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Kultur Veranstaltungen

35mm-Raritäten aus dem Filmarchiv

Filmreihe im Filmmuseum vom 3. bis 30. Dezember


Erstellt:
Redaktion: Robl, Julia

Das Filmmuseum, Schulstraße 4, hat für seine Filmreihe vom 3. bis 30. Dezember eine Auswahl an Filmen getroffen, die bisher aus verschiedenen Gründen nicht für den Heimkinomarkt veröffentlicht wurden. Dabei ist eine bemerkenswerte Zusammenstellung entstanden, die von namhaften Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder und Konrad Wolf bis hin zu Luchino Visconti und Wolfgang Staudte reicht. Ausgehend von deutschen Produktionen der 1950-er, 60-er und 70-er Jahre wird eine Brücke geschlagen zu europäischen Filmen, die in der jeweiligen Synchron- oder Originalfassung nicht anders konsumierbar sind als im Original-Schauplatz Kino.

Als besonderes Highlight wird am Sonntag, 10. Dezember, 11 Uhr, eine Führung durch das Filmarchiv, Benzenbergstraße 43, angeboten. Anschließend folgt um 13.30 Uhr ein Kurzfilmprogramm in der Black Box, Schulstraße 4. Der Eintritt ist frei.

Im Filmarchiv des Filmmuseums werden alte Filmrollen in verschiedenen Filmformaten gesammelt und aufbewahrt. Die Sammlung wächst stetig. Aufgrund der Digitalisierung der Kinosäle haben Filmrollen besonders in den letzten Jahren nochmals an historischen Wert gewonnen. Zurzeit besteht die Filmsammlung aus etwa 10.000 verschiedenen Filmtiteln: von Trailern bis hin zu alter Kinowerbung, von Super-8-Rollen über 16mm- und 35mm-Spielfilmkopien bis zu Dokumentar- und Experimentalfilmen. Die Filmrollen werden in mehreren gekühlten Filmlagern unter adäquaten klimatischen Bedingungen aufbewahrt. Im Rahmenprogramm zur Filmreihe wird nicht nur ein Blick hinter die Kulissen in Form eines Rundgangs in das Archiv gewährt, sondern auch für die filmarchivalische Arbeit sensibilisiert.

Das Filmprogramm
Sonntag, 3. Dezember, 15 Uhr
Eröffnung der Filmreihe

Sonntag, 3. Dezember, 15 Uhr und Freitag, 8. Dezember, 21.15 Uhr
"Heimlichkeiten"/"Erinnerungen am Morgen"
D/BGR 1968, 87 Minuten, DF, 35mm, FSK 16, Regie: Wolfgang Staudte, Drehbuch: Angel Wagenstein und Wolfgang Staudte, Kamera: Wolf Wirth, Darsteller: Apostol Karamirev, Karl Michael Vogler, Reinhild Solf u. a.
Eine Leiche am Strand des Schwarzen Meeres in Bulgarien bringt unangenehme Geheimnisse der Badeurlauber zu Tage.

Sonntag, 3. Dezember, 17.30 Uhr
"Žert"/"Der Scherz"
CZ 1969, 80 Minuten, OmU, 35mm, ab 18, Regie: Jaromil Jireš, Drehbuch: Jaromil Jireš und Milan Kundera nach einem Roman von Milan Kundera, Kamera: Jan Čuřík, Darsteller: Josef Somr, Jana Dítetová, Ludek Munzar u. a.
Bitterböse tragikomische Groteske von dem hierzulande sträflich vernachlässigten Jaromil Jireš, einem der aufregendsten Filmemacher der tschechoslowakischen "Neuen Welle".

Mittwoch, 6. Dezember, 20 Uhr
"Die Welt ohne Maske"
D 1934, 111 Minuten, DF, 35mm, ab 18, Regie/Drehbuch: Harry Piel, Kamera: Ewald Daub, Darsteller: Harry Piel, Kurt Vespermann, Annie Markart u. a.
Visionäre, kluge Kapriolen schlagende Science Fiction-Erzählung, die viele Jahre vor der eigentlichen Erfindung des Fernsehens das Medium hinterfragt.

Freitag, 8. Dezember, 19 Uhr
"Original Falsifikata"/"Original einer Fälschung"
SFRJ 1991, 117 Minuten, OmU, 35mm, ab 18, Regie: Dragan Kresoja, Drehbuch: Rade Radovanovic, Kamera: Predrag Popovic, Darsteller: Lazar Ritovski, Dragan Nicolic, Snezana Bogdanovic u. a.
Zwischen Orson Welles, Dušan Makavejev und kafkaesken Einschlägen sich bewegende Klassiker des späten jugoslawischen Kinos.

Samstag, 9. Dezember, 21 Uhr
"Eline Vere"
NL 1991, 132 Minuten, OmU, 35mm, ab 18, Regie: Harry Kümel, Drehbuch: Jan Blokker nach einem Roman von Louis Couperus, Kamera: Eduard van der Enden, Darsteller: Marianne Basler, Monique van de Ven, Johann Leysen u. a.
Ein typischer Harry-Kümel-Film, was bedeuten soll: Ein Film nicht von dieser Welt. Ein Film für den es längst nicht zu spät ist und wahrscheinlich schlimmstenfalls immer noch zu früh.

Sonntag, 10. Dezember, 13.30 Uhr
Kurzfilmprogramm
Nach einer Führung durch die Räumlichkeiten des Filmarchivs, Benzenbergstraße 43, 11 Uhr, findet ab 13.30 Uhr eine Vorführung ausgewählter Kurzfilmschätze in der Black Box, Schulstraße 4, statt. Der Eintritt zur Führung und zum Kurzfilmprogramm ist kostenlos.

Sonntag, 10. Dezember, 15 Uhr und Samstag, 30. Dezember, 19 Uhr
"Vaghe stelle dell´orsa"/"Sandra"
IT 1965, 105 Minuten, DF, 35mm, FSK 12, Regie: Luchino Visconti, Drehbuch: Suso Cecchi D’Amico, Enrico Medioli, Luchino Visconti, Kamera: Armando Nannuzzi, Darsteller: Claudia Cardinale, Michael Craig, Jean Sorel u. a.
Visconti inszeniert Leinwandgöttin Claudia Cardinale ganz ohne Laszivität und lotet alle Traurigkeit im Gesicht seiner Hauptdarstellerin aus – die Wiederentdeckung eines vergessenen Meisterwerks.

Sonntag, 10. Dezember, 17.30 Uhr
Vorfilm: "Spacerek Staromiejski"
PL 1958, 18 Minuten, OF, 35mm, ab 18, Regie/Drehbuch: Andrzej Munk,Musik/Autor der Filmgeschichte: Andrzej Markowski, Kamera: Kurt Weber

"Bilans Kwartalny"/"Zwischenbilanz"
PL 1975, 94 Minuten, DF, 35mm, ab 18, Regie/Drehbuch: Krysztof Zanussi, Kamera: Slawomir Idziak, Darsteller: Maja Komorowska, Piotr Fronczewski, Marek Piwowski u. a.
Niederschmetternd ehrliches, psychologisch schmerzhaft genaues und überwältigend intensiv gespieltes Charakterdrama um eine ganz gewöhnliche Frau in der gewöhnlichsten aller Krisen – das Leben, dessen Mitte und irgendwo darin die Chance auf Liebe.

Sonntag, 17. Dezember 13 Uhr sowie 21 Uhr
"Genesung"
DDR 1955, 106 Minuten, DF, 35mm, ab 18, Regie: Konrad Wolf, Drehbuch: Karl Georg Egel, Paul Wiens, Konrad Wolf, Kamera: Werner Bergmann, Peter Sbrzesny, Darsteller: Wolfgang Kieling, Karla Ruhnkel, Wolfgang Langhoff u. a.
Frühe Regiearbeit des DEFA-Wunderkindes Konrad Wolf, in der ein selten aufgefächertes Kapitel deutscher (Film-)Geschichte auf Zelluloid verewigt wurde.

Sonntag, 17. Dezember, 17.30 Uhr
"Les misérables"/"Die Elenden"
F/I/D 1958, 208 Minuten, DF, 35mm, FSK 12, Regie: Jean-Paul Le Chanois, Drehbuch: Jean-Paul Le Chanois, René Barjavel nach einem Roman von Victor Hugo, Kamera: Jacques Natteau, Darsteller: Jean Gabin, Bernard Blier, Danièle Delorme u. a.
Dunkle, mit schwerblütigem Klassizismus arrangierte Victor-Hugo-Verfilmung. Zwischen beiden Teilen findet eine zehnminütige Pause statt.

Mittwoch, 20. Dezember, 20 Uhr und Samstag, 30. Dezember, 19 Uhr
"Wildwechsel"
D 1972, 102 Minuten, DF, 35mm, FSK 18, Regie: Rainer Werner Fassbinder, Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder nach einem Bühnenstück von Franz-Xaver Kroetz, Kamera: Dietrich Lohmann, Darsteller: Eva Mattes, Harry Baer, Ruth Drexel u. a.
Streng formulierte und artifiziell stilisierte Fernseharbeit des jungen Rainer Werner Fassbinder – ein Ausnahmefilm, dessen gnadenlose Konsequenz noch lange im Zuschauer nachhallt.

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