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Gesundheit Jugend

"Unsichtbare" Kinder sichtbar machen

Jugendamt und Gesundheitsamt sind Gastgeber der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft "Kinder psychisch erkrankter Eltern"/Ziel ist eine fachübergreifende Zusammenarbeit, um betroffene Familien zu unterstützen


Erstellt:
Redaktion: Bieker, Manuel

In Deutschland leben rund drei Millionen Kinder und Jugendliche mit einem psychisch erkrankten Elternteil. Häufig sind die Eltern krankheitsbedingt nicht in der Lage, ihre Kinder emotional und materiell ausreichend zu versorgen. Die Kinder sind deshalb besonderen Belastungen und verschiedenen psychischen und entwicklungsbedingten Risikofaktoren ausgesetzt. Ihre emotionalen Grundbedürfnisse nach Zuwendung, Nähe und Liebe können nicht erfüllt werden. Die Familie leidet häufig unter prekären Lebenssituationen wie Arbeitslosigkeit oder Partnerschaftskonflikten. Verunsicherung und Konflikte bestimmen den Alltag. Das gilt besonders dann, wenn nur ein Elternteil vorhanden ist.

Um betroffene Familien zu unterstützen und auf die Problematik aufmerksam zu machen, entwickelt die Bundesarbeitsgemeinschaft "Kinder psychisch erkrankter Eltern" seit ihrer Gründung im Jahr 2006 Initiativen und Foren. In diesem Jahr sind das Jugendamt und das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf Gastgeber der digitalen Jahrestagung. Unter dem diesjährigen Titel "Hürden und Hilfen - Lösungsansätze intersektoraler Zusammenarbeit" tauschen sich am Freitag, 18. Juni, rund 230 bundesweite Experten aus den Bereichen der Jugend-, der Gesundheits- und der Suchthilfe digital zu "Hürden und Hilfen" in der Arbeit mit betroffenen Familien aus. Dabei liegt der Fokus darauf, dass die Zusammenarbeit der Berufsgruppen und der Systeme verstärkt werden soll.

Die mittel- und langfristigen Folgen einer psychischen Erkrankung von Eltern sind oft besonders gravierend. Viele Kinder tun alles, um den Anschein einer "normalen" Familie zu wahren. Nicht selten übernehmen bereits junge Kinder Versorgungsaufgaben im Alltag: das Eltern-Kind-Verhältnis ist auf den Kopf gestellt. So können die tatsächlichen Belastungen von außen über Jahre nicht erkannt werden. Etwa 60 Prozent der betroffenen Kinder psychisch kranker Eltern entwickeln jedoch im Laufe ihres Lebens eine eigene psychische Auffälligkeit.

Psychische Erkrankungen sind nach wie vor schambehaftet, darüber zu sprechen fällt schon innerhalb der Familie schwer. Vielfach fehlt den Eltern die Kraft und der Mut, die nötige Unterstützung für sich und ihre Kinder zu mobilisieren. Daher sind Aufklärung und niedrigschwellige Hilfsangebote dabei unabdingbar.

"Gemeinsam für psychisch belastete Familien"
In Düsseldorf bestehen bereits seit vielen Jahren Kooperationsstrukturen und integrierte Handlungsansätze zwischen den verschiedenen Ämtern, Fachbereichen und freien Trägern. Das Projekt "Gemeinsam für psychisch belastete Familien", das in diesem Jahr im Stadtbezirk 1 angelaufen ist und vom Landschaftsverband Rheinland finanziert wird, ist ein weiteres Beispiel für eine gelungene Kooperation von Jugend-, Gesundheits- und Suchthilfe. Es ist zudem ein Praxisbeispiel der fachübergreifenden Zusammenarbeit im Rahmen des Düsseldorfer "Präventionskonzeptes U27".

Mithilfe des Projektes wird eine lückenlose Präventionskette für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ermöglicht. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die in schwierigen Lebensverhältnissen leben, sollen keine Benachteiligung in Bildung, Gesundheit, Erziehung und Teilhabe erfahren. Weitere Informationen zum "Präventionskonzept U27" gibt es auf der städtischen Webseite unter www.duesseldorf.de/jugendamt/wir/fth/duesseldorfer-praeventionsketten.html.

Fachstelle zur Stärkung der psychischen Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen
Die neue Fachstelle des Gesundheitsamtes ist zudem seit dem 1. Dezember 2020 Anlaufstelle für psychisch belastete junge Menschen im Alter von 0 bis 27 Jahren, ihr soziales Umfeld und für sie zuständige Fachkräfte. Die Mitarbeitenden unterstützen bei der individuellen Suche nach Lösungen und Perspektiven.

In der Initiative "Psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen stärken" haben sich das Gesundheitsamt und das Jugendamt der Landeshauptstadt Düsseldorf mit Unterstützung durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) zusammengeschlossen, um pädagogische Fachkräfte zu schulen und betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern niedrigschwellig psychologisch-psychiatrische Hilfen anzubieten. Eine Förderung des LVR ermöglicht es, im Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes eine Anlaufstelle für die Belange psychisch kranker Kinder und Jugendlicher einzurichten und gemeinsam mit dem Jugendamt präventive Angebote zu entwickeln.

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