Archiv der digitalen Kulturhappen

Zwei Frauen, Künstler: Franz Monjau, 1929, Stadtmuseum B 810
Zwei Frauen, Künstler: Franz Monjau, 1929, Stadtmuseum B 810

Zwei Frauen
Künstler: Franz Monjau
1929
Stadtmuseum B 810

(digitaler Einblick in das Stadtmuseum)

Ich möchte heute über ein zurzeit laufendes Projekt berichten. Seit 1998 pflegt die von Mieke Monjau gegründete und an das Stadtmuseum angeschlossene Stiftung Monjau/Levin das Werk und Andenken der von den Nationalsozialisten ermordeten Künstler Franz Monjau (1903 – 1945) und Julo Levin (1901 - 1943), die beide der Künstlervereinigung „Das Junge Rheinland“ um die Galeristin Johanna Ey angehört haben. Das Stadtmuseum besitzt rund 250 Arbeiten der Künstler. Gefördert von der Stiftung Monjau/Levin wird nun dieser komplette Sammlungsbestand der beiden Künstler im Stadtmuseum digitalisiert.

Das ausgewählte Werk von Franz Monjau entstand 1929. Franz Monjau, 1903 in Köln geboren, hatte in den 1920er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert, war Meisterschüler bei Heinrich Nauen. Nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Monjau wegen seiner Kontakte zur kommunistischen Opposition kurzzeitig inhaftiert und kurz vor dem Abschluss des Staatsexamens aus seinem Referendariat als Kunstlehrer entlassen. Aufgrund seiner jüdischen Mutter, im Jargon der Nationalsozialisten als sog. Halbjude, war es ihm darüber hinaus auch verwehrt, als Künstler weiterzuarbeiten. Zusammen mit seiner Ehefrau Mieke (1903 - 1997) führte Franz Monjau in den folgenden Jahren eine gesellschaftliche Randexistenz, gekennzeichnet von Ausgrenzung und Diskriminierung aber auch von Solidarität und Selbstbehauptung in der er im Privaten auch sein künstlerisches Werk fortsetzte. Im Herbst 1944 versuchte Monjau unterzutauchen, um sich einer drohenden Deportation zu entziehen, wurde aber von einer Nachbarin denunziert, verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert, wo er am 28. Februar 1945 ermordet wurde.

(Bernd Kreuter)

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2 Selbstbildnisse, Künstler: August Friedrich Siegert, um 1840/ 1883, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, München/ Privatbesitz, Düsseldorf; Fotos C. Wucherpfennig)
2 Selbstbildnisse, Künstler: August Friedrich Siegert, um 1840/ 1883, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, München/ Privatbesitz, Düsseldorf; Fotos C. Wucherpfennig)

2 Selbstbildnisse
Künstler: August Friedrich Siegert
um 1840/ 1883
Öl auf Leinwand
(Privatbesitz, München/Privatbesitz, Düsseldorf; Fotos C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

Es handelt sich bei dem ersten Bild um ein jugendliches Selbstbildnis von August Friedrich Siegert, ungefähr im Alter von zwanzig Jahren. Um 1840, als das Gemälde entstand, hat Siegert bereits studiert. Seine ersten Schritte als Maler hatte er zu diesem Zeitpunkt erfolgreich absolviert, so war z. B. sein Gemälde „Tiroler und Tirolerin“ bereits öffentlich ausgestellt. In dieser Zeit musste er seinen Militärdienst in Koblenz ableisten.

Das zweite Gemälde entstand 43 Jahre später. Siegert stellt sich hier selbst am Ende seines Lebens dar. Er konnte das Gemälde nicht mehr selbst vollenden und starb am 13. Oktober 1883 in Düsseldorf. Für einen Künstler starb er spektakulär: Beim Reinigen seiner Malerpalette verletzte er sich, und er erlag einer Blutvergiftung. Das Gemälde wurde von Ernestine Friedrichsen (1824–1892) vollendet – was gewiss als Ehre zu begreifen ist –, die das Todesdatum des Malers gut sichtbar auf der Vorderseite vermerkte. Friedrichsen wurde in Danzig geboren und zog in den 1850er-Jahren nach Düsseldorf. Nach einem Unterricht in der Porträtmalerei bei Marie Wiegmann und Wilhelm Sohn studierte sie beim Genremaler Rudolf Jordan. Sie besaß ein Atelier im Jordan’schen Haus Wehrhahn, wo sie auf den berühmten Festen Jordans womöglich August Friedrich Siegert begegnet ist.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Valentina Vlašić)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #Porträtmalerei #Portraitmalerei #ErnestineFriedrichsen #Künstlerin #kulturinzeitenvoncorona #stadtmuseumduesseldorf #digAMus

Düsseldorf von der Rheinseite, 1647, Matthäus Merian (1593-1650), Kupferstich, Inv.-Nr. D 5002
Düsseldorf von der Rheinseite, 1647, Matthäus Merian (1593-1650), Kupferstich, Inv.-Nr. D 5002

Düsseldorf von der Rheinseite, 1647
Matthäus Merian (1593-1650)
Kupferstich
Inv.-Nr. D 5002

Die Ansicht gehört zu den bekanntesten Darstellungen der jungen Residenzstadt Düsseldorf. Das Blatt wurde in Merians Topographia Westphaliae, Teil seiner auf 16 Bände angelegten Sammlung der Ansichten von Städten, Burgen und Klöstern im Heiligen Römischen Reich, 1647 erstmals veröffentlicht. Vom linken Rheinufer wird der Blick auf das überschaubare Städtchen geworfen. Auf einem Schriftband im Vordergrund sind die Kreuzherrenkirche sowie die Jesuitenkirche (heute St. Andreas) mit Nummern bezeichnet, weitere Anmerkungen fehlen. Die Kirchtürme, das Schloss (rechts neben Nr. 2) sowie die mächtigen Festungsanlagen am Rheinufer vermitteln den Eindruck einer wohlhabenden Stadt. Zahlreiche Schiffe, neben dem Rheinkran am Eingang des Sicherheitshafens, deuten auf einen regen Handelsbetrieb hin. Unter Herzog Wolfgang Wilhelm (1578 – 1653) erlebte die Stadt Düsseldorf einen bescheidenden Aufschwung. Vor allem der von ihm geförderte Zuzug katholischer Orden hatte Einfluss auf Düsseldorfs Stadtentwicklung. Mit dem Bau von Kirchen und Klöstern veränderte sich das Bild der Stadt nachhaltig. Einen ersten Eindruck dieses Fortschritts bietet Merians Vedute. Als frühe Ansicht der Düsseldorfer Rheinfront hat sie große Bedeutung. Topographisch ist sie allerdings nicht korrekt. Die Proportionen einzelner Gebäude, wie der alles überragenden Lambertuskirche, stimmen beispielsweise so wenig wie die Darstellung und Ausrichtung der Jesuitenkirche. Trotz dieser Fehler wurde sie von zahlreichen Nachahmern immer wieder kopiert.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Vor der Rüstung, 1879, Künstler: August Friedrich Siegert, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, Berlin, Foto: C. Wucherpfennig)
Vor der Rüstung, 1879, Künstler: August Friedrich Siegert, Öl auf Leinwand (Privatbesitz, Berlin, Foto: C. Wucherpfennig)

Vor der Rüstung, 1879
Künstler: August Friedrich Siegert
Öl auf Leinwand
(Privatbesitz, Berlin, Foto: C. Wucherpfennig)

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

Das Motiv mit Kindern im Atelier hat der Maler Siegert, der im späten 19. Jahrhundert zu den beliebtesten Künstlern der Düsseldorfer Malerschule zählte, seit 1860 häufig gemalt. Diese Variante zeigt zwei Kinder. Es könnte sich bei den Dargestellten um Kinder von August Friedrich Siegert handeln, und zwar um die älteste Tochter Emmy (*1854) sowie um den wie ein Mädchen gekleideten Sohn Adolf (*1858). 1879 erteilt Siegert der Redaktion der Zeitschrift „Daheim“ in Leipzig die Genehmigung, das Bild als Holzschnitt reproduzieren zu dürfen, wofür er 34 Taler erhielt. Eine Hauptrolle in dem Bild spielt die Ritterrüstung. Mit der Ritterzeit hat sich der Maler wohl nicht im Hinblick auf seine Kunst befasst; seine Mittelalterrezeption scheint sich auf privates Vergnügen zu beschränken. In verklärender Sicht auf die weit zurück liegende Vergangenheit wurden damals patriarchale Gesellschaftsmuster konserviert und verstärkt. Die Ritterrüstung bei Siegert ist jedoch ambivalent: Ihre Wiedergabe in der Atelierszene wirkt humoresk. Auch der Vorhang in der Atelierszene verweist auf eine frühere Epoche. Als solcher scheint ein alter Gobelin zu dienen mit einer arkadischen Szene, die eine völlig andere Stimmung vermittelt als die martialische Rüstung und die aus Kindersicht etwas gruselige Atelierräumlichkeit. Es stellt sich die Frage, ob der despektierliche Gebrauch des weiland kostbaren Bildteppichs ironisch gedacht ist.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Dr. Annegret Stein)

#AugustFriedrichSiegert #DüsseldorferMalerschule #Genremalerei #Kinderbild #Atelierbild #kulturinzeitenvoncorona #stadtmuseumduesseldorf #digAMus

Kaiser Maximilian bei Albrecht Dürer, diesem die Leiter haltend (1849, Öl auf Leinwand, Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Leihgabe der Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung, Foto: Krauss)
Kaiser Maximilian bei Albrecht Dürer, diesem die Leiter haltend (1849, Öl auf Leinwand, Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen, Leihgabe der Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung, Foto: Krauss)

Kaiser Maximilian bei Albrecht Dürer
diesem die Leiter haltend
(1849, Öl auf Leinwand, Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen,
Leihgabe der Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung, Foto: Krauss)

Euer digitaler Kulturhappen zum Sonntag

Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve:
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen
(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

Die Geschichte, dass Kaiser Maximilian Albrecht Dürer die Leiter hält, wurde erstmals von Karel van Mander 1604 in seinem Schilder-Boeck erwähnt. Eine Anekdote berichtet, wie der Kaiser den Maler besucht; Dürer skizziert für ihn ein geplantes Gemälde an die Wand. Als ein Höfling sich Maximilians Bitte verweigert, dem Künstler die Leiter zu halten, wird er selbst tätig.

Den Moment, den Siegert in seinem Gemälde festhält, beschreibt er darin wie folgt: „Wie stand beschämt die hochgeborene Schaar, / Als Max am Holz hielt mit fester Hand. / So wurde Albrecht Dürer sein gewahr, / Der eben noch in tiefen Träumen stand.“ Der Düsseldorfer Malkasten-Verein, zu deren Mitgliedern auch August Friedrich Siegert zählte, stellte anlässlich des 400. Jubiläums des Geburtstags von Albrecht Dürer das Gemälde am 20. Mai 1871 als „Tableau vivant“ nach, eine beliebte künstlerische Praxis.

Solche Wanderlegenden erhöhen Künstler und Herrscher. In der Maximilian-Dürer-Anekdote handelt der Kaiser in dem einen Moment nicht nur demütig, sondern er nutzt sein überraschendes Tun für eine moralische Lehre: Die Weigerung der adeligen Untergebenen, dem Künstler durch das Sichern der Leiter zu helfen, ist hoffärtig.

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann/ Dr. Annegret Stein/ Valentina Vlasic/ Drs. Guido de Werd)

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Wilhelm Fabricius (1560-1634) Medizin unter Herzog Wilhelm dem Reichen (anonym nach Matthäus Merian, 1627, Stadtmuseum Düsseldorf D 1975)
Wilhelm Fabricius (1560-1634) Medizin unter Herzog Wilhelm dem Reichen (anonym nach Matthäus Merian, 1627, Stadtmuseum Düsseldorf D 1975)

Wilhelm Fabricius (1560-1634)
Medizin unter Herzog Wilhelm dem Reichen
(anonym nach Matthäus Merian, 1627, Stadtmuseum Düsseldorf D 1975)

Euer digitaler Kulturhappen am Samstag

Medizin ist und war schon immer ein wichtiges Thema - gerade an Tagen wie heute beschäftigen wir uns besonders intensiv mit Fragen der Medizin. Der Herr, den wir hier auf dem Kupferstich sehen können, stammt aus Hilden. Wilhelm Fabricius gilt als der bedeutendste Chirurg der Renaissance. Er stand u.a. in Diensten des mächtigen Herzogs von Jülich-Kleve-Berg (von den Außmaßen her ungefähr so groß wie NRW heute!), Wilhelm dem Reichen, der im schönen Düsseldorfer Schloss residierte, von dem heute nur noch der Turm steht. Als Stadtchirurg in verschiedenen Städten machte er sich einen Namen und behandelte -wie damals üblich- gegen festgesetztes Jahresentgelt bestimmte Personengruppen (z. B. Arme) unentgeltlich und versorgte sie mit Medikamenten. Zudem war es ihm aber auch möglich, eine eigene Praxis zu führen und für Behandlungen Honorare zu fordern. Bekannt ist Wilhelm Fabricium auch dafür, dass er den Einfluss der Anatomie auf die praktische Medizin förderte.

(Svenja Wilken)

Kupferstich aus der Sammlungspräsentation zur frühen Stadtgeschichte

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Albert Poensgen (1818-1880), 1938, Künstler: E. Schwarzer, Stadtmuseum Düsseldorf B367
Albert Poensgen (1818-1880), 1938, Künstler: E. Schwarzer, Stadtmuseum Düsseldorf B367

Albert Poensgen (1818-1880)
1938, Künstler: E. Schwarzer
Stadtmuseum Düsseldorf B367

(noch ein digitaler Happen aus dem Stadtmuseum!)

Unsere Stadt entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Industriestandort - mit allen Vor- und Nachteilen. Und so gibt es eine Reihe historischer Persönlichkeiten, die wir in diesem Kontext vorstellen können. Darunter Albert Poensgen, der mit seiner Unternehmerfamilie 1860 aus der Eifel nach Düsseldorf gezogen war. In Oberbilk produzierte er als Erster Röhren. Auf dem Gelände hinter dem heutigen Hauptbahnhof entstand das bekannte große Stahlwerk, dessen Ende erst in den 1960er Jahren begann. Es gehörte je zur Hälfte der Familie Poensgen und der beglischen Unternehmerfamilie Piedbœuf.

(Beitrag aus der Sammlung des 19. Jahrhunderts auf Basis von Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus

Der kleine Kunstfreund, A.F. Siegert, 1859, (Fotografie: C. Wucherpfennig)
Der kleine Kunstfreund, A.F. Siegert, 1859, (Fotografie: C. Wucherpfennig)

Der kleine Kunstfreund, A.F. Siegert
1859, (Fotografie: C. Wucherpfennig)
Aus der aktuellen Ausstellung in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve
6.3. bis 19.4.: August Friedrich Siegert - die kleine Welt in der großen

(voraussichtlich ab dem 24. Mai in Kleve)

(Der zweite digitale Happen für Euch :-))

Das Gemälde „Der kleine Kunstfreund“ (um 1860, Öl auf Leinwand, Privatbesitz, Düsseldorf) gehört zu den beliebtesten Motiven Siegerts (1820-1883), Künstler der Düsseldorfer Malerschule. Im Vorraum eines Künstlerateliers blickt der Sohn eines Malers andachtsvoll auf ein gerade fertig gestelltes und für den Abtransport in einer schwarzen Kiste vorbereitetes Gemälde mit einer militärischen Schlachtenszene. Bei der Betrachtung der sich im Bild aufbäumenden Pferde vergisst er völlig sein eigenes Holzpferdchen, das er an einer Kordel hinter sich her gezogen hat und nun im linken Vordergrund abgestellt ist. Im linken Hintergrund malt der Pfeife rauchende Künstler konzentriert mit auf der untersten Sprosse der Staffelei hochgestellten Füßen. Das hohe Atelierfenster, das der schrägen Dachform folgt, kann je nach Tageszeit und einfallendem Licht durch ein aufgespanntes Tuch geschlossen oder geöffnet werden, um das optimale Nordlicht einzulassen. Es kann angenommen werden, dass Siegert hier seinen eigenen Sohn Adolf als Modell für das Kind im Bild benutzte. Am 1. Januar 1860 schreibt A.F. Siegert seiner Mutter Sophie: „Am meisten freute uns aber diesmal unser dicker putziger Junge. Das Kerlchen war kostbar. Wir hatten gar nicht erwartet, daß er schon so in dem Trubel aufgehen würde. Sein Hottopferd zog er im Zimmer herum wie ein Alter u. schlug mit der Peitsche tüchtig drauf. Er läuft vollkommen den ganzen Tag, weint nie wenn er fällt, rappelt sich wieder auf die Beine u. macht eine possierliche dralle Figur.“

(Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann / Beitrag auf Basis von Dr. Annegret Stein)

Familie Hopfensack, Ende des 18. Jh., Künstler/in unbekannt, Öl auf Holz, Inv.-Nr. B 175
Familie Hopfensack, Ende des 18. Jh., Künstler/in unbekannt, Öl auf Holz, Inv.-Nr. B 175

Familie Hopfensack
Ende des 18. Jh.
Künstler/in unbekannt
Öl auf Holz
Inv.-Nr. B 175

(Unser erster digitaler Happen für Euch :-))

Drei Personen treffen sich zur Hausmusik. So könnte man die dargestellte Szene auf dem Gemälde knapp zusammenfassen. Elegant gekleidet sitzt eine blond gelockte Frau an einem Spinett. Vor allem ihr üppig mit Schleifen und Federn dekorierter Hut fällt ins Auge. Den Blick wendet sie dem Betrachter und nicht den vor ihr liegenden Notenblättern zu. Hinter der Musizierenden steht in entspannter Pose ein Mann in rotem Rock (Herrenjacke). Mit den Händen stützt er sich auf ihren Stuhl; eine Geste, die die Verbundenheit der beiden ausdrückt. Das Paar wird von einer älteren Dame wohlwollend betrachtet. Der Stoff ihres rötlich-glänzenden Kleides und eine größere Halskette ziehen die Blicke auf sich. Die Haare verbirgt sie unter einem Spitzentuch, das von einer großen, modischen Schleife auf dem Kopf gehalten wird. Im Hintergrund ist ein aufwändig drapierter, grüner Vorhang zu erkennen, der wie die zartgrüne Zimmerwand farblich zum Kleid der Musikerin abgestimmt zu sein scheint.

Das kleine Gemälde gehört zu den frühen Sammlungseingängen des Stadtmuseums. Es ist Teil einer Gruppe von Objekten, darunter auch Medaillen und Goethe-Memorabilia, die 1907 als Vermächtnis von Carl Maximilian Schreiner dem Museum übertragen wurden. Schriftlich hatte Schreiner festgehalten, wer auf dem Bildnis zu sehen ist. Neben seiner Urgroßtante Frau Hopfensack und ihrem Ehemann ist die Mutter der jungen Ehefrau, Frau Overmann aus Brüssel, portraitiert. Das Ehepaar Hopfensack wohnte laut Schreiner auf der Benrather Straße und besaß im Bereich zwischen der heutigen Königsallee und der Oststraße ein Landgut für die Sommermonate.

Bemerkenswert ist das Bild vor allem, weil es sich um ein sehr frühes bürgerliches Familienportrait aus Düsseldorf handelt. Die drei dargestellten Personen werden als wohlhabende Kleinfamilie präsentiert, die sich im intimen häuslichen Umfeld kulturell betätigt. Das im 18. Jahrhundert aufkommende Ideal der aus zwei Generationen bestehenden Kernfamilie änderte das Zusammenleben der Menschen dramatisch. Waren zuvor auch weit entfernte Verwandte sowie die Bediensteten selbstverständlicher Teil eines gemeinsamen Haushalts, bildeten nun Eltern mit ihren Kindern eine abgeschlossene, soziale Gemeinschaft. Die Hausmusik hat sich seit dem nachfolgenden 19. Jahrhundert in vielen Familien wachsender Beliebtheit erfreut.

(Sigrid Kleinbongartz)

#stadtmuseumduesseldorf #kulturinzeitenvoncorona #DigAMus