Bergische Kaserne
Anlass
Nach der Aufgabe der Flächen der Bergischen Kaserne durch die Bundeswehr 2018 wurde geprüft, ob das Areal einer zivilen städtebaulichen Entwicklung zugeführt werden kann. Gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat die Landeshauptstadt Düsseldorf eine Konversionspartnerschaft im Oktober 2024 zur zivilen Nachnutzung der Fläche geschlossen. Zur Schaffung der planungsrechtlichen Grundlage für die Entwicklung der Bergischen Kaserne haben sich beide Parteien verständigt ein qualitätssicherndes Verfahren in Form eines städtebaulichen-freiraumplanerischen Wettbewerbs durchzuführen.
Plangebiet
Die Kaserne befindet sich im Düsseldorfer Nordosten im Stadtteil Hubbelrath und wird durch die Bergische Landstraße sowie die Knittkuhler Straße begrenzt. Im Norden schließen ein regionaler Grünzug, der weiterhin aktive Mobilmachungsstützpunkt der Deutschen Bundeswehr sowie der Stadtteil Knittkuhl an das Plangebiet an. Erschlossen ist die Bergische Kaserne über die Knittkuhler Straße. Das Plangebiet hat eine Gesamtfläche von ca. 27 ha, davon befinden sich ca. 8,5 ha in einem Denkmalbereich.
Die Flächen befinden sich im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).
Qualitätssicherndes Verfahren
Für die Entwicklung einer zivilen Nachnutzung hatten die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und die Stadt Düsseldorf im Jahr 2024 eine Vorabbeteiligung durchgeführt, in der die Öffentlichkeit eingeladen wurde, ihre Wünsche und Ideen in das Planverfahren einzubringen. Dies erfolgte über eine Online-Beteiligung im Zeitraum vom 10. bis zum 24. April 2024 sowie einen öffentlichen Ideenworkshop am 4. Mai 2024. Die Ergebnisse der Vorabbeteiligung wurden dokumentiert und wurden den Teilnehmenden des anschließenden Wettbewerbsverfahrens zur Verfügung gestellt.
Im März 2025 startete der städtebaulich-landschaftsplanerische Wettbewerb. Er wurde als anonymes, zweiphasiges Verfahren gemäß den Richtlinien für Planungswettbewerbe 2013 (RPW) mit integrierter Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt.
Ziel des Wettbewerbs war es, ein Gesamtkonzept für ein neues Wohnquartier zu entwickeln. Entstehen sollte ein gemeinwohlorientiertes und vielfältig genutztes Quartier mit einer lebendigen Mitte, guten Nachbarschaften, einer Grundschule, Kitas und Angeboten für die Nahversorgung. Bestehende Denkmale sollten eingebunden werden. Bei der Entwicklung sollten hochwertige Grün- und Freiräume sowie ein klimaangepasster Städtebau eine wichtige Rolle spielen.
In einer ersten Entwurfsphase erarbeiteten 36 Planungsteams bestehend aus Stadtplanungs- und Landschaftsplanungsbüros konzeptionelle städtebauliche Strukturskizzen. Von diesen ersten Konzepten wählte das Preisgericht, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Politik, Verwaltung, externen Expertinnen und Experten sowie Beraterinnen und Beratern neun Konzepte für die zweite Phase aus. Die ausgewählten Konzepte wurden der Öffentlichkeit am 17. Juni 2025 vorgestellt.
Nach der ersten Preisgerichtssitzung am 16. Juni 2025 vertieften die Teilnehmer ihre Arbeiten in der 2. Bearbeitungsphase. Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Heiner Farwick entschied sich am 10.12.25 einstimmig für den Beitrag des Planungsteams NUWELA büro für städtebau und landschaftsarchitektur aus München. Die Arbeiten der Büros studiomauer mit arbos landscape aus Hannover & Hamburg und performative architektur & UTA Architekten und Stadtplaner mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten aus Stuttgart/Berlin landeten gleichrangig auf dem 3. Platz. Eine Anerkennung wurde an Schellenberg + Bäumler Architekten mit studio grüngrau aus Dresden/Düsseldorf vergeben.
Das Konzept des Büros NUWELA für Städtebau und Landschaftsarchitektur zeichnet sich insbesondere durch seinen sensiblen und integrativen Umgang mit den historischen und landschaftlichen Strukturen des Geländes aus. Der südliche Denkmalbereich wird durch gezielte bauliche Ergänzungen sowie teilweise öffentliche Nutzungen aktiviert. Weitere Bestandsgebäude auf dem Gelände bleiben erhalten und werden sinnvoll in den neuen städtischen Raum integriert. So entsteht unter anderem ein neuer Quartiersplatz mit einem Nahversorgungsangebot, der von Neubauten und Bestandsgebäuden gefasst wird. An den Quartiersplatz schließt sich eine großzügige grüne Mitte an, die den wertvollen Baumbestand und die hochwertigen Freiräume bewahrt und einen wichtigen Beitrag zur klimatischen Robustheit leistet. Ein öffentlicher Boulevard ergänzt das räumliche Gefüge und verbindet den südlichen Denkmalbereich, die grüne Mitte, die neuen Nachbarschaften sowie das Sport- und Freizeitangebot im Norden. Die Erschließung des Geländes erfolgt über die Knittkuhler Straße. Die Wege und Straßen im Quartier orientieren sich überwiegend am heutigen Bestand und ermöglichen eine gute Orientierung. Der Autoverkehr soll gebündelt werden, sodass im Quartier selbst ruhige und sichere Bereiche entstehen.
Entscheidung des Bundesministeriums der Verteidigung
Während der Durchführung des Wettbewerbsverfahrens hat das Bundesministerium der Verteidigung im Oktober 2025 entschieden, ehemals militärisch genutzter Flächen bis auf Weiteres nicht mehr für zivile Nutzungen umzuwandeln. Vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Lage werden bundesweit Konversionsflächen erneut überprüft, da ein wachsender Bedarf an militärischer Infrastruktur besteht. Auch die Bergische Kaserne steht somit gegenwärtig nicht für eine vorrangige, wohnbauliche Entwicklung zur Verfügung.
Weiteres Vorgehen
Die planerische Weiterbearbeitung wird zunächst nicht im ursprünglich vorgesehenen Umfang fortgesetzt. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden dokumentiert und je nach Ausrichtung bei den späteren Überlegungen Beachtung finden. Die Landeshauptstadt Düsseldorf dankt den 36 Planungsteams, die sich mit großem Engagement, hoher fachlicher Qualität und viel Liebe zum Detail an diesem Verfahren beteiligt haben.
Eine konstruktive Beteiligung setzt klare Rahmenbedingungen und realistische Zielperspektiven voraus. Solange die zukünftige Nutzung der Bergischen Kaserne offen ist, kann ein Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern und dessen Ergebnisse keine unmittelbare planerische Wirkung entfalten.
Sobald feststeht, welche Nachnutzung durch die Bundesrepublik Deutschland angestrebt wird, wird die Stadt Düsseldorf die Öffentlichkeit informieren. Bis dahin einen großen Dank an die engagierten Bürgerinnen und Bürger, die Vertreterinnen und Vertreter des Preisgerichts für ihr Engagement und ihr Verständnis.
Das Vorgehen der Landeshauptstadt steht für Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein:
- Ein begonnenes Verfahren wird fair und vollständig zu Ende geführt.
- Die wertvollen Ergebnisse bleiben erhalten und können möglicherweise Impulse und Anregungen bei künftigen Entscheidungen sein.
- Die Öffentlichkeit wird einbezogen, sobald die Voraussetzungen dafür gegeben sind.
Planen heißt, mit Sorgfalt zu handeln – und zugleich offen zu bleiben für neue Entwicklungen. Auch wenn sich der Weg für die Bergische Kaserne nun möglicherweise anders gestaltet als erwartet, bleibt unser Anspruch auf gute Verfahren.
Unter www.bergische-kaserne.de stehen weitere Informationen bereit.