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Denkmal des Monats: Mittelalterlicher Altstadtkern um St. Lambertus

| Stadtentwicklung Verwaltung

Denkmal des Monats Oktober ist der Mittelalterliche Altstadtkern rund um St. Lambertus: Hier ein Ausschnitt aus der Urkarte der Altstadt von 1829. Karte: Vermessungs- und Katasteramt

Denkmal des Monats Oktober ist der Mittelalterliche Altstadtkern rund um St. Lambertus: Im Vordergrund der Fischerjungenbrunnen nach Abschluss der Sanierungsarbeiten. Foto: Kulturamt

Bei Tiefbauarbeiten zur Sanierung des Fischerjungenbrunnens an der Nordostecke der Kirche St. Lambertus in der Altstadt wurden Relikte des historischen Friedhofs von Düsseldorf aufgedeckt. Die baubegleitende archäologische Dokumentation der im September abgeschlossenen Bauarbeiten durch die Firma "archäologie.de" gewährt einen seltenen Einblick in das Herz der mittelalterlichen bis frühneuzeitlichen Stadt. Daher ist der ehemalige Kirchhof von St. Lambertus das Bodendenkmal des Monats Oktober 2026.

Im Zuge der Aufgrabungen zeigte sich, dass das oberflächennahe Erdreich bereits durch frühere Bodeneingriffe durchwühlt war. Im Aushub wurden zunächst Tier- und Menschenknochen zusammen mit Ziegelbruch, Mörtelresten, Keramik und anderen Hinterlassenschaften menschlicher Kultur verschiedener Zeiten vermischt angetroffen. Erst auf der Sohle des Grabens für die Wasserleitung des Brunnens, in etwa einem Meter unter der heutigen Geländeoberfläche, kamen ein Schädel, Teile der Hals- und Brustwirbelsäule, Schlüsselbeine und Teile des Oberarmknochens eines Menschen in ungestörter Lage zutage. Wie bei christlichen Begräbnissen üblich, war die Person mit Blick nach Osten bestattet worden. Da tiefe Eingriffe in den Boden nicht erforderlich waren, konnten die Knochen an Ort und Stelle verbleiben.

Kirche und Stift St. Lambertus

Am Standort der heutigen Kirche St. Lambertus stand mindestens seit der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Kirche, die vermutlich im Jahr 1206 zur Pfarrkirche erhoben wurde. Fundamente dieses Vorgängerbaus wurden im 17. Jahrhundert bei der Anlage von Gräbern für Mitglieder des Stifts im Chor des heutigen Kirchenbaus angetroffen. Es ist anzunehmen, dass das umliegende Gelände bereits damals als Friedhof für die Gemeinde des kleinen Dorfes an der Düssel diente. Nach der Erhebung Düsseldorfs zur Stadt im Jahr 1288 wurde im Zentrum ein Kanonikerstift eingerichtet. Damit einhergehend wurde der Bau einer neuen Stiftskirche im gotischen Stil begonnen, welche die bestehende Pfarrkirche ersetzte. Die Bauarbeiten wurden vermutlich in mehreren Etappen ausgeführt. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts war die dreischiffige Hallenkirche, die heute das Zentrum der Altstadt prägt, fertiggestellt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1303, welche die Schenkung eines Hauses an das neu entstandene Stift behandelt, wird auch erstmals der dazugehörige Friedhof explizit erwähnt. Mit der Vollendung des Kirchenbaus nach 1392 erhielt das Stift auch einen Immunitätsbezirk, einen von der restlichen Stadt getrennten Rechtsbezirk, der etwa dem heutigen Stiftsplatz entspricht. Nach Süden, Osten und Westen war die Stiftsimmunität von Gebäuden umschlossen. Die Nordgrenze kennzeichnete eine Mauer, deren Fundamente 2012 bei Leitungsbauarbeiten in der Straße "Alte Stadt" aufgedeckt wurden. Sie waren etwa 0,8 Meter breit und bestanden aus verschiedenen Geröllen, Bruchsteinen und vereinzelten Ziegelfragmenten, die  regellos in Kalksandmörtel gesetzt waren.

Frühere Ausgrabungen auf dem Stiftsplatz

Der mittelalterliche bis frühneuzeitliche Friedhof erstreckte sich über weite Teile der Freiflächen um die Kirche (Abb. 3). Teile davon wurden südlich von St. Lambertus 2016 bei Leitungsbaumaßnahmen von Peter Schulenberg archäologisch untersucht. Dort wurden in teils nur etwa 0,6 m unter dem Pflaster Gräber in ungestörter Lage angetroffen. An einigen Schädeln wurden grüne Verfärbungen beobachtet, die von korrodierten Kupferdrähten stammen. Sie weisen darauf hin, dass die Bestatteten sogenannte "Totenkronen" trugen, Kopfschmuck aus Draht und Textilien, der im 16. bis 19. Jahrhundert unverheirateten Personen mit ins Grab gegeben wurde. Darüber hinaus wurden die Fundamente eines kleinen Gebäudes entdeckt (Abb. 4). Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die Reste eines Beinhauses, das in einem Schriftstück aus dem Jahr 1570 erwähnt wird: der Autor beklagt darin, dass Schweine im Beinhaus wühlen würden. Im 19. Jahrhundert, als die ersten bis heute überlieferten Karten des Geländes angefertigt wurden, war dieses Beinhaus bereits nicht mehr vorhanden.

Das Ende des Friedhofs in der Altstadt

Spätestens im 18. Jahrhundert wurde der Kirchhof um St. Lambertus zu klein für das mittlerweile zur repräsentativen Residenzstadt und Landesfestung der Herren von Jülich-Kleve-Berg ausgebaute Düsseldorf, dessen Bevölkerung sich seit dem späten Mittelalter vervielfacht hatte. Die Toten lagen immer näher unter der Oberfläche, gleichzeitig wuchs das Gelände in die Höhe. Eine Folge war, dass bei Hochwasser die umliegenden Häuser immer stärker betroffen waren. Klagen über Verwesungsgeruch wurden laut. Im Jahr 1766 wurde der Friedhof daher geschlossen. Die katholischen Bürger Düsseldorfs wurden nun vor dem Flinger Tor im Osten der Stadt beigesetzt. 1815 wurde der ehemalige Friedhof planiert und zu einem städtischen Platz umgestaltet. Im Jahr 1938, anlässlich des 650-jährigen Bestehens der Stadt, kam der Fischerjungenbrunnen hinzu – der nach Abschluss der Sanierungsarbeiten nun wieder Wasser führt.

Fotos zum Denkmal des Monats Oktober 2026 gibt es unter: https://duesseldorf.canto.de/b/MU7A7