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Stadtgrün

Sommerserie: Sechs Wochen, sechs Zukunftsbäume für Düsseldorf

Folge 5: Die Pionierin

Die Purpur-Erle wartet nicht auf die Zukunft – sie lässt sie mit jedem Meter, den sie wächst, schneller Wirklichkeit werden


Erstellt:
Redaktion: Frisch, Michael

Nicht jeder Zukunftsbaum braucht Jahrzehnte, um seine Wirkung zu entfalten. Manche legen schon in jungen Jahren ein beeindruckendes Tempo vor. Die Purpur-Erle gehört genau zu diesen Bäumen. Während andere Arten erst langsam eine schattenspendende Krone entwickeln, wächst sie erstaunlich schnell heran und verbessert das Stadtklima schon nach vergleichsweise kurzer Zeit.

Mit jeder Folge der Sommerserie "Sechs Wochen, sechs Zukunftsbäume für Düsseldorf" stellt das Gartenamt einen Baum vor, der auf seine ganz eigene Weise zeigt, wie das Stadtgrün von morgen aussehen kann. Denn Zukunftsbäume müssen nicht alles können – entscheidend ist, dass jede Art ihre eigenen Stärken mitbringt. So beeindruckt etwa der Trompetenbaum mit seinen herzförmigen Blättern und deren kühlender Wirkung, der Feldahorn als Heimatheld mit besonderem Wert für Biodiversität, die Ungarische Eiche durch ihre außergewöhnliche Langlebigkeit und der Ginkgo als "lebendes Fossil" mit seiner nahezu einzigartigen Widerstandskraft über Jahrmillionen hinweg. Die Purpur-Erle ergänzt diese Reihe um eine weitere entscheidende Eigenschaft: Sie wächst besonders schnell und entfaltet dadurch ihre klimatische Wirkung früher als viele andere Stadtbäume. Gerade das macht sie zu einer wichtigen Begleiterin auf dem Weg zur klimaresilienten Stadt.

"Wer heute Bäume pflanzt, gestaltet das Düsseldorf von morgen. Deshalb brauchen wir Baumarten, die möglichst früh ihre Wirkung entfalten und gleichzeitig langfristig gesund bleiben. Die Purpur-Erle zeigt, dass beides möglich ist", betont Umweltdezernent Jochen Kral.

Ein Baum, der Tempo macht
Die Purpur-Erle (Alnus × spaethii) ist eine vergleichsweise junge Baumart. Entstanden ist sie als Kreuzung aus der Japanischen und der Kaukasischen Erle und wurde im traditionsreichen Arboretum Späth in Berlin ausgewählt. Heute zählt sie zu den vielversprechendsten Zukunftsbäumen für Parks und Straßenräume.

Schon ihr Austrieb macht sie unverwechselbar. Im Frühjahr erscheinen ihre Blätter zunächst in einem auffälligen Purpurton, bevor sie sich kräftig grün färben. Zusammen mit ihrer lockeren, später breit ausladenden Krone verleiht ihr das ein markantes Erscheinungsbild. Ihre größte Stärke liegt jedoch im Wachstum: Junge Purpur-Erlen wachsen in den ersten Jahren besonders zügig und können in ihrer Jugendphase jährlich rund 40 bis 80 Zentimeter zulegen. Dadurch entsteht schon nach vergleichsweise kurzer Zeit eine geschlossene Baumkrone, die Schatten spendet und Straßenräume deutlich angenehmer macht. 

Schneller Schatten für heiße Städte
Gerade in Zeiten extrem heißer Sommer gewinnt dieser Vorsprung an Bedeutung. Während viele Baumarten Jahrzehnte benötigen, um ihre volle Wirkung zu entfalten, verbessert die Purpur-Erle bereits in jungen Jahren das Mikroklima. Ihre dichte Krone beschattet Asphalt, Gehwege und Fassaden, wodurch sich versiegelte Flächen deutlich weniger aufheizen. Gleichzeitig verdunstet sie über ihre Blätter Wasser und trägt so dazu bei, ihre Umgebung auf natürliche Weise zu kühlen.

Hinzu kommt ihre beachtliche Anpassungsfähigkeit. Die Purpur-Erle verträgt Hitze, Wind und städtische Belastungen ausgesprochen gut. Sie gilt als robust, pflegeleicht und anspruchslos gegenüber unterschiedlichen Bodenverhältnissen. Dadurch eignet sie sich hervorragend für Straßenräume – etwa an der Schadowstraße – ebenso wie für Parks oder größere Grünanlagen. Ihr Laub bleibt außergewöhnlich lange am Baum. Oft trägt sie ihre Blätter bis weit in den Herbst, teilweise sogar bis in den Winter hinein. So wirkt sie länger als viele andere Baumarten klimaregulierend und prägt das Stadtbild mit frischem Grün.

"Gerade in dicht bebauten Quartieren brauchen wir Baumarten, die möglichst schnell ihre positive Wirkung entfalten und gleichzeitig langfristig stabil bleiben. Die Purpur-Erle verbindet beides", sagt Gartenamtsleiterin Doris Törkel.

Früh da – auch für die Natur
Wie alle Erlen lebt auch die Purpur-Erle in enger Gemeinschaft mit sogenannten Frankia-Bakterien. Dabei handelt es sich um Bodenbakterien, die mit den Wurzeln der Erle eine Symbiose eingehen – eine Lebensgemeinschaft, von der beide Partner profitieren. Die Bakterien dringen in die Wurzeln ein und bilden dort kleine Verdickungen, sogenannte Wurzelknöllchen. In diesen Knöllchen können sie Stickstoff aus der Luft in eine Form umwandeln, die Pflanzen aufnehmen und für den Aufbau von Blättern, Holz und anderen Pflanzenteilen nutzen können. Im Gegenzug versorgt die Erle die Frankia-Bakterien mit Zucker und weiteren Nährstoffen, die sie durch die Fotosynthese bildet, und bietet ihnen zudem einen geschützten Lebensraum an ihren Wurzeln. Dank dieser besonderen Zusammenarbeit können Erlen auch Standorte besiedeln, deren Böden nur wenig Stickstoff enthalten. Gleichzeitig wird der Boden langfristig angereichert – ein natürlicher Vorteil, von dem auch andere Pflanzen profitieren.

Bereits sehr früh im Jahr erscheinen zudem ihre Kätzchenblüten und liefern Pollen – vor allem für früh fliegende Wildbienen und andere Insekten. Zwar zählt die Purpur-Erle nicht zu den bedeutendsten Trachtbäumen, sie ergänzt das Nahrungsangebot jedoch genau dann, wenn viele andere Gehölze noch nicht blühen. Gleichzeitig bieten ihre dichte Krone, Zweige und Rinde zahlreichen Vogel- und Insektenarten Schutz und Lebensraum.

Die Purpur-Erle wartet nicht darauf ein Zukunftsbaum zu sein – sie legt sofort los
Die Düsseldorfer Zukunftsbaumliste zeigt, dass Klimaresilienz viele Gesichter haben kann. Manche Arten überzeugen durch ihre enorme Lebenserwartung, andere durch ihre besondere Trockenheitsverträglichkeit oder ihren Wert für die Artenvielfalt. Die Purpur-Erle beweist, dass auch Wachstumsgeschwindigkeit ein entscheidender Beitrag zur Klimaanpassung sein kann. Denn jeder Sommer, in dem ein junger Baum bereits Schatten spendet und seine Umgebung kühlt, ist ein Gewinn für Düsseldorf. Die Purpur-Erle wartet nicht darauf, irgendwann ein Zukunftsbaum zu sein – sie beginnt sofort damit.

Baumdetektive
So erkennen Sie die Purpur-Erle
•    Im Frühjahr treiben ihre Blätter zunächst in einem auffälligen Purpurrot aus – daher ihr Name
•    Später färbt sich das Laub dunkelgrün und bleibt außergewöhnlich lange am Baum, oft bis weit in den Herbst
•    Junge Purpur-Erlen wachsen besonders schnell und entwickeln schon früh eine dichte, schattenspendende Krone
•    Mit ihrer breit-pyramidalen Wuchsform erreicht sie meist Höhen von bis zu 15 Metern und eignet sich deshalb auch für kleinere Straßenräume

Ausblick
Zum Abschluss der Sommerserie wartet noch einmal ein echter Verwandlungskünstler. Die Blasenesche (Koelreuteria paniculata) bleibt vergleichsweise klein und eignet sich deshalb hervorragend für schmale Straßen, kleine Plätze und Privatgärten. Gleichzeitig trotzt sie Hitze und Trockenheit, überrascht im Hochsommer mit leuchtend gelben Blüten als wertvolle Nahrungsquelle für Insekten und begeistert im Herbst mit einer spektakulären gelb-orangen Färbung. Ihren Namen verdankt sie den auffälligen, lampionartigen Fruchtständen, die ihre Krone bis weit in den Herbst schmücken. Warum dieser Baum zu den vielseitigsten Zukunftsbäumen Düsseldorfs zählt und die Sommerserie mit einem echten Farbspektakel beendet, erfahren Sie im sechsten und letzten Teil.

Bilder von der Purpur-Erle gibt es zur redaktionellen Verwendung unter:  https://duesseldorf.canto.de/b/S5A5H

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