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Düsseldorfs Denkmal des Monats August 2026
Historische Festungsmauern unter dem Behrensbau entdeckt
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Der Düsseldorfer Untergrund steckt voller Geschichte. Bis heute kommen bei Tiefbauarbeiten immer wieder Relikte der seit dem Mittelalter bestehenden und fortlaufend erweiterten Befestigungsanlagen zum Vorschein. So auch Anfang dieses Jahres am Mannesmannufer: Beim Umbau des Behrensbaus zum "Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen" wurden unterhalb des Kellerbodens, rund 3,5 Meter unter dem heutigen Straßenniveau, Reste der sogenannten oberrheinischen Front aus dem 18. Jahrhundert entdeckt.
Die Funde geben Einblicke in die komplexe innere Struktur der ehemaligen Festungswerke und ermöglichen es, deren aus historischen Plänen bekannte Lage genauer zu bestimmen. Solche Erkenntnisse sind auch für die Bodendenkmalpflege von Bedeutung: Sie verbessern die Grundlage für Prognosen zu möglichen Fundstellen und erhöhen damit zugleich die Planungssicherheit bei künftigen Bauvorhaben.
Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege, das beim Umbau des Behrensbaus nicht denkmalrechtlich beteiligt ist, sondern beratend tätig wird, nimmt die Entdeckung zum Anlass, Düsseldorfs flächengrößtes Bodendenkmal als "Düsseldorfs Denkmal des Monats" August 2026 vorzustellen. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung der Stadtbefestigung im 18. Jahrhundert. Ihr Ausbau im 17. und 18. Jahrhundert sowie ihre spätere Sprengung und Einebnung – die sogenannte Schleifung – prägten die Stadt und das Leben der Bürgerinnen und Bürger nachhaltig.
Der Ausbau der Düsseldorfer Stadtbefestigung im 17. und 18. Jahrhundert
Um die archäologischen Funde unter dem Behrensbau einordnen zu können, lohnt sich ein Blick rund 500 Jahre zurück: Im frühen 16. Jahrhundert wurde Düsseldorf zur Residenzstadt des vereinigten Territorialverbandes der Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg sowie der Grafschaften Mark und Ravensberg. 1538 wurde der Ausbau zur Festungsstadt beschlossen. Der aus Bologna stammende Baumeister Alessandro Pasqualini entwarf eine moderne Festungsanlage nach italienischem Vorbild. Sie folgte weitgehend dem Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer und umfasste fünf Bastionen, mit Ziegelmauern verblendete Erdwälle, einen geschützten Hafen sowie eine südlich davon gelegene Zitadelle. Die Bauarbeiten zogen sich bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts.
Unter Kurfürst Johann Wilhelm II. ("Jan Wellem") wurde die Festung im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert deutlich erweitert. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg erwarb der Kurfürst Gelände südlich der Stadt, um dort die "Neustadt" anzulegen. Ursprünglich sollte auch sie von einem Festungsring umschlossen werden. Obwohl der Kurfürst potenzielle Ansiedler mit Privilegien wie Zoll- und Steuerbefreiungen zu gewinnen versuchte, ließen sich dort nur wenige Menschen nieder.
Die Arbeiten an der Festungserweiterung begannen dennoch 1710, kamen bis zum Tod Jan Wellems 1716 jedoch kaum voran. Sein Nachfolger Karl Philipp reduzierte die Pläne auf die sogenannte "Innere Extension". Die 1726 beschlossene Erweiterung umfasste auch die Verstärkung der oberrheinischen Front im südlichen Teil der Befestigung. Zu ihr gehören die nun unter dem Behrensbau entdeckten Relikte.
Die Arbeiten an der Festung zogen sich über Jahrzehnte hin und wurden erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts abgeschlossen. 1787 wurde die Südfront des älteren Befestigungsrings zwischen Zitadelle und Flinger Bastion abgebrochen. Auf dem frei gewordenen Areal entstand die Carlstadt. Mit rund 52 Hektar erreichte die Düsseldorfer Festung schließlich ihre größte Ausdehnung.
Die oberrheinische Front der Düsseldorfer Stadtbefestigung im 18. Jahrhundert
Der Aufbau des nun archäologisch nachgewiesenen Festungsbereichs ist durch zahlreiche historische Darstellungen grundsätzlich bekannt. Das Gelände zwischen dem heutigen Spee’schen Graben und dem Rheinufer lag zu Beginn des 18. Jahrhunderts südlich der Zitadelle und damit außerhalb des bestehenden Befestigungsrings. Der südliche Zugang zur Zitadelle wurde durch breite Gräben und das oberrheinische Ravelin, ein dreieckiges Festungswerk, gesichert. Zwischen 1733 und 1739 wurde die oberrheinische Front durch sogenannte Kontergarden verstärkt – vorgelagerte Verteidigungswerke aus weiteren Wällen und Gräben. Mehrere Brücken verbanden die einzelnen Werke miteinander; auf dem Ravelin und der westlichen Halb-Kontergarde befanden sich zudem Wachhäuser.
Die größte Bedrohung für die aufwendigen Verteidigungsanlagen ging allerdings nicht von feindlichen Truppen, sondern vom Rhein aus. Nach Hochwasser und Eisgang mussten die Festungswerke wiederholt instandgesetzt und verstärkt werden. Nach dem Hochwasser von 1784 schirmte ein Damm die Vorwerke der oberrheinischen Front vom Rhein ab. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel verzögerten sich notwendige Arbeiten jedoch häufig oder unterblieben ganz. Besonders verheerend war die Flut von 1799: Die Brücke zwischen dem oberrheinischen Ravelin und der Kontergarde wurde weggerissen, während die Futtermauern mehrerer Wälle unterspült wurden und einstürzten.
In der Folge wurden die oberrheinischen Kontergarden zu einem durchgehenden Werk verbunden. Die Überreste des oberrheinischen Ravelins wurden zu einem Wall mit einziehendem Winkel, einer sogenannten Tenaille, umgestaltet. Zeitweise war das neue Berger Tor am südlichen Ende der Citadellstraße nur noch über eine Floßbrücke erreichbar. Während weite Teile der Befestigungsanlagen zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen wurden, wurde der rheinseitige Damm nochmals erhöht. Die Gräben blieben noch einige Jahre im Gelände erkennbar, wurden im Laufe der Zeit jedoch verfüllt und überbaut.
Die Stadtbefestigung im archäologischen Befund
Bei Tiefbaumaßnahmen im Düsseldorfer Stadtgebiet werden bis heute immer wieder Relikte der ehemaligen Verteidigungsanlagen freigelegt, eingemessen, dokumentiert und wissenschaftlich untersucht. Teilweise liegen die archäologischen Befunde bis zu sechs Meter unter dem heutigen Straßenniveau. Besonders umfangreiche Untersuchungen der ehemaligen Festungsanlagen fanden in den vergangenen Jahrzehnten beim Bau des Rheinufertunnels und der Wehrhahn-Linie statt. Auf Grundlage der Grabungsergebnisse wurden seinerzeit sogar die Bastion Spee und das angrenzende alte Hafenbecken rekonstruiert.
Was genau kann die Bodendenkmalpflege bei aufgefundenen Relikten erkennen? Große, durch Kalkmörtel verbundene Feldbrandziegel, der sogenannte "Festungsverband" mit wechselnder Ausrichtung der Ziegellagen im Mauerkern sowie Mauerstärken von bis zu mehreren Metern ermöglichen beispielsweise eine gute Unterscheidung von modernen Fundamenten. Da die Befunde häufig nur in kleinen Abschnitten freigelegt werden, helfen historische Darstellungen sowie Vergleiche mit anderen Festungsbauten dabei, sie zu datieren und in größere Zusammenhänge einzuordnen. Umgekehrt ermöglichen die archäologischen Zeugnisse, historische Pläne und Darstellungen besser zu verstehen und ihre Genauigkeit zu überprüfen. Die erst begonnene wissenschaftliche Auswertung der unter dem Behrensbau angetroffenen Relikte wird hierbei einen weiteren Schritt darstellen.
Geschliffen und doch nicht ganz verschwunden
Die Entwicklung der Kriegsführung machte bastionäre Festungen im Laufe des 18. Jahrhunderts zunehmend wirkungslos. 1795 wurde Düsseldorf nach Beschuss aus sicherer Entfernung nahezu kampflos von französischen Truppen eingenommen. Die zunächst von den Besatzern beabsichtigte Wiederherstellung der Festung wurde nicht umgesetzt. Der Frieden von Lunéville legte 1801 schließlich ihre Schleifung fest, die noch im selben Jahr vollzogen wurde.
Seither ist die Düsseldorfer Stadtbefestigung weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden. Unmittelbar sichtbar erhalten geblieben ist von der seit dem Mittelalter errichteten Befestigung vor allem die Bastion Diemantstein am Stadtmuseum, auf der sich heute der Rosengarten befindet. Zahlreiche Festungsmauern wurden zudem in die Untergeschosse der heutigen Bebauung integriert und sind teilweise noch erlebbar – etwa im Maxhaus, im Hetjens – Deutsches Keramikmuseum und im Stadtmuseum. Weitere Einblicke in archäologische Befunde der Düsseldorfer Stadtgeschichte bietet die Ausstellung im "ArcheoPoint" an der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee.
Reihe "Düsseldorfs Denkmal des Monats"
Die großen und kleinen, sichtbaren und verborgenen Bauten und Orte, die von Düsseldorfs bewegter Vergangenheit erzählen, stoßen auf großes öffentliches Interesse. Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege im Bauaufsichtsamt nimmt diese Nachfrage zum Anlass, monatlich ein Stück des gebauten Erbes als "Düsseldorfs Denkmal des Monats" vorzustellen.
Bildmaterial zum "Düsseldorfer Denkmal des Monats" August 2026 ist abrufbar unter: https://duesseldorf.canto.de/b/GR7FV