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Heine-Preis 2026 für Nino Haratischwili

| Kultur

Nino Haratischwili ist Heine-Preisträgerin der Landeshauptstadt Düsseldorf 2026, Foto: G2 Baraniak

Nino Haratischwili erhält den Heine-Preis 2026 der Landeshauptstadt Düsseldorf - dies hat die Preisjury in ihrer Sitzung am 1. Oktober 2026 entschieden.

Die Auszeichnung wird seit 1972 verliehen und gehört zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland. Die Ehrung ist mit 50.000 Euro dotiert. Traditionell wird der Preis an einem Termin rund um Heinrich Heines 229. Geburtstag (13. Dezember) in einem Festakt überreicht. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Nach der Jury-Sitzung benachrichtigte Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller Nino Haratischwili telefonisch über die Auszeichnung. Dazu erklärt die Heine-Preistägerin 2026: "In der alarmierenden Gegenwart, in der wir leben und in der, an so vielen Stellen in der Politik und der Gesellschaft Regress zu verzeichnen ist, scheinen Heines Wertvorstellungen von Gleichheit der Menschen und der Freiheit als das Grundprinzip schlechthin, aktueller und zugleich bedrohter denn je. In der Zeit, in der Meinungsfreiheit und Demokratie angegriffen, stattdessen Populismus und Agitation wieder salonfähig werden, wird der Kampf eines jeden einzelnen von uns gegen die nationalistischen, imperialistischen und somit menschenverachtenden Ansätze nahezu zu einer Pflicht. Diese Ehrung ist ein weiterer Ansporn, dieser Pflicht nachzugehen. Ich fühle eine große Freude und zugleich Verantwortung angesichts der Juryentscheidung und bedanke mich für die Auszeichnung."

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller: "Mit Nino Haratischwili zeichnet die Landeshauptstadt Düsseldorf eine beeindruckende literarische Persönlichkeit aus, die gesellschaftliche und politische Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. In ihren Werken erzählt sie von Menschen, deren Leben von politischen Umbrüchen und Unterdrückung geprägt ist. Ich freue mich sehr über die Auszeichnung von Nino Haratischwili. Ihr Werk zeigt, welche Bedeutung Literatur für den offenen Diskurs und ein demokratisches Miteinander hat. Ihre Bücher sind ein Appell für Freiheit und unsere demokratischen Grundwerte. Für diese Werte einzustehen und sie zu verteidigen, ist eine gemeinsame Verantwortung."

Die Jury begründet ihr Votum wie folgt: "Den Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf 2026 erhält die Autorin, Dramatikerin und Theaterregisseurin Nino Haratischwili. In ihrem vielschichtigen und substanziellen Schaffen verbindet sie persönliche Lebensgeschichten mit großen gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen Europas. Ganz im Sinne Heinrich Heines tritt sie leidenschaftlich für den europäischen Gedanken, Freiheit und Grundrechte der Menschen ein, über nationale und kulturelle Grenzen hinweg. Dabei macht die aus Georgien stammende Autorin die Erfahrungen von Diktatur, Repression und Zensur im postsowjetischen Raum für ein internationales Publikum sichtbar. Nino Haratischwili erinnert daran, dass Menschenrechte und demokratische Freiheit keine Selbstverständlichkeiten sind, sondern immer wieder verteidigt werden müssen."

Der Heine-Preis wird durch die vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf eingesetzte Jury "an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten".

Preisträgerin Nino Haratischwili - Kurzvita
Nino Haratischwili, 1983 in Tiflis geboren, ist eine der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Die vielfach ausgezeichnete Autorin, Theaterregisseurin und Dramatikerin erhielt unter anderem den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, den Anna Seghers-Preis und den Bertolt-Brecht-Preis. Ihr internationaler Durchbruch gelang mit dem Epos "Das achte Leben (Für Brilka)". Zu ihren weiteren bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienenen Werken zählen "Mein sanfter Zwilling", "Die Katze und der General" sowie "Das mangelnde Licht" – Romane, die sich durch eine kraftvolle Sprache und intensive Auseinandersetzung mit Geschichte und Identität auszeichnen. Zuletzt erschienen "Löwenherzen" (Frankfurter Verlagsanstalt, 2024) und "Europa, wach auf! Texte und Reden" (Frankfurter Verlagsanstalt, 2025). Zudem erhielt Haratischwili den Winfriedpreis der Stadt Fulda, der ihr erst im September 2026 verliehen wurde.

Heine-Preis - bisherige Preisträgerinnen und Preisträger sowie Jury
Der Preis, den Düsseldorf als Vaterstadt zu Ehren des 1797 geborenen Heinrich Heine gestiftet hat, ist bereits 24 Mal verliehen worden. Bisherige Heine-Preisträgerinnen und Preisträger sind: Carl Zuckmayer (1972), Pierre Bertaux (1975), Sebastian Haffner (1978), Walter Jens (1981), Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker (1983), Günter Kunert (1985), Marion Gräfin Dönhoff (1988), Max Frisch (1989), Richard von Weizsäcker (1991), Wolf Biermann (1993), Wladyslaw Bartoszewski (1996), Hans Magnus Enzensberger (1998), W.G. Sebald (2000), Elfriede Jelinek (2002), Robert Gernhardt (2004), Amos Oz (2008), Simone Veil (2010), Jürgen Habermas (2012), Alexander Kluge (2014), A. L. Kennedy (2016), Leoluca Orlando (2018), Rachel Salamander (2020), Juri Andruchowytsch (2022) und David Grossman (2024).

Der Heine-Preis-Jury 2026 gehörten an 
Als Vertretende der Landeshauptstadt Düsseldorf:
Dr. Stephan Keller (Oberbürgermeister, Vorsitzender der Jury),
Miriam Koch (Beigeordnete für Kultur, Integration und Gesundheit),
Dr. Sabine Brenner-Wilczek (Direktorin Heine-Institut und Schumann-Haus).

Als Vertretende der Fraktionen:
Dr. Susanne Schwabach-Albrecht (CDU)
Jörk Cardeneo (Bündnis 90 / Die Grünen)
Kai Brattke (SPD/Volt)
Elmar Salinger (AfD)
Nicole Müller (Die Linke)
Ulf Montanus (FDP)

Als Fachjurorinnen und -juroren:
Dr. Sabine Bierwirth,
Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken,
Jo Lendle,
Dr. Gesa Steinbrink,
Werner Heegewaldt,
Andreas Karlaganis.

Als entsandte Mitglieder: 
Frau Prof. Dr. Anja Steinbeck (Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)
Felix Droste (Vorsitzender der Heinrich-Heine-Gesellschaft)

Hinweis: Die Jurymitglieder Dr. Sabine Bierwirth, Werner Heegewaldt und Prof. Dr. Anja Steinbeck waren terminlich verhindert und konnten an der Sitzung nicht teilnehmen.   

Fotos von Nino Haratischwili zur redaktionellen Verwendung unter https://duesseldorf.canto.de/b/PEF0A.