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Kultur
Stadtbüchereien an der Spitze der Beliebtheits-Skala
1.362.116 Menschen besuchten die Stadtbüchereien im Jahr 2016/Weitere 2.066.979 virtuelle Besucher und Besucherinnen nutzten die Angebote im Internet
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Der Erfolg einer Bibliothek kann im digitalen Zeitalter nicht mehr ausschließlich über physische Besuche und die Anzahl der ausgeliehenen Medien definiert werden. Der neue Jahresbericht der Stadtbüchereien Düsseldorf versteht sich daher nicht mehr einzig als Bilanz im quantitativen Sinn. Er will Trends und Tendenzen abbilden und hat mit einer Vielzahl von Autoren und Themen und neuer grafischer Gestaltung einen Magazin-Charakter angenommen.
Dr. Norbert Kamp, Direktor der Stadtbüchereien, und Klaus Peter Hommes, Abteilungsleiter Bestandsaufbau, Sacherschließung und Fachinformation, gaben am Donnerstag, 22. Juni, Einblick in die Leistungen und Schwerpunkte des vergangenen Jahres und einen Ausblick in die Zukunft.
Die Düsseldorfer Bürgerschaft und ihre Bibliothek
Für rund 16.000 Bürgerinnen und Bürger, die im Jahr 2016 im Rahmen einer Befragung des Amtes für Statistik und Wahlen die Chance hatten, ihre persönliche Einschätzung über das Leben in Düsseldorf abzugeben, stehen die Stadtbüchereien an der Spitze der Beliebtheits-Skala. Bei der Frage nach der Zufriedenheit mit verschiedenen kommunalen Angeboten und Dienstleistungen erzielten sie die beste Beurteilung.
1.362.116 Menschen besuchten die Stadtbüchereien im Jahr 2016; weitere 2.066.979 virtuelle Besucher und Besucherinnen nutzten ihre Angebote im Internet. 10.888 davon waren Neukunden im Jahr 2016. Die Gesamtausleihe betrug 4.972.090 Medien.
Diese Eckzahlen spiegeln deutlich einen Trend: Die Menschen kommen nicht mehr nur zum Ausleihen in die Bibliothek, sondern sie nutzen sie als Treffpunkt, als Arbeitsraum, als Lernort und "zweites Wohnzimmer". Auch die Verweildauer hat zugenommen, daher finden Angebote wie die Lesecafés in den Stadtteilbüchereien sowie Getränke- und Snackautomaten und die neue Handy- und Tablet-Ladestation in der Zentralbibliothek starken Zuspruch. Der Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen hat es mit dem Slogan "The place to be" auf den Punkt gebracht: Die Bibliotheken werden zunehmend zum "dritten Ort" zwischen Privatsphäre und öffentlichem Raum.
Drei Bereiche standen 2016 im Fokus der Arbeit, um den Kundinnen und Kunden die Plattform zu bieten, die sie sich wünschen:
1. Lernort
Eines der bevorzugten Dinge, die Menschen in einer Bibliothek tun, ist Lernen. Die Stadtbüchereien machen daher zahlreiche Angebote für Schulen und Kindertagesstätten, zum Beispiel:
• Ein umfangreiches Programm an Führungen mit unterschiedlichen Konzepten für alle Altersstufen
• Workshops, Veranstaltungen und Bilderbuchkinos zum Gruppenbesuch
• Projekttage in den Büchereien
• Medienboxen zu über 100 Themen und Klassensätze zum Ausleihen
Ebenso unterstützen sie das individuelle Lernen, zum Beispiel mit:
• Medien zum Spracherwerb im "Lesegarten"
• Schülercenter
• "Erste Hilfe Facharbeit"
• E-learning-Angebot in der onlineBibliothek
• 284 Publikums-Arbeitsplätze in der Zentralbibliothek
Wie gefragt die Zentralbibliothek als individueller Lernort ist, zeigt ein Blick in das Obergeschoss ab 14 Uhr. Dort ist es häufig schwierig, noch einen freien Arbeitsplatz zu ergattern oder gar einen Tisch für die Gruppenarbeit an einem Referat.
2. Internationaler Begegnungspunkt
Einen besonderen Orientierungsbedarf haben Menschen, die aus anderen Ländern und Kulturen zu uns kommen. Im Rahmen unseres Willkommens-Projektes haben wir mit Unterstützung des Landes NRW ein Setting geschaffen, in dem sich Menschen aus aller Welt willkommen fühlen dürfen:
• Spezieller Bestand für die Bedürfnisse von Neuankömmlingen mit gesonderter Aufstellung und Kennzeichnung
• Zielgruppengerechte Führungen
• Zweisprachige Autorenlesungen
• Moderiertes Willkommen-Café jeden 1. Donnerstag im Monat, 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr
• Schulung und Einstimmung unseres Teams auf eine Willkommenskultur
Das inzwischen vom Land genehmigte Folgeprojekt "Zusammen leben in Düsseldorf" mit einem Gesamtvolumen von rund 47.000 Euro ermöglicht eine weitere konsequente Öffnung der Zentralbibliothek in Richtung eines multikulturellen Zusammenlebens.
3. Ankerort für die digitale Welt
Wer vorwiegend die digitalen Angebote oder die Social-Media-Kanäle nutzt, wünscht sich meistens trotzdem weiter eine Anbindung an die "reale" Bibliothek. Die onlineBibliothek der Stadtbüchereien Düsseldorf profitiert beispielsweise stark durch die regelmäßigen Einführungsveranstaltungen – live und durch lebende Personen. Die Verknüpfung zwischen der digitalen Welt und dem "real life" wird daher als eine der Zukunftsaufgaben angesehen.
Über das Projekt "Ausgefuxt – Azubis bei den Stadtbüchereien Düsseldorf" wurden 2016 bereits die Auszubildenden der Stadtbüchereien darauf eingestimmt. Die vier Azubis haben über das Jahr im Blog der Stadtbüchereien sowie auf Facebook und Twitter regelmäßig Einblicke in ihren Ausbildungsalltag gegeben. Zur Seite stand ihnen "Fux", eine Comicfigur, die der Düsseldorfer Künstler Ulf K. hierfür entwickelt hat. Zielsetzung des Projektes war auch, andere Jugendliche für die Ausbildung zu Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste zu interessieren.
Ein neues Veranstaltungsformat entwickelte die Zentralbibliothek mit dem #blogsofa. Bloggerinnen und Blogger aus dem Raum Düsseldorf finden hier ein Zuhause. Mit der Moderatorin Wibke Ladwig, die als "Social Web Ranger" unterwegs ist, nehmen sie auf dem bunt gestreiften Sofa Platz, stellen ihren Blog vor und kommen miteinander ins Gespräch. Die Veranstaltung wird live in die sozialen Netzwerke gestreamt, und die aufgestellte Twitterwall zeigte durch die vielen Kommentare, dass sie breit wahrgenommen wurde. Kurzzeitig war der Hashtag #blogsofa im Twittertrend sogar Spitzenreiter vor der gleichzeitig stattfindenden #krone16 des Radiosenders 1Live.
Blick in die Zukunft
Laut Ratsbeschluss vom 18. Mai 2017 wird die Zentralbibliothek in das Gebäude Konrad Adenauer Platz 1 (KAP1) umziehen. Voraussichtlicher Umzugstermin ist im Frühjahr 2021.
Mit einer deutlichen Vergrößerung der Fläche auf 7.750 Quadratmeter im Publikumsbereich können die Stadtbüchereien den Bedürfnissen der Nutzerinnen und Nutzer entgegenkommen und sind für die Weiterentwicklung gut gerüstet. Die Anzahl der Publikumsarbeitsplätze kann auf 600 erhöht werden; es werden auch Gruppenräume zur Verfügung stehen. Kinder- und Jugendbibliothek erhalten getrennte Räumlichkeiten, um den unterschiedlichen Interessen der Altersgruppen Rechnung zu tragen. Ein Veranstaltungsraum mit moderner Technik sowie ein Lesecafé komplettieren das Angebot entsprechend der Nachfrage.
Mit der Innengestaltung ist das Architekturbüro Schrammel aus Augsburg beauftragt. Es hat bereits zahlreiche Kulturbauten betreut, unter anderem den viel gelobten Innenausbau der Zentralbibliothek Hanau.
Das Anforderungsprofil für die Bibliothek der Zukunft wird aktuell mit der Einrichtung eines "LibraryLab" in der jetzigen Zentralbibliothek erhärtet, in dem Besucherinnen und Besucher bereits ab Herbst 2017 neue Dinge ausprobieren können. Hier wird digitale Technik erfahrbar; man kann zum Beispiel in der "Virtual Reality Lounge" virtuelle Welten gemeinsam erkunden. Publikums-Eröffnung ist am 14. Oktober.
Der Jahresbericht der Stadtbüchereien ist auch abrufbar im Internet unter www.duesseldorf.de
