Kastanienminiermotte
| Amt 68 News
Miniermotte sorgt fürbraunes Kastanienlaub
Braun gefärbte Blätter der weißblühenden Roßkastanie prägen seit vielen Jahren im Hoch- und Spätsommer das Straßenbild. Verantwortlich für dieses unerfreuliche Phänomen ist die Kastanienminiermotte, lateinisch Cameraria ohridella.
Die Miniermotte liebt es warm und trocken. Besonders stark tritt diese Mottenart in den temperaturbegünstigten Großstädten auf. Durch den eher kühlen und verregneten Sommer sind die Schäden in diesem Jahr etwas geringer ausgefallen. Auch hat es ein deutliche zeitliche Verzögerung gegeben. Im Vergleich zum letzten Jahr ist der Befall gut vier Wochen später aufgetreten, die Belastung für die Bäume ist dadurch geringer.
Zu finden sind braun gefärbte Kastanien in der Landeshauptstadt beispielsweise an der Benrather Schlossallee, an der Kopernikusstraße, an der Hansaallee und an der Cecilienallee. Allein 5.300 weißblühende Kastanien gibt es nach Angabe des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes in Düsseldorfs Straßen und Parks. Nicht gezählt sind jene, die in den Stadtwäldern, auf Friedhöfen und auf Privatgrundstücken stehen.
Für die Miniermottenlarven sind die Blätter der Kastanien ein gefundenes Fressen. Die Mottenweibchen legen je 20 bis 40 Eier darauf ab. Wenn daraus die Larven schlüpfen, bohren sie die Blätter der Bäume an. Sie fressen aber keine Löcher hinein, sondern "minieren" geschützt im Inneren des Blattes. In der Konsequenz verfärbt sich das Blattwerk schon früher als üblich braun. Die Kastanien bieten ein tristes Bild. Dennoch bleiben Bäume, die nicht ohnehin schon krank sind, am Leben. Allerdings gehen ihnen durch das verfrühte Welken Reserven verloren, die sie mit länger grünem Laub noch für den Winter hätten einlagern können.
Mittlerweile sind fast alle Parkanlagen in vielen Ländern Europas betroffen. Die Forschung arbeitet deshalb mit Hochdruck im Rahmen eines Projektes der Europäischen Union an einer Lösung des Problems. Doch das ist schwierig: So haben sich natürliche Parasiten wie etwa Schlupfwespen noch nicht auf den neuen Zuwanderer eingestellt. Die Forscher sehen in natürlichen Feinden der Motte wie Parasiten die größte Hoffnung. Denn Sexuallockstoffe (Pheromone), mit denen die Männchen vor der Begattung abgehalten werden sollen, erfassen einen zu kleinen Anteil der Millionen‑Population, um wirksam zu werden. Pheromonfallen wurden nach Angaben des Gartenamtes auch in Düsseldorf im Nordpark ohne Erfolg getestet.
Chemische Kontakt‑Bekämpfungsmittel, wie zum Beispiel der Häutungshemmer Dimilin, sind tödlich für viele andere Insekten, erwischen aber die geschützt im Blattinneren fressende Mottenraupe so gut wie nicht. Andere Mittel, die der Baum selbst über den Boden aufsaugt und in die Blätter transportiert, sind noch in der Erprobung. Der Einsatz von Pestiziden ist aber wegen der komplizierten Folgewirkungen immer problematisch.
Bei allein stehenden Einzelbäumen, etwa in Privatgärten, empfiehlt es sich, das unter dem Baum abgefallene Herbstlaub zu entsorgen, um die in den Blättern überwinternden Puppen zu vernichten, empfiehlt das Gartenamt. Bisherige Untersuchungen hätten gezeigt, dass dadurch der Befall von Einzelbäumen im Frühjahr zumindest etwas gebremst und verzögert werden kann.
Wer alles ganz genau wissen möchte, kann sich im Internet unter www.cameraria.de informieren. Dort hat die Forschung der Kastanienminiermotte bereits eine eigene Homepage gewidmet.