Pressedienst Einzelansicht
Kultur Veranstaltungen
Ot(h)ello: Shakespeare im Kino
In der Filmreihe zeigt das Filmmuseum vom 8. bis 29. Juni drei Othello-Adaptionen
Erstellt:
William Shakespears Werk "Othello" zählt selbst über 400 Jahre nach seiner Verfassung im Jahr 1604 zu den größten Tragödien der Literaturgeschichte. Die Geschichte rund um den Feldherren Othello, der aus Wahn und Eifersucht heraus zunächst seine Frau Desdemona und schließlich sich selbst tötet, hat die Kulturgeschichte maßgeblich geprägt. Dabei wurde insbesondere dieses Werk im Laufe der Filmgeschichte auf vielfältige Weise interpretiert.
Die Filme varrieren innerhalb ihres Stils, ihrer Perspektive und ihrer Ästhetik. Unterschiede zeigen sich vor allem in den drei Fassungen von Orson Welles, Sergei Yutkevich und Franco Zeffirelli. Das Filmmuseum zeigt diese drei Adaptionen in einer Filmreihe mit dem Titel "Shaespeare im Kino: Othello" von Freitag, 8. Juni, bis Freitag, 29. Juni, und in Kooperation mit dem Shakespeare Festival im Globe Theater Neuss von Donnerstag, 7. Juni, bis Samstag, 7. Juli.
Dass Welles und Zeffirelli sich wiederholt mit Shakespeare-Stoffen auseinandersetzen, zeugt von einer tiefen Faszination für den Autor und sein Werk. Franco Zeffirelli verbindet in seinem "Otello" seine Ambitionen in den verschiedenen Medien Film, Oper und Theater. Ihm gelingt ein artifizieller wie interdisziplinärer Spagat, der eine außergewöhnliche Darstellung von Plácido Domingo einschließt. Welles inszeniert sich selbst als Mohr in einem vor allem stilistisch markanten Film. Insbesondere in der Sowjetunion der 1950er und 1960er-Jahre spielten Shakespeares Werke, so auch die Interpretation von Sergei Yutkevich, eine besondere Rolle – auch als kaschierte Systemkritik.
Filmprogramm im Überblick
Freitag, 8. Juni, 19 Uhr
"The Tragedy of Othello: The Moor of Venice"/"Orson Welles' Othello"
USA 1951, 92 Minuten, OmU, 35mm, FSK 16, Regie: Orson Welles, Drehbuch: Jean Sacha, Orson Welles nach einer Vorlage von William Shakespeare, Kamera: G. R. Aldo, Anchise Brizzi, George Fanto, Alberto Fusi, Oberdan Troiani, Darsteller: Orson Welles, Micheál MacLiammóir, Robert Coote u. a.
Steht die Othello Fassung von Welles auf einer Stufe mit seinen Meisterwerken "Citizen Kane" (1941) oder "The Magnificent Ambersons" (1942)? André Bazin beschrieb diesen Film in seiner Monographie über den Regisseur als eine seiner persönlichsten und charakteristischsten Arbeiten. Stilistisch bezeichnete er den Film als eine Art Gegenstück zu "Citizen Kane" und "Macbeth" (1948). Das Filmmuseum zeigt die 1991 von der Firma Castle Hill vertriebene restaurierte Fassung.
Freitag, 22. Juni, 19 Uhr
"Othello"/"Der Mohr von Venedig"
UdSSR 1956, 107 Minuten, DF, 35mm, ab 18, Regie: Sergei Yutkevich Drehbuch: Sergei Yutkevich nach einer Vorlage von William Shakespeare, Kamera: Yevgeni Andrikanis, Darsteller: Sergey Bondarchuk, Irina Skobtseva, Andrei Popov u. a.
Über die sowjetische Verfilmung des Shakespeare-Stoffes hat Chaplin gesagt, es sei der größte historische Film, der je gedreht wurde. Die Liebestragödie tritt in den Hintergrund, viel mehr richtet Yutkevich den Fokus auf seine Karriere als General und erzählt damit den Othello-Stoff aus einer ganz persönlichen Perspektive. Gezeigt wird die Synchronfassung der DEFA.
Freitag, 29. Juni 19 Uhr
"Otello"
IT 1986, 118 Minuten, OmU, 35mm, ab 18, Regie: Franco Zeffirelli, Drehbuch: Franco Zeffirelli, Masalino d'Amico nach einer Vorlage von Arrigo Boito (libretto), William Shakespeare, Kamera: Ennio Guarnieri, Darsteller: Plácido Domingo, Katia Ricciarelli, Justino Díaz u. a.
Zeffirelli hält sich relativ nah an das Libretto von Arrigo Boito und Verdis Musik und transformiert den Stoff mit einigen Kürzungen in ein filmisches Werk. Zwischen der Oper und dem Film gibt es lediglich einen Längenunterschied von 20 Minuten. Mit filmischen Mitteln transformiert Zeffirelli die Oper in ein anderes Medium – sei es auf der Ebene des In-Szene-Setzens von Imagination, speziellen Soundeffekten oder der Verwendung von Rückblenden.