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Kultur Verwaltung

Förderpreise der Landeshauptstadt 2017: Düsseldorfer Nachwuchskünstler ausgezeichnet


Erstellt:
Redaktion: Meissner, Valentina und Robl, Julia

Traditionell in der Vorweihnachtszeit zeichnet die Landeshauptstadt Düsseldorf junge talentierte Künstler mit Förderpreisen aus. Diese sind mit jeweils 4.000 Euro dotiert. Sie werden in den Sparten Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Musik und Literatur vergeben. Seit 1972 gibt es die Auszeichnungen. Seit 1985 wird außerdem alle zwei Jahre ein Preis für herausragende wissenschaftliche Leistungen vergeben. Die Vergabe erfolgt im Wechsel an die wirtschaftswissenschaftliche, die juristische, die mathematisch-naturwissenschaftliche, philosophische oder medizinische Fakultät. Oberbürgermeister Thomas Geisel hat die Förderpreise 2017 am Dienstagabend, 12. Dezember, im Kunstraum Düsseldorf verliehen.

Oberbürgermeister Thomas Geisel: "Mit dem Förderpreis der Landeshauptstadt werden junge Frauen und Männer für ihre außergewöhnlichen künstlerischen Leistungen geehrt. Mit den Förderpreisen unterstützt werden ausdrücklich hoffnungsvolle Düsseldorfer Talente, keine arrivierten Künstler. Denn die Förderpreise sind zukunftsorientiert ausgerichtet. Sie sind dazu gedacht, junge Künstlerinnen und Künstler anzuspornen, zu ermutigen und sie finanziell wie auch ideell zu unterstützen. Allen Preisträgerinnen und Preisträgern gratuliere ich herzlich! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Fortsetzung Ihrer Arbeit. Düsseldorf wartet gespannt darauf, noch viel von ihnen zu hören."

Förderpreisträger 2017
Die Förderpreise für Bildende Kunst gehen 2017 an Liza Dieckwisch (Malerin) und Robert Olawuyi (Medienkünstler). Im Bereich Darstellende Kunst werden Ann-Kathrin Adam (Tänzerin) und Rymon Zacharei (Tänzer), bekannt als Rayboom, ausgezeichnet. Die Förderpreise für Musik erhalten "Heinzen-Mead" (Duo) und "Gato Preto" (Band). Im Bereich Literatur wird Marlene Röder (Autorin) geehrt. Den Förderpreis für Wissenschaften bekommt Junior-Professorin Dr. Annika Herr.

Förderpreis für Bildende Kunst
Liza Dieckwisch:
"Malerei ist ein Annäherungsversuch, um zu verstehen, ob die Welt in ihrer Komplexität abbildbar und begreifbar ist. Liza Dieckwisch lässt sich auf diese Erkundung unbeirrt ein und nimmt Farbe, Form und Material zum Anlass, um die Eroberung des Raumes durch Malerei zu erproben und ausufernde Konglomerate herzustellen. Gewiss ermutigt durch ihr Studium bei Katharina Grosse, beschränkt Liza Dieckwisch die Ausdehnung und Wirkung von Farbe eben nicht auf die gerahmte Leinwand, sondern fordert mit irritierenden Zusammenspielen von frecher Farbigkeit und beunruhigenden Materialien heraus. Grelle, poppige Farben auf Latex, Silikon und Folien kommen ebenso zum Einsatz wie ausgerissene fleischfarbene Papierschnipsel und glitzernde Vorhänge. Dieser konsequente Abschied von den Konventionen der Malerei ist erfrischend", so lautet die Begründung der Jury.

1989 geboren in Kiel, studierte sie zwischen 2009 und 2015 an der Kunstakademie Düsseldorf; 2014 als Meisterschülerin von Prof. Grosse. Im Jahr 2015 erhielt sie den Akademiebrief. Ihre Werke waren bereits auf verschiedenen nationalen wie internationalen Ausstellungen zu sehen. Derzeit können ihre Arbeiten im Kunstraum betrachtet werden.

Robert Olawuyi: In der Jurybegründung heißt es unter anderem: "Die heutige Medienvielfalt ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits erhöht sie unsere Kommunikations- und Informationsfähigkeit, andererseits verunsichert sie uns angesichts enormer Möglichkeiten der Überwachung und Manipulation. An dieser Schnittstelle setzen die Werke von Robert Olawuyi an, der ausschließlich im Bereich der audiovisuellen und medienbasierten Kunst arbeitet. Während seine technisch versierten Videos und Installationen in einem Moment noch unterhalten und faszinieren, fördern sie im nächsten Moment unangenehme und bedrohliche Tatsachen zu Tage."

Nach seinem Studium der Kunstgeschichte in seiner Heimatstadt Budapest, studierte Olawuyi in Köln an der Kunsthochschule für Medien "Audiovisuelle Medien", bevor er 2010 bis 2013 Zweithörer an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse von Prof. Marcel Odenbach wurde. Seit 2014 ist er dort als Lehrbeauftragter im Fachbereich "Video" tätig. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und sind einem nationalen wie internationalen Publikum bekannt: So wirkte er an den Kunstfilmtagen 2014 in Düsseldorf mit oder arbeitete in Santa Monica an dem Werk "Ornament und Obsession, Building Bridges". Derzeit ist eines seiner raumgreifenden Werke im Kunstraum zu sehen.

Förderpreis für Darstellende Kunst
Ann-Kathrin Adam: Die Tänzerin in Schläpfers preisgekrönter Compagnie wurde für ihre ausgereifte Tanztechnik und besondere Ausdruckskraft von der Jury ausgezeichnet: "Sie verkörpert das Ideal einer zeitgenössischen Prima Ballerina im emphatischen Sinne; einer Prima Ballerina, die wie selbstverständlich alle technische Schwierigkeit der zu interpretierenden Partie meistert, technische Perfektion aber nicht zum Selbstzweck erhebt, sondern als Fundament begreift, von dem aus sich eine unverwechselbare und gleichermaßen charismatische Künstlerpersönlichkeit zu entfalten vermag. Ann-Kathrin Adam ist für das klassische Ballett ebenso wie für den Neoklassizismus und das Tanztheater des 20. und 21. Jahrhunderts prädestiniert."

Seit der Spielzeit 2005/06 gehört die im Klassischen Tanz an der John Cranko Schule in Stuttgart ausgebildete Tänzerin zum Ballettensemble der Deutschen Oper am Rhein, das 2009 von Martin Schläpfer als Ballett am Rhein neu formiert wurde. Das tanz- und ballettbegeisterte Düsseldorfer Publikum kennt sie dort sowohl als Solotänzerin wie auch als Gruppentänzerin. Schläpfer kreierte zahlreiche Hauptrollen für Ann-Kathrin Adam – als nächstes ist sie in seiner Uraufführung "Roses of Shadow" zu erleben, deren Premiere am Samstag, 16. Dezember, im Düsseldorfer Opernhaus gefeiert wird.

Rymon Zacharei: Die Jury begründete die Auszeichnung des Tänzers wie folgt: "Rymon Zacharei – international unter dem Künstlernamen Rayboom bekannt – ist eine in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit. Rayboom ist Mitglied in mehreren Formationen, die unterschiedlichste Besetzungen aufweisen und zudem einem weiten stilistischen Spektrum verpflichtet sind. Ob nun Popping oder Locking, House oder Newstyle HipHop, Breakdance oder B-Boying: Rayboom beherrscht die Stilistiken in virtuoser Manier und fügt sie seinem individuellen Gestaltungswillen ein. Dass er darüber hinaus auch Elemente des Kampfsportes und des zeitgenössischen Tanzes integriert, begründet mit Blick auf die nationale und internationale Szene eine singuläre künstlerische Position. [...] Rayboom ist einer der prägenden Künstler der aktuellen HipHop-Szene, der mit seinem individuellen Stil nicht nur in Düsseldorf, sondern mittlerweile weltweit hohe Reputation geniest."

1985 in Bagdad geboren, lebt er seit vielen Jahren in Düsseldorf, wo er die Fachhochschulreife erlangte und eine Berufsausbildung zum Gymnastiklehrer absolvierte. Seit 2010 arbeitet er als Tanzlehrer und Choreograph im tanzhaus nrw und hat deutschlandweit an Projekten mitgewirkt. Mit besonderer Hingabe widmet er sich der pädagogischen Arbeit und ermutigt Jugendliche, experimentierend eine eigene Körpersprache zu entwickeln. Seine künstlerische Arbeit verknüpft er ebenfalls mit gesellschaftlichem Einsatz, indem er sich unter anderem bei "Funky wisdom" engagiert: einem Projekt für Geflüchtete, bei der Sprache mithilfe von Rap und HipHop vermittelt wird.

Förderpreis für Musik

Liederduo "Heinzen - Mead": "Zwei junge Künstler begegnen sich an der Robert-Schumann-Hochschule und spüren nicht nur eine tiefe innere Verbundenheit zueinander, sondern vor allem eine musikalische Seelenverwandtschaft. So dauert es dann auch nicht lange, dass sie beginnen, die ersten gemeinsamen Projekte anzugehen. Franziska Heinzen, die gebürtige Schweizerin, die bis dahin mit dem Schwerpunkt Operngesang unterwegs war und Benjamin Mead, der britisch/polnischer Abstammung ist und sich auf den Bachelor in Klavierpädagogik konzentrierte, entdecken gemeinsam das Kunstlied für sich, eine Gattung, die zu den schwierigsten und anspruchsvollsten des klassischen Musiklebens gehört", so begründete die Jury unter anderem die Auszeichnung des Liederduos.

Die beiden haben bereits einige Wettbewerbspreise gewonnen und zeigen vermehrt ihr Können auf den Bühnen des klassischen Konzertbetriebs. Die Verbindung des klassisch-romantischen Liedguts mit zeitgenössischer Musik und selten aufgeführten Kompositionen ist die Grundlage ihrer Konzertprogramme.

Band "Gato Preto": Die Jury begründete die Auszeichnung der Band wie folgt: "Die Band 'Gato Preto' vereint zwei langjährige Protagonisten der Düsseldorfer Musikszene: die Sängerin und Rapperin Carmen Brown und den Produzenten David Lee Micah. Seit 2013 sind sie als Gata Misteriosa und Lee Bass unter dem Zeichen der 'Schwarzen Katze' - so die Übersetzung des portugiesischen Bandnamens - musikalisch unterwegs. Den Ansatz des Duos mit Wurzeln in Portugal, Mosambik und Ghana verdeutlicht das aktuelle Album 'Tempo', das auf dem heimischen Plattenlabel 'Unique Records' erschienen ist. Hier verschmelzen traditionelle Elemente mit Stilen wie House, HipHop und Dancehall zu clubtauglicher Weltmusik. Den Überbau dieses einzigartigen Klanggefüges bildet die Ästhetik des Afrofuturismus, den 'Gato Preto' um eigene Ideen bereichern und damit die Visionen von Vordenkern wie George Clinton und Lee Perry weiterentwickeln."

Und weiter heißt es in der Begründung: "Von Düsseldorf aus pflegen 'Gato Preto' die Zusammenarbeit mit befreundeten Künstlern in aller Welt und sind dabei unlängst zu einem kulturellen Phänomen gewachsen, das mit seiner hochenergetischen Musik die Tanzflächen rund um den Globus zum Glühen bringt. [...] Ob sie in hippen Pariser Clubs oder auf Festivals in Uganda auftreten – 'Gato Preto' sind stets engagierte Kulturbotschafter der weltoffenen Musikstadt Düsseldorf und ragen als bunter Leuchtturm aus der lokalen Szene heraus."

Förderpreis für Literatur
Marlene Röder: Die Jury zeichnete Röder für ihr literarisches Schaffen aus: "Marlene Röder, die sich erzählerisch vor allem im Bereich der Belletristik für Jugendliche und junge Erwachsene ab 14 Jahren bewegt, versteht sich insbesondere darauf, das emotionale Erleben ihrer Protagonisten aus verschiedenen Perspektiven spannend und berührend zu erzählen. Sie ist in der Lage, die bevorzugten Themen dieser Zielgruppe, wie zum Beispiel das Erwachsenwerden, die erste Liebe oder Gruppenzugehörigkeit etc., realistisch zu erfassen und zu beschreiben. Damit trifft sie nicht nur den Nerv der jüngeren Generation, sondern zieht durch ihre phantasievolle, sensible wie auch technisch versierte Erzählweise auch zahlreiche Leserinnen und Leser anderer Altersgruppen in ihren Bann."

Seit Ihrem 14. Lebensjahr schreibt Röder eigene Erzählungen; damals war sie so alt wie nun viele ihrer Leserinnen und Leser. Sie hat für ihr literarisches Schaffen bereits in der Vergangenheit Preise und Auszeichnungen im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur erhalten.

Förderpreis für Wissenschaften
Junior-Professorin Dr. Annika Herr: "Dr. Annika Herr (geboren 1980) ist eine der bekanntesten jungen Gesundheitsökonomen Deutschlands. Trotz ihres jungen Alters hat sie schon sehr wichtige Beiträge zu diversen gesundheitsökonomischen Themen geleistet. [...] Die empirische Gesundheitsökonomie ist in Deutschland noch relativ schwach entwickelt. Frau Herr trägt mit ihrer Forschung dazu bei, diese Forschungslücke zu schließen", so begründete die Jury unter anderem die Auszeichnung Dr. Herrs.

Seit 2012 ist Dr. Herr als Junior-Professorin für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Gesundheitsökonomik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig. Sie forscht in vielen Bereichen, die die Lebenswirklichkeit der Menschen unmittelbar betreffen. So widmet sie sich etwa der empirischen Analyse der Effizienz und Qualität von Pflegeheimen, der experimentellen Analyse von Anreizen zur Organspende und wie sich diese steigern lässt oder der theoretischen und empirischen Analyse des Wettbewerbs im Arzneimittelmarkt. "Angesichts der Tatsache, dass Evidenzbasierung auch in der Gesundheitspolitik zunehmend wichtiger wird, ist der gesellschaftliche Wert der Forschung von Frau Herr kaum zu überschätzen", so die Jurybegründung.

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