Düsseldorf: Im Rampenlicht

Eine Zeitreise mit Düsseldorfer Bühnenkünstlern seit dem 16. Jahrhundert - eine Ausstellung zu sehen ab dem 20. April 2013

Theaterplakat des Düsseldorfer Schauspielhauses, fotografiert und gestaltet von Charles Wilp (1970).

Aus Anlass des 725-jährigen Stadtjubiläums thematisiert das Theatermuseum die "Theaterstadt Düsseldorf", ihre jahrhundertealte Tradition und Bedeutung für die nationale Theaterentwicklung. Das Theatermuseum nimmt mit seiner Ausstellung eine besondere Perspektive ein: wie für den Theaterzuschauer stehen die Darsteller - Säger, Schauspieler und Tänzer - im Vordergrund und ihre sich im Laufe der Zeit verändernden Arbeitsbedingungen, künstlerischen Ansprüche und Mittel.

Im Rampenlicht

Wesentliche Voraussetzung für die künstlerische Arbeit auf der Bühne ist das Licht: "... irgendwann abends, wenn die Lichter brennen ... Da überkommt es einen, und dann kommt das, was unseren Beruf eben so herrlich macht." (Gustaf Gründgens, 1963) Zur Unterstützung der Raumillusion und um Darsteller und Kulissenmalerei möglichst plastisch wirken zu lassen, platzierte man die Lichter verdeckt an verschiedenen Stellen der Kulisse, so dass der Zuschauer nur die Reflexe, nicht aber die Lichtquelle wahrnahm. Am häufigsten nutzte man hierfür das sogenannte Rampenlicht: zahlreiche an der Vorderkante der Bühne angebrachte Beleuchtungskörper, die das Licht nach oben und hinten abstrahlten (im Englischen auch "footlight" genannt). Dies führte dazu, dass die Darsteller das Spiel an der Rampe bevorzugten, da sie hier gut erkennbar für die Zuschauer "im Rampenlicht" standen und dem Darsteller eine eigene Physiognomie und Erscheinung gaben.

Eröffnung der Ausstellung: am 20. April 2013, um 19:00 Uhr

Franz Hogenberg "Der Berg auf der Turnierbahn". In: Beschreibung derer Fürstlicher Güligscher ec. Hochzeit, 1587.

Theaterstadt Düsseldorf bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Düsseldorf blickt - ohne eine wirkliche Theatermetropole zu sein - auf eine lange Theatertradition zurück und weist in seiner Entwicklung bemerkenswerte Phasen auf, die nationale und internationale Bedeutung hatten. Die politische Bedeutung als Residenzstadt spiegelt sich auch in kulturellen und theatralische Erscheinungen wider. 1585 finden aus Anlass der Hochzeit von Johann Wilhelm I. und Jacobe von Baden zu Wasser und zu Lande unter Einsatz höfischer Künstler und aufwändiger Technik allegorische Spiele statt, die eine Frühform von Theater darstellen, und den Vergleich mit anderen Fürstenhäusern nicht scheuen brauchen. Auf der Bühne des ersten Theaterbaus in Düsseldorf - dem kurfürstlichen Opernhaus Jan Wellems - stehen seit 1696 internationale Gesangs- und Tanzkünstler, die nach dem Tod des Fürsten 1716 in der europäischen Theater- und Musikwelt gefragt sind, in Aufführungen, die internationale Komponisten und Choreografen geschaffen haben.

Neben namenlosen Wandertruppen mit ihren derben Bühnenspäßen machen seit 1747 auch Prinzipale mit anspruchsvollen Stücken der zeitgenössischen Autoren die Bürger der Stadt bekannt. Die Theaterreformen des 18. Jahrhunderts, die mit den Namen Lessings, Goethes und Schillers in Hamburg, Mannheim und Weimar verbunden sind, finden auch ihren Niederschlag in Düsseldorf - als 1805 der Schauspieler Johann Gottfried Wohlbrück für fünf Jahre die künstlerische Leitung des "Bergischen deutschen Theaters" übernimmt und sein Ensemble menschlich und künstlerisch weiterbildet.

Im Verlauf des frühen 19. Jahrhunderts setzt sich unter Joseph Derossi eine pragmatische Theaterauffassung durch und wird von 1817 bis 1841 vom Publikum getragen. Das kurzlebige Reformexperiment des Juristen und Schriftstellers Carl Leberecht Immermann versucht an die Theaterideen der Aufklärung anzuknüpfen und propagiert von 1834 bis 1837das literarische und Regietheater, bei dem Texttreue und die geistige Durchdringung des Stücktextes die zweifelhaften Einzelleistungen, die "Grillen" der Darsteller ersetzen sollen.

Hinter den Kulissen zu Wagners "Rheingold", Stadttheater Düsseldorf 1898. Spezialaufnahme für die "Theaterwelt" von W. Höffert Nachf. Düsseldorf, 1901.

Theaterstadt Düsseldorf im 20. Jahrhundert

Theater in Düsseldorf in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

1905 setzen Louise Dumont und Gustav Lindemann wieder auf Ensemblekunst und schließen ihrem "Schauspielhaus Düsseldorf" auch eine Schauspielschule an, in dem sie ihre Ideen und Vorstellungen weitergeben. Aus ihrer Schule gehen mit Peter Esser, Paul Henckels, Adolf Dell, Gustaf Gründgens, Paul Kemp, Maria Alex, Heinrich Orthmayer, Wolfgang Langhoff Schauspieler hervor, die das deutsche Theaterleben beeinflussen. In den 1920er Jahren geben die Städtischen Bühnen ein eigenes Schauspielensemble auf, um sich auf das moderne Musiktheater zu konzentrieren, das junge Sänger wie die hochdramatische Erna Schlüter für zehn Jahr in Düsseldorf binden kann. 1929 verpflichtet Walter Bruno Iltz die Laban-Schülerin Ruth Loeser an die Städtischen Bühnen. 1933 kann er für ein Jahr Harald Kreutzberg an Düsseldorf binden.

Mit dem Tod Louise Dumonts 1932 neigt sich auch die Ära des Schauspielhauses Düsseldorf ihrem Ende zu. Ein Teil der Schauspieler wechselt zu den Städtischen Bühnen. Die "Machtergreifung" 1933 führt zur Vertreibung einer Reihe von Darstellern, Regisseuren, Kapellmeistern: bis 1945 wird es kein Exiltheaterprojekt in Europa geben, an dem nicht Düsseldorfer Schauspieler beteiligt sind. Es gehört zu den Widersprüchen des NS-Systems, dass ein Darsteller wie Erwin Faber mit seiner jüdischen Frau in Düsseldorf leben und arbeiten kann.