Ingrid Mizsenko: Spiel der Verwandlung

Aquarelle und Zeichnungen aus Fundus und Werkstätten vom 9. Juni bis 1. Oktober 2006 im Theatermuseum

Die Düsseldorfer Grafikerin Ingrid Mizsenko hat mehrere Monate in den Werkstätten und im Fundus des Düsseldorfer Schauspielhauses recherchiert und hat sich von der einzigartigen Atmosphäre hinter den Kulissen inspirieren lassen. Danach entstanden eine Folge von 26 großformatigen Blättern in unterschiedlichen grafischen Techniken, die eine neue Sicht auf das eher technische Umfeld einer Inszenierung und ihrer Materialien und Objekte ermöglichen. Spiel der Verwandlung zeigt die Dinge, die erst im Licht der Bühne ihre Kraft entfalten, in einem neuen Licht.

Theater besteht aus einer Vielzahl von komplexen Einzelleistungen. Bühnenbild, Requisite, Kostüm und die Arbeit der Schauspieler (mit ihrer Gestik, Mimik, Haltung etc. und dem Text, den sie sprechen) schafft die Gesamtheit der Aufführung. Ein Theaterabend ist eine Gemeinschaftsproduktion. Der Kostümbildner z.B. schafft ein Kunstprodukt, stellt dieses in den Gesamtzusammenhang der Aufführung und trägt so zur Bildung eines neuen Kunstwerkes bei. Dasselbe gilt für alle anderen kreativen Arbeiten am Theater. Diese zahlreichen Elemente, von denen viele für sich bereits eine künstlerische Wirkung entfalten, in die Gesamtheit der Aufführung einzufügen, ist Aufgabe des Regisseurs.

Doch was passiert, wenn man nach der Fertigstellung der Aufführung, nach dem Fall des Vorhangs, die Komponenten wieder isoliert? Nicht mehr das Produkt des Kostümbildners interessiert, sondern dessen Rollen im Gesamtkunstwerk der Aufführung. Wenn aber im Laufe der Zeit das Wissen über die einzelne Inszenierung schwindet, das Kostüm z.B. sich nicht mehr einer bestimmten Aufführung zuordnen läßt, dann gewinnt es einen ganz eigenen Zauber. Doch es ist dennoch mehr als ein isoliertes Kunstwerk. Die Aura der vergangenen Aufführung haftet ihm noch an.

Betritt man die Werkstätten und den Fundus des Düsseldorfer Schauspielhauses kann man diese Aura spüren. Diese Faszination einem Publikum zu vermitteln, das nur selten Zugang zu dieser schillernden Welt hat, ist Ziel der Arbeiten von Ingrid Mizsenko. Die Künstlerin schöpft aus dem Fundus. Ihr Medium ist der Zeichenstift, der Aquarellpinsel, die Tuschfeder. In die Zweidimensionalität des Papiers übertragen, erschließt sich dem Betrachter eine ganz eigene Welt. Die Faszination der Bühne strahlt daraus genauso hervor, wie die Faszination der Kunst überhaupt. Denn die Faszination der Kunst liegt in dem Spiel der Verwandlung. Der Zeichner verwandelt seine Eindrücke genauso, wie der Schauspieler. Durch verschiedenste Techniken kann die Kunst dem Betrachter vermitteln, was ihm sonst durch den Schleier der viel zu komplexen Realität verborgen bleiben muss.

Die Arbeiten von Ingrid Mizsenko bannen den Zauber des Theaters auf Papier. Der Blick für das Einzelne ermöglicht eine Ahnung, ein Gefühl für das Ganze.

(Text: Sarah Ungewitter)

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