Kranzniederlegung und Gedenkstunde zur Pogromnacht vor 80 Jahren

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Kranzniederlegung an der Kasernenstraße (v.l.): Dr. Joachim Stamp, stellv. Ministerpräsident NRW, Landtagspräsident André Kuper, OB Thomas Geisel, Dr. Oded Horowitz, Vorsitzender Jüdische Gemeinden, und Polizeipräsident Norbert Wesseler. Foto: Ingo Lammert

Kranzniederlegung an der Kasernenstraße (v.l.): Dr. Joachim Stamp, stellv. Ministerpräsident NRW, Landtagspräsident André Kuper, OB Thomas Geisel, Dr. Oded Horowitz, Vorsitzender Jüdische Gemeinden, und Polizeipräsident Norbert Wesseler. Foto: Ingo Lammert

Oberbürgermeister Thomas Geisel spricht Worte des Gedenkens im Landesparlament. Foto: Ingo Lammert

Oberbürgermeister Thomas Geisel spricht Worte des Gedenkens im Landesparlament. Foto: Ingo Lammert

Die Novemberpogrome von 1938 jähren sich in diesem Jahr zum 80. Mal. Eine gemeinsame Gedenkstunde des Landtages Nordrhein-Westfalen und der Landeshauptstadt Düsseldorf hat am Freitag, 9. November, im Landesparlament stattgefunden.

Landtagspräsident André Kuper, Oberbürgermeister Thomas Geisel, Ministerpräsident Armin Laschet und Hanna Sperling, Vorsitzende des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden von Westfalen-Lippe, sprachen Worte des Gedenkens.

Oberbürgermeister Thomas Geisel: "Die Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte hat in dieser Woche mit ihrem erschütternden Forschungsbericht zur Pogromnacht die Dimension der schrecklichen Ereignisse von 1938 schonungslos offen gelegt. Diese grausame Vergangenheit mit mindestens 127 Opfern auf dem NRW-Gebiet ist unsere heutige Verpflichtung, dem aktuell wachsenden Antisemitismus mit aller Kraft zu begegnen."

Neben den Gedenkreden wirkten Schülerinnen und Schüler des St. Ursula Gymnasiums Düsseldorf sowie die Filmemacherin Jessica Jacoby an der Gedenkstunde mit. Jacoby hat in jahrelanger Recherche die Geschichte ihrer Düsseldorfer Großeltern und ihres Vaters Klaus nachvollzogen; entstanden ist daraus der bewegende Dokumentarfilm "ROADS", der vom Überfall in der Pogromnacht 1938 ebenso wie von den vergeblichen Ausreisebemühungen des Ehepaars Arthur und Ella Jacoby bis hin zu ihrer Deportation im Jahr 1941 berichtet. Oberkantor der Hauptsynagoge in Budapest, Laszlo Fekete, sang im Landtag das Trauergebet "El male rachamim".

Kranzniederlegung und Gebet

Zuvor legten um 11 Uhr auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Oberbürgermeister Geisel, Landtagpräsident André Kuper und Dr. Joachim Stamp, stellvertretender Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen und Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Kränze am ehemaligen Standort der Düsseldorfer Synagoge (Kasernenstraße/Ecke Siegfried-Klein-Straße) nieder. Dort wurde ein Gebet gesprochen und eine Schweigeminute abgehalten. Kinder der Yitzhak-Rabin-Grundschule sangen Lieder und trugen Wünsche für eine friedliche Welt vor.

Hintergrund: Novemberpogrom 1938

In Düsseldorf wie auch in allen anderen Städten des Rheinlands und Westfalens waren zwischen dem 9. und dem 11. November 1938 extrem gewalttätige Pogrome angezettelt worden, denen zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Unzählige Geschäfte und Privatwohnungen wurden zertrümmert, Synagogen und Bethäuser in Brand gesetzt. Vor allem gab es Misshandlungen und Morde an der deutsch-jüdischen Bevölkerung.

Die Dimension der Pogrome wurde bisher völlig unterschätzt. So hat die Mahn- und Gedenkstätte in dieser Woche ihr aktuelles Forschungsprojekt vorgestellt, das eine hohe Zahl an Opfern belegt: Mindestens 127 Menschen fanden im Gebiet des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen während und kurz nach den Novemberpogromen den Tod.