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Kultur Veranstaltungen

Architektur und Film: "Sozialistische Utopien – Architektur für die Weltrevolution"

Das Filmmuseum präsentiert gemeinsam mit der Architektenkammer NRW vom 6. bis 27. März die 27. Ausgabe der Filmreihe


Erstellt:
Redaktion: Meissner, Valentina

Die 27. Ausgabe der Reihe Architektur und Film, eine Filmreihe des Filmmuseums Düsseldorf in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer NRW, wirft einen Blick auf Repräsentationsbauten des Sozialismus und verfolgt deren Schicksal bis in die heutige Zeit. Dabei entspinnt sich ein Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Hoffnung auf eine bessere Zukunft und gescheiterten Utopien.

Utopische Bauwerke im Geiste des Konstruktivismus, gigantische Wohnkomplexe aus Beton, Kulturpaläste wie Schlachtschiffe: Die sozialistische Architektur der Nachkriegszeit war die Stein gewordene kommunistische Utopie einer neuen Gesellschaft. Der Wiederaufbau zerstörter Kriegslandschaften versprach preiswertes Wohnen, repräsentative Außendarstellung sowie großzügige Kultur- und Freizeitangebote für alle. Dabei waren den Architekten sozialistischer Monumentalbauten erstaunliche künstlerische Freiheiten gestattet. Heute sind viele Gebäude dem Verfall preisgegeben oder werden anders genutzt als ursprünglich gedacht.

Das Filmprogramm in der Übersicht:

Mittwoch, 4. März, 20 Uhr
"Novgorod Spaceship"
USA 2015, Regie: Andrei Rozen
Anschließend: "Hotel Jugoslavija" (CH 2018)

In Veliky Novgorod entstand in den 1980er-Jahren das Dostoevsky Drama Theatre: Ein fast surrealistisch anmutender Monumentalbau, der an ein verlassenes Raumschiff erinnert. Regisseur Andrei Rozens Dokumentation "The Novgorod Spaceship" ist ein spannendes Portrait dieses Beispiels sozialistischer Moderne. Architekt Vladimir Somov aus dem Kreis des russischen Avantgarde-Künstlers Ely Bielutin gelang es, seine Ideen eines Theaterbaus an staatlichen Vorschriften vorbei durchzusetzen. Nach dem Niedergang Novgorods als boomende Industriestadt droht das Gebäude heute zu verfallen. In Interviews zeigen die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt ihre Abneigung gegen den Bau Somovs, der selbst zu Wort kommt.

Einführung: Matthias Knop (Filmmuseum)

Mittwoch 11. März, 20 Uhr
"Fort von allen Sonnen"
D 2013, Regie: Isabella Willinger

In Moskaus Häuserreihen finden sich noch immer avantgardistische Gebäude, die im Zeichen des Konstruktivismus der 1920er-Jahre entstanden sind, darunter das einzig erhaltene Gebäude von El Lissitzky und Bauwerke von Rodchenko. Der Dokumentarfilm zeigt den Kampf gegen den Verfall und drohenden Abriss der Kunstwerke im heutigen Moskau. Was ist übrig geblieben vom avantgardistischen Konstruktivismus der 1920er-Jahre in Moskau? In den Nebenstraßen Moskaus stehen vergessene Schätze: utopische Bauwerke, entstanden in den 1920er-Jahren im Geiste des Konstruktivismus. Was für ein Leben spielt sich heute an diesen aufgeladenen Orten ab? Der Dokumentarfilm "Fort von allen Sonnen" folgt drei Moskauern, die mit dem Erbe dieser Bauten ringen. Elena kämpft für den Erhalt des einzigen erhaltenen Gebäudes von El Lissitzky. Donatas will mit seinen Freunden in einer Künstlerkommune leben. Vsevolod möchte ein Architekturdenkmal erhalten. Manifeste von Architekten wie Rodchenko, El Lissitzky und Vesnin sowie Aufnahmen des frühen sowjetischen Films rufen die Vision der Moderne wach.

Einführung: Matthias Knop (Filmmuseum)

Mittwoch, 18. März, 20 Uhr
"Das Haus der Regierung"
D 2002, Regie: Christiane Büchner

1929 entstanden in Moskau 500 komfortable Wohnungen für die Elite der Sowjetunion, das Imperium wohnte unter einem Dach, dem "Haus der Regierung". Nirgendwo sonst verdichtet sich die Geschichte der UdSSR so intensiv. Christiane Büchner sammelte über fünf Jahre Archivmaterial und interviewte Zeitzeugen. Aus der Vertrautheit zu den Protagonisten schöpft  diese Dokumentation ihre authentische Kraft. Zeitgleich mit dem ersten Fünfjahresplans ließ Stalin 1929 das Haus der Regierung bauen. Wie ein luxuriöser Überseedampfer wurde der Gebäudekomplex mit immerhin 500 Wohnungen ausgestattet. Mit Kantine, Kino, Theater und Läden bildete das Haus einen Kosmos für sich. Gegenüber dem Kreml errichtet, zogen hier auf Anweisung verdiente Revolutionäre sowie die Parteielite ein.  Aus der Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner dieses Zentrums der Macht entsteht im Film "Das Haus der Regierung" ein lebendiges Bild der Sowjetunion bis hin zu den heutigen Insignien der Macht. Die Erinnerungen und Kommentare der Witwen und Nachkommen der ersten Einwohnergeneration zeichnen anhand der Geschichte des Hauses eine sehr persönliche Chronik des 20. Jahrhunderts.

Einführung: Matthias Knop (Filmmuseum)

Mittwoch, 25. März, 20 Uhr
"Sotsgorod - Steden voor de heilstaat" - "Sotsgorod: Cities for Utopia"
NL 1996, Regie: Anna Abrahams

Die Erinnerung an die westeuropäischen Architekten, die in den späten 1920er-Jahren hochmotiviert nach Sibirien gingen, um dort moderne, sozialistische Städte zu bauen, wird im Film durch Interviews und zahlreiche, bis dato unbekannte Dokumente lebendig. "Sotsgorod: Cities for Utopia" erzählt von europäischen Architekten, die in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren von der Sowjetunion zum Bau "sozialistischer Städte" in Sibirien eingeladen wurden. In einer Zeit ökonomischer Depression gab es in Europa für junge Architekten wenig Arbeitsmöglichkeiten, während die zunehmende Ausbeutung von Bodenschätzen in Sibirien dort die Konzeption ganzer Städte notwendig machte. Jan Rutgers, Margarete Schütte-Lihotzky und Phillipp Tolziner kommen im Film selbst zu Wort, das Schaffen von Hannes Meyer, Hans Schmidt und Ernst May wird anhand erstmals zugänglicher Dokumente geschildert. Der Film stellt vier der Sotsgorods (Sozialistische Stadt der Zukunft) vor: Magnitogorsk, Orsk, Novokuznetsk und Kemerov.

Einführung: Matthias Knop (Filmmuseum)

 

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