Theateroktober. Russische Avantgarde 1917 - 1931

Eine Ausstellung aus dem Bestand der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln im Theatermuseum Düsseldorf, 2.4. - 28.5.2006

Theateroktober! lautete 1920 die programmatische Parole des neu ernannten Leiters der Theaterabteilung im sowjetischen Ministerium für Bildung und Kultur Wsewolod E. Meyerhold. Der Regisseur forderte damit nicht nur eine Revolution des Theaters, sondern vor allem ein Theater der Revolution, das die Grenzen zwischen (Theater-) Kunst, Leben und Politik aufhebt.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zwanzig maßstabsgetreue, zum Teil beleuchtete Bühnenbildmodelle. Es handelt sich dabei größtenteils um Originale, aber auch um moderne Rekonstruktionen, die das nachhaltige Interesse an diesen Objekten belegen. Ihr ästhetischer und technischer Reiz, den die Ausstellung in ihrer Präsentation aufgreift, ist bis heute ungebrochen: Bühne und Bildende Kunst trafen hier zu einem einmaligen Austausch zusammen. Neben den kubistischen und konstruktivistischen Raumfindungen von Avantgardekünstlern wie Ljubow Popowa, Alexander Wesnin oder den Gebrüdern Stenberg für die Inszenierungen der Regieantipoden Meyerhold, Alexander J. Tairow und Jewgeni B. Wachtangow sind auch weniger bekannte Szenenbauten aus dem Umfeld der Agitprop- und Proletkult-Bewegung, des sogenannten selbsttätigen Arbeiter-, Bauern- und Soldatentheaters, zu sehen.

Einen zweiten Schwerpunkt bilden die etwa fünfzig Exponate aus dem Bereich der Theaterfotografie. Hier vermitteln szenische Beispiele einen Eindruck von den neu gefundenen darstellerischen Ausdrucksmitteln wie Meyerholds Biomechanik oder Tairows Emotionsgeste. Es sind jedoch vor allem die Porträts der Protagonisten des Theateroktobers, die die Entwicklung eines neuen Berufs- und Rollenverständnisses aufscheinen lassen. Der Schauspieler der Zukunft (Meyerhold) wird zum Prototyp des neuen Menschenbildes im Kommunismus.

Daß der revolutionäre Geist der Anfangsjahre des Sowjettheaters auch die Emanzipation der nationalen Kulturen begünstigte, zeigen weitere Fotografien zum Moskauer Hebräischen Künstlertheater Habima und Modelle für das Georgische Nationaltheater Shota Rustaveli Tiflis.

Aus dem Zusammenspiel von räumlicher Vision im Modell und szenischer Dokumentation im Foto ergibt sich das Bild einer der aufregendsten Epochen der neueren Theatergeschichte.

Zur Ausstellung erscheint ein 80-seitiger Katalog mit 65 Farbabbildungen zum Preis von Euro 20,- (Verlag M.Faste Kassel, ISBN 3-931691-43-8)

Weitere Ausstellungsstationen waren Antwerpen, Berlin und Wien.