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Kultur

"Frühlings Erwachen" neu erzählt von Schülern im Theatermuseum

Die Jugendlichen stellen ihre Performance- und Kunst-Collage am Samstag, 1. April, vor


Erstellt:
Redaktion: Meissner, Valentina

Frank Wedekinds Kindertragödie "Frühlings Erwachen" zählte Anfang des 20.Jahrhunderts zu den skandalträchtigsten Dramen seiner Zeit. 1891 geschrieben, aber erst 1906 uraufgeführt, versuchte es, Konflikte, Träume und Abhängigkeiten pubertierender Jugendlicher offen und schonungslos darzustellen und ein Signal gegen die repressive und leistungsfixierte Erwachsenenwelt des wilhelminischen Reiches zu setzen. Wedekind selber hat sein Stück in einem Brief als einen Versuch bezeichnet, "die Erscheinungen der Pubertät bei der heranwachsenden Jugend poetisch zu gestalten…, um derselben, wenn möglich bei Erziehern, Eltern und Lehrern zu einer humaneren, rationelleren Beurteilung zu verhelfen."

Ein Jahrhundert später haben sich nun Schüler und Schülerinnen der Jahrgangstufen 5 bis 10 des Humboldt-Gymnasiums aufgemacht das Stück und seinen zeitlosen Kanon an Jugendthemen in ihre Lebenswirklichkeit zu übertragen. Geleitet wird das Projekt vom Theatermuseum der Landeshauptstadt, dessen Stifterehepaar, Louise Dumont und Gustav Lindemann, Wedekinds Erstlingswerk bereits wenige Monate nach seiner Berliner Uraufführung auch in Düsseldorf auf den Spielplan setzte. Idee und Konzept für das Theater- und Kunstprojekt stammen von der Schauspielerin und Theaterpädagogin Astrid Mühle, die zu den langjährigen freien Mitarbeiterinnen des Museums gehört; finanziell unterstützt wird es durch das Bildungsprogramm "Jugend, Kultur und Schule" des Kultur-, Schulverwaltungs- und Jugendamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Entstanden ist eine einzigartige Performance- und Kunst-Collage, die in nahezu allen Räumen des Theatermuseums spielt und zwischen denen sich der Besucher frei bewegen kann. Gezeigt wird sie am Samstag, 1. April. Startpunkt ist um 13.30 Uhr der Schulhof des Humboldt-Gymnasiums an der Pempelforter Straße. Gemeinsam ziehen dann alle Teilnehmer in einem musiktheatralischen Akt durch den Hofgarten zum Theatermuseum, das ab 14 Uhr seine Türen für dieses Theaterfest öffnet. Bis 18 Uhr werden alle entstandenen Minidramen mehrfach wiederholt. Die bühnenbildnerischen Installationen werden auch über den Tag hinaus, bis Ende Mai, im Theatermuseum, Jägerhofstraße 1 zu sehen sein. Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei.

Insgesamt bot das Theatermuseum, das bereits im vergangenen Jahr zwei Theaterprojekte zu William Shakespeare mit dem Humboldt-Gymnasium realisieren konnte, 30 Schülern in den vergangenen sieben Monaten die Möglichkeit, mit unterschiedlichen Künstlern aus den Bereichen Sprechtheater, Tanztheater und Bühnenbild/Bildende Kunst auf der hauseigenen Studiobühne zu arbeiten. Ziel war es dabei nicht, das Stück als solches zu inszenieren, sondern die Teilnehmer zur Entwicklung von eigenen Szenen zu Fragestellungen wie erste Liebe, Leistungsdruck, das Erwachsenwerden, Aufklärung und sexuelle Orientierung, Lebensfreude oder Generationenkonflikt anzuregen, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen und über ihren Alltag, ihre Wünsche und Sehnsüchte zu reflektieren. Grundlage der theatralen Umsetzungen waren in erster Linie freie Improvisationen der Schüler und Schülerinnen, aus denen sich im Laufe der Zeit kleine Stücke entwickelten. Daneben konnten auch Klassen in den Unterrichtsfächern Deutsch, Kunst und Sport gewonnen werden, sich mit eigenen Beiträgen zu beteiligen. Die Ergebnisse werden als Installationen zu sehen und zu hören sein. Musikalisch unterstützt wird das Projekt durch die Big Band der Schule unter Leitung von Sebastian Eigenrauch.

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