Pressedienst Einzelansicht

Soziales Flüchtlinge

Kooperationsvereinbarung zur Unterstützung der Düsseldorfer Schulen

Drei Düsseldorfer Institutionen schließen Kooperationsvereinbarung, um Schulen professionell in ihrer täglichen Arbeit mit Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zu unterstützen


Erstellt:
Redaktion: Bergmann, Michael

Das Kommunale Integrationszentrum des Amtes für soziale Sicherung und Integration, das Zentrum für Schulpsychologie des Schulverwaltungsamtes sowie das Kompetenzteam für Lehrerfortbildung des Schulamtes für die Landeshauptstadt Düsseldorf haben jetzt eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, um Schulen professionell in ihrer täglichen Arbeit mit Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund zu unterstützen.

Die drei Partner haben bereits gemeinsame Veranstaltungen zur interkulturellen Sensibilisierung und zum Umgang mit Traumata durchgeführt. Nun gilt es, die Vernetzung weiter zu optimieren, Angebote aufeinander abzustimmen, zu koordinieren und für die Schulen transparent zu machen. Durch eine systemische und ressourcenorientierte Ausrichtung der Beratungs- und Fortbildungsangebote soll die Nachhaltigkeit sichergestellt werden. Der Blick aus unterschiedlichen Perspektiven auf Unterrichts- und Schulentwicklung soll auch Kooperationen der unterschiedlichen Akteure bei der interkulturellen Arbeit anregen und fördern. Erste gemeinsame Projekte sind bereits in Planung. Zum zweiten Schulhalbjahr 2017/2018 soll ein gemeinsames Fortbildungsprogramm erscheinen und für das Jahr 2018 ist ein Fachtag zum Thema Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund in der Schule geplant.

"Alle Düsseldorfer Schulen stellen sich diesen großen Herausforderungen und ich bin den Schulleitungen und den pädagogischen Fachkräften dankbar für ihr außergewöhnliches Engagement. Zur Unterstützung dieser ebenso wertvollen wie notwendigen Arbeit haben sich drei Institutionen zusammengeschlossen, damit es uns in Düsseldorf weiterhin gelingt, jedes einzelne Kind und jeden einzelnen Jugendlichen zu fördern und sprachliche sowie soziale und kulturelle Barrieren abzubauen", führt Stadtdirektor Burkhard Hintzsche aus.

Etwa 50 Prozent der Düsseldorfer Kinder und Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund. Sie bringen viele Sprachen mit, die in der Schule bislang noch wenig gesehen und genutzt werden. Sie sind vertraut im Umgang mit unterschiedlichen Wertvorstellungen zu Hause und in der Schule. Diese Potenziale gilt es zu erkennen, zu fördern und für die Entwicklung aller Schülerinnen und Schüler zu nutzen. Die Zusammenarbeit mit den Eltern sehen die Schulen häufig als eine große Herausforderung, hier sind neue Ansätze und Formen zu entwickeln, um auch die Eltern stärker am Schulleben zu beteiligen. Dies kann eine Atmosphäre der gegenseitigen Wertschätzung und Toleranz aufbauen.

Für schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die mit keinen oder nur geringen deutschen Sprachkenntnissen aus dem Ausland einreisen, gab es bisher in allen Schulformen Standorte, die eine sprachliche Erstförderung anboten. Im Schuljahr 2015/2016 hat sich die Anzahl der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen von 1.207 im Vorjahr auf 2.318 fast verdoppelt, so dass sich inzwischen alle Schulen an der Erstförderung beteiligen. Das bedeutet, dass sich alle Schulen mit Fragestellungen zu der Organisation, den Methoden und Inhalten der Förderung in Deutsch als Zielsprache auseinandersetzen müssen. In der Praxis sind neben den formalen Anforderungen auch die heterogenen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler insgesamt zu berücksichtigen.

Hintergrundinformationen:
Die Mehrzahl der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen kommt aus Krisengebieten. Die Situation in ihrem Herkunftsland und die Flucht haben häufig dazu geführt, dass sie gar nicht oder nur sporadisch eine Schule besuchen konnten. Viele müssen noch das lateinische Alphabet erlernen, andere haben sehr gute Schulbiografien, verfügen über mehrere Fremdsprachen, die sie in der Schule oder auf der Flucht erlernt haben, und möchten diese Kenntnisse vertiefen und möglichst schnell einen Abschluss erzielen. Kriegs- und Fluchterfahrungen haben aber nicht nur Einfluss auf die Schulbiografie, sondern wirken sich insbesondere auch auf die emotionale und soziale Entwicklung aus. Die neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen müssen Verlusterfahrungen und oftmals belastende Erlebnisse verarbeiten. Die Ankunft in der Fremde stellt sie vor neue Herausforderungen und Unsicherheiten. Auf diese sehr heterogenen Kenntnisse und Erfahrungen müssen die Schulen eingehen, sie aufgreifen und auf die positive Entwicklung ihrer neuen Schülerinnen und Schüler hinwirken.

PDF TXT