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Bundestagswahl in Düsseldorf
Fast ein Drittel der ehemaligen Nichtwähler hat diesmal gewählt
Viele frühere CDU-Wähler wechselten zur FDP/SPD verlor hauptsächlich Stimmen an AFD und DIE LINKE
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Wie haben die wahlberechtigten Düsseldorferinnen und Düsseldorfer bei der Wahl des 19. Deutschen Bundestages am 24. September 2017 abgestimmt? Woher kamen in Düsseldorf beispielsweise die Stimmen für die FDP, die dieser Partei im Wahlkreis Düsseldorf I das beste Zweitstimmenergebnis der FDP in ganz Deutschland beschert hat? Wo in Düsseldorf wurde die AfD gewählt? Welche Parteien konnten bei gestiegener Wahlbeteiligung die meisten ehemaligen Nichtwählenden für sich mobilisieren oder ehemalige Wählerinnen und Wähler anderer Parteien für sich gewinnen?
Mit der aktuellen Statistischen Information Nr. 295 geht das Amt für Statistik und Wahlen all diesen Fragen nach und informiert ausführlich über die Düsseldorfer Ergebnisse. Die durchgeführte Wählerwanderungsanalyse wird dargestellt sowie die tatsächliche Stimmenausschöpfung betrachtet – hierbei werden die Stimmenanteile der Parteien nicht auf die Zahl der gültigen Stimmen, sondern auf alle Wahlberechtigten bezogen.
Ein umfassender Tabellenanhang stellt schließlich alle wichtigen Daten zum Wahlausgang für Düsseldorf zur Verfügung, um allen Interessierten eine weitergehende Betrachtung der Wahlergebnisse zu ermöglichen.
In Düsseldorf waren mit der Zweitstimme 23 Parteilisten wählbar. Sieben Parteien traten mit eigenen Direktkandidatinnen und Direktkandidaten in den beiden Düsseldorfer Bundestagswahlkreisen (106 Düsseldorf I und 107 Düsseldorf II) an und konnten mit der Erststimme gewählt werden. 315 Wahllokale mit insgesamt 316 Wahlbezirken waren am Wahlsonntag im Stadtgebiet geöffnet. Darüber hinaus gab es 138 Briefwahlbezirke.
Wahlbeteiligung um 3,2 Prozentpunkte gestiegen
Wahlberechtigt waren 413.937 Düsseldorferinnen und Düsseldorfer. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 ist die Zahl der Wahlberechtigten damit gesunken (2013: 415.139). An der Wahl beteiligten sich mit 76,5 Prozent mehr Wahlberechtigte als 2013 (73,3 Prozent). Damit steigt die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl in Düsseldorf zum zweiten Mal in Folge. Mit 314.456 Stimmen wurden darüber hinaus mehr gültige Zweitstimmen abgegeben als 2013 (+ 12.739 gültige Stimmen). Die Zahl der ungültigen Zweitstimmen belief sich auf 2.090. Dies sind 611 ungültige Stimmen weniger als vor vier Jahren.
In allen Stadtteilen lag die Wahlbeteiligung bei über 60 Prozent. In insgesamt 25 Stadtteilen lag die Wahlbeteiligung gar bei 80 Prozent und darüber. Rund 12.900 Personen beteiligten sich an dieser Wahl, die bei der letzten Bundestagswahl ihre Stimme nicht abgegeben hatten. Davon konnte insbesondere die FDP profitieren, die 7.900 ehemalige Nichtwählerinnen und -wähler für sich gewinnen konnte. Auch die AfD, DIE LINKE und die GRÜNEN konnten aus dieser Gruppe im nennenswerten Umfang Stimmen beziehen. Einzig von den SPD-Wählerinnen und -Wählern der letzten Bundetagswahl gingen diesmal etliche nicht zur Wahl, nämlich etwa 4.100.
Die Wahlbeteiligung nahm in 46 Düsseldorfer Stadtteilen im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 zu, nur in Volmerswerth ging die Wahlbeteiligung zurück und zwar um 9,3 Prozentpunkte. Die Zunahmen bewegen sich im Bereich von plus 0,2 Prozentpunkte in Kaiserswerth bis plus 5,5 Prozentpunkte in Friedrichstadt und Mörsenbroich. Die höchste Wahlbeteiligung weist bei dieser Bundestagswahl der Stadtteil Himmelgeist auf, dort gingen 90,4 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl. In Angermund ist mit 88,5 Prozent die zweithöchste Wahlbeteiligung festzustellen. Neben Himmelgeist und Angermund gaben auch in Hubbelrath, Kalkum, Itter, Oberkassel, Stockum, Niederkassel und Hamm mehr als 85 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die geringste Wahlbeteiligung weist Garath auf, hier gingen nur 63 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl. Die Differenz zwischen der höchsten Wahlbeteiligung in Himmelgeist und der geringsten in Garath beträgt somit bei dieser Bundestagswahl 27,4 Prozentpunkte.
Von der Möglichkeit, bereits vor dem Wahlsonntag per Briefwahl abzustimmen, haben 103.693 Wählerinnen und Wähler Gebrauch gemacht. Noch nie zuvor haben so viele Düsseldorfer Wahlberechtigte die Möglichkeit der Briefwahl genutzt. Im Vergleich zur Wahl 2013 waren es 18.772 Personen mehr (2013: 84.921 Personen). Der Anteil der Briefwählerinnen und -wähler liegt folglich mit 32,8 Prozent auch höher als bei der letzten Bundestagswahl; damals betrug er 27,9 Prozent.
Beide Wahlkreise gehen an die CDU
Den Wahlkreis 106 Düsseldorf I, der die nördlichen Stadtteile sowie den linksrheinischen Teil Düsseldorfs umfasst, gewann – wie bereits 2009 und 2013 – Thomas Jarzombek von der CDU. Während er vor vier Jahren 30.475 Stimmen mehr als der damalige SPD-Kandidat hatte, konnte er mit insgesamt 69.273 Stimmen bei dieser Wahl 27.370 mehr erzielen als Philipp Tacer von der SPD. Bei den Zweitstimmen fällt der Vorsprung der CDU vor der SPD hier mit einer Differenz von 21.559 Stimmen etwas geringer aus.
In dem im Süden der Stadt gelegenen Wahlkreis 107 Düsseldorf II konnte mit 47.950 Stimmen erneut die CDU-Kandidatin Sylvia Pantel das Direktmandat für sich gewinnen. Sie gewann mit einem Vorsprung von 9.223 Stimmen gegenüber dem SPD-Kandidaten Andreas Rimkus. Damit holt die CDU den Wahlkreis 107 zum dritten Mal überhaupt bei Bundestagswahlen. Bei den Zweitstimmen ist die Differenz zwischen dem Ergebnis der CDU und der SPD etwas kleiner als bei den Erststimmen (+ 7.388 Stimmen für die CDU).
Gewinne und Verluste der Parteien in Düsseldorf
In der Landeshauptstadt stimmten 95.658 Wählerinnen und Wähler für die CDU. Damit erzielte die Partei 30,4 Prozent der Zweitstimmen und schnitt in den beiden Düsseldorfer Wahlkreisen – wie auch auf Bundesebene – als stärkste Partei ab. Wie bereits 2013 blieb das Düsseldorfer Ergebnis für die CDU knapp hinter dem bundesdeutschen Gesamtergebnis der CDU/CSU zurück (- 2,6 Prozentpunkte). Mit einem Minus von 21.370 Stimmen beziehungsweise 8,4 Prozentpunkten musste die CDU in Düsseldorf bei dieser Bundestagswahl die deutlichsten Verluste hinnehmen. Bei der letzten Bundestagswahl 2013 hatte sie hingegen noch mit einem Plus von 6,7 Prozentpunkten in vergleichbarer Größenordnung an Zweitstimmen dazugewinnen können.
Im Vergleich zur letzten Bundestagswahl 2013 musste die CDU in allen Stadtteilen prozentuale Verluste hinnehmen. Die Spanne der Verluste reicht von minus 2,8 Prozentpunkten in Flingern Süd bis minus 15,4 Prozentpunkten in Volmerswerth. Insgesamt bescherten 16 Stadtteile der CDU Verluste im zweistelligen Bereich. In folgenden sieben Stadtteilen konnte die CDU mit mehr als 40 Prozent der Stimmen ihre besten Ergebnisse einfahren: Kaiserswerth, Itter, Lohausen, Hamm, Volmerswerth, Angermund und Kalkum. Bei den Stadtteilen mit den höchsten Anteilen an CDU-Stimmen steht dieses Mal Kalkum mit 44,2 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Angermund mit 44,0 Prozent. Die geringsten Stimmenanteile gewann die CDU hingegen erneut in Flingern Süd (19,8 Prozent), Oberbilk (22,5 Prozent) und Friedrichstadt (23,1 Prozent). Wie bereits 2013 liegen in 20 Stadtteilen die CDU-Ergebnisse unter dem gesamtstädtischen Ergebnis von 30,4 Prozent.
Die SPD konnte in Düsseldorf mit 66.711 Wählerstimmen einen Zweitstimmenanteil von 21,2 Prozent für sich verbuchen und liegt damit hinter der CDU an zweiter Stelle. Die Partei erhielt von den Düsseldorferinnen und Düsseldorfern mit 0,7 Prozentpunkten mehr Zuspruch als in Gesamtdeutschland. 2013 lag die SPD in Düsseldorf etwas deutlicher über dem Bundesergebnis (2,5 Prozentpunkte). Auch sie musste große Verluste hinnehmen: 18.295 Wählerstimmen weniger als 2013 bescherten der SPD ein Minus von 7,0 Prozentpunkten. Bei der Wahl im Jahr 2013 hatte sie noch 4,0 Prozentpunkte hinzugewonnen. Auch die SPD fuhr in allen Stadtteilen Verluste ein. Das höchste Minus weist dabei der Stadtteil Stadtmitte mit miunus 8,7 Prozentpunkten auf und das geringste Hamm mit minus 3,8 Prozentpunkten. Ihre besten Ergebnisse erzielte die SPD erneut in Lichtenbroich (29,5 Prozent), Lierenfeld (29,2 Prozent) und Garath (28,9 prozent). In insgesamt 27 Stadtteilen erhielt sie Stimmenanteile die unter ihrem gesamtstädtischen Ergebnis von 21,2 Prozent liegen. Den geringsten Zuspruch erhielt die SPD diesmal in Hubbelrath mit 10,4 Prozent und in Niederkassel mit 12,0 Prozent. In acht Stadtteilen liegt die SPD vor der CDU.
Der Düsseldorfer Zweitstimmenanteil für die GRÜNEN liegt mit 10,0 Prozent – wie bei bisher jeder Bundestagswahl – etwas über dem bundesdeutschen Ergebnis (+ 1,1 Prozentpunkte). 31.527 Stimmen konnte die Partei in Düsseldorf für sich verbuchen und ist somit in Düsseldorf viertstärkste Kraft. In den Bundestag zieht sie jedoch hinter der AfD, der FDP und DIE LINKE nur als sechststärkste Kraft ein. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 konnte die GRÜNEN bei dieser Wahl in Düsseldorf an Stimmen dazugewinnen. Die GRÜNEN erhielten 2.683 Stimmen mehr und verzeichneten damit ein leichtes Plus von 0,5 Prozentpunkten. Die Verluste von 3,1 Prozentpunkten bei der Bundestagswahl 2013 konnten jedoch nicht ausgeglichen werden. Die GRÜNEN mussten in elf Stadtteilen geringe Verluste hinnehmen. Die höchsten prozentualen Verluste weisen dabei die Stadtteile Reisholz (- 2,8 Prozentpunkte) und Lichtenbroich (- 1,1 Prozentpunkte) auf. In den übrigen acht Stadtteilen liegen die Verluste bei unter einem Prozentpunkt. Die höchsten Zugewinne wiederum lassen sich in Volmerswerth mit einem Plus von 3,1 Prozentpunkten und in Himmelgeist mit plus 2,4 Prozentpunkten verbuchen. Die besten Ergebnisse erhielten die GRÜNEN wie schon 2013 in ihren "Hochburgen" Friedrichstadt (16,0 Prozent), Unterbilk (14,5 Prozent) und Flingern Nord (14,0 Prozent). Die Stadtteile mit den geringsten GRÜNEN-Stimmenanteilen sind wieder Garath (4,3 Prozent), Reisholz (5,0 Prozent) und Hassels (5,4 Prozent). Zweistellige Ergebnisse konnten die GRÜNEN diesmal insgesamt in 15 Stadtteilen einfahren.
Die Partei DIE LINKE erhielt mit den Stimmen von 28.786 Wählerinnen und Wählern einen Zweitstimmenanteil von 9,2 Prozent, was genau dem Bundesergebnis entspricht. In Düsseldorf kommt sie damit auf Position fünf hinter der FDP und die GRÜNEN, auf Bundesebene liegt die Partei auf dem gleichen Rang. DIE LINKE schnitt bis einschließlich 2013 bei jeder Bundestagswahl in Düsseldorf schlechter ab als bundesweit, was sich mit dieser Wahl zum ersten Mal ändert. Auch DIE LINKE gehört in Düsseldorf diesmal mit zu den Wahlgewinnern. Sie erhielt 7.576 Stimmen mehr als 2013 und erreicht so ein Plus von 2,1 Prozentpunkten. DIE LINKE kann damit ihre Verluste der letzten Bundestagwahl (- 1,6 Prozentpunkte) rechnerisch mehr als ausgleichen. Mit Ausnahme von Lichtenbroich (- 0,4 Prozentpunkte) konnte DIE LINKE in allen Stadtteilen dazugewinnen. Die höchsten Stimmengewinne bescherten ihr die Stadtteile Stadtmitte mit einem Plus von 4,9 Prozentpunkten und Oberbilk mit plus 4,2 Prozentpunkten. In Flingern Süd konnte DIE LINKE wieder, diesmal mit 19,0 Prozent der Stimmen, mit Abstand ihr bestes Ergebnis einfahren. Zweistellige Ergebnisse gab es in insgesamt neun Stadtteilen. In 33 Stadtteilen liegen die Ergebnisse unter dem gesamtstädtischen Wert von 9,2 Prozent und in vier Stadtteilen gar unter 5 Prozent: in Kalkum, Wittlaer, Niederkassel und Angermund. In 17 Stadtteilen wiederum hat DIE LINKE bei dieser Wahl besser abgeschnitten als die GRÜNEN.
Auch bei dieser Bundestagswahl konnte die FDP in Düsseldorf mit 17,6 Prozent der Zweitstimmen prozentual deutlich mehr Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen als auf Bundesebene (+ 6,9 Prozentpunkte). 55.217 Wählerinnen und Wähler gaben in Düsseldorf dieser Partei ihre Stimme. Dieses Ergebnis macht im Stadtgebiet den drittgrößten Stimmenanteil aus, während die FDP bundesweit hinter der AfD bleibt und somit als viertstärkste Kraft in den Bundestag einzieht. Nach dem drastischen Stimmenverlust im Umfang von 10,3 Prozentpunkten bei der Bundestagswahl 2013 kann die FDP auch in der NRW-Landeshauptstadt diesmal wieder einen deutlichen Zugewinn an Stimmen verzeichnen. Im Vergleich zur Bundestagswahl vor vier Jahren erhielt die FDP 32.253 Stimmen mehr, was einem Gewinn von 9,9 Prozentpunkten entspricht. Die FDP konnte in Düsseldorf in allen Stadtteilen deutlich an Stimmenanteilen gewinnen. Die höchsten Gewinne weisen die Stadtteile Niederkassel mit plus 14,5 Prozentpunkten und Himmelgeist mit plus 14,3 Prozentpunkten auf. Insgesamt liegen in 25 Stadtteilen die Zugewinne im zweistelligen Bereich. Flingern Süd bildet aus FDP-Sicht das Schlusslicht mit einem Plus von 5,4 Prozentpunkten. Die besten Ergebnisse fuhr die FDP erneut in Niederkassel (30,0 Prozent), Carlstadt (29,1 Prozent) und Oberkassel (27,9 Prozent) ein – in Hubbelrath kommt sie auf überdurchschnittliche 28,1 Prozent. Die FDP konnte in allen Stadtteilen zweistellige Stimmenergebnisse einfahren – mit Ausnahme von Flingern Süd, hier erzielte die FDP "nur" 9,2 Prozent der Stimmen. Die FDP liegt außerdem in allen Stadtteilen, außer in Oberbilk, vor den GRÜNEN.
Für die AfD stimmten in Düsseldorf 24.997 Wählerinnen und Wähler, was 7,9 Prozent der Zweitstimmen entspricht und deutlich hinter dem bundesweiten Ergebnis liegt (- 4,7 Prozentpunkte). Die Partei liegt in Düsseldorf nur auf Platz sechs der stärksten Parteien, mit dem gesamtdeutschen Ergebnis zieht sie jedoch als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein. Nach der FDP entfallen die meisten absoluten Stimmengewinne auf die AfD. Die Partei konnte die Anzahl der Stimmen im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 fast verdoppeln (+ 3,7 Prozentpunkte). Der AfD gelang in allen Düsseldorfer Stadtteilen Stimmen zu gewinnen, jedoch lagen die Zugewinne nur in einem Stadtteil, nämlich in Garath, im zweistelligen Bereich (+ 13,8 Prozentpunkte). In 29 Stadtteilen lagen die Zuwächse unter dem gesamtstädtischen Plus von 3,7 Prozentpunkten und in Wittlaer, Niederkassel und Oberkassel sogar unter einem Prozentpunkt. In Garath erhielt die AfD mit einem Anteil von 18,7 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen, gefolgt von Lichtenbroich (13,5 Prozent) und Hassels (13,2 Prozent). Ein zweistelliges Ergebnis erlangte die AfD insgesamt in zehn Stadtteilen; in 29 Stadtteilen erhielt sie Ergebnisse die unter dem gesamtstädtischen Wert von 7,9 Prozent liegen. In fünf Stadtteilen konnte die AfD höhere Stimmenanteile erreichen als die FDP und in 16 Stadtteilen höhere als die GRÜNEN.
Alle übrigen Parteien erzielten gemeinsam 3,7 Prozent der gültigen Zweitstimmen, was einem kleineren Anteil als dem in der gesamten Bundesrepublik entspricht (- 1,3 Prozent).
Wählerwanderung
Bei dieser Bundestagswahl ist es auch in Düsseldorf zu mehr oder weniger deutlichen Stimmengewinnen und -verlusten der einzelnen Parteien gekommen. Es stellt sich dabei die Frage, inwieweit einzelne Parteien von Stimmenverlusten anderer Parteien profitieren konnten beziehungsweise woher die Stimmengewinne einer Partei kommen. Konnten Parteien ehemalige Nichtwählerinnen und -wähler mobilisieren oder verloren sie Stimmen durch Wahlenthaltungen? Neben der Möglichkeit von Wahltagsbefragungen, bei denen in ausgewählten repräsentativen Stimmbezirken die Wählerschaft nach der Stimmabgabe zu ihrer Wahlentscheidung bei der jetzigen und der zurückliegenden Wahl befragt werden, lassen sich statistische Verfahren heranziehen, mittels derer die Wanderungen geschätzt werden. Diese greifen nicht auf individuelle Daten zurück, sondern nutzen die Wahlergebnisse auf Stimmbezirksebene, um durch komplexe mathematische Berechnungen wahrscheinliche Wanderungsströme zu ermitteln.
Bei einem Vergleich mehrerer dieser Verfahren durch das Statistische Beratungslabor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und den Lehrstuhl für Empirische Politikforschung (Prof. Dr. Paul W. Thurner, LMU) hat sich das Multinominal-Dirichlet-Modell als das am besten geeignete Verfahren herausgestellt. Diese Methode wurde bereits mehrfach von der Stadt München und nach der Landtagswahl 2017 nun zum zweiten Mal auch in Düsseldorf angewandt.
Auf Basis der aktuellen Ergebnisse der Bundestagswahl sowie den Ergebnissen der letzten Bundestagswahl 2013 werden Wählerwanderungsströme zwischen den Parteien sowie zwischen Partei und Nichtwählenden analysiert. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss beachtet werden, dass nicht nur die Wählerinnen und Wähler ihr Wahlverhalten geändert, sondern auch strukturelle Veränderungen in den Stimmbezirken stattgefunden haben (Fort- und Zuzüge, neue Erstwählerinnen und -wähler, Sterbefälle etc.). Wie bei jedem anderen Schätzverfahren gibt es auch hier Fehlerwahrscheinlichkeiten, die insbesondere bei kleineren Parteien zum Tragen kommen können und die bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden müssen. Daher ist diese Analyse der Wählerwanderung auf die Parteien SPD, CDU, GRÜNE, DIE LINKE, FDP und die AFD sowie die Nichtwählenden beschränkt. Die Stimmen für die übrigen Parteien und die ungültigen Stimmen fallen unter "Sonstige".
Um zu ermitteln, inwieweit die Wählerinnen und Wähler bei dieser Bundestagswahl einer Partei treu geblieben sind oder sich für eine andere entschieden haben, wird nachfolgend dargestellt, inwieweit die Wahlberechtigten der letzten Bundestagswahl 2013 bei dieser Wahl die gleiche Wahlentscheidung getroffen beziehungsweise sich für eine andere Partei entschieden haben. Es zeigt sich, dass die Düsseldorfer Wählerschaft, die bereits bei der letzten Bundestagswahl ihre Stimme der CDU gegeben hat, dies zu rund zwei Dritteln bei dieser Wahl wieder getan hat. 28 Prozent wechselten zu einer anderen Partei und 6 Prozent gingen diesmal nicht zur Wahl. Auch die FDP-Wählerinnen und -Wähler von 2013 entschieden sich zu 66 Prozent wieder für die FDP. 31 Prozent trafen diesmal eine andere Wahlentscheidung. Die SPD-Wählerschaft blieb der Partei zu 63 Prozent erhalten. Etwas über ein Viertel entschied sich für eine andere Partei. Hier wechselte auch ein relativ hoher Anteil von 10 Prozent in das Lager der Nichtwählenden.
Auch die Wählerschaft der GRÜNEN von 2013 wählte zu 63 Prozent wieder die GRÜNEN, ein Drittel wechselte zu einer anderen Partei. Ein anderes Bild zeigt sich bei den ehemaligen Wählerinnen und Wählern der Partei DIE LINKE. Von ihnen blieb mit 42 Prozent etwas weniger als die Hälfte der Partei treu. 49 Prozent wählten diesmal eine andere Partei. Bei der AfD wählten lediglich rund 20 Prozent derjenigen, die 2013 bereits ihre Stimme der AfD gaben, diese nun wieder. Fast 70 Prozent wechselten zu einer anderen Partei. Mit 12 Prozent ist auch hier der Anteil derjenigen hoch, die diesmal nicht zur Wahl gingen. Von denjenigen, die 2013 gar nicht gewählt haben, entschied sich immerhin nahezu ein Drittel für eine Teilnahme an der Wahl 2017.
Wo sind die Wählerinnen und Wähler geblieben, die ihrer Partei nicht treu waren? Bei den Werten handelt es sich um die absoluten Übergänge. Dabei ist ein Austausch von Stimmen zwischen zwei Parteien in beide Richtungen möglich. Es wurden Wanderungen von 1.000 Personen und mehr berücksichtigt. Die Werte sind gerundet und weichen daher geringfügig von den endgültigen Ergebnissen ab.
Insgesamt zeigen sich erhebliche Wanderungsbewegungen, was auf die deutlichen Stimmengewinne beziehungsweise -verluste aller Parteien zurückzuführen ist. Am deutlichsten gewann die FDP an Stimmen dazu: insgesamt 32.300 Stimmen mehr. Auch die AfD konnte Stimmengewinne in Höhe von 12.300 verbuchen, ebenso wie DIE LINKE und die GRÜNEN mit einem Plus von 7.600 beziehungsweise 2.700 Stimmen. Die CDU verlor die meisten Wählerinnen und Wähler (- 21.300). Die SPD musste Stimmenverluste in Höhe von 18.300 hinnehmen. Die Gruppe der Nichtwählenden schrumpfte ebenso um 12.900 Personen.
Aus der Wanderungsbilanz der CDU wird deutlich, dass die Partei ihre Wählerschaft hauptsächlich an die FDP verloren hat. Rund 20.400 ehemalige CDU-Wählerinnen und -Wähler gaben ihre Stimme diesmal der FDP. Darüber hinaus gingen rund 2.200 Stimmen an die AfD. Lediglich von der SPD gewann die Partei in nennenswertem Umfang Stimmen hinzu (+ 1.100).
Ein Großteil der verlorenen SPD-Stimmen ging an die AfD (- 5.700 Stimmen). Darüber hinaus wanderten rund 3.900 ehemalige SPD-Wählerinnen und -Wähler zu der Partei DIE LINKE, 2.600 zur FDP und mit knapp 1.400 beziehungsweise 1.100 auch eine nennenswerte Anzahl zu den GRÜNEN und zur CDU. Ein erheblicher Anteil der Stimmenverluste ist auch darauf zurückzuführen, dass über 4.000 Wählerinnen und Wähler der SPD diesmal nicht zur Wahl gingen.
Lediglich an DIE LINKE verloren die GRÜNEN in nennenswertem Umfang (- 1.800 Stimmen). Profitieren konnten sie hingegen von der gestiegenen Wahlbeteiligung (+ 2.600 Stimmen). Darüber hinaus erhielten sie etwa 1.400 Stimmen von der SPD-Wählerschaft der letzten Bundestagswahl. DIE LINKE profitierte im Wesentlichen von den Stimmenverlusten der SPD (+ 3.900). Darüber hinaus konnte die Partei auch 3.000 ehemalige Nichtwählerinnen und -wähler mobilisieren. 1.800 Wählerinnen und Wähler kamen von den GRÜNEN. Die Partei verlor rund 1.200 Stimmen an sonstige Parteien.
Die deutlichen Stimmengewinne der FDP sind im Wesentlichen auf 20.400 ehemalige CDU-Wählerinnen und -Wähler sowie auf 7.900 Personen zurückzuführen, die 2013 ihre Stimme nicht abgegeben hatten. Darüber hinaus kamen 2.600 Stimmen von ehemaligen SPD-Wählerinnen und -Wählern und 1.100 von der AfD hinzu. Die Wanderungsbilanz der AfD zeigt eine deutliche Wanderung von 5.700 ehemaligen SPD-Wählerinnen und -Wählern zur AfD. Neben den ehemaligen SPD-Wählenden trugen auch jeweils 2.200 Personen, die vormals die CDU unterstützt oder sonstige Parteien gewählt hatten, zu den Zugewinnen der AfD bei. Auch von ehemaligen Nichtwählenden erhielt die AfD 3.300 Stimmen, lediglich an die FDP verlor sie 1.100 Stimmen.