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Umwelt
Neuer Rheindüker zwischen Düsseldorf und Meerbusch in Betrieb genommen
Das Düsseldorfer Abwasser fließt nun durch einen neuen Kanal unterhalb des Rheins ins Klärwerk nach Meerbusch
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Der neue Rheindüker zwischen Düsseldorf und Meerbusch ist am Dienstag, 4. Juli, seiner Bestimmung übergeben worden: Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel und Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage nahmen den Abwasserkanal, der unter dem Rhein Düsseldorf und Meerbusch verbindet, in Betrieb: Gemeinsam fuhren sie den Schieber herauf, so dass seitdem das Abwasser aus dem Düsseldorfer Norden ins Klärwerk nach Meerbusch-Ilverich fließen kann.
Oberbürgermeister Geisel: "Nach über drei Jahren Bauzeit und einer Investition von rund 11,5 Millionen Euro freuen wir uns sehr, dass der neue Düker unterhalb der Rheinsohle nun in Betrieb genommen werden kann. Durch dieses Bauwerk ist es künftig einfacher, notwendige Instandsetzungsarbeiten umzusetzen, denn ein Kanal ist immer betriebsbereit, wenn am anderen gearbeitet werden muss. Man kann sagen, dass zwischen Düsseldorf und Meerbusch nun eine weitere, sehr tiefgehende Verbindung besteht."
Bürgermeisterin Mielke-Westerlage: "Der Düker, der Meerbusch und Düsseldorf unter dem Rhein verbindet, ist ein gelebtes Beispiel interkommunaler Zusammenarbeit. Die Abwässer aus Düsseldorfs Norden werden in Meerbusch geklärt. Meerbusch kann seinerseits die Kläranlage Düsseldorf-Nord nutzen. Eine weise Entscheidung, die beide Städte schon vor mehr als 50 Jahren getroffen haben. Der neue Düker sichert diese Zusammenarbeit auf viele Jahrzehnte."
Das Düsseldorfer Klärwerk Nord wurde 1966 linksrheinisch in Meerbusch gebaut, da auf Düsseldorfer Stadtgebiet nicht mehr ausreichend Fläche verfügbar war. Das Klärwerk gehört der Landeshauptstadt Düsseldorf, dennoch wird dort ebenfalls das Abwasser der Meerbuscher gereinigt.
Drei Jahre Bauzeit/Investition von rund 11,5 Millionen Euro
Die Bauarbeiten zum Düker starteten im April 2014 mit dem Ausheben einer 27 Meter tiefen Baugrube. Hierzu wurden jeweils Schlitze (Lamellen) gebaggert, die etwa drei bis vier Meter lang, rund 40 Meter tief und etwa 1,20 Meter breit sind. Das ausgegrabene Erdreich wurde unmittelbar mit einer Stützflüssigkeit aus Bentonit ausgefüllt. Wenn die Endtiefe einer Lamelle erreicht wurde, konnte das Betonit durch Beton ersetzt werden. So entstand nach und nach eine Betonwand im Boden. Insgesamt wurden fünf bis sieben Lammellensegmente kreisförmig aneinandergefügt.
Das ergab eine Baugrube mit rund zwölf Metern Durchmesser. Im Anschluss wurde die Baugrube ausgehoben. Diese Arbeiten dauerten rund acht Monate.
Die oberirdischen Bauwerke wurden ab März 2015 gebaut. Rechtsrheinisch wurde ein sogenanntes Düker-Oberhaupt gebaut. Das ist die Stelle, an der die Verbindung zur Kanalisation hergestellt wird und das Wasser in den Düker herabstürzt. Linksrheinisch wurde parallel die 10 Meter tiefe Baugrube erstellt, die für das Ankommen der Vortriebsmaschine erforderlich ist. Zehn Monate Bauzeit wurden hierfür benötigt.
Die Vorbereitungen für den Vortrieb begannen im Januar 2016. Nachdem die Vortriebsarbeiten abgeschlossen waren, wurden in der Start- und in der Zielbaugrube die letzten Stahlbetonbauwerke errichtet. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme belaufen sich auf rund 11,5 Millionen Euro. Beim Durcharbeiten der Vortriebsmaschine wurde äußerst präzise gefahren - mit weniger als zwei Zentimeter Abweichung vom Kurs.
Erster Rheindüker aus 1960er-Jahren war beschädigt
Die Landeshauptstadt Düsseldorf betreibt bereits seit Mitte der 1960er-Jahre zwischen Lohausen und Ilverich einen knapp 900 Meter langen Abwasserdüker unter dem Rhein. Durch ihn wird das Abwasser, das im rechtsrheinischen Düsseldorfer Norden anfällt, auf die linke Rheinseite zum Klärwerk Nord in Ilverich transportiert.
Der erste Rheindüker war so konzipiert, dass zuerst ein Rohr mit rund 3,80 Metern Durchmesser gebaut wurde. Als nächstes wurden zwei nierenförmige, zusammenhängende Rohre eingebaut, damit zur Inspektion, Wartung und Reinigung jeweils das Abwasser durch eine der "Nieren" umgeleitet werden kann.
Bei einer Inspektion im Jahr 2000 konnte zwar festgestellt werden, dass der Düker nach 40 Jahren Betrieb in einem guten baulichen Zustand ist - allerdings haben sich im Laufe der Jahrzehnte Feststoffe im Düker abgesetzt, die entfernt werden mussten. Bei der Inspektion wurde festgestellt, dass die interne Trennwand zwischen den Nieren an einzelnen Punkten Schäden aufwies und undicht war. So ließ sich keine der Nieren trockenlegen, um daran arbeiten zu können. Der Aufwand und die Sicherheit für dieses Verfahren wären nicht vertretbar gewesen. Um die punktuellen Schäden im Düker zu beheben, hätte der Abwasserzufluss über Monate unterbrochen werden müssen, was als nicht realistisch verworfen wurde. Dies hätte zu großen Problemen bei der Abwasserableitung im Düsseldorfer Norden geführt.
Nach vielen Variantenuntersuchungen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen kam der Stadtentwässerungsbetrieb zu dem Entschluss, einen zweiten Düker zu bauen. Die neue Dükerröhre hat eine Länge von 978 Metern - mit Anbauten ist er rund 1.000 Meter lang. Mit Fertigstellung des neuen Dükers, kann nun zukünftig das Abwasser zu Inspektionszwecken wechselseitig zwischen den beiden parallel verlaufenden Röhren umgeleitet werden.
Interessante (technische) Details
- Wenn man durch den wasserfreien Düker läuft, hört man die Schiffschrauben der Boote auf dem Rhein.
- An der tiefsten Stelle der Rheinsohle beträgt die Überdeckung des Abwassertunnels lediglich fünf Meter.
- Die jährliche Abwassermenge, die durch den Düker läuft, entspricht rund 100 Millionen Badewannenfüllungen.
