Umweltfolgen von Mikropartikeln

Umweltfolgen von Mikropartikeln

 

Umweltfolgen von Mikropartikeln

Ein Sachstandsbericht für den Umweltausschuss

Der Umweltausschuss hatte in seiner Sitzung am 23.01.2014 auf Antrag der SPD – Ratsfraktion (Vorlage 19/1/2014) die Verwaltung einstimmig beauftragt, über die Umweltfolgen von Mikropartikeln zu berichten. Nach Beteiligung des Amtes für Verbraucherschutz, des Stadtentwässerungsbetriebes und der Stadtwerke Düsseldorf besteht zurzeit folgender Stand:

Mikropartikel sind kleinste Kunststoffteilchen mit einer Größe von unter 5 Millimetern bzw. unter 1 Millimeter bei Kosmetikprodukten, wobei diese Größeneinteilung derzeit noch nicht rechtlich normiert ist. Sie werden auch als Mikroplastik oder Microbeads bezeichnet; sie dürfen nicht mit Nanopartikeln verwechselt werden, die nochmals kleiner sind.

Sie gelangen über Kunststoffabfälle, die in freier Natur entsorgt, mit Wind und Wasser verfrachtet und allmählich mechanisch zu kleinsten Teilchen zerkleinert werden und mit Abwässern in die Umwelt und Gewässer:

  • als Kunststofffasern, die sich beim Waschen aus synthetischen oder Misch-Geweben lösen, sowie
  • als Bestandteil von Kosmetikprodukten wie Zahncremes, Peelings, Duschgels etc.

Während die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll bereits seit längerem untersucht wird, steht die Untersuchung der Umweltauswirkungen von Mikroplastik in Flüssen und Seen erst am Anfang. Derzeit können noch keine gesicherten Aussagen über Wege und Umfang der Belastung von Gewässern, Lebensmitteln oder Trinkwasser mit Kunststoff – Mikropartikeln getroffen werden. Es gibt jedoch erste Hinweise auf nachteilige Auswirkungen auf aquatische Lebewesen. Mögliche Auswirkungen auf den Menschen sind bisher nicht bekannt.

Im Mai haben sich die Umweltminister der Länder mit dem Thema beschäftigt und beschlossen, die Bundesregierung zu bitten,

  • sich verstärkt des Themas Mikroplastik anzunehmen, um die Relevanz im Hinblick auf das Vorkommen in Umwelt und Lebensmitteln, sowie daraus resultierende Gefährdungen für den Menschen zu überprüfen und
  • auf die Hersteller einzuwirken, damit diese auf die Verwendung von mikrofeinen Kunststoffkügelchen in Hygieneprodukten, sogenannte "Abrasiva" oder "microbeads", ehestmöglich verzichten und ein Moratorium zu prüfen.

Aktuell werden in Bayern verschiedene Forschungsvorhaben durchgeführt und das Vorkommen und mögliche Auswirkungen von Mikroplastik in bayerischen Gewässern untersucht. Das Land Nordrhein – Westfalen prüft derzeit den Untersuchungs- und Forschungsbedarf zu diesem Thema.

Unstrittig in der Diskussion ist, dass Abwassereinleitungen einen relevanten Eintragspfad von Mikroplastik in die Gewässer darstellen können. Nach Mitteilung des Stadtentwässerungsbetriebes erfolgt die Eliminierung von Mikropartikeln in den Klärwerken unter anderem durch die Abtrennung in der Vorklärung, wo feine Partikel sedimentieren und entfernt werden. Ein weiterer Eliminationsschritt ist in den Belebungsanlagen zu erwarten, wo Mikropartikel ebenso wie bekanntermaßen Pulveraktivkohle in die Belebtschlammflocken eingeschlossen werden. In den Belebungsanlagen des Klärwerkes erfolgt mittels Mikroorganismen, die die organischen Schmutzstoffe im Abwasser abbauen, die biologische Reinigung. Dabei entsteht ein Belebtschlamm. Aus Erfahrung mit der Dosierung von Pulveraktivkohle zur Spurenstoffelimination werden die Partikel mit dem Schlamm in die Faulung und Entwässerung transportiert und in Düsseldorf schließlich mit dem Schlamm verbrannt. Im Faulbehälter wird der Schlamm unter Luftausschluss von Bakterien unter Bildung von Biogas und Faulschlamm zersetzt.

Eine stichprobenartige Untersuchung der Abläufe der beiden Düsseldorfer Kläranlagen zeigte, dass Mikropartikel nur als Einzelbefunde im Ablauf der Kläranlage Nord zu finden waren; dort wurden nach Filtration einer Probe von 0,5 Liter behandelten Abwassers aus dem Kläranlagenablauf über einen Membranfilter (0,45μm) wenige Fasern und ein Kunststoffpartikel gefunden. In der Kläranlage Süd werden Mikropartikel zusätzlich zu den oben beschriebenen Prozessen durch die Filtration zurückgehalten.

Die Stadtwerke orientieren sich bei ihrer Beurteilung der Relevanz von Mikroplastik an dem bisher vorliegenden Kenntnistand. Mikropartikel würden jedoch auch durch die zur Wassergewinnung genutzte Uferfiltration und die Aufbereitung nach dem Düsseldorfer Verfahren einschließlich der Aktivkohlefiltration wirksam entfernt. Daher stellen Mikropartikel für die Wasserversorgung zurzeit kein vordringliches Problem dar.

Aussagen zur Verbreitung von Mikropartikeln in Pflanzen, Tieren und der Nahrungskette können bisher nur aufgrund vereinzelt vorliegender Untersuchungsergebnisse z. B. in Muscheln, Fischen oder auch Honig gemacht werden. Konkrete eigene Untersuchungsergebnisse zu Mikropartikeln in Lebensmitteln liegen aus der Lebensmittelüberwachung des Amtes für Verbraucherschutz bisher nicht vor.

Parallel zur Verbesserung des Kenntnisstandes und der Prüfung der Notwendigkeit gesetzlicher Regelungen scheint aufgrund des öffentlichen und politischen Drucks zum Teil auch ein freiwilliger Verzicht auf Mikropartikel möglich. Verschiedene Kosmetikhersteller haben angekündigt, ab 2015 auf die Verwendung von Kunststoff - Mikropartikeln in ihren Produkten zu verzichten und Alternativprodukte, wie zum Beispiel feinst zermahlene Muschelschalen, oder Alternativkonzepte anzubieten.

Für Verbraucher ist es jedoch nicht einfach, auf Anhieb zu erkennen, ob ein Kosmetikprodukt Mikropartikel enthält. Die Kosmetikverordnung fordert die Angabe einer Liste der Bestandteile auf der Verpackung/dem Behältnis des kosmetischen Mittels, in der alle verwendeten Inhaltsstoffe anzugeben sind. Nanopartikel sind z.B. als solche in dieser Liste zu kennzeichnen. Bei Mikropartikeln hingegen gibt es derzeit keine Verpflichtung zur entsprechenden Angabe. Lediglich über Inhaltsstoffe wie z. B. "Polyethylen" oder „Polypropylen“ erhält der Verbraucher die Information, dass Kunststoff in dem Kosmetikprodukt enthalten ist, nicht aber in welcher Form.

Im Internet besteht die Möglichkeit eine Liste von Kosmetika mit Mikropartikeln einzusehen oder eine App "Beat the Microbead" auf das Handy zu laden. Das Thema wird von den beteiligten Ämtern und Dienststellen weiter verfolgt und bei der Aufgabenwahrnehmung berücksichtigt.

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