (1530 - 1593)
Franz Hogenberg (1538-1590)
1587
Das Zuckerbankett
Kupferstich auf Papier
Inv.-Nr. D V-8

(Der nächste digitale Kulturhappen für Euch)

Eine Burg auf einem Hügel, ein Kriegselefant mit Soldaten, eine Falkenjagd, ein Einhorn, der Pelikan, der die Jungen mit seinem Blut füttert, Orangenbäumchen und Meerestiere – damit sind nur einige der raffiniert auf einem Tisch arrangierten, allegorischen Figuren und Objekte genannt. Schalen mit Konfekt und kandierten Früchten sowie die am Rand platzierten Teller mit Servietten verraten, dass die kunstvoll gestaltete Tafel nicht nur betrachtet werden sollte. Manche der präsentierten Geschöpfe, wie die Wappen tragenden Löwen, waren komplett aus Zuckermasse geformt. Wertvolle silberne Tafelaufsätze und die im 16. Jahrhundert beliebten Scherzgefäße, wie Krüge in Tierform, enthielten weitere Speisen und Getränke. Noch verweilen zwei Paare in spanischer Tracht abwartend vor dieser Inszenierung.
Das Zuckerbankett bildete den abendlichen Höhepunkt einer außergewöhnlichen Hochzeitsfeier. Zur Vermählung von Johann Wilhelm, Herzog von Jülich-Kleve-Berg, und seiner Braut Jakobe von Baden reisten 1585 mehr als 1000 adelige Gäste nach Düsseldorf und wohnten den achttägigen Feierlichkeiten bei. Dank des 1587 in Buchform erschienenen Berichts von Dietrich Graminäus und den Illustrationen von Franz Hogenberg sind wir über die Festabfolge gut unterrichtet. Am Zuckerbankett, so ist zu lesen, durften sich nach dem Brautpaar und ihren Gästen auch die Diener am Ende eines langen Tages bedienen. Die Ehe, die mit diesem prunkvollen Fest begonnen hatte, nahm ein tragisches Ende. Herzog Johann Wilhelm litt zunehmend an Geisteskrankheit und war regierungsunfähig. Seine Ehefrau agierte in dieser schwierigen Situation ungeschickt und geriet zwischen die am Hof konkurrierenden Parteien. 1597 schließlich fand man Jakobe ermordet im Düsseldorfer Schloss auf.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause/p>

Am Fenster oder Förstertochter, um 1874 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz, München. Foto C. Wucherpfennig)
Am Fenster oder Förstertochter, um 1874 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz, München. Foto C. Wucherpfennig)

Am Fenster oder Förstertochter
um 1874
(Öl auf Leinwand, Privatbesitz, München. Foto C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. verlängert bis zum 15.6.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen (voraussichtlich im Anschluss in Kleve)

(Der nächste digitale Kulturhappen zum Dienstag)

Eine junge Frau sitzt auf einer Fensterbank und blickt den Betrachter direkt und selbstbewusst an. Rechts oben an der Hauswand hängt ein Hirschgeweih als Symbol für Männlichkeit. Auf der Fensterbank stehen Töpfe mit Kapuzinerkresse und Lobelie. Um das Fenster herum ranken sich Weinreben empor, die Romantik und Gemütlichkeit symbolisieren. Der Maler impliziert durch die verschiedenen Pflanzensorten unterschwellige Bedeutungen. Die Kapuzinerkresse, die auch Trotzkopf genannt wird, steht für das Feuer der Leidenschaft, während die Lobelie auch »Männertreu« genannt wird. Bevor sich die junge Frau der Liebe hingeben kann, wird sie noch Zuhause festgehalten.
In vielen Beispielen der Genremalerei im 19. Jahrhundert steht der Blick aus dem Fenster für die Sehnsucht nach dem Verlassen der engen heimischen Sphäre. Im Beispiel der „Förstertochter“ wird dieser Sehnsuchtstopos variiert. Hier wird dieser durch das mit seinen grotesken Masken reich und beinahe manieristisch dekorierte und zudem wild umrankte Fenster stark akzentuiert. Die junge Frau sitzt an der Schwelle, vom Sonnenlicht beschienen – und ist in diesem Moment doch nicht in der Lage, dieselbe zu überschreiten.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Valentina Vlašić)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Das Geschäftsbuch des Malers August Friedrich Siegert, 1854-1883
Das Geschäftsbuch des Malers August Friedrich Siegert, 1854-1883

Das Geschäftsbuch des Malers August Friedrich Siegert
1854-1883

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen (voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 30. digitale Kulturhappen)

August Friedrich Siegert führte von 1854 bis zu seinem Tod 1883 sehr gewissenhaft ein Geschäftsbuch, in dem er nicht nur seine Ausstellungsbeteiligungen und Verkäufe notierte, sondern im zweiten Teil auch Abschriften von Briefen, die er in diesen Jahren an Ausstellungs-Organisatoren, Kunstvereine, Sammler und Transporteure schrieb. Das Buch wurde von den Nachfahren des Malers sorgfältig gehütet. Sein Enkel Walther schrieb: »Er wurde ein begabter, angesehener und fleißiger Kunstmaler der Genre-Zeit und lehrte bis 1883 als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Sein mir verbliebenes Tagebuch zeigt, dass die kaufmännischen Talente seiner Vorfahren von der Kunst nicht überdeckt werden konnten. Er verkaufte seine Bilder in alle Welt bis nach England und bis in die Vereinigten Staaten zu heute kaum glaublichen Preisen.« Siegert war international gut vernetzt, mit Agenten in Amsterdam, London und New York, und er verdiente gut: Er verdiente durchschnittlich stolze 2.500 bis 4.000 Talern, selten höher. Aus dem 19. Jahrhundert sind einige Geschäftsbücher europäischer Künstler bekannt. In der Literatur über die Maler der Düsseldorfer Schule wird jedoch kein einziges erwähnt. Das macht Siegerts Aufzeichnungen so bedeutend.

(Drs. Guido de Werd/ Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #stadtmuseumdüsseldorf #wirbleibenzuhause

Hagemanns Verkehrsbildermappe für die Kleinen, Tafel 12. Lehrmittelverlag Wilhelm Hagemann, Düsseldorf, 1958
Hagemanns Verkehrsbildermappe für die Kleinen, Tafel 12. Lehrmittelverlag Wilhelm Hagemann, Düsseldorf, 1958

Hagemanns Verkehrsbildermappe für die Kleinen
Tafel 12. Lehrmittelverlag Wilhelm Hagemann
Düsseldorf, 1958

(Der 29. digitale Kulturhappen für Euch)

Auf dem Siebdruck aus dem Jahr 1958 sehen wir eine Kreuzung. Mit Hilfe solcher Zeichnungen sollte Kindern ein möglichst sicherer Umgang mit dem gesteigertem Straßenverkehr vermittelt werden, der natürlich rückblickend im Vergleich zu heute noch recht beschaulich war. Die Wortwahl ist dafür etwas drastischer. In der Zeit des Wiederaufbaus wurde die Stadt verkehrsgerecht zugunsten der Autos umstrukturiert. Damit ging auch die Straße als Spielort verloren.

(Svenja Wilken)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Straßenbahnen als Werbeträger (Ausschnitt), 2017, Fotografie: Rainer Bergner, aus der Ausstellung: Werbung - die Kunst der Kommunikation
Straßenbahnen als Werbeträger (Ausschnitt), 2017, Fotografie: Rainer Bergner, aus der Ausstellung: Werbung - die Kunst der Kommunikation

Straßenbahnen als Werbeträger (Ausschnitt)
2017
Fotografie: Rainer Bergner
aus der Ausstellung: Werbung - die Kunst der Kommunikation

Ein Beitrag aus der Reihe: Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause

(Der 28. digitale Happen für Euch)

Euch allen ein schönes Wochenende!

#stadtmuseumduesseldorf #keywork #keyworkerimstadtmuseum #kulturinzeitenvoncorona #0211kulturdigital

Tatjana Barbakoff, Künstler: Benno Elkan, um 1925, Bronze, H 22,7 cm, Fotografie : Medienzentrum Rheinland/Stefan Arendt
Tatjana Barbakoff, Künstler: Benno Elkan, um 1925, Bronze, H 22,7 cm, Fotografie : Medienzentrum Rheinland/Stefan Arendt

Tatjana Barbakoff
Künstler: Benno Elkan
um 1925
Bronze
H 22,7 cm
Fotografie : Medienzentrum Rheinland/Stefan Arendt

(Der 27. digitale Happen für Euch)

Durch erste Auftritte im „Corso Cabaret“ in Düsseldorf wird Tatjana Barbakoff (1899 - 1944) 1921 zum Stadtgespräch: ihre Ausstrahlung, ihre farbenprächtigen Kostüme und ihre Darbietungen – Parodien, russische und chinesische Tänze – faszinieren das Publikum. Gastspiele in Berlin, Frankfurt, der Schweiz, Köln und immer wieder auch Düsseldorf folgen, wo sie Aufnahme in den Künstlerkreis um Johanna Ey findet. 1933 emigriert Tatjana Barbakoff, da sie Jüdin ist, nach Paris. Anfang 1944 wird sie von der Gestapo in Nizza verhaftet, deportiert und in Auschwitz ermordet. Der hier gezeigte Porträtkopf aus unserer Sammlung war 1928 in der Ausstellung "Deutsche Kunst" in Düsseldorf ausgestellt. Der Bildhauer Benno Elkan (1877 - 1960) - Mitglied des Jungen Rheinland - emigrierte 1934 nach Großbritannien. Von ihm stammt u. a. die weltbekannte Menora vor dem israelischen Parmalent (Knessset) in Jerusalem.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Die Weinprobe, 1875 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto C. Wucherpfennig)
Die Weinprobe, 1875 (Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto C. Wucherpfennig)

Die Weinprobe
1875
(Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen (voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 26. digitale Kulturhappen)

Ein Feinschmecker hält sein Weinglas hoch, um die Farbe des Weins zu prüfen. In der rechten Hand hält er die geöffnete Weinflasche, während vor ihm auf dem Tisch eine Ausgabe der »Kölnischen Zeitung«, seine Brille und ein Etui liegen. Siegert kombinierte dieses Motiv gerne mit einem weiteren, u. a. dem eines Politikers. Als Pendants wurden sie häufig gemeinsam verkauft. 1875 erwähnte Siegert das Gemälde zum ersten Mal in seinem Geschäftsbuch. Auf dem Etikett der Weinflasche ist der Schriftzug »Hoch« zu lesen, der sich zu dem Rheingaues Ort Hochheim ergänzen lässt. Gemäß Etikett entstammte der Wein dem Jahrgang 1874.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Dr. Annegret Stein)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Fensterbierscheibe, 1639, Künstler/Künstlerin unbekannt, Glas, Schwarzlot mit Email, Blei, Inv.-Nr. K 105
Fensterbierscheibe, 1639, Künstler/Künstlerin unbekannt, Glas, Schwarzlot mit Email, Blei, Inv.-Nr. K 105

Fensterbierscheibe
1639
Künstler/Künstlerin unbekannt
Glas
Schwarzlot mit Email
Blei
Inv.-Nr. K 105

(Der 25. digitale Happen für Euch)

Die kleine, bunt bemalte Glasscheibe wurde dem Stadtmuseum 1914 geschenkt. Sie erinnert heute an die im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete Tradition der Fensterbierfeiern. Zum Richtfest oder Einzug in ein Haus kamen Nachbarn und Freunde zusammen und wurden von den neuen Eigentümern zum Fensterbier eingeladen. Zum Dank dafür schenkte man ein kleines, häufig mit einem Wappen versehenes Bleiglasfenster. Der Text auf dem im Stadtmuseum erhaltenen Exemplar lautet „Jürgen Frick Bürger Inn Dusseldorpff und Anna Vliet Eheleudt 1639“. Die Stifter dieser Scheibe waren demnach Jürgen Frick (gest. 1650) und Anna Vliedt. Frick zählte nach der Lage seines Hauses in der Marktstraße und dem von ihm entrichteten hohen Steuersatz von 18 Reichstalern zu den wohlhabenden Bürgern der Stadt Düsseldorf. Die Fensterbierfeiern gehörten zu einem Reigen von Festen, die in Düsseldorf wie anderenorts ausgelassen begangen wurden. Zunehmend wurden damit neben den kirchlichen Feiertagen auch weltliche Anlässe für gesellige Zusammenkünfte genutzt, die mitunter mehrere Tage dauerten.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #0211kulturdigital

Mathilde Siegert, geb. de Haen, 1882 und Adolf Siegert, um 1862, (beide: Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)
Mathilde Siegert, geb. de Haen, 1882 und Adolf Siegert, um 1862, (beide: Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)

Mathilde Siegert
geb. de Haen, 1882
und
Adolf Siegert, um 1862
(beide: Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 24. digitale Happen für Euch)

Auf dem ersten Gemälde dargestellt ist die Ehefrau des Künstlers, Mathilde Siegert (1826–1886), geb. de Haen. Das Gemälde entstand ein Jahr vor seinem Tod. In einem Brief an seine zweitälteste Tochter Helene vom 9. November 1882 berichtete er ihr: »Heute habe ich das Allerletzte an Mamas Bild gemacht.« Seine Familienmitglieder dienten Siegert oftmals als Inspirationsquelle für seine Gemälde, so auch seine Ehefrau Mathilde, die er Jahre zuvor beispielsweise in »Der Feiertag« als lesende Frau integrierte. In diesem Porträt erscheint sie wie eine reiche Kaufmannsgattin, wohl situiert und ihres Standes bewusst. Der in dem zweiten dargestellte Junge ist Adolf Siegert (1858–1931), das dritte von vier Kindern und der älteste Sohn des Malers, den dieser oft als kindliches Modell (zuweilen auch als Mädchen gekleidet) für seine Gemälde benutzte. Adolf Siegert erzielte schließlich später mit dem Familienunternehmen »de Haen-Carstanjen & Söhne« große Erfolge.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Dr. Annegret Stein)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stadtmuseumduesseldorf

Abendfest im Jacobi'schen Garten aus dem Jahr 1873, Holzstich von P. Hoffmann, Hermann Knackfuß und Richard Brend'amur (Signatur D8520), Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt
Abendfest im Jacobi'schen Garten aus dem Jahr 1873, Holzstich von P. Hoffmann, Hermann Knackfuß und Richard Brend'amur (Signatur D8520), Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

Abendfest im Jacobi'schen Garten aus dem Jahr 1873
Holzstich von P. Hoffmann, Hermann Knackfuß und Richard Brend'amur (Signatur D8520),
Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

LIEBE OSTERGRÜßE an Euch vom Team des Stadtmuseums!

(Der 23. digitale Happen für Euch)

Mit diesem festlichen Holzstich möchten wir Euch schöne Osterfeiertage wünschen - auch wenn es bei uns allen dieses Jahr im Sinne der Gesundheit erwas ruhiger zugeht als auf der Abbildung! Zu sehen ist ein wundervolles Abendfest im Jacobi'schen Garten aus dem Jahr 1873. Der Stich stammt von P. Hoffmann, Hermann Knackfuß und Richard Brend'amur (Signatur D8520). Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Jacobi-Garten, der seit 1861 (heute als denkmalgeschützter Park) zum Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten gehört, zu einem bedeutenden kulturellen Treffpunkt. In die Wege geleitet hatte dies der frühere Eigentümer Friedrich Heinrich Jacobi, Philosoph.

(Ansprechpartnerin: Svenja Wilken)

Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

#wirbleibenzuhause #0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #kunstindüsseldorf #stadtmuseumduesseldorf #stayhome

Gute Bewirtung und Schlechte Bezahlung oder Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren (beide 1881, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Brüssel. Fotos: N. Speltdoorn)
Gute Bewirtung und Schlechte Bezahlung oder Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren (beide 1881, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Brüssel. Fotos: N. Speltdoorn)

Gute Bewirtung und Schlechte Bezahlung oder
Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren
(beide 1881, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Brüssel. Fotos: N. Speltdoorn)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen (voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 22. digitale Happen für Euch)

Das Bildpaar schildert eine Gasthausbegebenheit, in der zwei Soldaten vom Wirt und seinem Personal üppig bedient werden. In dem ersten Gemälde haben die Bedienten nur Augen für das Gesicht der schönen Maid. In dem zweiten prellen sie die Zeche. Viele kleine Details, wie die abgestellte Trommel mit dem Degen und der Peitsche der Soldaten vor dem Tisch, beleben die Bilder. August Friedrich Siegert verkaufte das Gemäldepaar an den Kunsthändler Eduard Wilhelm Schulte in Düsseldorf für 4.000 Mark. Gleichzeitig überließ er ihm auch das Vervielfältigungsrecht derselben für 300 Mark. Die Personalstaffage ist inspiriert von Gemälden des Pieter de Hooch. Dieser heitere, kleine Comic ist ein gutes Beispiel für Siegerts historische Genremalerei, die das Publikum gerne in das niederländische „Goldene Zeitalter“, in das 17. Jahrhundert versetzte.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Valentina Vlašić)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #0211kulturdigital

Plakat Konzertankündigung, 1955, Stadtmuseum Düsseldorf G4365
Plakat Konzertankündigung, 1955, Stadtmuseum Düsseldorf G4365

Plakat Konzertankündigung
1955
Stadtmuseum Düsseldorf G4365

(Der 21. digitale Happen für Euch)

Nach der netten Resonanz auf das Plakat vom letzten Freitag heute ein weiteres Stück aus unserer leider recht überschaubaren Sammlung zum Jazz in Düsseldorf. Diesmal handelt es sich um ein Plakat zu einem Konzert von Düsseldorfer Jazzbands aus dem Jahr 1955. Der Veranstaltungsort war der"Wintergarten", ein - heute würde man sagen - Kinokomplex, denn er umfasste auch Gastronomie und Einzelhandel, am Anfang der Grafenberger Allee. (Das Gebäude ist noch erhalten und beherbergt heute das weithin sichtbare "Jesus-Haus".) Die "Feetwarmers" waren die erste Band von Klaus Doldinger, dem sicherlich wichtigsten und erfolgreichsten aus Düsseldorf hervorgegangenen Jazzmusiker. Sie galten seinerzeit als die beste deutsche Band des traditionellen Jazz. Der Pianist Heinz Allhoff wurde später Bandmitglied und enger Mitarbeiter von Udo Jürgens. Horst Geldmacher, ein Multitalent als Maler, Grafiker, Bildhauer und Musiker - von ihm stammt auch der Plakatentwurf - , war ein enger Freund von Günther Grass, der auch einige Jahre in Geldmachers Jazzcombo spielte. (Als dieses Konzert stattfand lebte er aber bereits in Berlin.) In der Figur des "Egon Münzer" bzw. "Klepp" hat Günther Grass ihn in seinem Roman "Die Blechtrommel" verewigt.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #0211kulturdigital

"Die Welt ist nicht größer als das Fenster, das du ihr öffnest" von Marion Portz-Kube, 2017
"Die Welt ist nicht größer als das Fenster, das du ihr öffnest" von Marion Portz-Kube, 2017

Keyworker im Stadtmuseum online #wirbleibenzuhause
Heute mit dem Foto:
"Die Welt ist nicht größer als das Fenster, das du ihr öffnest"
von Marion Portz-Kube, 2017
(Beitrag zur Ausstellung 'Blick Richtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken', 2018)

Dieses Foto entstand in 2017 und wurde 2018 im Stadtmuseum in der Ausstellung 'Blick Richtungen - Wie Fenster unsere Blicke lenken' gezeigt. Beim heutigen Blick auf dieses Foto kommt mir der Gedanke, dass es die aktuelle Situation illustriert: Ausgangs- und Kontaktsperre in Corona-Zeiten. Aufgrund der Vorschriften im Sinne der Gesundheit bleibt für Alt und Jung kaum eine Möglichkeit, die Welt da draußen selber zu erfahren. Sie sind gefangen in der Enge der Wohnung und räumlich getrennt von Familie, Freunden und allen Personen, mit denen sie verbunden sind. Das Kind lugt neugierig durch die Lamellen der Jalousie und erhascht so einen kleinen Ausschnitt von dem, was sich vor dem Fenster abspielt.

(Marion Portz-Kube, Keyworkerin)

#0211kulturdigital #kulturinzeitenvoncorona #stadtmuseumduesseldorf #fotografieindüsseldorf #keywork #keyworker #keyworkerimstadtmuseum

Gründonnerstagbecher, 1707, Hubert Janssen (nachweisbar tätig 1691 – 1718), Zinn, gegossen und graviert, Inv.-Nr. S 501
Gründonnerstagbecher, 1707, Hubert Janssen (nachweisbar tätig 1691 – 1718), Zinn, gegossen und graviert, Inv.-Nr. S 501

Gründonnerstagbecher
1707
Hubert Janssen (nachweisbar tätig 1691 – 1718)
Zinn
gegossen und graviert
Inv.-Nr. S 501

(Der 20. digitale Happen für Euch)

Die Karwoche und das Osterfest sind mit jahrhundertealten Traditionen verbunden. Am Gründonnerstag findet in katholischen Kirchen bis heute eine Fußwaschung statt, die der Priester an zwölf Gemeindemitgliedern vollzieht. Dieses Ritual erinnert an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern feierte und bei dem er ihnen die Füße wusch. Der symbolische Akt der Fürsorge und Nächstenliebe wurde in der Vergangenheit auch in katholischen Herrscherhäusern praktiziert, die sich damit gleichsam in die Nachfolge Jesus stellten.
Kurfürst Johann Wilhelm (1658 – 1716) und seine aus der Toskana stammende Ehefrau Anna Maria Luisa (1667 – 1743) demonstrierten am Gründonnerstag mit der Fußwaschung und anschließenden Überreichung von Hausrat an je zwölf bedürftige Männer und Frauen ihre Wohltätigkeit. Über die von der Kurfürstin gespendeten Gaben ist man dank ihrer Rechnungsbücher genau informiert. Mit Stoffen und Garnen, Kleidung (u.a. ein Paar Wollstrümpfe und Schuhe), Kannen, Messern und Löffeln, Salzfässern und Tellern sowie einem Zinnbecher bedachte sie jede der zwölf armen Frauen. Um den begehrten Platz einer der „Apostolinnen“ einnehmen zu dürfen, musste man am Hof empfohlen werden.
Der Zinngießer Hubert Janssen fertigte im Auftrag der frommen Kurfürstin 24 Jahre lang die ausgehändigten „Gründonnerstagbecher“ an. Das vermutlich einzig erhaltene Exemplar wurde 1931 vom Stadtmuseum im Kunsthandel erworben. Der schlicht geformte Becher ist aufwändig graviert. Das mit der Jahreszahl 1707 überschriebene Allianzwappen des Kurfürstenpaares und der dieses umgebende Schriftzug (ANNA CHVRFURSTIN ZU PFALTZ GEBORNE GROS PRINCESSIN ZV TOSCANA) verewigen die Spenderin, die Beschenkte bleibt namenlos.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #0211kulturdigital

Das Dachstübchen, 1853, Öl auf Leinwand (Roentgen-Museum, Neuwied, Inv. 524. Foto: W. Thillmann)
Das Dachstübchen, 1853, Öl auf Leinwand (Roentgen-Museum, Neuwied, Inv. 524. Foto: W. Thillmann)

Das Dachstübchen
1853
Öl auf Leinwand
(Roentgen-Museum, Neuwied, Inv. 524, Foto: W. Thillmann)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 19. digitale Happen für Euch)

In einem gemütlich eingerichteten Dachstübchen wird ein in seiner Wiege schlafendes Kind von seiner großen Schwester behütet, die währenddessen vor einem großen Ohrensessel, in dem ein aufgeschlagenes Buch steht, Notizen auf eine Schiefertafel macht. An der Wand zum Fenster hängen ein Kalender auf das Jahr 1853 und ein Vogelkäfig. Im 19. Jahrhundert sind in Deutschland der Schulunterricht für Mädchen und weibliche Lektüre nicht mehr strittig. Sie sollen Fertigkeiten zur Haushaltsführung erwerben; ihr Charakter soll geformt werden. Und nicht zuletzt soll ihr Bildungsniveau dem ihres Mannes entsprechen, damit er sich zuhause nicht langweilt. Ursula Bender bemerkt dazu lakonisch: »Ob der Mann durch sein Palavern sein Weib langweilte, davon ist keine Rede«. Möglicherweise erinnert die Kammer an Siegerts Neuwieder Atelier, ein Dachzimmer des Elternhauses. Das beliebte Motiv wurde laut Geschäftsbuch zwischen 1853 und 1861 in mindestens vier großen und zwei kleinen Fassungen variiert.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Drs. Guido de Werd) #AugustFriedrichSiegert

#DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #0211kulturdigital

Die Zeitungslektüre oder Frau mit Kaffeekanne, 1883, Öl auf Leinwand (Dr. Axe-Stiftung, Bonn, Inv.: 179. Foto: B. Frommann-Czernik)
Die Zeitungslektüre oder Frau mit Kaffeekanne, 1883, Öl auf Leinwand (Dr. Axe-Stiftung, Bonn, Inv.: 179. Foto: B. Frommann-Czernik)

Die Zeitungslektüre oder Frau mit Kaffeekanne
1883
Öl auf Leinwand
(Dr. Axe-Stiftung, Bonn, Inv.: 179. Foto: B. Frommann-Czernik)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen (voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 18. digitale Happen für Euch)

Zeitungslektüre ist lange Zeit Männern vorbehalten. Satirisch kritisiert Wilhelm Busch das Fernhalten der Zeitläufte von den Frauen in seinem Gedicht „Kritik des Herzens“: „Bei eines Strumpfes Bereitung/ Sitzt sie im Morgenhabit/ Er liest in der Kölnischen Zeitung/ Und teilt ihr das Nötige mit.“ Um so mehr frappiert Siegerts „Zeitungslektüre“ aus seinem Todesjahr 1883. Die Frau wirkt vital und zufrieden. Aufmerksam liest sie die Zeitung. Ihre Hände bezeugen ein arbeitsreiches Leben. Liebevoll und präzise schildert Siegert nicht nur die aus sich heraus strahlende Physiognomie der alten Dame, sondern auch ihre kleine, bürgerliche Alltagswelt. In präziser Feinmalerei vermochte es Siegert, die Stofflichkeit der unterschiedlichen Gegenstände darzustellen: den zarten Wollfaden ebenso wie die Porzellantasse, die metallene Kanne und die Zeitung aus Papier. Wie bei anderen erfolgreichen Motiven fertigte August Siegert auch von der alten Dame mit Zeitung weitere Varianten an.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Dr. Annegret Stein)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Der Liebesdienst oder Le Verre du Vin, 1870, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)
Der Liebesdienst oder Le Verre du Vin, 1870, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)

Der Liebesdienst oder Le Verre du Vin
1870
Öl auf Leinwand
(Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve: 6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen (voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 17. digitale Happen für Euch)

Siegerts Oeuvre enthält verhältnismäßig viele historienhafte Genrebilder. Er siedelt sie zumeist im Goldenen Zeitalter der Niederlande an. Auch eines seiner begehrtesten Gemälde, „Der Liebesdienst“, gehört in diese Kategorie. Während eine vornehme Gesellschaft im rechten Hintergrund speist, reicht eine Dienstmagd im Flur heimlich einem Hellebardier ein vornehmes Glas Wein. Verstohlen blickt sie dabei nach rechts, um nicht erwischt zu werden. Mit dem Bild erzielt Siegert in der Kunstkritik höchste Anerkennung. In ihm kommt die für die Genremalerei bestimmende Form der Wahrheit im Kleinen, die sich nicht um die scheinbar ewige Wahrheit des Ideals kümmert, welche die Historienmalerei prägt. Der Hamburger Kaufmann Eduard Heerlein kaufte zusammen mit mehreren Freunden das Gemälde für den Preis von 1.700 Talern auf einer Ausstellung in Berlin 1870 und stiftete es 1871 an die Hamburger Kunsthalle. Siegert spendete den Verkaufserlös zur Finanzierung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. 1920 erwarb Adolf Siegert es vom Hamburger Museum zurück. August Siegert genehmigte laut Notizen in seinem Geschäftsbuch mehrere Reproduktionen als Radierung (Wilhelm Unger), Holzschnitt (u.a. Richard Brend’amour), sowie als Fotografie (Ernst Milster, Berlin).

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Valentina Vlašić)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei

Blick durch die Königstraße auf die Johanneskirche, 1891, Künstler: Franz Stegmann, Fotografie Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt
Blick durch die Königstraße auf die Johanneskirche, 1891, Künstler: Franz Stegmann, Fotografie Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

Blick durch die Königstraße auf die Johanneskirche
1891
Künstler: Franz Stegmann
Fotografie Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

Euer Kulturhappen zum Samstag

1875 startete der Bau der Johanneskirche in Düsseldorf. Ihre Einweihung fand ca. 6 Jahres später 1881 statt. Sie steht für die Veränderung des kirchlichen Lebens in der heutigen Landeshauptstadt und ist das Ergebnis des Zusammenschlusses der lutherischen und reformierten Gemeinden hier 1824. Zudem mussten evangelische Kirchen nicht mehr hinter Häuserfronten versteckt liegen. Mit ihren 61 Metern war sie die höchste protestantische Kirche ihrer Zeit in Deutschland!

(Svenja Wilken)

#stadtmuseumduesseldorf #DigAMus #kulturinzeitenvoncorona #wirbleibenzuhause #stayhome

Plakat "Jazz at the Philarmonic", 1956, Stadtmuseum Düsseldorf G4363, Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt
Plakat "Jazz at the Philarmonic", 1956, Stadtmuseum Düsseldorf G4363, Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

Plakat "Jazz at the Philarmonic"
1956
Stadtmuseum Düsseldorf G4363
Fotografie: Medienzentrum Rheinland / Stefan Arendt

(Der 15. digitale Happen für Euch)

Zu den Beständen der Grafischen Sammlung des Stadtmuseums gehört auch eine umfangreiche Plakatsammlung. Neben politischen Plakaten und Werbeplakaten umfasst diese auch Plakate zu Ausstellungen, Theateraufführungen oder Konzerten in Düsseldorf. Das heute ausgewählte Plakat kündigte das Gastspiel der überaus erfolgreichen Konzertreihe "Jazz at the Philarmonic" des amerikanischen Jazz-Promoters Norman Gantz im Düsseldorfer Apollo-Theater am 10. März 1956 an. Zu den auftretenden Künstlern gehörten Jazzmusiker, die heute einen legendären Status besitzen wie die Sängerin Ella Fitzgerald, der Trompeter Dizzy Gillespie oder der Pianist Oscar Peterson.

(Bernd Kreuter)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Die Fruchtmalerin oder Verbotene Frucht (1876, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)
Die Fruchtmalerin oder Verbotene Frucht (1876, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf. Foto: C. Wucherpfennig)

Die Fruchtmalerin oder Verbotene Frucht
1876
Öl auf Leinwand
Privatbesitz
Düsseldorf
Foto: C. Wucherpfennig

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 14. digitale Happen für Euch)

Eine Malerin wird durch 3 Kinder beim Malen gestört. Mit ihrem Malstock hindert sie das jüngste Kind daran, sich eine Frucht zu nehmen. Denn die reich dekorierte Fruchtschale dient ihr als Motiv, was aus ihrer Zeichenmappe am Boden deutlich wird. Als Früchtemalerin in Düsseldorf kommt nur Emilie Preyer (1849–1930) in Frage. Als Mädchen wurde sie nicht zum Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie zugelassen, weshalb sie von ihrem Vater Johann Wilhelm Preyer (1803–1889) ausgebildet wurde. Bereits mit siebzehn Jahren war sie mit ihren Bildern in Düsseldorf vertreten. 1868 stellte sie erstmals im Düsseldorfer Kunstverein aus. August Friedrich Siegert präsentiert die 27-jährige Künstlerin in einem repräsentativen Wohnraum. Dabei trägt sie statt eines Malkittels eine einfache Schürze über ihrem Kleid. Das Bild bestätigt indirekt die schwierige gesellschaftliche Position einer Malerin zur damaligen Zeit, der es trotz ihres künstlerischen Erfolgs noch nicht möglich war, ein richtiges Künstleratelier zu beziehen. 1877 erwarb die Städtische Gemäldesammlung Düsseldorf das Bild, das später wieder veräußert wurde.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Drs. Guido de Werd)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #EmiliePreyer #Atelierbild #Künstlerin #Malerin #Porträtmalerei

Urinflasche, frühes 17. Jahrhundert, Glas (restauriert und ergänzt), Dauerleihgabe des Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege Landeshauptstadt Düsseldorf, Inv.-Nr. RUS-H01/015
Urinflasche, frühes 17. Jahrhundert, Glas (restauriert und ergänzt), Dauerleihgabe des Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege Landeshauptstadt Düsseldorf, Inv.-Nr. RUS-H01/015

Urinflasche
frühes 17. Jahrhundert
Glas (restauriert und ergänzt)
Dauerleihgabe des Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege Landeshauptstadt Düsseldorf
Inv.-Nr. RUS-H01/015

(Der 13. digitale Happen für Euch)

In der Frühen Neuzeit stellte die Urinbeschau für Ärzte häufig die einzige praktizierte Diagnose-Methode dar. Diese in Düsseldorf gefundene Urinflasche diente solchen Untersuchungen. Das gefüllte, kolbenförmige, aus möglichst klarem Glas gefertigte Gefäß wurde vor einer Lichtquelle geschwenkt. So suchten die Mediziner nach Beimischungen im Urin, die sich am Boden des Glases absetzten. Außerdem wurden auch die Farbe und Konsistenz des Harns sowie dessen Geruch und sogar der Geschmack geprüft. Die Urinbeschau war jedoch eine äußerst unzuverlässige Diagnosemöglichkeit. So wichen beispielsweise die publizierten Urinfarbschemata, auf deren Grundlage diverse Krankheiten gedeutet wurden, in den zugänglichen Druckwerken erheblich voneinander ab. Die Urinflasche im Stadtmuseum gehört zu einer Anzahl von archäologischen Fundstücken, die im Bereich eines ehemaligen Wohnquartiers in der Nähe des Düsseldorfer Schlosses geborgen wurden. Wie andere Gegenstände war das zerscherbte Glas entsorgt worden und konnte Jahrhunderte später als Bodenfund gesichert werden. Heute erlauben diese Abfallobjekte Rückschlüsse auf das tägliche Leben in Düsseldorf.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

„Featuring die Ritterrüstung“, 27 Fotos, je 30x45 cm, 2017/2019, publiziert in: August Friedrich Siegert: Die kleine Welt in der großen, Kat. Stadtmuseum Düsseldorf, B.C. Koekkoek-Haus Kleve 2020
„Featuring die Ritterrüstung“, 27 Fotos, je 30x45 cm, 2017/2019, publiziert in: August Friedrich Siegert: Die kleine Welt in der großen, Kat. Stadtmuseum Düsseldorf, B.C. Koekkoek-Haus Kleve 2020

„Featuring die Ritterrüstung“
27 Fotos, je 30x45 cm, 2017/2019
publiziert in: August Friedrich Siegert: Die kleine Welt in der großen
Kat. Stadtmuseum Düsseldorf, B.C. Koekkoek-Haus Kleve 2020 (Wienand-Verlag)
Vorzugsausgabe mit einer nummerierten und signierten Fotografie
(Auflage 1-20 + I-V).

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der 12. digitale Happen für Euch)

Featuring die Ritterrüstung
Als ich ab 2004 an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, spielten August Friedrich Siegert und die Genre- und Salonmalerei des 19. Jahrhunderts überhaupt keine Rolle in meiner Wahrnehmung von Kunst. Geradezu bizarr erschienen mir die goldenen Rahmen und süßlichen Bilder des vorletzten Jahrhunderts, wenn ich sie zufällig in einem Museum entdeckte. Als ich mich intensiver mit der Genre- und Salonmalerei des 19. Jahrhunderts beschäftigte, änderte sich mein Blick: Ich entwickelte ein Gespür und eine Faszination für diese Zeit und ich entdeckte in den Bildern dieser Epoche eine Aktualität, die ich nicht vermutet hatte. Waren im 19. Jahrhundert die Künstler/innen mit der „Industriellen Revolution“ nicht genauso mit etwas Neuem konfrontiert, wie wir in Zeiten des „Digitalen Wandels“? Friedrich August Siegert ist für mich ein Kollege, der sich ein Figurenrepertoire erarbeitet hat, das er immer wieder einsetzt. Gleich Montagen, die per copy-paste auf die Leinwand gesetzt sind, erscheinen mir diese Bilder. Als Fotograf arbeite ich ähnlich. Jedes Bild ist ein Zitat und eine Variation von etwas, das es gibt. In der Serie „Featuring die Ritterrüstung“ spinne ich diesen Faden weiter, indem ich Gemälde von Siegert in einem heutigen Umfeld fotografiere. Jetzt sind die Bilder von Friedrich August Siegert Zitate und helfen, neue Bilder zu kreieren.

Christoph Westermeier

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #christophwestermeier #AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule

Einblick in die aktuelle Ausstellung "August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen" in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve
Einblick in die aktuelle Ausstellung "August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen" in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve

Einblick in die aktuelle Ausstellung
"August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen"
in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve : 6.3. bis 19.4.
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

Persönliche Einblicke in die Entstehung einer Ausstellung

Der Großvater meines Großvaters, der Maler August Friedrich Siegert (1820-1883), war mir seit meiner Kindheit ein Begriff, denn eines seiner Bilder hing über dem Schreibtisch meiner Mutter. Gerne hätte ich mehr über ihn und sein Werk erfahren, aber in der großen Familie wusste ich nach dem Tod eines entfernten Onkels niemanden, den ich hätte fragen können. Allerdings gab es von dem Privatgelehrten Siegfried Gehrecke über Leben und Werk des Malers August Siegert ein maschinenschriftlich vervielfältigtes Manuskript von 1983: mit einem Werkverzeichnis, das Fundorte in der Familie und anderswo verzeichnet. Finanziert hatte diese Publikation mein Großcousin Theo Siegert, mit dem ich aber bisher nicht viel zu tun hatte, genauer gesagt: gar nichts.

Immerhin wussten wir von der Existenz des anderen. Als nämlich im Sommer 2017 der Notruf kam, dass der Haushalt eines eigenbrödlerischen, geschichtsinteressierten Onkels in der Schweiz aufgelöst werden müsste, traf ich mich vor Ort mit einem Freund, der zugleich mit meinem Großcousin befreundet war, nämlich Guido de Werd aus Köln (früher Museumsdirektor in Kleve), um nach dem Geschäftsbuch des Malers Siegert zu suchen. Irgendwo musste es in diesem Haus sein, das wusste Theo Siegert!
Nicht nur fanden wir diese handschriftliche Kladde, es kam auch ein Packen Briefe zusammen.
Gemeinsam stellten wir die Werkschau zusammen, von der ein Katalog bleiben wird (Wienand Verlag, 240 S.), in dem das Werk des zu Unrecht vergessenen Malers August Friedrich Siegert zu besichtigen ist.

Dr. Annegret Stein

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #stadtmuseumduesseldorf

Salzschälchen, Conrad Hadernach, 1709 - 1711, Silber, Fotografie: Medienzentrum Rheinland/Stefan Arendt, Stadtmuseum Düsseldorf S1005
Salzschälchen, Conrad Hadernach, 1709 - 1711, Silber, Fotografie: Medienzentrum Rheinland/Stefan Arendt, Stadtmuseum Düsseldorf S1005

Salzschälchen
Conrad Hadernach
1709 - 1711
Silber
Fotografie: Medienzentrum Rheinland/Stefan Arendt
Stadtmuseum Düsseldorf S1005

Euer Kulturhappen zum Samstag

Heute geht es um das gute, silberne Stück auf der Fotografie und seinen damaligen Inhalt. Es handelt sich um ein Schälchen, das zum Gebrauch von Salz bei Tisch diente. Salz hat dabei eine bedeutende Geschichte und konnte in der Vorzeit ein Geldäquivalent darstellen. So entwickelte sich aus dem lateinischen Wort "salarium", das ursprünglich für eine Bezahlung mit Salz stand, der Begriff Salär (alter Begriff für Lohn). Doch war nicht alles gut, was das Salz mit sich brachte. Der Handel mit dem "weißen Gold" konnte zu Reichtum führen, aber die Arbeit in den Salinen war hart und schlug auf die Gesundheit. 1736 finden wir in einem Reisebericht über die Lüneburger Saline die Aussage: "Die Arbeiter hier haben eine anstrengende Tätigkeit. Sie sind immer von Rauch umhüllt und in einem Loch, das sehr heiß ist." Das Salz gelangte u.a. in Blockform in den Handel. Grob zerkleinert und gemahlen füllte man es in das Salzgefäß. Da die jeweilige Menge nur für ein Essen bestimmt war, blieben diese Gefäße klein. Die Form orientiert sich an Augsburger Vorbildern.

(Svenja Wilken)

Objekt aus der Sammlungspräsentation der älteren Stadtgeschichte

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Zwei Frauen, Künstler: Franz Monjau, 1929, Stadtmuseum B 810
Zwei Frauen, Künstler: Franz Monjau, 1929, Stadtmuseum B 810

Zwei Frauen
Künstler: Franz Monjau
1929
Stadtmuseum B 810

(digitaler Einblick in das Stadtmuseum)

Ich möchte heute über ein zurzeit laufendes Projekt berichten. Seit 1998 pflegt die von Mieke Monjau gegründete und an das Stadtmuseum angeschlossene Stiftung Monjau/Levin das Werk und Andenken der von den Nationalsozialisten ermordeten Künstler Franz Monjau (1903 – 1945) und Julo Levin (1901 - 1943), die beide der Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“ um die Galeristin Johanna Ey angehört haben. Das Stadtmuseum besitzt rund 250 Arbeiten der Künstler. Gefördert von der Stiftung Monjau/Levin wird nun dieser komplette Sammlungsbestand der beiden Künstler im Stadtmuseum digitalisiert.

Das ausgewählte Werk von Franz Monjau entstand 1929. Franz Monjau, 1903 in Köln geboren, hatte in den 1920er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert, war Meisterschüler bei Heinrich Nauen. Nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Monjau wegen seiner Kontakte zur kommunistischen Opposition kurzzeitig inhaftiert und kurz vor dem Abschluss des Staatsexamens aus seinem Referendariat als Kunstlehrer entlassen. Aufgrund seiner jüdischen Mutter, im Jargon der Nationalsozialisten als sog. Halbjude, war es ihm darüber hinaus auch verwehrt, als Künstler weiterzuarbeiten. Zusammen mit seiner Ehefrau Mieke (1903 - 1997) führte Franz Monjau in den folgenden Jahren eine gesellschaftliche Randexistenz, gekennzeichnet von Ausgrenzung und Diskriminierung aber auch von Solidarität und Selbstbehauptung in der er im Privaten auch sein künstlerisches Werk fortsetzte. Im Herbst 1944 versuchte Monjau unterzutauchen, um sich einer drohenden Deportation zu entziehen, wurde aber von einer Nachbarin denunziert, verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er am 28. Februar 1945 ermordet wurde.

(Bernd Kreuter)

#kulturinzeitenvoncorona #DigAMus #stadtmuseumduesseldorf #JuloLevin #franzmonjau #stiftungmonjaulevin #kulturdigital

2 Selbstbildnisse, Künstler: August Friedrich Siegert, um 1840/ 1883, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, München/ Privatbesitz, Düsseldorf; Fotos C. Wucherpfennig)
2 Selbstbildnisse, Künstler: August Friedrich Siegert, um 1840/ 1883, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, München/ Privatbesitz, Düsseldorf; Fotos C. Wucherpfennig)

2 Selbstbildnisse
Künstler: August Friedrich Siegert
um 1840/ 1883
Öl auf Leinwand
(Privatbesitz, München/Privatbesitz, Düsseldorf; Fotos C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

Es handelt sich bei dem ersten Bild um ein jugendliches Selbstbildnis von August Friedrich Siegert, ungefähr im Alter von zwanzig Jahren. Um 1840, als das Gemälde entstand, hat Siegert bereits studiert. Seine ersten Schritte als Maler hatte er zu diesem Zeitpunkt erfolgreich absolviert, so war z. B. sein Gemälde „Tiroler und Tirolerin“ bereits öffentlich ausgestellt. In dieser Zeit musste er seinen Militärdienst in Koblenz ableisten.

Das zweite Gemälde entstand 43 Jahre später. Siegert stellt sich hier selbst am Ende seines Lebens dar. Er konnte das Gemälde nicht mehr selbst vollenden und starb am 13. Oktober 1883 in Düsseldorf. Für einen Künstler starb er spektakulär: Beim Reinigen seiner Malerpalette verletzte er sich, und er erlag einer Blutvergiftung. Das Gemälde wurde von Ernestine Friedrichsen (1824–1892) vollendet – was gewiss als Ehre zu begreifen ist –, die das Todesdatum des Malers gut sichtbar auf der Vorderseite vermerkte. Friedrichsen wurde in Danzig geboren und zog in den 1850er-Jahren nach Düsseldorf. Nach einem Unterricht in der Porträtmalerei bei Marie Wiegmann und Wilhelm Sohn studierte sie beim Genremaler Rudolf Jordan. Sie besaß ein Atelier im Jordan’schen Haus Wehrhahn, wo sie auf den berühmten Festen Jordans womöglich August Friedrich Siegert begegnet ist.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Valentina Vlašić)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #Porträtmalerei #Portraitmalerei #ErnestineFriedrichsen #Künstlerin #kulturinzeitenvoncorona #stadtmuseumduesseldorf #digAMus

Düsseldorf von der Rheinseite, 1647, Matthäus Merian (1593-1650), Kupferstich, Inv.-Nr. D 5002
Düsseldorf von der Rheinseite, 1647, Matthäus Merian (1593-1650), Kupferstich, Inv.-Nr. D 5002

Düsseldorf von der Rheinseite, 1647
Matthäus Merian (1593-1650)
Kupferstich
Inv.-Nr. D 5002

Die Ansicht gehört zu den bekanntesten Darstellungen der jungen Residenzstadt Düsseldorf. Das Blatt wurde in Merians Topographia Westphaliae, Teil seiner auf 16 Bände angelegten Sammlung der Ansichten von Städten, Burgen und Klöstern im Heiligen Römischen Reich, 1647 erstmals veröffentlicht. Vom linken Rheinufer wird der Blick auf das überschaubare Städtchen geworfen. Auf einem Schriftband im Vordergrund sind die Kreuzherrenkirche sowie die Jesuitenkirche (heute St. Andreas) mit Nummern bezeichnet, weitere Anmerkungen fehlen. Die Kirchtürme, das Schloss (rechts neben Nr. 2) sowie die mächtigen Festungsanlagen am Rheinufer vermitteln den Eindruck einer wohlhabenden Stadt. Zahlreiche Schiffe, neben dem Rheinkran am Eingang des Sicherheitshafens, deuten auf einen regen Handelsbetrieb hin. Unter Herzog Wolfgang Wilhelm (1578 – 1653) erlebte die Stadt Düsseldorf einen bescheidenden Aufschwung. Vor allem der von ihm geförderte Zuzug katholischer Orden hatte Einfluss auf Düsseldorfs Stadtentwicklung. Mit dem Bau von Kirchen und Klöstern veränderte sich das Bild der Stadt nachhaltig. Einen ersten Eindruck dieses Fortschritts bietet Merians Vedute. Als frühe Ansicht der Düsseldorfer Rheinfront hat sie große Bedeutung. Topographisch ist sie allerdings nicht korrekt. Die Proportionen einzelner Gebäude, wie der alles überragenden Lambertuskirche, stimmen beispielsweise so wenig wie die Darstellung und Ausrichtung der Jesuitenkirche. Trotz dieser Fehler wurde sie von zahlreichen Nachahmern immer wieder kopiert.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Vor der Rüstung, 1879, Künstler: August Friedrich Siegert, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, Berlin, Foto: C. Wucherpfennig)
Vor der Rüstung, 1879, Künstler: August Friedrich Siegert, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, Berlin, Foto: C. Wucherpfennig)

Vor der Rüstung, 1879
Künstler: August Friedrich Siegert
Öl auf Leinwand
(Privatbesitz, Berlin, Foto: C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

Das Motiv mit Kindern im Atelier hat der Maler Siegert, der im späten 19. Jahrhundert zu den beliebtesten Künstlern der Düsseldorfer Malerschule zählte, seit 1860 häufig gemalt. Diese Variante zeigt zwei Kinder. Es könnte sich bei den Dargestellten um Kinder von August Friedrich Siegert handeln, und zwar um die älteste Tochter Emmy (*1854) sowie um den wie ein Mädchen gekleideten Sohn Adolf (*1858). 1879 erteilt Siegert der Redaktion der Zeitschrift „Daheim“ in Leipzig die Genehmigung, das Bild als Holzschnitt reproduzieren zu dürfen, wofür er 34 Taler erhielt. Eine Hauptrolle in dem Bild spielt die Ritterrüstung. Mit der Ritterzeit hat sich der Maler wohl nicht im Hinblick auf seine Kunst befasst; seine Mittelalterrezeption scheint sich auf privates Vergnügen zu beschränken. In verklärender Sicht auf die weit zurück liegende Vergangenheit wurden damals patriarchale Gesellschaftsmuster konserviert und verstärkt. Die Ritterrüstung bei Siegert ist jedoch ambivalent: Ihre Wiedergabe in der Atelierszene wirkt humoresk. Auch der Vorhang in der Atelierszene verweist auf eine frühere Epoche. Als solcher scheint ein alter Gobelin zu dienen mit einer arkadischen Szene, die eine völlig andere Stimmung vermittelt als die martialische Rüstung und die aus Kindersicht etwas gruselige Atelierräumlichkeit. Es stellt sich die Frage, ob der despektierliche Gebrauch des weiland kostbaren Bildteppichs ironisch gedacht ist.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Dr. Annegret Stein)

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Kaiser Maximilian bei Albrecht Dürer, diesem die Leiter haltend (1849, Öl auf Leinwand, Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Leihgabe der Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung, Foto: Krauss)
Kaiser Maximilian bei Albrecht Dürer, diesem die Leiter haltend (1849, Öl auf Leinwand, Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Leihgabe der Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung, Foto: Krauss)

Kaiser Maximilian bei Albrecht Dürer
diesem die Leiter haltend
(1849, Öl auf Leinwand, Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen,
Leihgabe der Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung, Foto: Krauss)

Euer digitaler Kulturhappen zum Sonntag

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

Die Geschichte, dass Kaiser Maximilian Albrecht Dürer die Leiter hält, wurde erstmals von Karel van Mander 1604 in seinem Schilder-Boeck erwähnt. Eine Anekdote berichtet, wie der Kaiser den Maler besucht; Dürer skizziert für ihn ein geplantes Gemälde an die Wand. Als ein Höfling sich Maximilians Bitte verweigert, dem Künstler die Leiter zu halten, wird er selbst tätig.

Den Moment, den Siegert in seinem Gemälde festhält, beschreibt er darin wie folgt: „Wie stand beschämt die hochgeborene Schaar, / Als Max am Holz hielt mit fester Hand. / So wurde Albrecht Dürer sein gewahr, / Der eben noch in tiefen Träumen stand.“ Der Düsseldorfer Malkasten-Verein, zu deren Mitgliedern auch August Friedrich Siegert zählte, stellte anlässlich des 400. Jubiläums des Geburtstags von Albrecht Dürer das Gemälde am 20. Mai 1871 als „Tableau vivant“ nach, eine beliebte künstlerische Praxis.

Solche Wanderlegenden erhöhen Künstler und Herrscher. In der Maximilian-Dürer-Anekdote handelt der Kaiser in dem einen Moment nicht nur demütig, sondern er nutzt sein überraschendes Tun für eine moralische Lehre: Die Weigerung der adeligen Untergebenen, dem Künstler durch das Sichern der Leiter zu helfen, ist hoffärtig.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Dr. Annegret Stein/ Valentina Vlasic/ Drs. Guido de Werd)

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Wilhelm Fabricius (1560-1634) Medizin unter Herzog Wilhelm dem Reichen (anonym nach Matthäus Merian, 1627, Stadtmuseum Düsseldorf D 1975)
Wilhelm Fabricius (1560-1634) Medizin unter Herzog Wilhelm dem Reichen (anonym nach Matthäus Merian, 1627, Stadtmuseum Düsseldorf D 1975)

Wilhelm Fabricius (1560-1634)
Medizin unter Herzog Wilhelm dem Reichen
(anonym nach Matthäus Merian, 1627, Stadtmuseum Düsseldorf D 1975)

Euer digitaler Kulturhappen am Samstag

Medizin ist und war schon immer ein wichtiges Thema - gerade an Tagen wie heute beschäftigen wir uns besonders intensiv mit Fragen der Medizin. Der Herr, den wir hier auf dem Kupferstich sehen können, stammt aus Hilden. Wilhelm Fabricius gilt als der bedeutendste Chirurg der Renaissance. Er stand u.a. in Diensten des mächtigen Herzogs von Jülich-Kleve-Berg (von den Außmaßen her ungefähr so groß wie NRW heute!), Wilhelm dem Reichen, der im schönen Düsseldorfer Schloss residierte, von dem heute nur noch der Turm steht. Als Stadtchirurg in verschiedenen Städten machte er sich einen Namen und behandelte -wie damals üblich- gegen festgesetztes Jahresentgelt bestimmte Personengruppen (z. B. Arme) unentgeltlich und versorgte sie mit Medikamenten. Zudem war es ihm aber auch möglich, eine eigene Praxis zu führen und für Behandlungen Honorare zu fordern. Bekannt ist Wilhelm Fabricium auch dafür, dass er den Einfluss der Anatomie auf die praktische Medizin förderte.

(Svenja Wilken)

Kupferstich aus der Sammlungspräsentation zur frühen Stadtgeschichte

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Albert Poensgen (1818-1880), 1938, Künstler: E. Schwarzer, Stadtmuseum Düsseldorf B367
Albert Poensgen (1818-1880), 1938, Künstler: E. Schwarzer, Stadtmuseum Düsseldorf B367

Albert Poensgen (1818-1880)
1938, Künstler: E. Schwarzer
Stadtmuseum Düsseldorf B367

(noch ein digitaler Happen aus dem Stadtmuseum!)

Unsere Stadt entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Industriestandort - mit allen Vor- und Nachteilen. Und so gibt es eine Reihe historischer Persönlichkeiten, die wir in diesem Kontext vorstellen können. Darunter Albert Poensgen, der mit seiner Unternehmerfamilie 1860 aus der Eifel nach Düsseldorf gezogen war. In Oberbilk produzierte er als Erster Röhren. Auf dem Gelände hinter dem heutigen Hauptbahnhof entstand das bekannte große Stahlwerk, dessen Ende erst in den 1960er Jahren begann. Es gehörte je zur Hälfte der Familie Poensgen und der beglischen Unternehmerfamilie Piedbœuf.

(Beitrag aus der Sammlung des 19. Jahrhunderts auf Basis von Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Der kleine Kunstfreund, A.F. Siegert, 1859, (Fotografie: C. Wucherpfennig)
Der kleine Kunstfreund, A.F. Siegert, 1859, (Fotografie: C. Wucherpfennig)

Der kleine Kunstfreund, A.F. Siegert
1859, (Fotografie: C. Wucherpfennig)
Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen

(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der zweite digitale Happen für Euch :-))

Das Gemälde „Der kleine Kunstfreund“ (um 1860, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf) gehört zu den beliebtesten Motiven Siegerts (1820-1883), Künstler der Düsseldorfer Malerschule. Im Vorraum eines Künstlerateliers blickt der Sohn eines Malers andachtsvoll auf ein gerade fertig gestelltes und für den Abtransport in einer schwarzen Kiste vorbereitetes Gemälde mit einer militärischen Schlachtenszene. Bei der Betrachtung der sich im Bild aufbäumenden Pferde vergisst er völlig sein eigenes Holzpferdchen, das er an einer Kordel hinter sich her gezogen hat und nun im linken Vordergrund abgestellt ist. Im linken Hintergrund malt der Pfeife rauchende Künstler konzentriert mit auf der untersten Sprosse der Staffelei hochgestellten Füßen. Das hohe Atelierfenster, das der schrägen Dachform folgt, kann je nach Tageszeit und einfallendem Licht durch ein aufgespanntes Tuch geschlossen oder geöffnet werden, um das optimale Nordlicht einzulassen. Es kann angenommen werden, dass Siegert hier seinen eigenen Sohn Adolf als Modell für das Kind im Bild benutzte. Am 1. Januar 1860 schreibt A.F. Siegert seiner Mutter Sophie: „Am meisten freute uns aber diesmal unser dicker putziger Junge. Das Kerlchen war kostbar. Wir hatten gar nicht erwartet, daß er schon so in dem Trubel aufgehen würde. Sein Hottopferd zog er im Zimmer herum wie ein Alter u. schlug mit der Peitsche tüchtig drauf. Er läuft vollkommen den ganzen Tag, weint nie wenn er fällt, rappelt sich wieder auf die Beine u. macht eine possierliche dralle Figur.“

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann / Beitrag auf Basis von Dr. Annegret Stein)

Familie Hopfensack, Ende des 18. Jh., Künstler/in unbekannt, Öl auf Holz, Inv.-Nr. B 175
Familie Hopfensack, Ende des 18. Jh., Künstler/in unbekannt, Öl auf Holz, Inv.-Nr. B 175

Familie Hopfensack
Ende des 18. Jh.
Künstler/in unbekannt
Öl auf Holz
Inv.-Nr. B 175

(Unser erster digitaler Happen für Euch :-))

Drei Personen treffen sich zur Hausmusik. So könnte man die dargestellte Szene auf dem Gemälde knapp zusammenfassen. Elegant gekleidet sitzt eine blond gelockte Frau an einem Spinett. Vor allem ihr üppig mit Schleifen und Federn dekorierter Hut fällt ins Auge. Den Blick wendet sie dem Betrachter und nicht den vor ihr liegenden Notenblättern zu. Hinter der Musizierenden steht in entspannter Pose ein Mann in rotem Rock (Herrenjacke). Mit den Händen stützt er sich auf ihren Stuhl; eine Geste, die die Verbundenheit der beiden ausdrückt. Das Paar wird von einer älteren Dame wohlwollend betrachtet. Der Stoff ihres rötlich-glänzenden Kleides und eine größere Halskette ziehen die Blicke auf sich. Die Haare verbirgt sie unter einem Spitzentuch, das von einer großen, modischen Schleife auf dem Kopf gehalten wird. Im Hintergrund ist ein aufwändig drapierter, grüner Vorhang zu erkennen, der wie die zartgrüne Zimmerwand farblich zum Kleid der Musikerin abgestimmt zu sein scheint.

Das kleine Gemälde gehört zu den frühen Sammlungseingängen des Stadtmuseums. Es ist Teil einer Gruppe von Objekten, darunter auch Medaillen und Goethe-Memorabilia, die 1907 als Vermächtnis von Carl Maximilian Schreiner dem Museum übertragen wurden. Schriftlich hatte Schreiner festgehalten, wer auf dem Bildnis zu sehen ist. Neben seiner Urgroßtante Frau Hopfensack und ihrem Ehemann ist die Mutter der jungen Ehefrau, Frau Overmann aus Brüssel, portraitiert. Das Ehepaar Hopfensack wohnte laut Schreiner auf der Benrather Straße und besaß im Bereich zwischen der heutigen Königsallee und der Oststraße ein Landgut für die Sommermonate.

Bemerkenswert ist das Bild vor allem, weil es sich um ein sehr frühes bürgerliches Familienportrait aus Düsseldorf handelt. Die drei dargestellten Personen werden als wohlhabende Kleinfamilie präsentiert, die sich im intimen häuslichen Umfeld kulturell betätigt. Das im 18. Jahrhundert aufkommende Ideal der aus zwei Generationen bestehenden Kernfamilie änderte das Zusammenleben der Menschen dramatisch. Waren zuvor auch weit entfernte Verwandte sowie die Bediensteten selbstverständlicher Teil eines gemeinsamen Haushalts, bildeten nun Eltern mit ihren Kindern eine abgeschlossene, soziale Gemeinschaft. Die Hausmusik hat sich seit dem nachfolgenden 19. Jahrhundert in vielen Familien wachsender Beliebtheit erfreut.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus