Aktuell

In einer zweitägigen Sitzung am 11. und 12. Dezember 2019 hat das hochkarätig besetzte Preisgericht unter Vorsitz des Stadtplaners Uli Hellweg die Sieger des Wettbewerbs Blaugrüner Ring ermittelt.

1. Preis: Raumwerk GmbH, Frankfurt  a.M.  mit Seehof, Frankfurt a.M.

2. Preis: Manfred Kerler Landschaftsarchitekten, München.

3. Preis: Prof. Fritschi und Prof. Stahl, Düsseldorf

Mit Anerkennungen wurden die folgenden fünf Teams ausgezeichnet:

  • Topotek 1 GmbH, Berlin
  • Erasmus Eller, Düsseldorf mit Jörg Michel, Berlin
  • 03 Architekten GmbH, München mit realgrün Landschaftsarchitekten GmbH, München
  • Holzwarth Landschaftsarchitektur, Berlin mit Yellow Z, Berlin und Argus Stadt und Verkehr, Hamburg
  • A24 Landschaft GmbH, Berlin mit Sandhaus Baukunst, Berlin

Die mit Preisen und Anerkennungen ausgezeichneten Arbeiten bilden die Grundlage für den weiteren Planungsprozess bis zur Umsetzung.

 

Anlass

Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat zahlreiche und vielfältige Kunst- und Kultureinrichtungen und eine große Kunst- und Kulturtradition. Diese sind im Stadtbild als Solitäre wahrnehmbar, fügen sich allerdings nicht deutlich erkennbar zu einem ganzheitlich erlebbaren Gesamtbild zusammen. Aufgabe des Projektes „Blaugrüner Ring“ ist es, für die vorhandenen vielfältigen kulturellen und freiraumbezogenen Nutzungen ein, durch sinnvolle bauliche und konzeptionelle Bausteine ergänztes, überspannendes Gesamtkonzept einer attraktiven und spürbaren Kultur- und Stadtlandschaft der Zukunft zu finden. Um diese Ziele zu erreichen und kreative Ideen einzuholen, hat die Landeshauptstadt Düsseldorf einen internationalen, städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb unter dem Titel "Blaugrüner Ring" ausgelobt.

Plangebiet

Düsseldorfs Innenstadt wird von einem einzigartigen Blaugrünen Ring umspannt. Das Blau ist dabei der Rhein bzw. die lebendige Rheinuferpromenade. Eine urbane Wasserfront, die das Leben in Düsseldorf nahtlos mit dem großen Fluss verbindet. Das Grün bildet eine kulturhistorische Park- und Gartenachse, die Ehrenhof, Hofgarten, Königsallee, Ständehauspark und Spee‘schen Graben miteinander verbindet. Zusammen bilden das Blau und das Grün eine circa vier Kilometer lange Flaniermeile, auf der mühelos Düsseldorfs schönste Plätze, Aussichten und Sehenswürdigkeiten zu erleben sind. Dies insbesondere weil viele der 20 Museen, zahlreiche Galerien und wichtige Kulturorte wie Tonhalle, Oper oder Schauspielhaus auf oder direkt an diesem Ring liegen. Insgesamt umfasst der Geltungsbereich ein Gebiet von etwa 158 ha.

Wettbewerb

Verfahren

Das Verfahren wurde als nicht-offener, anonymer zweiphasiger Wettbewerb nach § 3 RPW durchgeführt. Die Bekanntmachung des Wettbewerbes erfolgte europaweit (Amt für Veröffentlichungen der EU) sowie elektronisch auf unterschiedlichen Internetplattformen und auf der Homepage des betreuenden Büros.

Am Wettbewerb teilnahmeberechtigt waren Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Architekten und Künstler. Arbeitsgemeinschaften, zum Beispiel mit Künstlern waren zulässig und gewünscht. Eine Erweiterung des Planungsteams um Fachdisziplinen wie Lichtplaner, Verkehrsplaner oder denkmalpflegerischer Berater war entwurfsabhängig ebenfalls möglich.

Insgesamt war die Teilnehmerzahl des Wettbewerbs für Phase 1 auf 60 Teams beschränkt. 20 Arbeitsgemeinschaften wurden eingeladen am Wettbewerb teilzunehmen, die übrigen Teams konnten sich bewerben. Da die Bewerberzahl die zulässige Anzahl an Teams überschritt, entschied das Los über die Teilnahme.  

Die erste Arbeitsphase der Teams begann Ende 2018. Im März 2019 hatten 45 Arbeitsgemeinschaften ihre Entwürfe der Phase 1 eingereicht. Vor dem zweitägigen Preisgericht Anfang April wurden alle Arbeiten in einer öffentlichen Ausstellung Ende März im Hofgarten präsentiert (s. Öffentlichkeitsbeteiligung). Als Ergebnis der Jurysitzung wurden 16 Teams mit Überarbeitungsempfehlungen in die zweite Phase des Wettbewerbs entsendet. Nach einer intensiven zweiten Arbeitsphase wurden die überarbeiteten Entwürfe Ende November 2019 im Museum Kunstpalast vor der abschließenden Preisgerichtssitzung Anfang Dezember ausgestellt. Nachdem die drei Preisträger und die mit Anerkennungen ausgezeichneten Arbeitsgemeinschaften (s. Aktuell) geehrt worden sind, endete der Wettbewerb mit einer erneuten öffentlichen Ausstellung der Siegerentwürfe vom 17.12.2019 – 05.01.2020 sowie aller weiteren Entwürfe der zweiten Arbeitsphase im Museum Kunstpalast.

 

Öffentlichkeitsbeteiligung

Auf eine Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger wurde beim Blaugrünen Ring von Beginn an sehr großen Wert gelegt. Alle Nutzergruppen, vom Kunstliebhaber über Spaziergänger, Spielplatzbesucher und Radfahrer sollten für eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung gewonnen werden. Daher wurden die Zielgruppen durch  unterschiedlichste Formate direkt angesprochen und um ihre Meinung gebeten. Diese Erkenntnisse wurden gebündelt und den teilnehmenden Teams zusammen mit der Auslobung zur Verfügung gestellt. So stand das Expertenwissen der Akteure vor Ort von Anfang an für die Ideenfindung der Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung.

Das Spektrum der Beteiligungsformate war breit aufgestellt: Es wurden von Düsseldorf Tourismus Stadtrundgänge durch den Blaugrünen Ring angeboten, 1:1-Befragungen bei Events, wie Parklife oder dem Weltkindertag, durchgeführt. Ein sogenannter Touchtable (portable Beteiligungsplattform) ging im zweiwöchentlichen Wechsel in den Foyers der Kunst- und Kultureinrichtungen entlang des Rings auf Sommertournee und holte Kulturinteressierte somit direkt vor Ort ab. Für Schulklassen wurden in Kooperation mit dem museumspädagogischen Dienst des Stadtmuseums Workshops und Führungen angeboten. Eine Grundschulgruppe hat diese beiden Formate im Stadtmuseum in ihrer Freizeit wahrgenommen und kreative Ideen für die zukünftige Gestaltung des Blaugrünen Rings erarbeitet.

Internationales Expertenwissen wurde bei einem öffentlichen Symposium mit 200 Besuchern in der Aula der Kunstakademie eingeholt, das durch Kurzvorträge und eine Podiumsdiskussion kreativen Input und neue Denkanstöße brachte. Kern der Beteiligung war – und ist nach wie vor – die Website www.blaugruener-ring.de, über die mehr als 3.500 Ideen, Anregungen und Kommentaren eingegangen sind. Die außergewöhnlich hohe Resonanz ist auf eine umfassende Werbekampagne zurückzuführen. Neben klassischer Plakatwerbung im öffentlichen Raum sowie Pressearbeit, sorgten insbesondere zielgerichtete Social-Media-Maßnahmen dafür, dass über 180.000 Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürger informiert wurden und später circa 40.000 von ihnen die Beteiligungswebsite besuchten.

Die größte Aufmerksamkeit erhielt eine einwöchige Bürgerbeteiligung im März 2019 im Hofgarten, als dort die 45 eingegangenen Arbeiten der ersten Wettbewerbsphase rund um das Ratinger Tor auf Holzwänden präsentiert wurden und zur Kommentierung einluden. Über 900 ausgefüllte Rückmeldekarte, Briefe und Emails waren das Ergebnis der 180 Meter langen Outdoor-Beteiligung. Darüber hinaus besuchten 800 interessierte Einwohner und Touristen das für die Dauer der Ausstellung eingerichtete Projektbüro im Südflügel des Ratinger Tors, um sich über den Blaugrünen Ring zu informieren, sich die Ergebnisse der ersten Beteiligungsphase anzuschauen oder ihre Rückmeldung persönlich anzugeben. Darüber hinaus markierte eine etwa vier Kilometer lange Bande mit Piktos zum Blaugrünen Ring die Ausmaße des Geltungsbereiches.

Während der öffentlichen Ausstellung der 16 Entwürfe der Phase 2 im Kunstpalast Ende November 2019 waren erneut Mitglieder des Projektteams vor Ort und standen für Fragen zur Verfügung. Darüber hinaus gab es ein Angebot von kostenlosen Führungen. Ein weiteres Highlight: Die vier Kilometer lange Bande, die im März quer durch Düsseldorf lief und den Verlauf des Blaugrünen Rings visualisierte, erfuhr ein so genanntes Upcycling und wurde in Form von Shopping-Taschen und Seesäcken zum Verkauf angeboten.

Die gesammelten Meinungen aus beiden Ausstellungen wurden der Jury jeweils zu Beginn ihrer Preisgerichtssitzungen als informatives Stimmungsbild präsentiert. Zudem nahmen drei geloste Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit wahr, der öffentlichen Meinung in den Jurydiskussionen Gehör zu verleihen.

Mitte Dezember wurden die mit Preisen und Anerkennungen ausgezeichneten Teams geehrt. Im Anschluss waren alle Entwürfe der zweiten Wettbewerbsphase, inklusive des Protokolls der Preisgerichtssitzung, abschließend bis Anfang Januar 2020 im Museum Kunstpalast ausgestellt.