Denkmalschutz: Rückblick 2017 und Ausblick auf das Jahr 2018
| Verwaltung Stadtentwicklung
Vor über einem Jahr ist der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, Dr. Jörg Heimeshoff, in den wohl verdienten Ruhestand gegangen. Eine qualifizierte Nachbesetzung für eine so hochkarätige Stelle zu bekommen, ist nicht einfach, da die Leitung der Unteren Denkmalschutzbehörde sowohl fachliche Kern- und Ausgangskompetenzen aus Architektur und Kunstgeschichte benötigt, wie auch fundierte Weiterbildung und Erfahrung im Bereich der praktizierenden Denkmalpflege. Für die Leitung der Unteren Denkmalschutzbehörde konnte nun die derzeitige Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde Dortmund gewonnen werden, die sich Düsseldorf seit langer Zeit verbunden fühlt und in der Landeshauptstadt am 1. Februar 2018 den Dienst antritt: Svenja Schrickel.
"Diese Besetzung wird eine Stärkung der Unteren Denkmalschutzbehörde bedeuten, und auch die Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Rheinland wird durch die derzeit guten Arbeitsbeziehungen von Svenja Schrickel zum Landschaftsverband Rheinland eine positive Weiterentwicklung erfahren", so Planungsdezernentin Cornelia Zuschke.
Auch im Jahr 2017 gab es bei der Unteren Denkmalbehörde keinen Stillstand. Manche Projekte im Bereich Denkmalschutz werden stadtweit und spektakulär diskutiert – andere spielen sich eher im routinierten Alltag ab. So wurde im vergangenen Jahr einige Erhaltungsgebiete für die Lösung der Problematik der Gaslaternen zwischen Unterer Denkmalschutzbehörde und Landschaftsverband erarbeitet. Auch am Großprojekt Schauspielhaus waren beide Behörden mit umfangreicher Kompetenz vertreten. Nicht immer herrscht Einigkeit über den Denkmalwert von Anlagen, wie zum Beispiel in der Saarwerdener Straße, wo die Stadt gerne Denkmalschutz sehen würde, der Landschaftsverband aber aus eingehender wissenschaftlicher Analyse eher stadtgestalterische Bezüge, denn denkmalpflegerische sieht.
706 denkmalrechtliche Erlaubnisverfahren abgeschlossen
Beeindruckend aus der Sicht der Fachdezernentin ist die Zahl der Verfahren, die im abgelaufenen Jahr abgeschlossen wurden: Im Jahr 2017 wurden insgesamt 706 denkmalrechtliche Erlaubnisverfahren abgeschlossen und mehr als 260 Beratungen durchgeführt. Zwölf Gebäude wurden unter Schutz gestellt und weitere Verfahren zu Unterschutzstellungen initiiert, die aber noch nicht abgeschlossen sind.
Die Untere Denkmalschutzbehörde ist zudem dafür zuständig, Denkmaleigentümern Steuerbescheinigungen auszustellen und somit den Vorteil zu ermöglichen, den man bei Aufwendungen an einem Denkmal steuerlicherseits abgreifen kann. Hierzu wurden 42 Steuerbescheinigungen ausgestellt.
Wie so oft ist es im Denkmalschutz auch spannend, unter die Erdoberfläche zu schauen. Im Bereich der Bodendenkmalpflege wurden im letzten Jahr 47 Verfahren abgeschlossen. "Wenn man sich hier die kleine, aber sehr engagierte Abteilung anschaut, ist dies nur mit einem überdurchschnittlichen Engagement zu schaffen", so Cornelia Zuschke.
Neben den Arbeiten für Investoren und Stadtbevölkerung arbeitet die Untere Denkmalschutzbehörde jedoch auch sehr intensiv nach innen. Dabei geht die Arbeit weit über das Schreiben von Stellungnahmen hinaus. Die Untere Denkmalschutzbehörde berät bei Ausschreibungen von Grundstücken und Projekten sowie internen Bauleitplanverfahren oder bei bauordnungsrechtlichen Verfahren. Sie arbeitet intensiv mit anderen Ämtern wie dem Gartenamt und dem Amt für Verkehrsmanagement zusammen, da durch große Maßnahmen im öffentlichen Raum immer wieder auch denkmalschutzrechtliche Belange berührt werden.
Die Arbeit der Unteren Denkmalschutzbehörde ist außerordentlich vielseitig und geht von wissenschaftlich-theoretisch bis hin zu ganz praktischen Begleitmaßnahmen bei Bauvorhaben oder Gründungsmaßnahmen.
Herausragende Maßnahmen in Düsseldorf
Eine herausragende Maßnahme war die Sanierung des Gebäudes der spätgotischen zweischiffigen Backsteinbasilika in der Ursulinengasse 6/Kreuzherrenkirche aus dem 15. Jahrhundert. Dort erstreckten sich die Maßnahmen von statischen Ertüchtigungen des Gebäudes bis hin zu den Ergänzungen und Restaurierungen der bauzeitlichen Ausmalungen der Kirche.
Aber auch Wohngebäude mit Sanierungsmaßnahmen bis hin zu Ersatzneubauten wie in der Feldstraße oder der Kapuzinergasse (letzteres vom BDA gekürt) wurden begleitet. An den Rheinterrassen wurden die durch den Sturm ELA zerstörten historischen Markisen wieder hergestellt, und auf dem Corneliusplatz konnte der wiederhergestellte Schalenbrunnen die Bedeutung und Schönheit des Platzes wieder unterstreichen.
Auch am Schloss Eller wurde gebaut und in der Talstraße 104 in Bilk im ehemaligen Kloster der Gemeinschaft der barmherzigen Brüder von Montabaur. Darüber hinaus wurden die Betonsilos an der Plange Mühle, die umgenutzt werden sollen, auf Eignung und Wert untersucht, genauso wie es bauhistorische Voruntersuchungen gab, die sich mit dem der Firma Henkel und deren Ursprungsgebäudebestand beschäftigen.
Denkmalschutz wird also nicht nur dort betrieben, wo es auf den ersten Blick "schön" oder "historisch" ist, sondern Denkmalschutz bedeutet umfassende Verantwortung für die räumliche und bauliche oder technische Herkunft. Nicht immer erschließt sich dieser Wert auf den ersten Blick und nicht immer ist, was einem schön erscheint, auch gleichzeitig denkmalgeschützt oder umgekehrt.
Das weite Aufgabenspektrum der Denkmalpflege
Denkmalschutz widmet sich ganz und gar der überkommenden Substanz und erwartet, ob bei Sanierung und Weiterentwicklung bis hin zu Abbrüchen eine fundamentierte Auseinandersetzung mit dem, was wertvoll für uns als Gesellschaft ist, ob es nun einen Erinnerungswert hat, eine technisch herausragende Leistung bedeutet, eine tragende Substanz oder eine städtebaulich-räumliche Anlage, die es zu erhalten gilt. In Anlehnung an dieses weite Aufgabenspektrum beschäftigen sich die Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger also mit der gesamten Bandbreite vom Auffinden von Denkmälern über deren Zertifizierung bis hin zur aktiven Beratung sowie mit der steuerlichen Begleitung der Vorhaben.
Manchmal ist auch der Abbruch eines Kulturdenkmals unabdingbar, dann jedoch muss es sorgfältig dokumentiert werden, damit dieser Wert als Dokument der Nachwelt erhalten bleibt.
Optimistisch sind Denkmalpflegerinnen und Denkmalpfleger gleichermaßen wie die Architekten, was das Schauspielhaus betrifft. Hier haben sich gute Teams gemeinsam in die Aufgabe hinein gedacht, um die Sanierung des Schauspielhauses Hand in Hand voran zu treiben und zu einem guten Abschluss zu bringen.
Eine weitere Großaufgabe wird im kommenden Jahr die Erfassung des Gaslaternenbestandes in Bezug auf deren technischen Denkmalwert und seine Beziehung zur jeweiligen Umgebung sein. Dazu kommen viele Projekte, bei denen historischer oder städtebaulich wertvoller Bestand einzubeziehen ist.
Dazu kommen viele Projekte, bei denen historischer oder städtebaulich wertvoller Bestand einzubeziehen sind. Es lohnt sich, trotz der großen Neubau-Dynamik, die Düsseldorf aufweist, auch ganz genau hinzuschauen, auf welcher Wertegrundlage die Stadt weiter entwickelt werden soll und woraus immer wieder gelernt werden kann. "Wenn wir uns der historischen Substanz wertschätzend nähern", so Dezernentin Cornelia Zuschkes Blick auf das breite Feld des Denkmalschutzes, "können wir auch gute Entscheidungen über zukunftsfähiges Bauen treffen".