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Sein oder Nichtsein - Hamlet auf dem deutschen Theater

Shakespeare feiert 450. Geburtstag/ Theatermuseum Düsseldorf initiiert nationales Ausstellungsprojekt/ Buch begleitet Ausstellung

William Shakespeares 450. Geburtstag ist der Anlass einer Publikation mit dem Titel "Sein oder Nichtsein - Hamlet auf dem deutschen Theater", die jetzt im Theatermuseum vorgestellt wurde.

Herr Bruckner als Claudius, Madame Henke als Gertrud, Johann Brockmann (sitzend) als Hamlet, Mademoiselle Döbbelin als Ophelia Berlin, 1777/78 Kupferstich von Daniel Chodowiecki, 1778
Herr Bruckner als Claudius, Madame Henke als Gertrud, Johann Brockmann (sitzend) als Hamlet, Mademoiselle Döbbelin als Ophelia Berlin, 1777/78, Kupferstich von Daniel Chodowiecki, 1778, © Deutsches Theatermuseum München.

Der Geburtstag William Shakespeares jährt sich am 23. April 2014 zum 450. Mal. Das bietet Gelegenheit zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem weltberühmten Autor und seinem Werk. Auf Initiative und unter Federführung des Theatermuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf gingen daher im vergangenen Jahr verschiedene deutsche Kultur- und Forschungseinrichtungen eine intensive Kooperation ein - mit dem Ziel, die erste Ausstellung zur deutschen Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte des Dramas um den Dänenprinzen zu erarbeiten. Mit von der Partie waren neben dem Düsseldorfer Kulturinstitut die Institute für Theaterwissenschaft und Anglistik der Ludwig-Maximilians-Universität München, das Shakespeare-Globe-Zentrum Deutschland, das Deutsche Theatermuseum und die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft.

Adele Sandrock als Hamlet, Raimundtheater Wien, 1899, und Fritz Kortner als Hamlet unter der Regie von Leopold Jessner, Staatliches Schauspielhaus Berlin, 1926
Adele Sandrock (Raimundtheater Wien, 1899) und Fritz Kortner (Staatliches Schauspielhaus Berlin, 1926) als Hamlet, © Deutsches Theatermuseum München.

Das erste Ergebnis dieses beispielhaften Kooperationsprojektes ist die gerade im Henschel-Verlag erschienene Publikation "Sein oder Nichtsein - Hamlet auf dem deutschen Theater", die elf Fachautoren aus den Bereichen Literatur- und Theaterwissenschaft, Theaterpädagogik und Theaterdokumentation erarbeitet haben. Das Buch begleitet die Ausstellung, die zunächst im Deutschen Theatermuseum in München zu sehen ist und vom 24. Oktober bis 22. Februar 2015 im Theatermuseum Düsseldorf gezeigt wird.

Gustaf Gründgens als Hamlet, 1949
Gustaf Gründgens als Hamlet, 1949, Foto: Lieselotte Strelow.

William Shakespeares "Hamlet" hat seit über 400 Jahren nichts von seiner Faszination und Aktualität für Theatermacher und Zuschauer eingebüßt. Es ist ohne Zweifel das meistgespielte Theaterstück der Weltliteratur. Der Mensch und seine Beziehungen stehen im Zentrum. Doch zugleich ist es ein Stück über das Theater. Als es nachweisbar 1602 zum ersten Mal in London aufgeführt wird, ist London schon eine Theatermetropole. Englische Schauspieler bringen das Stück auf den europäischen Kontinent. Mit ihrem Wirken in Deutschland nimmt auch das professionelle deutsche Theater seinen Anfang. Das Buch "Sein oder Nichtsein - Hamlet auf dem deutschen Theater" folgt Hamlets Spuren durch die deutsche Theaterentwicklung, beschreibt die künstlerischen Leistungen des Theaters und Wendepunkte der Theaterkunst.

Die Autoren und ihre Beiträge

In seinem einleitenden Beitrag verweist Düsseldorfs Museumsdirektor Dr. Winrich Meiszies auf die beispielhafte Funktion des Buch- und Ausstellungsprojektes: Entstanden ist auf diese Weise eine Hall of Fame des Theaters - bevölkert von Schauspielstars - in der sich das deutsche Theater und seine Protagonisten seit dem 17. Jahrhundert spiegeln. Über historische Epochen, in unterschiedlichen Besetzungen, Bühnenbildern, Rollentypologien und Textfassungen wirkt die Attraktivität dieses Stückes bis in unsere Gegenwart.

Aus literaturwissenschaftlicher Sicht führt Tobias Döring, Münchner Anglist und Präsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, ins Stück und sein Potential für das Theater und sein Verständnis ein.

Die Anfänge des deutschen Theaters und seine Grundlagen durch die Arbeit der englischen Wandertruppen im 17. und 18. Jahrhundert beschreibt der Anglist Ralf Haekel.

Den Ursprung des deutschen "Hamlet"-Fiebers, das im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts seinen Ausgangspunkt von Hamburg aus nimmt, beschreibt Theaterwissenschaftlerin Susanne Eigenmann.

Claudia Blank (Deutsches Theatermuseum, München) stellt zwei der wichtigsten "Hamlet"-Interpretationen vor, die im Abstand von 50 Jahren auf der deutschen Bühne zu sehen waren: Leopold Jessners Inszenierung von 1926 mit Fritz Kortner in der Titelrolle und Peter Zadeks Produktion von 1977 mit Ulrich Wildgruber.

Für die lebenslange Beschäftigung mit Stück und Rolle steht für Winrich Meiszies der Düsseldorfer Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter Gustaf Gründgens. Seit seinen Anfängen an der Schauspielschule in Düsseldorf 1920 bis zu seiner letzten Regiearbeit 1963 in Hamburg ist ihm "Hamlet" künstlerisches Anliegen und Spiegelung der eigenen Identität.

Anne Blankenberg (Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf) schreibt am Beispiel "Hamlets" eine "Bildgeschichte" des deutschen Theaters seit 1600. Die Wurzeln im elisabethanischen Theater werden ebenso anschaulich wie die großen Darsteller und ihre künstlerischen Leistungen. Zu ihnen zählen so berühmte Namen wie Johann Brockmann, Josef Kainz, Alexander Moissi, Horst Caspar, Will Quadflieg, Maximilian Schell, Klaus Kinski, Bruno Ganz, Ulrich Tukur, Ulrich Mühe oder Lars Eidinger. Der Vergleich von Regiekonzepten im Spiegel der Theaterfotografie macht die kulturelle Bedeutung des Theaters anschaulich.

In einem letzten Teil wird das Buch praktisch, stellt Konzepte für die kulturelle Bildungsarbeit mit "Hamlet" vor. Neben Vanessa Schormann, der Leiterin des Shakespeare-Globe-Zentrums Deutschland, stellen Theater- und Museumspädagoginnen sowie Kulturwissenschaftler Projekte und Konzepte aus ihrer Arbeit am Theater und im Museum vor.


Das Globe - Ein Abend mit Norbert Kentrup

Am Vorabend zu Shakespeares 450. Geburtstag - am Dienstag, 22. April, um 19.30 Uhr - wird der Schauspieler, Shakespeare-Experte und Gründer der Bremer Shakespeare-Company, Nobert Kentrup, zu Gast im Theatermuseum sein. In einer faszinierenden und kurzweiligen Lecture Performance wird er aus dem Theaterleben der Shakespeare-Zeit erzählen und das weltberühmte Globe-Theater, in dem viele der Shakespeare-Stücke ihre Uraufführung erlebten, wieder zum "Leben erwecken".

Norbert Kentrup, der in Düsseldorf geboren wurde, ist bisher der einzige deutsche Schauspieler, der im rekonstruierten Londoner Globe in einer Produktion gespielt hat. Das Neusser Globe hat er zusammen mit Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, dem späteren Kulturdezernenten der Landeshauptstadt Düsseldorf und Kulturstaatssekretär des Landes NRW, und dem Neusser Architekten Rudolf Küppers initiiert und 1991 eröffnet. Im Düsseldorfer ROM, der Ausweichspielstätte der Deutschen Oper am Rhein, inszenierte er das Shakespeare-Musical "Kiss me Kate".

Der Abend im Theatermuseum, Jägerhofstraße 1, wendet sich nicht nur an Fachleute, sondern an alle, die Neues über den großen Dramatiker und sein Theater erfahren wollen. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Karten können vorab an der Museumskasse unter Telefon 0211.89-96130 reserviert werden.


Sein oder Nichtsein. Hamlet auf dem deutschen Theater

Herausgegeben von Winrich Meiszies und Claudia Blank
Henschel-Verlag (Leipzig, 2014)
160 Seiten, 72 Abbildungen, davon 11 in Farbe
ISBN: 978-3-89487-758-3
18,95 Euro an der Museumskasse oder im Buchhandel

(15. April 2014)

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Dimitrij Schaad als Hamlet, Regie: Jan Klata. Schauspielhaus Bochum, 2013
Dimitrij Schaad als Hamlet, Regie: Jan Klata. Schauspielhaus Bochum, 2013, © Thomas Aurin

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24. April 2014 | 04:31 Uhr

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