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Stadtgrün
Sommerserie: Sechs Wochen, sechs Zukunftsbäume für Düsseldorf
Folge 4: Der letzte seiner Art
Warum der Ginkgo seit Millionen von Jahren überlebt – und als "Baum des Jahrtausends" auch Düsseldorfs Zukunft mitgestaltet
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Wie schafft es ein Baum, mehr als 270 Millionen Jahre Erdgeschichte zu überdauern? Während Dinosaurier kamen und verschwanden, Eiszeiten ganze Landschaften veränderten und Kontinente ihre Gestalt wechselten, blieb eine Baumart nahezu unverändert erhalten: der Ginkgo. Heute steht er nicht mehr nur in den Tempelgärten Ostasiens, sondern auch mitten in Düsseldorf – etwa im Hofgarten. Dort erzählt er eine Geschichte, die älter ist als fast jeder andere Baum auf unserem Planeten.
Gerade diese außergewöhnliche Widerstandskraft macht den Ginkgo zu einem Zukunftsbaum. Er gilt als hitze- und trockenheitsverträglich, kommt hervorragend mit den Belastungen des Stadtklimas zurecht und gehört deshalb auch zur Düsseldorfer Zukunftsbaumliste: https://www.duesseldorf.de/stadtgruen/baeume-in-der-stadt/zukunftsbaeume.
Mit jeder Folge der Sommerserie "Sechs Wochen, sechs Zukunftsbäume für Düsseldorf" erzählt das Gartenamt eine Geschichte über die Zukunft des Stadtgrüns. Mal geht es um heimische Arten, mal um Bäume aus fernen Ländern. Manche beeindrucken durch ihre Blüten, andere durch ihre enorme Widerstandskraft oder ihre Bedeutung für die Artenvielfalt. Der Ginkgo verbindet all das mit einer Geschichte, die Jahrmillionen zurückreicht.
"Der Ginkgo zeigt auf beeindruckende Weise, dass Anpassungsfähigkeit manchmal die beste Zukunftsstrategie ist. Gerade deshalb lohnt sich heute der Blick auf Baumarten, die sich unter schwierigen Bedingungen bewährt haben und unsere Städte auch künftig bereichern können", sagt Umweltdezernent Jochen Kral.
Zeitzeuge einer vergessenen Welt
Der Ginkgo (Ginkgo biloba) stammt ursprünglich aus China und wird dort seit Jahrhunderten als Tempelbaum verehrt. Seine Geschichte reicht jedoch noch viel weiter zurück: Als einziger heute noch lebender Vertreter einer uralten Pflanzengruppe verbindet er die heutige Pflanzenwelt mit einer mehr als 200 Millionen Jahre alten Erdgeschichte. Damit macht er seinem Spitznamen "lebendes Fossil" alle Ehre. Botanisch nimmt der Ginkgo bis heute eine Sonderstellung ein. Er gehört weder zu den Laub- noch zu den Nadelbäumen, sondern bildet eine eigene Pflanzengruppe, von der weltweit nur noch diese eine Art existiert. In der Pflanzenwelt ist er damit ein echtes Unikat. Seine unverwechselbaren, fächerförmigen Blätter mit ihrer charakteristischen Einkerbung kennt fast jeder. Im Herbst färben sie sich leuchtend gelb und verwandeln Parks und Straßen in ein Farbenmeer.
Millionen Jahre Erfahrung
Dass der Ginkgo bis heute überlebt hat, ist kein Zufall. Er gilt als ausgesprochen widerstandsfähig gegenüber Hitze, Trockenheit, Luftverschmutzung, Frost sowie vielen Krankheiten und Schädlingen. Tatsächlich wird der Ginkgo hierzulande praktisch nicht von Krankheiten oder Schädlingen befallen. Das macht ihn nicht nur pflegeleicht, sondern macht ihn heute zu einem der interessantesten Zukunftsbäume für unsere Städte.
Selbst unter schwierigen Standortbedingungen wächst er zuverlässig und erreicht dabei oft ein Alter von mehreren hundert, manchmal sogar über tausend Jahren. Seine tiefreichenden Wurzeln erschließen auch in trockenen Sommern Wasser aus tieferen Bodenschichten. Gleichzeitig kommt der Ginkgo mit aufgeheizten, versiegelten Standorten erstaunlich gut zurecht und bleibt auch dort vital, wo andere Baumarten unter Extrembedingungen unter Stress geraten. Ein weiterer Pluspunkt: Er filtert Feinstaub aus der Luft und verbessert damit die Aufenthaltsqualität im dicht bebauten Stadtraum. Seine enorme Lebenserwartung macht ihn zu einem dauerhaften Bestandteil funktionierender Stadtnatur.
"Der Ginkgo vereint eine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit mit hoher Gestaltungsqualität im Alter. Gerade in unseren Städten brauchen wir Baumarten, die auch unter den Bedingungen des Klimawandels dauerhaft vital bleiben und gleichzeitig das Stadtbild bereichern. Der Ginkgo zeigt eindrucksvoll, dass beides möglich ist", sagt Gartenamtsleiterin Doris Törkel.
Der Geschichtenerzähler
Kaum ein anderer Baum ist so eng mit Geschichte, Kultur und Symbolik verbunden. In China und Japan gilt der Ginkgo seit Jahrhunderten als Sinnbild für Hoffnung, Lebenskraft und Langlebigkeit. Viele uralte Exemplare wachsen bis heute an Tempeln und werden als heilige Bäume verehrt.
Auch in Europa hat der Ginkgo Menschen seit Jahrhunderten fasziniert. Johann Wolfgang von Goethe widmete ihm mit "Ginkgo biloba" eines seiner bekanntesten Naturgedichte. Das charakteristische zweigeteilte Blatt wurde dabei zum Sinnbild für Freundschaft, Zusammengehörigkeit und die Einheit scheinbarer Gegensätze – eine Symbolkraft, die bis heute nachwirkt.
Weltweit wurde der Ginkgo spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Zeichen für Frieden und Erneuerung. Besonders berühmt wurde ein Baum in Hiroshima, der die Atombombenexplosion überstand und wenige Jahre später wieder austrieb. Bis heute gilt er als Symbol für die Kraft des Lebens. Zum Jahrtausendwechsel erklärte das Kuratorium "Baum des Jahres" den Ginkgo zum "Baum des Jahrtausends" – als Mahnmal für Frieden, Umweltschutz sowie als Symbol für die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Ein Baum mit Vergangenheit – und mit Zukunft
Der Ginkgo hat Millionen Jahre Erdgeschichte überstanden. Heute hilft er dabei, unsere Städte auf die Zukunft vorzubereiten. Seine außergewöhnliche Widerstandskraft, hohe Lebenserwartung und Anpassungsfähigkeit an Hitze und Trockenheit machen ihn zu einer wertvollen Ergänzung des Düsseldorfer Stadtgrüns. Gleichzeitig erinnert kaum ein anderer Baum so eindrucksvoll daran, dass Natur manchmal die besten Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft bereithält.
Der Ginkgo blickt weiter zurück als jeder andere Zukunftsbaum dieser Serie – und zeigt gerade deshalb besonders eindrucksvoll, wie das Stadtgrün der Zukunft in Düsseldorf aussehen kann.
Baumdetektiv
Woran erkennt man den Ginkgo?
Botanisch betrachtet ist der Ginkgo ein Unikat: Er gehört weder zu den Laub- noch zu den Nadelbäumen, sondern bildet eine eigene Pflanzengruppe
• Seine fächerförmigen Blätter mit der typischen Einkerbung sind weltweit einzigartig
• Im Herbst färbt sich seine Krone leuchtend gelb und gehört zu den eindrucksvollsten Herbstbildern der Stadt
• Junge Bäume wachsen zunächst schmal und aufrecht, ältere Exemplare entwickeln eine breite, locker aufgebaute Krone
• Weibliche Ginkgo-Bäume tragen im Herbst gelbe Früchte, die durch Buttersäure einen unangenehmen Geruch verströmen – deshalb werden in Städten meist nur männliche Bäume gepflanzt
Ausblick
Nächste Woche in der Sommerserie "Sechs Wochen – sechs Zukunftsbäume für Düsseldorf"
Der Name hält, was er verspricht: Ihr Herbstkleid verschafft der Purpurerle Jahr für Jahr einen leuchtenden Auftritt. Sie ist aber nicht nur schön anzusehen, sondern wächst erstaunlich schnell, trotzt Hitze und Wind und zeigt, wie anpassungsfähig auch weniger bekannte Baumarten sein können. Warum sie als echte Pionierin des Stadtgrüns gilt und als Zukunftsbaum eine wichtige Rolle in Düsseldorf spielt, erzählt die nächste Folge.
Fotos mit Ansichten des Ginkgos stehen Ihnen unter folgendem Link zur Verfügung: https://duesseldorf.canto.de/b/L2GGC