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Kultur Veranstaltungen
Erinnerungen an 1938
Landeshauptstadt und Landtag gedenken der Opfer der Pogromnacht
Kranzniederlegung und gemeinsame Gedenkstunde im Landesparlament am 9. November/Zudem finden weitere Veranstaltungen wie ein Gedenkgang und ein Gedenkgottesdienst statt
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Die Novemberpogrome von 1938 jähren sich in diesem Jahr zum 80. Mal. Eine gemeinsame Gedenkstunde von Landeshauptstadt und Landtag findet am Freitag, 9. November, im Landesparlament statt. Sie wird flankiert von einer ganzen Veranstaltungsreihe, die von Montag, 5. November, bis zum Einsetzen des Schabbat am Freitagnachmittag andauert. In Düsseldorf wie auch in allen anderen Städten des Rheinlands und Westfalens waren zwischen dem 9. und dem 11. November 1938 extrem gewalttätige Pogrome angezettelt worden, denen zahlreiche Menschen zum Opfer fielen - und die in ihrer Dimension bisher völlig unterschätzt wurden. Unzählige Geschäfte und Privatwohnungen wurden zertrümmert, Synagogen und Bethäuser in Brand gesetzt. Vor allem aber gab es Misshandlungen und Morde an der deutsch-jüdischen Bevölkerung. "An diese radikalen Gewaltausbrüche und deren Opfer zu erinnern und daraus Schlüsse für unser heutiges Zusammenleben zu ziehen, ist für uns als zivilisierte Gesellschaft, die für Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Demokratie steht, eine Selbstverständlichkeit", so Oberbürgermeister Thomas Geisel.
Ergebnisse eines landesweiten Forschungsprojekts
Zunächst stellt am Montag, 5. November, die städtische Mahn- und Gedenkstätte die Ergebnisse ihres von der Landesregierung geförderten Forschungsprojektes "Die Toten des Novemberpogroms" der Presse vor: Die Erkenntnis, dass weit mehr Menschen durch die antijüdischen Ausschreitungen zu Tode kamen als bisher angenommen, steht dabei im Zentrum. Das Forschungsteam der Mahn- und Gedenkstätte hatte es sich zur Aufgabe gemacht, alle Ermordeten oder Verstorbenen im Kontext des Novemberpogroms 1938 auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen zu erfassen und ihre Geschichte zu recherchieren. Über 430 Archive, Gedenkstätten, Forschungseinrichtungen und Spezialbibliotheken wurden konsultiert, unzählige Standesämter und Behörden in ganz NRW befragt, um die exakte Anzahl zu ermitteln.
Gespräch und Filmpräsentation
Am Dienstag, 6. November, findet um 18 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, eine Filmvorführung mit einem einführenden Gespräch statt. Die Berliner Filmemacherin Jessica Jacoby hat in jahrelanger, akribischer Recherche die Geschichte ihrer Düsseldorfer Großeltern und ihres Vaters Klaus nachvollzogen. Aus dem intensiven Rechercheprozess ist der bewegende Dokumentarfilm "ROADS" entstanden. Der Film berichtet vom Überfall in der Pogromnacht 1938 ebenso wie von den vergeblichen Ausreisebemühungen des Ehepaars Arthur und Ella Jacoby bis zu ihrer Deportation im Jahr 1941. Im Gespräch berichtet Jessica Jacoby von ihren Motiven und ihrer Recherche zu ihrem Dokumentarfilm "ROADS". Anschließend wird der rund 90-minütige Film präsentiert. Eine Kooperation der Mahn- und Gedenkstätte mit der Evangelischen und der Katholischen Kirche Düsseldorf sowie der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist kostenfrei.
Gedenkgang und Gedenkgottesdienst
Zu einem Gedenkgang und einem ökumenischen Gedenkgottesdienst laden die Evangelische und die Katholische Kirche, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Mahn- und Gedenkstätte für Donnerstag, 8. November, ein. Der Gang, der von Schülerinnen und Schülern des Humboldt-Gymnasiums gestaltet wird, begibt sich auf die Spuren der Familie Jacoby und der Ereignisse der Pogromnacht von 1938. Jessica Jacoby wird daran teilnehmen. Der Gedenkgang beginnt um 18 Uhr am Treffpunkt Sternstraße 76. Unmittelbar anschließend findet ab 19 Uhr ein ökumenischer Gedenkgottesdienst in Sankt Rochus, Bagelstraße/Ecke Prinz-Georg-Straße statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich willkommen, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Kranzniederlegung und zentrale Gedenkstunde im Landtag
Für Freitag, 9. November, lädt die Jüdische Gemeinde zu einer Kranzniederlegung mit Gebet am Standort der ehemaligen Synagoge (Kasernenstraße/Ecke Siegfried-Klein-Straße) ein. Die Zeremonie beginnt um 11 Uhr. Oberbürgermeister Thomas Geisel, Landtagspräsident André Kuper und Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen, werden Kränze niederlegen. Männliche Teilnehmer werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Kinder der Yitzhak-Rabin-Grundschule werden hebräische Lieder singen.
Im Anschluss (12 Uhr) findet die zentrale Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag statt. Aus Anlass des 80. Jahrestags richten Landeshauptstadt und Landesparlament diese Veranstaltung gemeinsam aus. Neben den Gedenkreden von Landtagspräsident André Kuper, Oberbürgermeister Thomas Geisel, Ministerpräsident Armin Laschet und Hanna Sperling, Vorsitzende des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden von Westfalen-Lippe, wirken Schülerinnen und Schüler des St. Ursula-Gymnasiums Düsseldorf sowie die Filmemacherin Jessica Jacoby an der Gedenkstunde mit. Der Kantor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf Aaron Malinsky wird das Trauergebet "El male rachamim" singen. Die Teilnahme an der Gedenkstunde ist nur Gästen mit Einladung möglich.