Hommage an den Pianisten Karlrobert Kreiten

Das Stadtmuseum hat gemeinsam mit der Robert Schumann Hochschule und Avi-Service für music eine CD mit Aufnahmen Kreitens herausgebracht

Text: Meissner, Valentina


Gemeinsam mit der Robert Schumann Hochschule und Avi-Service für music hat das Stadtmuseum eine CD mit allen erhaltenen Aufnahmen Kreitens herausgebracht – darunter auch Erstveröffentlichungen. Das Projekt wurde am Freitag, 10. Februar, von Dr. Susanne Anna, Direktorin des Stadtmuseums, Bernd Kreuter, Leiter der Sammlungen 20./21. Jahrhundert/Grafischen Sammlung/des Stadttheoretischen Forums, Tobias Koch, Pianist und Dozent an der Robert-Schumann-Hochschule, und Karsten Lehl, Musikwissenschaftliches Institut, Robert-Schumann-Hochschule, vorgestellt.

Als "junger Wundermann am Flügel" wurde der aus Düsseldorf stammende Pianist Karlrobert Kreiten in den 30er- und Anfang der 40er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in ganz Deutschland von Presse und Publikum gefeiert. Überall wo er spielte, hinterließ er Eindruck. Doch seine vielversprechende Laufbahn fand nach kritischen Äußerungen dem nationalsozialistischen Terror-Regime gegenüber ein jähes Ende: Nach einer Denunziation aus privatem Kreis – ausgerechnet durch eine Freundin seiner Mutter – wurde er am 3. Mai 1943 unmittelbar vor einem Klavierabend in Heidelberg von der Gestapo verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und, gerade einmal 27jährig, in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Noch vierzig Jahre nach seinem Tod unterstrich der Pianist Claudio Arrau, dessen Meisterschüler Karlrobert Kreiten in Berlin gewesen war, dessen außergewöhnlichen künstlerischen Rang: "Kreiten war eines der größten Klaviertalente, die mir persönlich begegnet sind. Wäre er nicht durch das Nazi-Regime kurz vor Kriegsende hingerichtet worden, so hätte er, ohne Zweifel, seinen Platz als einer der größten deutschen Pianisten eingenommen. Er bildete die verlorene Generation, die fähig gewesen wäre, in der Reihe nach Kempff und Gieseking zu folgen." Nur wenige, wie durch ein Wunder erhaltene, künstlerisch höchst eindrucksvolle private Tonaufnahmen haben sich erhalten. Sie sind bereits lange vergriffen und werden nun erstmals wieder aufgelegt. Ein berührendes Detail: Auf diesen alten Schelllack-Unikaten hört man sogar Karlrobert Kreitens eigene Stimme, der die Absagen zu einigen der eingespielten Stücke einspricht.

Der Düsseldorfer Pianist Tobias Koch beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Karlrobert Kreiten und hat die Neuveröffentlichung initiiert: "Erinnern bedeutet immer auch, Verantwortung zu übernehmen. Kreitens Schicksal steht symbolhaft für Millionen zerstörter Lebensläufe in der Zeit des nationalsozialistischen Macht- und Meinungsterrors. Doch nicht nur darum ist es wichtig, die kritische Erinnerung an ihn wachzuhalten und weiterzugeben." Im vergangenen Jahr machte Koch eine überraschende Entdeckung: "Als ich bei Recherchen im Zusammenhang mit einem Düsseldorfer Gedenkkonzert zur hundertsten Wiederkehr des Geburtstags von Karlrobert Kreiten überraschend auf eine Reihe bislang völlig unbekannter Tonaufnahmen des Pianisten stieß, wurde mir schlagartig bewusst, wie sehr Erinnerung auch Begegnung bedeutet – und wie wichtig es ist, die alten sowie die neu aufgetauchten Aufnahmen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hinter dem aufnahmetechnischen Schleier der behutsam restaurierten und nach neuestem Stand der Aufnahmetechnik digitalisierten Aufnahmen verbirgt sich eine hochsensible jugendliche Meisterschaft, die in ihrer ebenso strukturbewussten wie schwerelosen Gestaltungskraft damals wie heute zugleich überrascht wie überwältigt."

Auf der CD sind erstmals alle erhaltenen Aufnahmen Kreitens versammelt, viele davon als Erstveröffentlichung. Damit wird eine Lücke der historischen Kataloge geschlossen: Die Privataufnahmen aus den Jahren 1933 bis 1938 ermöglichen die Begegnung mit einem der herausragenden Klaviertalente des 20. Jahrhunderts. Vier hinzugefügte zeitgenössische Hommage-Kompositionen dokumentieren als musikalische Zwischenrufe, dass die künstlerische Persönlichkeit und das Schicksal Kreitens auch Jahrzehnte nach seinem Tod in der Musikwelt weiterwirken.

Die Produktion entstand in Kooperation mit der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf und dem Stadtmuseum Düsseldorf.

(c)Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

Direktorin Dr. Susanne Anna und Bernd Kreuter vom Stadtmuseum sowie Karsten Lehl, Robert-Schumann-Hochschule

(c)Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

Das Stadtmuseum hat gemeinsam mit der Robert Schumann Hochschule und Avi-Service für music eine CD mit Aufnahmen Kreitens herausgebracht