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Kultur

"Bernd & Hilla Becher, Photo & Druckgraphik"

Das Kunstarchiv Kaiserswerth präsentiert vom 12. Juni bis zum 19. Dezember eine Ausstellung, die repräsentative Photographien der Bechers mit Druckwerken kombiniert


Erstellt:
Redaktion: Ilgenstein, Valentina

Das Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf lädt in Kooperation mit dem "Studio Bernd & Hilla Becher" und der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, zur Ausstellung "Bernd & Hilla Becher, Photo & Druckgraphik" ins Kunstarchiv Kaiserswerth ein. Von Samstag, 12. Juni, bis zum 19. Dezember können interessierte Besucherinnen und Besucher freitags bis sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr die Ausstellung betrachten. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag, 11. Juni, von 15 bis 20 Uhr statt.

Die aktuelle Ausstellung kombiniert repräsentative Photographien von Bernd und Hilla Becher mit Druckwerken unterschiedlicher Art, die die Entwicklung des Werkschaffens wie auch die Rezeptionsgeschichte exemplarisch vor Augen führen. Der Blick auf Plakate, Kunstdrucke, Bücher, Broschüren, Zeitschriften, Einladungskarten in Kombination mit analog gefertigten Photographien vermittelt einen lebhaften Eindruck der vielen Auftritte und Lesarten, die die Motivwelt der Bechers zwischen den 1960er- und 2010er-Jahren, zwischen dem Heimatort von Bernd Becher, so ausgehend von Siegen, dem Rheinland, dem Ruhrgebiet, München, Venedig, Amsterdam, Göteborg, Paris, New York und Los Angeles etc. durchlaufen hat.

In ihrem photographischen Werk haben sich Bernd und Hilla Becher durchgehend mit Bauten und Konstruktionen aus dem industriellen Kontext befasst, aufgenommen in Deutschland, den Beneluxländern, Frankreich, Großbritannien und den USA. Fördertürme, Hochöfen, Kühl- und Wassertürme gehören als photographische Motive zu den bekannten Erkennungszeichen ihrer Arbeit. Diese erstreckt sich jedoch über dieserart Einzelmotive deutlich hinaus und widmet sich unter der Maßgabe einer eigens für ihre Ansichten formulierten Bildgrammatik zugleich der photographischen Dokumentation gesamter Industrieanlagen und Landschaften. Bereits in den 1960er-Jahren hatte das Künstlerpaar sein Motivspektrum weitgehend definiert, was ihm die Möglichkeit zur sukzessiven Bearbeitung der Objekt- und Werkreihen gab. Dabei war das Vorgehen zwangsläufig auf das Einzelne fokussiert, aber das weite zu erforschende Feld geriet dabei nie außer Acht. Insofern kann von einer über die Jahre hinweg fast gleichmäßigen Entstehung ihrer Werkgruppen gesprochen werden. 

Die Gründe für den durchschlagenden Erfolg ihrer Photographien sind komplex. So war es zunächst durchaus außergewöhnlich, fast exotisch, dass sie sich in ihrer freien künstlerischen Arbeit einer Motivwelt zuwendeten, die traditionell allenfalls im angewandten Bereich der Industrie- und Architekturphotographie akzeptiert war. Doch gleichzeitig waren ihre Themen und vor allem ihre formale Interpretation irritierend neu und reizvoll, pur und gegenwartsbezogen. Sie räumten auf mit dem Vorurteil, dass das alltägliche Arbeitsumfeld, speziell in den Regionen des Bergbaus und der Montanindustrie, weit entfernt ästhetischer Reize nichts als Schweiß, schwarzen Rauch und Milieuschilderungen zu bieten hätten. Ihre sachlich und detailreich registrierten Schwarz-Weiß-Ansichten der in Werkanlagen angetroffenen Bauten, die sie mit großer Kenntnis um die Funktion und Geschichte der Objekte in Bildgruppen ordneten, fanden somit vor allem auch im Kontext der Minimal- und Konzeptkunst besonders großes Verständnis – auch wenn Bechers selbst ihre Photographien gern darüber hinaus in weitere Kreise hinein kommuniziert wussten. Die photographischen Werke, die 1969 mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf als "Anonyme Skulpturen" eingeführt wurden, überzeugten zunehmend durch ihre photographische Präzision, ihre intuitive wie durchdachte Eigenwilligkeit und ihre repetitive Konsequenz. Sogar aus der Perspektive des Denkmalschutzes erhielten die Werke von Bernd und Hilla Becher hohe Anerkennung.

Das Becher’sche Œuvre ist – dies unterstreichen die flankierend entstandenen Dokumente ihres Schaffens – zu einer in der Kunst und Photographie international anerkannten und zahlreich hochkarätig ausgezeichneten Größe erwachsen, die in viele Bereiche des kulturellen Lebens hineinwirkt. Künstlerinnen und Künstler, Handwerkerinnen und Handwerker, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Ingenieurinnen und Ingenieure, Architektinnen und Architekten auf der ganzen Welt setzen sich mit dem Schaffen der Bechers auseinander, wenn sie es nicht sogar zum Vorbild eigener Vorhaben machen. Die große Bekanntheit des Werks entwickelte sich einhergehend mit einer langen Reihe von Ausstellungs- und Publikationsprojekten, die Bernd und Hilla Becher gemeinsam mit Institutionen, mit Museen, Galerien und unter Mitarbeit von etwa Druckhäusern und Verlagen durchführten.

Abgesehen von Buchpublikationen, sind vermeintlich ephemere Druckwerke, die mit solchen Ereignissen einhergehen, selten zu sehen. Meist werden sie, sofern nicht doch als Gebrauchsartikel längst entsorgt, in Archiven und Bibliotheken bewahrt. Bezogen auf das Werk der Bechers erweisen sie sich – auch weil sie weitgehend vom Künstlerpaar selbst bewahrt wurden – als kostbare Dokumente. Sie machen nicht allein auf die expliziten Wirkungsunterschiede zwischen originaler Photographie und graphisch eingesetztem und gedrucktem Bild – also auf verschiedene Darstellungstechniken und deren Wirkung – aufmerksam, sondern auch auf den Wandel und die Ansprüche des Ausstellungs- und Publikationsbetriebs. Zeitabhängig lassen sich ästhetische und typographische Vorlieben entdecken wiewohl variable sowie feste Gestaltungskonventionen. Nicht zuletzt sind die hier präsentierten Druckwerke vorwiegend Teil einer wesentlichen Vermittlungsarbeit zwischen Institution, Künstler und Betrachter. Mit anderen Worten sind sie spezifische Medien, die die Verbreitung des künstlerischen Werks vorangetrieben haben, weitgehend noch bevor digitale Möglichkeiten in Aussicht standen. Die Wirkung der analogen Photographien, die Bernd und Hilla Becher schufen, ebenso wie die jener Bücher, Bilder und Graphiken, die im Reflex auf diese entstanden, ihre Innovationskraft und der Reiz ihrer ästhetischen Gestaltung lässt sich oft erst im Rückblick erkennen.

Bernd und Hilla Becher, die als Studenten an der Kunstakademie Düsseldorf bei Walter Breker die Klasse für Gebrauchsgraphik besuchten, hielten auf die Entwicklung graphischer Ausdruckswerte, besonders wenn diese mit ihren eigenen Photographien in Verbindung traten, zeitlebens ein waches Auge gerichtet – sofern möglich, gewann das Künstlerpaar auch Einfluss auf die Ergebnisse.

Eine Ausstellung von Max Becher in Kooperation mit der Landeshauptstadt Düsseldorf und der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln.

Aktuellen Corona-Regelungen
Besucherinnen und Besucher werden gebeten, die jeweils aktuellen Corona-Regelungen, die auf der Website www.duesseldorf.de/kulturamt/kunstarchiv-kaiserswerth.html ständig aktualisiert werden, zu beachten. Für die Ausstellung und den Eröffnungstag gelten die Hygiene- und Abstandsregeln nach der aktuellen Corona-Schutzverordnung. Innerhalb der Räumlichkeiten müssen medizinische Masken getragen werden. Während der Eröffnung steht der Innenhof für Gespräche zur Verfügung.

Kunstarchiv Kaiserswerth
Das Kunstarchiv Kaiserswerth, Suitbertus-Stiftsplatz 1 (Eingang Stiftsgasse 2), ist freitags, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Kontakt: via E-Mail an kunstarchiv-kaiserswerth@duesseldorf.de
Weiter Informationen unter www.duesseldorf.de/kulturamt/kunstarchiv-kaiserswerth

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