Wie alles begann ... Ernest Martin und Düsseldorfs Freie Szene nach den 1960er Jahren

Austellung im Theatermuseum, vom 17. Oktober 2017 bis 15. April 2018

Ernest Martin bei der Probe von "The Electric Environment oder Warum Karl-Heinz lange Haare trägt", Düsseldorf 1969
Ernest Martin bei der Probe von "The Electric Environment oder Warum Karl-Heinz lange Haare trägt", Düsseldorf 1969. Foto: Siegfried Thieler

Das Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf zeigt aus Anlass des 85. Geburtstages von Ernest Martin eine Ausstellung, die sich schwerpunktmäßig mit seinen Düsseldorfer Jahren beschäftigt. Plakate, Fotos, Videos, Theaterrezensionen und Material aus dem Vorlaß ergeben ein vielschichtiges Bild der Künstlerpersönlichkeit und seiner Gruppe. Die Ausstellung konnte realisiert werden durch zahlreiche Leihgaben und die Schenkung Siegfried Thielers, der die Gruppe von 1968 bis 1985 fotografisch begleitet hat.

Der  Regisseur, Intendant, Schauspieler und Tänzer Ernest Martin wurde in Brooklyn geboren, studierte  von von 1950 bis 1953 am staatlichen City College of New York Psychologie und konnte bereits während seines Studiums erste Erfahrungen als Regisseur am Off-Broadway sammeln.  In Seattle folgte von 1954 bis 1955 an der dortigen Drama School ein theaterwissenschaftliches Studium, 1956 erhielt er die Gelegenheit zu einem einjährigen Praktikum am East 6th Street Theater unter dem Theaterregisseur und Produzenten Joseph Papp.Bereits in dieser Zeit erhielt Martin wesentliche Anregungen durch die Theatergruppe The Living Theater um Julian Beck, deren unkonventionelle Darstellungsformen ihn schon damals nachhaltig inspirierten.

Szenenfoto aus "Marat / Sade", Düsseldorf 1982
Szenenfoto aus "Marat / Sade", Aufführung in der Werkstatt Düsseldorf, Premiere am 30.10.1982. Foto: Siegfried Thieler

Im Rahmen einer Europareise kam Ernest Martin nach Wuppertal und Düsseldorf. Noch unter dem Dach der Volkshochschule gründete er 1961 in Wuppertal das "Theater-Studio", das er bis 1967 leitete. Parallel dazu gründete und leitete er die Theatergruppe "Bühne 64" in Düsseldorf, ein zunehmend experimenteller werdendes Amateurtheater.  Zu den wichtigen Produktionen aus dieser psychedelischen Zeit ab 1968 zählen "Time out of Mind", "Games People Play" und "The Electric Environment".  In den 1970er-Jahren folgten Eigenproduktionen, die auch international erfolgreich waren: "Ich sehe mich dich sehen" und "Oedipus Telex". Ab 1982 wandte sich Ernest Martin wieder mehr textbasierten Aufführungen zu:  mit den Stücken "Marat/Sade" von Peter Weiss und  "Publikumsbeschimpfung", dessen Aufführungsrechte Peter Handke speziell Ernest Martin einräumte. Bis 1987 entstanden so insgesamt 17 Produktionen.