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Soziales Kultur Internationales

Düsseldorf legt umfassendes Konzept gegen den Antisemitismus vor

Arbeitskreis entwickelt gemeinsam mit Jüdischer Gemeinde und anderen Kooperationspartnern Strategie gegen Judenfeindschaft


Erstellt:
Redaktion: Herden, Ingrid

Mit einem umfassenden Konzept stellt sich die Landeshauptstadt Düsseldorf gemeinsame mit der Jüdischen Gemeinde gegen Antisemitismus und Judenfeindlichkeit. Mit nachhaltigen Bildungsmaßnahmen,
einer Bündelung zivilgesellschaftlicher Akteure sowie zentralen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern will sie Antisemitismus entgegentreten. Das umfangreiche Konzept stellten Oberbürgermeister Thomas Geisel und die drei Hauptakteure des zuständigen Arbeitskreises vor: Schulverwaltungsamtsleiterin Dagmar Wandt, Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde von Düsseldorf, und den Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Dr. Bastian Fleermann. "Wir nehmen die Anzeichen für einen erstarkenden Antisemitismus sehr ernst – und das nicht erst seit gestern. Es ist gut, dass wir jetzt erstmals eine umfangreiche und detaillierte Handreichung gegen Antisemitismus und Judenhass vorlegen können. Sie soll dort wirken, wo Weichen für die nächste Generation gestellt werden: an den Schulen und in der Lehrerschaft. Damit setzen wir zugleich ein wichtiges Signal: In Düsseldorf ist kein Platz für Antisemitismus."

Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hatte die Verwaltung beauftragt, ein nachhaltiges Handlungskonzept im Kampf gegen Antisemitismus auszuarbeiten. In der Resolution von Ende 2017 hatte es geheißen: "Der Rat der Stadt Düsseldorf stellt sich gegen jede Form von Antisemitismus, ganz gleich, von wem dieser ausgeht. Auch aus der Verbundenheit mit unserer Partnerstadt Haifa setzt sich Düsseldorf für das Existenzrecht Israels und den Schutz der in Düsseldorf lebenden Menschen jüdischen Glaubens vor Antisemitismus und Gewalt ein."

Erste wichtige Maßnahmen hat die Stadt Düsseldorf bereits seit 2017/2018 entwickelt:

  • Seit Mai 2018 besteht der Arbeitskreis "Antisemitismus an Düsseldorfer Schulen", an dem das Schulverwaltungsamt, die Mahn- und Gedenkstätte, SABRA, die Jüdische Gemeinde, das Zentrum für Schulpsychologie, das Büro des Oberbürgermeisters sowie die Diversity-Beauftragte der Landeshauptstadt beteiligt sind und der nachhaltige Strategien im Kampf gegen den Antisemitismus entwickelt. Ein zentrales Ergebnis dieses Arbeitskreises ist eine praktische Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer, die on- und offline konkrete Handlungsempfehlungen für Lehrende und Schulleitungen gibt und Möglichkeiten außerschulischer Aktivitäten aufzeigt. Der Flyer für Lehrerinnen und Lehrer liegt ab sofort gratis im Rathaus, im Schulverwaltungsamt und in der Mahn- und Gedenkstätte aus und ist online abrufbar. Sie wird an alle Schulen Düsseldorfs verschickt. Das Zentrum für Schulpsychologie hat außerdem ein Handlungskonzept mit dem Titel "Tacheles! – Antisemitismus entgegentreten: Düsseldorfer Schulen als sicherer Ort für Kinder und Jugendliche jüdischen Glaubens" entwickelt. Ziel des Handlungskonzeptes ist es, Düsseldorfer Schulen als verlässlichen und sicheren Ort für Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern jüdischen Glaubens zu etablieren und als Stadt ein klares Zeichen zur Bekämpfung von Antisemitismus an Düsseldorfer Schulen zu setzen. Das Konzept soll stadtintern zur Kommunikation genutzt werden und als Statement auch den Kooperationspartnern auf städtischer und Landesebene zugänglich gemacht werden.
  • Der Rat hat im Dezember 2018 eine Erhöhung des städtischen Zuschusses an den Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V. in Höhe von 60.000 Euro pro Jahr beschlossen. Damit werden seit Anfang dieses Jahres zwei halbe Stellen finanziert, um die Bildungs- und Vermittlungsarbeit des städtischen Instituts gezielt und nachhaltig zu stärken.
  • Der Rat hat zugleich beschlossen, einen Zuschuss in Höhe von 40.000 Euro pro Jahr an SABRA zu vergeben. Die "Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus", eine Einrichtung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, soll damit die dortige Präventionsarbeit nachhaltig unterstützen. Neben ihrer Rolle als Meldestelle bietet SABRA Hilfesuchenden und Interessierten persönliche Beratung, Präventionsprogramme für Schulen und Multiplikatoren sowie Monitoring diskriminierender Vorfälle.
  • Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat einen Referenten im Büro des Oberbürgermeisters als zentralen Ansprechpartner für Antisemitismus benannt und damit beauftragt, alle Akteure miteinander zu vernetzen. Diese Aufgabe hat Jörg Rütten, im OB-Büro für Jugend, Schule, Soziales und Gesundheit zuständig, übernommen.

Weitere Zielsetzungen sind ein enger Austausch und eine Vernetzung der Bildungsarbeit in der Gedenkstätte mit den Düsseldorfer weiterführenden Schulen. In dem Zusammenhang wurden bereits 2018 gemeinsame Lehrerfortbildungen zwischen SABRA und der Mahn- und Gedenkstätte durchgeführt, weitere sind in Planung. Daneben gibt es eine Vielzahl an zivilgesellschaftlichen Verbänden oder Institutionen, die gegen den Antisemitismus durch Aufklärungs- und Antidiskriminierungsarbeit, Bildungsprojekte und Begegnungskonzepte vorgehen. Dazu zählen unter anderem das Netzwerk Respekt und Mut/Düsseldorfer Appell, das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA), die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf e.V., der Erinnerungsort Alter Schlachthof an der Hochschule Düsseldorf und viele andere.

"Diese Initiativen sind der Auftakt für einen lang anhaltenden und intensiven Kampf gegen jede Form von Antisemitismus in Düsseldorf", sagten Schulverwaltungsamtsleiterin Wandt und Mahn- und-Gedenkstätten-Leiter Fleermann übereinstimmend.

Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde ergänzte: "Ich freue mich, dass wir diesen Katalog gemeinsam erarbeitet haben. Die Mitglieder in unserer Gemeinde fühlen sich in unserer Heimatstadt Düsseldorf sehr wohl. Ein anhaltendes Vorgehen von Verwaltung und Zivilgesellschaft
gegen den leider zunehmenden Antisemitismus wird dazu führen, dass das auch in Zukunft so bleiben kann."

Die einzelnen Maßnahmen und die damit verbundene gesamtstädtische Strategie sollen im Kulturausschuss sowie im Kriminalpräventiven Rat vorgestellt werden.

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